VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Identität im Spiegel der Interdisziplinarität: Sprach-, Literatur- und Sozialwissenschaften im Dialog"
RessourcentypCall for Papers
TitelIdentität im Spiegel der Interdisziplinarität: Sprach-, Literatur- und Sozialwissenschaften im Dialog
BeschreibungLiebe Kolleginnen und Kollegen,

anbei finden Sie den Call for Papers für die deutsch-französische Tagung „Identität im Spiegel der Interdisziplinarität: Sprach-, Literatur- und Sozialwissenschaften im Dialog“, die am 27. November 2015 in Berlin (Zentrum Marc Bloch) stattfinden wird. Ziel der Tagung ist, den Begriff „Identität“ anhand methodischer Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen sowie aus beiden (deutsch- und französischsprachigen) wissenschaftlichen Traditionen zu hinterfragen.

Die Tagung richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen, insbesondere Promovierende. Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch. Es wird keine Simultanübersetzung angeboten.

Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag (max. 500 Worte) bis spätestens 31.05.2015 an folgende Adressen: naomi.truan@ens-lyon.fr; dchemeta@gmail.com; lea.renard@iepg.fr. Für weitere Informationen oder Nachfragen stehen wir Ihnen gerne unter diesen Adressen zur Verfügung. Zusagen über angenommene Beiträge werden bis zum 25.06.2015 verschickt.

Nach Möglichkeit werden die Reise- und Übernachtungskosten sowie die Verpflegung vor Ort für die TeilnehmerInnen bis zu 135 EUR übernommen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie den Call for Papers auch in Ihren Netzwerken weiterleiten.

Mit den besten Grüßen
Das Organisationsteam

Naomi Truan, Université Paris IV-Sorbonne / Freie Universität, Berlin / Centre Marc Bloch
David Chemeta, Université de Strasbourg
Léa Renard, Université de Grenoble / Université de Potsdam / Centre Marc Bloch

------------

In den aktuellen medialen und politischen Debatten taucht der Begriff „Identität“ immer wieder vermehrt auf, bspw. in den Diskussionen über den Multikulturalismus oder die Herausbildung einer gemeinsamen europäischen Identität. Obwohl sich unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen den Begriff „Identität“ zu eigen machen, bleibt der Gebrauch dieses theoretischen Begriffs in der Praxis oft hermetisch.

Diese deutsch-französische Tagung für NachwuchswissenschaftlerInnen thematisiert diese Undurchlässigkeit zwischen den Sozial-, Literatur- und Sprachwissenschaften. Ziel der Tagung ist es, den Begriff „Identität“ anhand methodischer Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen sowie aus beiden (deutsch- und französischsprachigen) wissenschaftlichen Traditionen zu hinterfragen. Dabei stehen mögliche Schnittpunkte und Überlappungen zwischen den Sozial-, Literatur- und Sprachwissenschaften im Fokus.

Über den schwierigen Dialog zwischen Linguistik und Sozialwissenschaften

Obgleich der Zusammenhang zwischen linguistisch-diskursiven Praktiken, Identitätsbildung und Machtverhältnissen ein klassischer Gegenstand der Sozialwissenschaften darstellt, haben interdisziplinäre Ansätze bisher noch zu wenig zu empirischen Studien auf diesem Gebiet geführt. Die Arbeiten von diversen Forschern, wie z.B. Reinhart KOSELLECK, Christian GEULEN (Begriffsgeschichte) oder auch Niklas LUHMANN in diachronischer Semantik haben keinen neuen interdisziplinären, deutsch-französischen Weg eingeschlagen, obgleich Forscher wie Jacques GUILHAUMOU oder Dietrich BUSSE sich darum bemüht haben.

Die Diskursanalyse zum Beispiel, die sich als interdisziplinäres Forschungsfeld (oder -methode) an der Schnittstelle zwischen Linguistik und Sozialwissenschaften befindet, ist in Deutschland und Frankreich in sehr verschiedene Ansätze gemündet. So ist die deutsche, von FOUCAULT beeinflusste Diskursanalyse, die in den „Diskursregeln“ die Offenbarung der „Gesellschaftsregeln“ zu sehen vermag (WEDL, 2007: 51), vor allem soziologisch geprägt, während die französische Schule der Diskursanalyse auf die Linguistik fokussiert.


Identität(en): ein Forschungsgegenstand am Scheideweg der Disziplinen

Im Hinblick auf das Thema dieser Tagung ist die scheinbare Undurchlässigkeit der verschiedenen Disziplinen umso erstaunlicher, als der Begriff „Identität“ für eine dezidiert interdisziplinäre Vorgehensweise geeignet ist. Wie ist das Zusammenspiel zwischen sozialen und diskursiven Identitäten zu deuten? Wie ist die „Performativität“ der Sprache (Judith BUTLER), also der Aufbau einer sozialen Realität durch die Sprache zu denken? Jede interdisziplinäre Überlegung zu dieser Frage setzt deren Kontextualisierung voraus: In welcher Umgebung bilden Individuen und/oder Gruppen ihre Identität(en)? Drei Forschungsrichtungen werden in diesem Kontext berücksichtigt:

1. Panel: Identität(en), Kategorie(n) und Machtverhältnisse

Wenn Identität entweder als ein Prozess der Zuschreibung von außen (insbesondere durch die herrschenden Gruppen, die über die „Benennungsmacht“ verfügen), oder als das Ergebnis dieses Prozesses betrachtet wird, kommt man zu einer Herangehensweise, die durch eine binäre Kategorisierung geprägt ist (die traditionelle Dichotomie sie/wir). Welche linguistischen Werkzeuge könnten in der Geschichte und der Soziologie übernommen werden, um die Ko-Konstruktion der Identität/Alterität zu erforschen? Wie können wiederum die Sprach- und Literaturwissenschaften die Gegebenheiten aus diesem Kontext nutzen, um die Vorherrschaft mancher „Formeln“ (Alice KRIEG-PLANQUE) im kommunikativen Raum zu verstehen? Eine Herangehensweise, die Sozialwissenschaften und Linguistik zusammenbringen würde, könnte u.a. die Analyse der Kategorien von „Rasse“, „Gender“ oder Ethnizität erneuern, seien diese getrennt oder in ihren Überkreuzungen (ihrer Intersektionalität) betrachtet.

2. Panel: Identität als ein Prozess der Selbst-Identifizierung ?

Wie eignen sich Individuen ihre Zugehörigkeiten an, oder wie erfinden sie diese neu, wenn sie unter Zwang stehen? Dieses Panel interessiert sich für empirische Fallstudien, die sich mit den diskursiven Praktiken von individuellen sowie kollektiven Akteuren befassen. Wie drücken soziale Bewegungen ihren Protest gegen externe Identifizierungen aus? Wie setzen Minderheitsgruppen ihre Identitätsansprüche durch? Kann sich die linguistische Gegenüberstellung von prä-diskursivem und diskursivem Ethos dem soziologischen Gebrauch des Begriffs Ethos (z.B. des professionellen Ethos) nähern? Dies sind einige der möglichen Fragen, die in diesem Panel zu empirischen Untersuchungen führen könnten.

3. Panel: Das Ende der Identitäten: Auf dem Weg zu einer post-identity?

Bereits ab den 1980er Jahren kam es, hervorgerufen durch eine Strömung aus dem Post-Strukturalismus, zu einer Infragestellung des Identitätsbegriffs als analytische Kategorie, die weitgehend zu oft gebraucht sei (Rogers BRUBAKER, 2001). Die Geisteswissenschaften wurden von den Forschungsarbeiten der Literaturwissenschaftler G.K. SPIVAK und Edward SAÏD sowie des Soziologen Paul GILROY inspiriert. Dies führte zum Aufkommen der Hybriditätsidee in den Post-Colonial Studies als einer Alternative zur künstlichen Steifheit des Begriffs „Identität“. Allgemein gesehen stellt sich in diesem Zusammenhang außerdem die Frage, ob dieser Begriff überhaupt noch relevant ist. Geht man nicht das Risiko ein, etwas zu reifizieren, was vielleicht nur eine diskursive Konstruktion ist, auch wenn von vielfältigen, ja widersprüchlichen Identitäten innerhalb der von vermeintlich homogenen sozialen Gruppen oder der Individuen die Rede ist?

Praktische Informationen

Die Tagung richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen, insbesondere Promovierende. Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch. Die Vorträge sollen nicht länger als 20 Minuten dauern.
Interdisziplinäre Forschungsansätze sowie monodisziplinäre Ansätze, die unterschiedliche Wissenschaftstraditionen zu vereinen versuchen, sind besonders willkommen.
Die Tagung findet am Freitag, den 27.11.2015 von 9:00 bis 17:30 im Zentrum Marc Bloch (Berlin) statt.
Nach Möglichkeit werden die Reise- und Übernachtungskosten sowie die Verpflegung vor Ort für die TeilnehmerInnen übernommen (max. 135€ für die Reisekosten).

Kalender

Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag (max. 500 Worte) mit Kurzbiografie bis spätestens 31.05.2015 an folgende Adressen: naomi.truan@ens-lyon.fr; dchemeta@gmail.com; lea.renard@iepg.fr.
Zusagen über angenommene Beiträge werden bis zum 25.06.2015 verschickt.
Für weitere Informationen über GIRAF-IFFD siehe auch die Webseite: http://www.giraf-iffd.eu

Organisationsteam

Naomi Truan, Université Paris IV-Sorbonne / Freie Universität, Berlin / Centre Marc Bloch
David Chemeta, Université de Strasbourg
Léa Renard, Université de Grenoble / Université de Potsdam / Centre Marc Bloch
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttps://cmb.hu-berlin.de/fr/la-recherche/appel-a-contributions/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortCentre Marc Bloch, Berlin
Bewerbungsschluss31.05.2015
Beginn27.11.2015
PersonName: Naomi Truan 
E-Mail: naomi.truan@ens-lyon.fr 
KontaktdatenName/Institution: Centre Marc Bloch 
Strasse/Postfach: Friedrichstr.191 
Postleitzahl: 10117 
Stadt: Berlin 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/46655

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 13.05.2015 | Impressum | Intern