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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Flüchtlinge in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur / Refugees in Contemporary German-Language Literature"
RessourcentypCall for Papers
TitelFlüchtlinge in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur / Refugees in Contemporary German-Language Literature
BeschreibungFlüchtlinge in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

(for English version, please see below)

Panel der Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien (Freie Universität Berlin)

Zeit: 10./11. November 2015
Ort: Berlin, ICI Kulturlabor / Institute for Cultural Inquiry, Christinenstr. 18/19

Thomas Hardtke, Johannes Kleine, Charlton Payne


Flüchtlinge sind außergewöhnliche Gäste. Ihre Notlage erfordert ein Verständnis von Gastfreundlichkeit, das die Gewährung von Zuflucht beinhaltet. Ihre erzwungenen oder verschlungenen Fluchtlinien sowie ihr uneindeutiger rechtlicher Status stellen Institutionen und Auffassungen von Gastfreundschaft in Frage. Natürlich ist die Geschichte der Flucht so alt wie die Existenz von klar abgegrenzten Kollektividentitäten, eine ganze Tradition literarischer Bearbeitungen von Fluchterfahrungen zeugt davon ebenso wie von der Entstehung fester Gruppenidentitätszuweisungen. Doch mit dem Aufkommen moderner Institutionen zur Bewegungskontrolle und Bewegungseinschränkung, insbesondere mit dem modernen internationalen Passwesen im 20. Jahrhundert, hat sich das Problem massiv verschärft. Stärker als je zuvor sehen Politik und Kultur Flüchtlingsbewegungen als erhebliches Problem der Gegenwart.

Die deutschsprachige Literatur nach 1989, auf der unser Augenmerk in diesem Panel liegt, bietet sowohl eine besonders breite Beschäftigung mit unterschiedlichen Fluchtnarrativen in verschiedenen historischen und politischen Kontexten, als auch ein zunehmendes Interesse für die transnationale Verfasstheit der Kontexte, in denen Flüchtlinge sich heute bewegen. Schon einige wenige Beispiele zeigen die ganze Bandbreite an: Da beschreibt Ursula Krechel die Erfahrungen von Flüchtlingen während der Nazizeit in ihrem Roman Shanghai fern von wo, beschreibt Walter Kempowski detailreich die Trecks aus Ostpreußen am Ende des Zweiten Weltkriegs in Alles umsonst und verfolgen Christoph Hein und Hans-Ulrich Treichel die schwierigen Integrationsversuche von Vertriebenen und Heimkehrern im Deutschland der Nachkriegszeit. Die letzten dreißig Jahre deutschsprachige Literatur berichten aber auch von Bosnienflüchtlingen, wie in Saša Stanišićs Wie der Soldat das Grammofon repariert, oder von Schutzsuchenden aus dem Irak in den Romanen Sherko Fatahs. Unser Panel fragt, ob diese Literaturen eine Spezifik entwickelt haben, auf die Geschichte der Repräsentation von Flucht und Flüchtlingen zuzugreifen, sie weiterzuschreiben und die Räume an der Schnittstelle von globalen und lokalen Diskursen auszuloten. Was passiert, wenn der Protagonist mit seinem Begehren, seinen Plänen, Deutungen, Bestrebungen, all den Motivationen erzählerischer Auseinandersetzung, eine Geflüchtete ist? Was unterscheidet Texte, die Fluchterfahrungen verhandeln, von denen der deutschsprachigen „Migrationsliteratur“, insbesondere angesichts der Tatsache, dass Flüchtlinge sowohl durch das erzwungene Leben an den Grenzen der Zivilgesellschaft als auch durch eine weitgehend auf extraterritoriale Räume beschränkte Bewegungsfreiheit definiert sind? Haben poetische Texte, die Fluchtbewegungen verhandeln, womöglich innovativen Einfluss auf Strategien literarischer Repräsentation über die Wahl des Sujets hinaus, etwa im Hinblick auf poetologische Ansätze und das Infragestellen der Grenzen der Erzählbarkeit selbst? Kann Literatur Alternativen aufzeigen zu existierenden politischen Topologien? Kann sie vielleicht dafür sorgen, dass Asylsuchende statt mit Verlusterfahrungen vielmehr mit politischer Sehnsucht assoziiert werden? Verschieben die Repräsentation von Gast(un-)freundlichkeit, von kollektivierenden und Alteritäten definierenden Regimes und die Schilderung von Traumata die Grenzen des Möglichen in der Literatur?

Wir laden Sie herzlich ein, einen Vorschlag für einen 20minütigen Vortrag einzureichen. Bitte schicken Sie uns bis zum 1.6.2015 ein Abstract (ca. 250 Wörter) und kurze bio-bibliographische Angaben an thomas.hardtke@fu-berlin.de.
Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen.




== English version ==

Refugees in Contemporary German-Language Literature

Section of the Annual Conference of Friedrich Schlegel Graduate School for Literary Studies (Freie Universität Berlin)

Date: 10 and 11 November 2015
Location: Berlin, ICI Kulturlabor / Institute für Cultural Inquiry, Christinenstr. 18/19

Thomas Hardtke, Johannes Kleine, Charlton Payne


Refugees embody a unique type of guest. The notion of hospitality invoked by their plight entails the provision of refuge or asylum. Their appeals to institutions or notions of hospitality issue from the compulsory or surreptitious trajectories of their movements and are further complicated by their indeterminate legal status. While the history of the refugee phenomenon is as old as the existence of demarcated group identities, with a correspondingly ancient tradition of literary treatments of variations of the storied pathways to which such ascriptions of identity give rise, the refugee has become an especially vehement problem since the rise of modern institutions of movement control and their consolidation within an international passport regime in the twentieth century. Refugees remain as pressing a concern as ever in contemporary politics and culture.

The preoccupation with refugees in literary texts written in German since 1989, which will be the focus of our section, offers a particularly rich variety of reflections upon refugee stories at different historical junctures as well as sustained engagement with the transnational contexts of contemporary refugee pathways. Indicative of this range of interest in the topic of the refugee is the depiction of refugees and expellees during the NS period in Krechel's Shanghai fern von wo, of East Prussian refugees at the end of WWII in Kempowski's Alles umsonst, or of the attempts by former refugees to integrate in postwar Germany in the novels of Treichel and Hein, as well as of the refugees from the Bosnian war in Stanišić's Wie der Soldat das Grammofon repariert or those from Iraq in the novels by Sherko Fatah. Our section would like to take a closer look at the features of this current literary intervention into historical and contemporary representations of the (hi-)stories of refugees at this intersection of local and global imaginaries.
What happens when the protagonist in pursuit of desires, intentions, explanations – that is to say, the motivating forces of narrative conflict – is a refugee? What sets the refugee apart from, for instance, the protagonists of German-language "Migrationsliteratur," especially since the defining plight of the refugee is that he or she has been forced to operate on the margins of the recognized boundaries of civic orders and to traffic extraterritorial spaces? We would like to consider the extent to which the emergence of the figure of the refugee impacts strategies of literary representation, not only in the recurrence of certain motifs but also with regard to narrative structure and the boundary-work of storytelling as such. In which ways are the diverse historical experiences of loss reflected in narrative form? How might literary texts present alternatives to existing political topologies or even challenge the association of refugees and exile with an experience of loss by emphasizing the act of fleeing as an expression of a political desire? In what ways does the representation of (in)hospitality, collectivizing and boundary-drawing regimes, or the working through of past traumas give rise to an exploration of the limits and possibilities of narrative techniques?

We invite proposals for 20 minute presentations. Please submit your abstract (250 words maximum) and a short bio-bibliographical note to thomas.hardtke@fu-berlin.de. The deadline for submissions is 1st June 2015.
You will be compensated for travel and accommodation expenses.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss01.06.2015
Beginn10.11.2015
Ende11.11.2015
PersonName: Thomas Hardtke 
E-Mail: thomas.hardtke@fu-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien 
Strasse/Postfach: Habelschwerdter Allee 45 
Postleitzahl: 14195 
Stadt: Berlin 
Internetadresse: www.fsgs.fu-berlin.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
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