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Ergebnisanzeige "Philosophie und Religion versus Literatur und Kunst (Studia Germanica Gedanensia)"
RessourcentypCall for Papers
TitelPhilosophie und Religion versus Literatur und Kunst (Studia Germanica Gedanensia)
BeschreibungDie Redaktion der Studia Germanica Gedanensia lädt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, zum 34. Band der Zeitschrift beizutragen. Das Thema des Bandes lautet:

Philosophie und Religion versus Literatur und Kunst

Es ist unmöglich, „dass ein Mensch ohne Religion seines Lebens froh werde“ (Immanuel Kant). In der Aufklärung, der Epoche der Ratio und der Religionskrise wurden die Fragen nach der Existenz Gottes, seiner Transzendenz oder Immanenz in der Welt und der menschlichen Seele immer wieder abgehandelt. Die Auseinandersetzung mit metaphysischen Existenzdimensionen, die in Philosophie, Theologie und der sog. Religionsphilosophie geführt wurde, blieb nicht ohne Einfluss auf Literatur und Kunst. Auch andere Lebensbereiche wie Ethik und Moral oder die Auffassung von solchen Grundwerten wie Freiheit, führten zur Neugestaltung der abendländischen Kultur, die von Begebenheiten der Französischen Revolution und anderen politischen Umwälzungen Europas stark geprägt wurde.

Die Literatur und Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts, die ihre Wirklichkeitsvisionen poetisch zu gestalten suchten, zielten oft auf Versöhnung der Widersprüche ab, was in der orthodoxen evangelischen Theologie nicht mehr möglich war. Und auch wenn die Grundideen der Aufklärung im Laufe der Zeit sich gewandelt haben und die Problematik der metaphysisch geprägten Innerlichkeit und der Welt- sowie Selbsterkenntnis in den nächsten Epochen anders betrachtet wurde als in der Aufklärungszeit, wurden jene Themen immer wieder aufgegriffen und weiter entwickelt. In den nächsten Epochen, in der Romantik, aber auch später um die Jahrhundertwende, thematisierten die Schriftsteller in ihren Werken die Problematik der Metaphysik und der (beschränkten) menschlichen Erkenntnis.

Da die Diskrepanzen, aber auch Zusammenhänge zwischen Glauben und Vernunft in literarischen Werken oft aufgegriffen wurden, ist eine Grenzziehung zwischen Philosophie/Religion und Literatur/Kunst in der heutigen Literaturforschung nicht mehr ausführbar.

Schriftsteller stellten gravierende Fragen nach dem Sinn der menschlichen Existenz und bildeten poetische Alternativen für den orthodoxen Glauben in verschiedener Form: durch die Mythos(um)gestaltung oder Anspielungen auf die antike Mythologie. Viele Dichter ließen sich auch – besonders in der Romantik – durch Grenzerscheinungen der Religion wie Mystik, Geisterseherei, Prophezeiung inspirieren.

Wenn jedoch die christliche Religion wegen ihrer Dogmatik im 18. Jahrhundert in Krise geriet, war jenes Zeitalter in der Philosophie eine Blütezeit, wobei die ersten Ansätze für dieses gebietsübergreifende Phänomen schon durch die rationalistische Metaphysik geschaffen wurden.

Seit Baumgarten ist die veritas aesthetica in Form der sinnlichen Erkenntnis als Ergänzung der veritas logica in die Philosophie mit einbezogen. Bei Kant gewinnen ästhetische Urteile, wo das Subjekt seine Vorstellungen nicht logisch bestimmt, sondern über sie reflektiert und auf sein „Lebensgefühl“ bezieht, den Status einer alternativen Erkenntnisart.

In der deutschen Romantik versuchten viele Dichter F. Schlegels Theorie der Universalpoesie, die die Grenzen zwischen Literatur, Religion, Philosophie und Kunst verschwimmen lässt, in die Tat umzusetzen. Schelling entwirft zu gleicher Zeit für die Kunst ein erkenntnistheoretisches Programm und sieht sie als einen Bereich an, wo sich die absolute Wahrheit offenbart.

Bei Schopenhauer und Nietzsche räumt die philosophische Reflexion der Ästhetik die höchste Priorität ein, die Literarizität der Philosophie überwiegt ihre Diskursivität, was besonders am Anfang des 20. Jahrhunderts ein weites Feld für künstlerische Gestaltung philosophischer Ideen eröffnet hat. Der kurze geschichtliche Umriss enthält nur ausgewählte Beispiele für die innige Verflechtung dieser Welt- und Menschauffassungen, in denen der Zwiespalt zwischen Denken und Erleben, Vernunft und Gefühl aufgehoben wird.

Die im 18. Jahrhundert philosophisch bewiesenen Erkenntnisbeschränkungen finden ihren Widerklang in der Literatur: es entstehen neue Gattungen und Gattungsgemische, ältere Formen werden weiterentwickelt (wie z.B. der Roman), so dass die Erkenntnisse der Philosophie auf literarischem Boden realisiert werden können.

Vom literaturgeschichtlichen Standpunkt aus scheint nicht nur die Frage nach der literarischen Realisierung von Fragen der Religion und Philosophie von Bedeutung zu sein. In den Mittelpunkt rückt eher das Problem des literarischen Sprechens über das Unsagbare und Unbegreifliche.

Wir warten auf Ihre Beiträge zur Literatur des 18., 19. und des Anfangs des 20. Jahrhunderts, die sich auf folgende Themenbereiche beziehen werden:

- existenzielle Fragen: Werte und Normen der christlichen Religion und ihre literarische Darstellung
- paradoxe Attribute Gottes und seine literarischen Vorstellungen
- Wirken/ Epiphanie Gottes in der Welt und der menschlichen Seele; Unsterblichkeit der Seele
- Gottesbeweise und Atheismus, Krise des Glaubens
- religiöse Erfahrung: christliche Kontemplation, Meditation, Gebet, Prophezeiung, mystische Zustände, Wahrsagen, religiöser Wahnsinn
- Merkmale und Formen der „poetischen Religion“
- literarisches Sprechen (und Schweigen) als Konfrontation mit dem Unaussprechlichen/ Unsagbaren
- Auffassung von Zeit und Ewigkeit: eschatologische Fragen, Apokalypse, Parusie, theologische Geschichtsdeutung als Themen der Literatur
- die Antike und Mythologie: eine Opposition oder Ergänzung des christlichen Glaubens
- Religion als Seelentherapie in der Literatur (Diäthetik)
- Folgen der Auflösung der bisher bestehenden Grenzen zwischen Philosophie/Religion und Literatur
- „das Systemprogramm des deutschen Idealismus“ als „ein ‚ästhetischer Akt“ (Hölderlin, Schelling, Hegel)
- Philosophie der Kunst als Gnoseologie / Dichter und Künstler als Metaphysiker
- das Ideal des „schönen Menschen“ als Herausforderung für Literatur und Kunst
- Ästhetik des Genies
- Philosophie des Spiels als ästhetisches Programm
- Philosophie und Kunst als „die eigentliche Heimat der Ironie“ (F. Schlegel)
-Transzendenz, Immanenz und Mythos als Raum der Welt- und Wertgestaltung

Abgabefrist ist der 8. November 2015.
Ihren Beitrag, einschließlich einer Kurzbiographie (bis zu 7 Zeilen) unter Angabe der Dienstanschrift sowie der E-Mail-Adresse, schicken Sie bitte per Post in 2 Exemplaren an:

Studia Germanica Gedanensia (Literaturheft)
Uniwersytet Gdański
Instytut Filologii Germańskiej
ul. Wita Stwosza 55
80-952 Gdańsk / Polen

Legen Sie den Beitragsexemplaren auch zwei unterzeichnete Autorenerklärungen bei.
Diese können unter „Oświadczenie – Autorenerklärung“ von der SGG-Homepage heruntergeladen werden:
http://fil.ug.edu.pl/strona/35469/studia_germanica_gedanensia_editorial

Eine weitere, digitale Fassung im WORD- bzw. RTF-Format senden Sie bitte per E-Mail als Anhang an die Herausgeber des Bandes: Dr. habil. Agnieszka Haas, Dr. Dariusz Pakalski (filah@univ.gda.pl; dariusz.pakalski@ug.edu.pl).
Richtlinien zur Manuskriptgestaltung finden Sie auch unter dem oben angegebenen Link.
Für den in Studia Germanica Gedanensia veröffentlichten Artikel erhalten die AutorInnen 7 Punkte (2014).
Weitere relevante Hinweise finden Sie auf der Homepage der Studia Germanica Gedanensia.

Dr. habil. Agnieszka Haas, Dr. Dariusz Pakalski

Web: http://fil.ug.edu.pl/wydzial/instytuty_i_katedry/instytut_filologii_germanskiej/studia_germanica_gedanensia/call_papers_-_literatur

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGdańsk
Bewerbungsschluss08.11.2015
PersonName: Haas, Agnieszka [Dr. habil.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: filah@univ.gda.pl 
Name: Pakalski, Dariusz [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: dariusz.pakalski@ug.edu.pl  
KontaktdatenName/Institution: Uniwersytet Gdański, Instytut Filologii Germańskiej [Institut für Germanistik] 
Strasse/Postfach: ul. Wita Stwosza 55  
Postleitzahl: 80-952 
Stadt: Gdańsk 
Telefon: 48-585232160 
Fax: 
E-Mail: sekger@ug.edu.pl 
Internetadresse: http://fil.ug.edu.pl/wydzial/instytuty_i_katedry/instytut_filologii_germanskiej 
LandPolen
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik > 03.08.02 Dichtung und Sprache; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik > 03.08.03 Dichtung und Kunst; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.12.00 Interpretation. Hermeneutik; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte
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