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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "LebensWissen. Poetologien des Lebendigen im langen 19. Jahrhundert "
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelLebensWissen. Poetologien des Lebendigen im langen 19. Jahrhundert
BeschreibungLebensWissen. Poetologien des Lebendigen im langen 19. Jahrhundert

26.-28. März 2015, Université de Neuchâtel

Für die Formierung eines verzeitlichten Verständnisses des Lebens sind die um 1800 etablierten epigenetischen Entwicklungstheorien sowie das spätere Konzept der Vererbung von entscheidender Bedeutung. Mit ihnen werden Fragen nach der organischen Gestaltbildung, der Individual- und der Gattungsgenese aufgerufen; nach Bildungs- und Umbildungsprozessen also, die den Faktor Zeit als produktives Moment von Entwicklung einschließen. Dieses Wissen vom Leben wird keineswegs nur in der Biologie verhandelt, sondern ist in seiner jeweiligen Ausprägung auch Gegenstand anderer Diskurse, etwa der Natur- und Erkenntnisphilosophie, der Medizin und Psychiatrie, der Politik und insbesondere auch der Ästhetik und Literatur.
Im Sinne der Ausgangshypothese des an den Universitäten Genf, Lausanne und Neuchâtel angesiedelten ProDocs Das unsichere Wissen der Literatur. Natur. Recht. Ästhetik, in dessen Rahmen die Tagung stattfindet, wird unterstellt, dass die Beziehungen und Austauschprozesse zwischen der Literatur und den genannten Wissensbeständen im langen 19. Jahrhundert genau deswegen besonders intensiv sind, weil diese durch ihren unsicheren epistemischen Status eine diskursive Offenheit aufweisen.
Den daraus hervorgehenden Diskursverknüpfungen geht die Tagung im Rahmen zweier Themenkomplexe weiter nach:

Das Werden der Form
Gefragt wird, inwiefern die um 1800 breit geführten gattungspoetologischen Debatten und Veränderungen des Inventars literarischer Formen mit der Etablierung eines neuen Verständnisses des Lebendigen zusammenhängen. In den Blick genommen werden in diesem Zusammenhang einerseits die Verschiebungen innerhalb des Gattungsgefüges hin zu jenen Textformen, die sich an neuen formalen Prinzipien der Lebendigkeit, der generischen Entgrenzung, Mischung und Entwicklung ausrichten. Andererseits steht zur Frage, wie Texte – als jeweils gegenwärtige Aktualisierungen einer bestimmten generischen Form bzw. Formtradition – ihren zeitlichen und formalen Wandel, ihre Ursprünge oder ihre historischen Zusammenhänge sowie generell eine „Prozessualisierung der Form“ ausstellen.

Vererbung und Literatur
Um dem intrikaten Verhältnis von Vererbungswissen und Literatur nachzugehen, bieten sich vor allem zwei Fragerichtungen an: Eine Perspektive, die auf gattungspoetologische und formalästhetische Effekte der Integration von Vererbungswissen in die literarische Kommunikation abzielt, fragt nach der Rolle, die Vererbungswissen für die Organisation narrativer und dramatischer Texte zukommt und welche gattungskonstitutiven Effekte dadurch erzielt werden. Eine zweite, stärker kulturwissenschaftlich ausgerichtete Perspektive nimmt die Literatur als ein Archiv für Bedeutungszuschreibungen und Funktionalisierungen in den Blick, die Vererbungswissen in der bürgerlichen Kultur des 19. Jahrhunderts erfahren hat. Vor allem hinsichtlich seiner Relevanz für die diskursive Konstruktion der Familie, und damit für die Ordnung der Geschlechter und Generationen, scheint eine Befragung der Literatur angebracht.

Tagungsleitung:
Prof. Dr. Peter Schnyder
Benjamin Brückner
Judith Preiß

Tagungsprogramm:

Donnerstag, 26. März 2015

14:00 Uhr
Peter Schnyder, Benjamin Brückner, Judith Preiß
Begrüßung und Einführung

14:30 Uhr
Johannes F. Lehmann (Bonn)
„Ich verlange in allem¬ – Leben, Möglichkeit des Daseins“
Zum Verhältnis von Leben, Zeit und Literatur um 1800

16:00 Uhr
Daniel Ehrmann (Salzburg)
Organologisches Denken und das System der Künste um 1800.
Ein Beitrag zu Poetologie und Kunsttheorie der Klassik

17:00 Uhr
Sarah Goeth (Hamburg)
„Erotomorphism“. Zu Goethes Formverfahren in den Wahlverwandtschaften

Freitag, 27. März 2015

9:00 Uhr
Michael Bies (Hannover)
Pflanzenlebenswissen. Poetiken des vegetabilen Lebens um 1800

10:00 Uhr
Georg Toepfer (ZfL Berlin)
Zur Trennungsgeschichte des Lebenswissens:
„Leben“ bei Georg Büchner und in der frühen Biologie der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts

11:30 Uhr
Werner Michler (Salzburg)
Reinform, Hybrid und Parasit. Biopoetiken der Jahrhundertmitte

14:30 Uhr
Ulrike Vedder (HU Berlin)
Vererbung und ihre Verweigerung. Eine Form des Romans im 19. Jahrhundert

15:30 Uhr
Hubert Thüring (Basel)
Poetik und Wissen(schaft) des Lebens in Gottfried Kellers Sinngedicht


Samstag, 28. März 2015

9:00 Uhr
Jens Ole Schneider (Münster)
Lebensemphatischer Universalismus und ästhetizistischer Perspektivismus
in Hofmannsthals früher Novelle Das Glück am Weg


10:00 Uhr
Pascaline Budow (Köln)
„…seine eigene Familie die sein wichtigstes Experimentierfeld
geworden war“ – Das Experiment als Verstärkermedium in Zolas Le Docteur Pascal

11:30 Uhr
Sophie Witt (Frankfurt Oder)
Henry James' „szenische Methode“: Taxonomie und Genealogie der Gattung

12:30 Uhr
Abschluss der Tagung

Tagungsort:
Université de Neuchâtel
Faculté des Lettres et Sciences Humaines
Espace Louis-Agassiz 1
2000 Neuchâtel
Raum R.E. 42
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortNeuchâtel
Beginn26.03.2015
Ende28.03.2015
PersonName: Judith Preiss 
Funktion: Veranstalter  
E-Mail: judith.preiss@unine.ch 
KontaktdatenName/Institution: Judith Preiss/ Université de Neuchâtel  
Strasse/Postfach: Espace Louis-Agassiz 1 
Postleitzahl: 2000 
Stadt: Neuchâtel  
Telefon: 0041 32 718 16 48 
E-Mail: judith.preiss@unine.ch 
LandSchweiz
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur- u. Kulturgeschichte
Zusätzliches SuchwortLiteratur und Wissen, LebensWissen
Ediert von  H-Germanistik
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