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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Sammelband: "Die Literatur der Lebensreform""
RessourcentypCall for Papers
TitelSammelband: "Die Literatur der Lebensreform"
BeschreibungCall for Papers für einen Sammelband: „Die Literatur der Lebensreform“

Herausgeber: Thorsten Carstensen (Indiana University Purdue University Indianapolis) und Marcel Schmid (Universität Zürich)

Vom späten 19. Jahrhundert bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts formierten sich verschiedene Bewegungen, die heute gemeinhin unter dem Begriff „Lebensreform“ veranschlagt werden. Das thematische und ideologische Spektrum reichte von der Ernährungsreform zur Naturheilkunde, von der Freikörperkultur zur Gartenstadtbewegung. Zwar waren die Bewegungen untereinander nur lose verbunden, doch ihnen gemein war der Wille, das Leben teilweise radikal neu zu gestalten. Diese Aufbruchstimmung trug allerdings paradoxe Züge, sollte doch der Fortschritt durch einen Rückschritt hinter wesentliche Errungenschaften der Moderne erreicht werden: „Back to nature“, zurück in eine präindustrielle, „gesunde“ Welt.
Während die einzelnen Bewegungen im deutschsprachigen Raum heute historisch untersucht sind (vgl. den umfassenden, 2001 erschienenen Ausstellungskatalog „Die Lebensreform, Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900”), fehlt immer noch umfangreiche Forschung zu den Literaturen der Lebensreform, respektive zur Verbindung zwischen zentralen Ideen der Lebensreformer und der ihnen zeitgenössischen Literatur. (Eine Ausnahme bildet Spiekermanns Studie zu Richard Dehmel, 2007.) Statt an ästhetische Epochenkategorien versucht dieser Band nun die Literatur der Jahrhundertwende an soziohistorische Hintergründe zu knüpfen. Auch wenn es aufgrund der Divergenz der einzelnen Bewegungen unmöglich erscheint, eine „gemeinsame“ Literatur zu finden, spiegeln sich in der Literatur viele Teilaspekte der Lebensreform: Einerseits beschreiben zahlreiche literarische Werke der Jahrhundertwende das durch Nietzsche geprägte theoretische Gerüst und Aspekte aus dem reformerischen Alltag, andererseits wird von einzelnen Schriftstellerinnen und Schriftstellern die Aufbruchstimmung sowie das Paradox des Progressiv-Konservativen performativ in das Schreiben eingebunden.
Losgelöst vom Epochendenken, will dieser Band die Literatur der Jahrhundertwende als Teil eines historischen Diskurses beobachten, der bis heute wirkt (Ernährung, Naturheilkunde) und trotz einiger Anstrengungen in den 2000er Jahren im Erinnerungskollektiv bisher seltsam unbeleuchtet blieb. Um dem Thema in seiner Breite gerecht zu werden, möchten wir teilweise recht unterschiedliche Autoren in den Blick nehmen, wie zum Beispiel: Stefan George, Paul Heyse, Wilhelm Bölsche, Bruno Wille, Franziska zu Reventlow, Felix Holländer, Hans Paasche, Hermann Hesse, Gerhart Hauptmann, Frank Wedekind, Else Lasker-Schüler, Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr, Peter Altenberg, Peter Rosegger und Bruno Goetz. Folgende Themen könnten als Ausgangspunkte dienen:

• die Ablehnung der Décadence
• das ambivalente Verhältnis zum Naturalismus
• Agrarromantik und Forcierung einer neuen Heimatliteratur
• die Annäherung von ‚Zivilisation’ und ‚Natur’ bzw. die Einheit von Kunst und Leben
• die Sakralisierung des Sexuellen in Lyrik und Prosa
• die Neuregelung der Geschlechterbeziehungen
• Körperdiskurse/Hygienediskurse
• neue pädagogische Konzepte
• Stilisierung von körperlicher Arbeit und Ästhetisierung des Sports
• die Rezeption Charles Darwins
• Beziehungen zur Malerei und der bildenden Kunst
• der Einfluss Friedrich Nietzsches wie auch der amerikanischen Transzendentalisten
• Lebensreform und Antisemitismus
• Rezeption der Lebensreform im zeitgenössischen Feuilleton
• die Fortschreibung der (Literatur der) Lebensreform in der Spät-/Postmoderne

Beiträge, die vernachlässigte Autoren wie Wilhelm Speyer, Emil Gött, Friedrich Huch und Michael Georg Conrad einzeln oder vergleichend untersuchen, sind ebenso willkommen wie solche, die sich mit kritischen Reaktionen auf den Einfluss lebensreformerischer Ideen auf die Literatur (etwa Thomas Mann) auseinandersetzen. Auch der Frage, wie die Literatur der Zeit in den unterschiedlichen Strömungen der Lebensreformbewegung rezipiert wurde, könnte nachgegangen werden. Wünschenswert wären ferner Aufsätze, die das lebensreformerische Zeitschriftenwesen beleuchten. Monatsblätter und Illustrierte wie "Kraft und Schönheit", "Der Kunstwart", "Die Insel" und "Deutsche Kunst und Dekoration" geben Aufschluss über die unterschiedlich motivierten Anliegen der Reformer.

Interessierte Kolleginnen und Kollegen werden gebeten, Vorschläge für Beiträge (einseitiges Exposé mit Titel) bis zum 31.03.2015 an tcarsten@iupui.edu und marcel.schmid@ds.uzh.ch zu senden.

Der Schwerpunkt liegt auf der deutschsprachigen Literatur Deutschlands, Österreichs und der Schweiz; internationale Perspektiven sind aber ausdrücklich erwünscht. Als Termin für die Einreichung der fertigen Manuskripte auf Deutsch oder auf Englisch ist der 30. September 2015 vorgesehen.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.03.2015
PersonName: Thorsten Carstensen 
E-Mail: tcarsten@iupui.edu 
KontaktdatenName/Institution: Thorsten Carstensen, Indiana University Purdue University Indianapolis 
Strasse/Postfach: 425 University Blvd., CA 502G 
Postleitzahl: 46202 
Stadt: Indianapolis 
E-Mail: tcarsten@iupui.edu 
LandVereinigte Staaten von Amerika
BenutzerführungEnglisch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Zusätzliches SuchwortLebensreform
Klassifikation16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.15.00 Zu einzelnen Autoren; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren
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