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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Briefe als Träger und Trigger von Affekten"
RessourcentypCall for Papers
TitelBriefe als Träger und Trigger von Affekten
BeschreibungBriefe als Träger und Trigger von Affekten
Transdisziplinäre Nachwuchstagung am 03.-04. Juli 2015, WWU Münster


Tagungstermin: 03.-04. Juli 2015
Deadline Abstracts: 15. April 2015
Zu- und Absagen: 01. Mai 2015


In der literaturwissenschaftlichen Brief-Forschung ist trotz wiederholter Kritik eine Korpus-Verengung, eine notorische Engführung von Brief(roman) und Empfindsamkeit, mithin von Brief und Affekt zu beobachten. Doch Briefe sind nicht gleich Briefe. Bestimmte Brieftypen weisen nicht eo ipso eine besondere Eignung zum Affektausdruck auf, sondern erhalten diese erst durch epistemologische Interessen und diskursive Zuschreibungen ihres jeweiligen historisch-kulturellen Umfelds.
Die Tagung will sich dem oft wie scheinbar selbstverständlich behaupteten Zusammenhang von Brief und Affekt widmen und fragen, wie Briefe der Versprachlichung a priori existierender Affekte dienen, aber auch Affekte durch Sprache erst generieren können. „Empfindsame“ Briefe entstehen im 18. Jahrhundert in dezidierter Abgrenzung von Kanzleibriefen, leiten allerdings keineswegs das Ende geschäftlich-institutioneller Korrespondenzen ein, deren Sender kraft ihres Amtes auf Affektneutralität und Objektivität verpflichtet werden. Im Fokus der Tagung sollen daher nicht nur jene Briefe stehen, die zu Transporteuren oder Triggern von Affekten werden, sondern auch jene, die sich umgekehrt des Affektausdrucks gänzlich zu entziehen suchen.
Zwischen Autorintention und Rezeption verläuft indes keine direkte Verbindungslinie. Briefe können auf Seiten des Empfängers Reaktionen hervorrufen, die über die Intentionen des Senders hinausgehen oder diesen gar entgegenstehen und lassen damit die Unterscheidung von „Produktions- und Rezeptionsaffekten“ heuristisch notwendig erscheinen.

Mögliche zu verfolgende Themen und Fragestellungen sind:

- Epistemologische Interessen und diskursive Zuschreibungen: Briefe sind Spiegel der Seele, so ein bis auf die Antike zurückreichender Epistolartopos, und nicht umsonst stellt Christian Fürchtegott Gellert die rhetorische Frage: „Und wer ist gleichwohl ein getreuerer Verräther, als ein Brief?“ Die Tagung möchte sowohl den ideengeschichtlichen Kontexten solcher Epistolartopoi nachgehen als auch nach ihrer Kehrseite fragen. Denn wer die Codes beherrscht, nach denen Briefe Affekte und Charakterzüge offenbaren, kann diese auch strategisch zur Manipulation anderer einsetzen.
- Kodifizierung: Der Rückgriff auf bereits Bestehendes – sei es der Musterbrief im frühneuzeitlichen Briefsteller, die vorgedruckte Floskel einer Kondolenzkarte oder das Emoticon einer E-Mail – erscheint ein bewährtes Mittel, das Gefühlte zum Ausdruck zu bringen. Ausgelotet werden sollen die Chancen und Grenzen verbaler oder ikonischer Stellvertreter des Schwer- oder Nicht-Sagbaren.
- Kommunikative Mittelsmänner: Dem Boten eilt ein schlechter Ruf voraus; seine gesellschaftliche Position ist eine so prekäre wie unbeliebte, läuft er doch stets Gefahr, als Überbringer schlechter Nachrichten für ihren Inhalt bestraft zu werden. Von Boten, die affektbesetzte Informationen übermitteln und damit selbst zum Objekt von Affektbesetzungen und Projektionen geraten können, sind vermittelnde Akteure zu unterscheiden, die sich in die Kommunikation aktiv mediatorisch einschalten.
- Wo ist der „Sitz“ des Affekts? Ist der Affekt lediglich im epistolaren Inhalt auszumachen oder kann er sich auch abseits des propositionalen Gehalts entfalten, etwa durch Satzzeichen, Paratexte oder die spezifische Materialität zum Ausdruck kommen? Haben Briefe eine sinnliche Dimension, die sich möglicherweise nicht im Visuellen und Haptischen erschöpft? Wie werden Briefe gelesen und welches Affektpotential setzen Lektüreprozesse frei?
-(Verletztes) Briefgeheimnis: Bewusst oder unbewusst fremdadressierte oder fehlgeleitete Briefe bilden literaturhistorisch ein beliebtes Motiv zur Spannungs- und Affektsteigerung. Heimlich abgefangene oder umgeleitete Briefe sind dabei eng mit Wissensökonomie und Macht-Allokationen verknüpft. Im E-Mail-Zeitalter ist die Diskussion um den ethischen und juristischen Umgang mit dem Privaten aktuell wie nie.
- Nach dem Ende des Briefzeitalters: Nach der elektronischen Kommunikationswende wird die Kulturtechnik des handschriftlichen Briefeschreibens nicht obsolet, sondern erlebt einen Funktionswandel – so etwa in der Kunstform „mail art“. Untersucht werden sollen die Gebrauchssituationen und diskursiven Zuschreibungen handgeschriebener bzw. handgefertigter Briefe in der Gegenwart.

Die Veranstaltung richtet sich vornehmlich an DoktorandInnen der Geisteswissenschaften, ist jedoch als transdisziplinäre Tagung ausdrücklich an Methoden und Perspektiven anderer Disziplinen (so etwa der Psychologie und Neurowissenschaften) interessiert.
Die Tagung findet am 03.-04. Juli 2015 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster statt. Für PromotionsstipendiatInnen und Neu-Alumni der Studienstiftung des deutschen Volkes werden die Übernachtungs- und Reisekosten entsprechend der üblichen Pauschale übernommen. Die Selbstbeteiligung beträgt voraussichtlich 20,00 €.

Wir bitten um die Einsendung eines Abstracts von maximal 350 Wörtern für einen ca. 25-minütigen Vortrag sowie einer Kurzbiographie bis zum 15. April 2015 per E-Mail an brief.affekte@uni-muenster.de; Zu- und Absagen erfolgen bis zum 01. Mai 2015.

Rückfragen können ebenfalls gerne gerichtet werden an: brief.affekte@uni-muenster.de

Organisation: Katharina Fürholzer, Yulia Marfutova
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMünster
Bewerbungsschluss15.04.2015
Beginn03.07.2015
Ende04.07.2015
PersonName: Fürholzer, Katharina 
Name: Marfutova, Yulia 
KontaktdatenName/Institution: WWU Münster 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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