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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Sprache & Rache (ICLA Seminar)"
RessourcentypCall for Papers
TitelSprache & Rache (ICLA Seminar)
Beschreibung"die rache / der sprache / ist das gedicht", schreibt Jandl. Die Psychoanalyse sowie die an römischen Begriffen orientierte Rechtsgeschichte beschreiben dagegen ein Substitutionsverhältnis: In der Sprache findet sich Freud zufolge ein "Surrogat" für den "Racheakt" als Antwort auf einen Affekt, ebenso wie kodifiziertes Recht mit der Strafe den Kreislauf von Rache und Gegenrache beende. Zuschreibung, Aussage und Urteil erscheinen dabei als logisch-grammatische wie juridische Mittel gegen die Ambivalenz aller Rache, stets Entsprechung und Restitution zu beanspruchen, aber proliferierende Destruktion zu bewirken.

Die Grimms sehen in der Rache selbst eine alte Rechtsauffassung gerÄ/Echten Handelns, die in der Neuzeit abqualifiziert werde zum "niedrige[n] Affekt" (Schiller) eines naming and blaming. Diese Sicht unterstreicht ein Moment, das im Narrativ von der Verdrängung der Rache zurücktritt, und auch in der theoretischen Untersuchung der Sprache meist hinter propositionalen und performativen Strukturen zurücksteht: die Schwierigkeit, eine Erwiderung, Antwort und überhaupt Wechselseitigkeit zu finden.

Der Racheakt empfiehlt sich durch das Versprechen, einer Verletzung sichere Beachtung bei ihrem Urheber zu verschaffen, unterliegt freilich aber denselben Verschiebungen und Zerstreuungen, aufgrund derer weder Verfluchungen noch Verurteilungen das Gehör und die Beherzigung zu garantieren vermögen, auf die es ihnen doch zuallererst ankommt. Umgekehrt kann die Sprache deswegen ein Surrogat, Mittel oder - wie bei Jandl - Agens der Rache sein, weil sie wesentliche Strukturen mit dieser gemein hat. Die Korrespondenz von Sprache und Rache postuliert Kraus in seiner Kritik journalistischer Rede, die Benjamin "borniert" nennt, während er selbst in fundamentaler Sprachkritik den Namen als Erwiderung sowie verstummen machende Rache am Benannten betrachtet.

Das Seminar auf der ICLA 2016 in Wien (21.-27.07.) untersucht die Relation der Sprache zur Rache in literarischen, philosophischen und anderen Texten aller Sprachen. Vorschläge für 20-minütige Beiträge in deutscher oder englischer Sprache (ca. 250 Wörter) richten Sie bitte bis zum 31.05.2015 an: prade@lingua.uni-frankfurt.de.

Dr. Juliane Prade-Weiss
Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Goethe-Universität Frankfurt
http://www.uni-frankfurt.de/47895670/prade-weiss
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWien
Bewerbungsschluss31.05.2015
Beginn21.07.2015
Ende27.07.2015
PersonName: Dr. Juliane Prade-Weiss 
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin 
E-Mail: prade@lingua.uni-frankfurt.de 
KontaktdatenName/Institution: Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft 
Strasse/Postfach: Norbert-Wollheim-Platz 1 (vormals Grüneburgplatz 1) 
Postleitzahl: 60323  
Stadt: Frankfurt am Main 
E-Mail: prade@lingua.uni-frankfurt.de 
Internetadresse: http://www.uni-frankfurt.de/47895670/prade-weiss 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literaturtheorie: Themen
Zusätzliches SuchwortICLA; AVL
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.12.00 Interpretation. Hermeneutik
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