VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Theater als [H]Ort des Wissens. Ästhetik - Institution - Effekt"
RessourcentypCall for Papers
TitelTheater als [H]Ort des Wissens. Ästhetik - Institution - Effekt
BeschreibungTheater als [H]Ort des Wissens
Ästhetik – Institution – Effekt

Internationale Konferenz
Universiteit Gent
Vrije Universiteit Brussel

14./15. Dezember 2015

Theater und Wissen. Beides ist seit Menschengedenken eng miteinander verzahnt. So fließt im Theater Wissen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und technisch-handwerklichen Tätigkeitsbereichen zusammen, sei es – und diese Liste ist nicht einmal erschöpfend – anthropologisches, empirisches, psychologisches, anatomisches, geo-metrisches, architektonisches, Wissen aus Kostüm- und Bühnenbildnerei, Bühnentechnik, Politik, Physik, Soziologie, Ästhetik, Ökologie, Ökonomie, Kulturphilosophie etc. Begreift man das Theater dabei jedoch lediglich als Museum oder Archiv, als Speichermedium von Informationen, so wird vorrangig dessen Fähigkeit zur Akkumulation und Dokumentation, möglicherweise auch Systematisierung und Inszenierung von Wissen adressiert, weniger aber dessen aktive Partizipation an und Produktion von Wissensgegenständen. Die brisanten Entwicklungen innerhalb unserer »Wissensgesellschaft«, die fortschreitende Informationstechnologie, in welcher Datenwolken und Supercomputer neben Speicheraufgaben längst exekutive Funktionen übernommen haben, demonstrieren, dass Wissen zunehmend unter ökonomisch rentablen Leistungsdruck gerät (performance) bzw. zur Ressource avanciert ist. Performatives Wissen inszeniert sich selbst und differenziert sich von dem akademisch produzierten Wissen, das im Regelfall über Verfahren (methodologischer) Legitimierung beglaubigt werden muss. Das Theater, und damit ist insbesondere das Theater des ausgehenden 20. Jahrhunderts bis heute gemeint, ist derweil – allem Anschein nach in Auseinandersetzung mit oder Analogie zu diesen Tendenzen – selbst zum Ort eines »Willens zum Wissen« geworden, wo die Agierenden mit modifizierenden In(ter)ventionen aufwarten oder durch spielerisch »profanierenden« Umgang mit dem eingespeisten Material (neues?) Wissen emergieren lassen, um somit die Permeabilität zwischen akademisch-wissenschaftlichem sowie künstlerischem Diskurs zu fördern.

Besonders Theatertexte und Inszenierungspraktiken der 1990er Jahre aufwärts, welche die dem Theater inhärenten Produktionsbedingungen offen legen und die illusionistische Theatermaschine unterbrechen, zeigen, wie das Theater Wissen dramaturgisch in die Ästhetik der Aufführung einbauen kann. Diese zunehmende Transparenz der spezifischen Arbeitsweisen von Theaterschaffenden wird zum Beispiel anhand von Publikationen wie Programmheften oder Beschreibungen auf den jeweiligen Internetpräsenzen sekundiert; die formal-ästhetischen Charakteristika des Theaters in Bezug auf Wissen werden poetologisch dechiffrierbar und verdeutlichen die transitorische Dimension dramaturgischer Arbeit zwischen Inszenierungsprozess und Aufführungsprodukt. Dieses Verschwimmen der Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft – politische, institutionelle und ökonomische Implikationen eingeschlossen – kennzeichnet eine Vielzahl aktueller Theaterformen, die an Heterogenität und dichter Referentialität (Rhizom, Netzwerk) kaum zu überbieten sind. Die jüngst ins Gespräch gekommenen lecture performances stellen dabei nur die Spitze des Eisbergs dar, doch daneben findet sich im deutschsprachigen Raum eine ganze Riege zeitgenössischer Künstler/innen, die sich in ihren Produktionen und dramaturgischen Konzepten den Herstellungsverfahren und Legitimierungsmaßnahmen von Wissen widmen: So gibt es beispielsweise (für das Publikum) forschende Autoren und Regisseure in Personalunion (René Pollesch), Autor/innen, die verborgenes und/oder verschwiegenes Wissen zutage fördern (Elfriede Jelinek) oder recherchierende Kollektive, die empirisches »Experten«-Wissen installieren (Rimini Protokoll). Bei diesen Theaterformen des Wissens ist zu betonen, dass das In-Szene-Setzen von Wissen – z.B. durch die Einbettung in narrative Strukturen, Authentifizierungsstrategien, Vortragsduktus, Intertextualität, Sagen/Zeigen, etc. – mit dem performativen Aspekt von Wissen korrespondiert und u.a. (indirekt) wissenschaftskritische Effekte erzielt.

Vor dem Hintergrund der deutschsprachigen Theaterlandschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts bis heute möchte diese Konferenz Fragen nach deren ästhetischen, politischen, ökonomischen und institutionellen Relationen zu dem im Theater gebündelten bzw. ins Theater integrierten Wissen anschneiden, deren Umgang damit analysieren und die Effekte daraus zum Thema machen: Welches Wissen kommt wie im Theater zum Tragen, welche Intentionen verbergen sich hinter einem Theater des Wissens und inwiefern kongruieren sie mit ästhetischer Erfahrung und Effekten? In welchem Ausmaß lassen sich aufgrund formal-ästhetischer Kriterien und/oder Spezifika des Theaters Rückschlüsse auf Wissen und seine Produktion(sbedingungen) ziehen? Wie vermag darüber hinaus das Theater als bis dato weitgehend nicht-demokratischer Ort das markante Wechsel- und Abhängigkeitsverhältnis von Wissen und Macht darzustellen? Wie ist also theatrales/theatralisiertes Wissen in Bezug auf seinen Einschluss in bzw. seine Konstitution von Machtkonstellationen zu betrachten? Welche Aussagen ergeben sich nicht zuletzt aus der spezifisch institutionellen Kopplung von Wissen an Theater? Ist beispielsweise das Wissen der Berliner Schaubühne ein anderes als jenes der Volksbühne? Wenn dem so ist, welche Implikationen lassen sich daraus folgern?

Praktische Informationen

Es wird um Themenvorschläge in Form von Abstracts mit einem Umfang von ca. 250 Wörtern nebst Kurzbiographie gebeten. Die Dauer der individuellen Vorträge sollte 20 Minuten nicht überschreiten. Bitte reichen Sie Ihre Themenvorschläge bei Nico Theisen (nico.theisen@ugent.be) ein. Die Eingabefrist für Abstracts endet am 24.3.2015. Die Konferenzsprache ist Deutsch.

Aus Gründen der Finanzierung muss leider eine Konferenzgebühr in Höhe von 55 € für alle Referent/innen erhoben werden. Die Gebühr umfasst Kosten für Konferenzmaterialien, Pausenverpflegung und Mittagessen. Reise- und Übernachtungskosten sowie das gemeinsame Abendessen können von den Organisator/innen nicht übernommen werden. Die Zahlung der Konferenzgebühr erfolgt mit der Registrierung, deren Frist noch bekannt gegeben wird.

Der genaue Veranstaltungsort steht noch nicht fest.

Die Organisator/innen der Konferenz planen, ausgewählte Beiträge in einem Sammelband zu veröffentlichen. Voraussetzung für die Annahme der Beiträge zum Druck ist die positive Beurteilung externer Gutachter/innen. Weitere Informationen dazu folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an: nico.theisen@ugent.be

Organisation

Nico Theisen M.A. (Universiteit Gent)
Prof. Dr. Gunther Martens (Universiteit Gent)
Prof. Dr. Inge Arteel (Vrije Universiteit Brussel)
Prof. Dr. Katharina Pewny (Universiteit Gent)
Prof. Dr. Benjamin Biebuyck (Universiteit Gent)

THALIA Theatre, Literature & Media in Performance (http://www.theaterwetenschappen.ugent.be/thalia)
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBelgien
Bewerbungsschluss24.03.2015
Beginn14.12.2015
Ende15.12.2015
PersonName: Nico Theisen 
Funktion: Doktorand 
E-Mail: nico.theisen@ugent.be 
KontaktdatenName/Institution: Nico Theisen (Universiteit Gent) 
Strasse/Postfach: Blandijnberg 2 
Postleitzahl: B-9000 
Stadt: Gent 
E-Mail: nico.theisen@ugent.be 
LandBelgien
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/44468

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 15.02.2015 | Impressum | Intern