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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Demenz und Subjektivität. Ästhetische, literarische und philosophische Perspektiven."
RessourcentypCall for Papers
TitelDemenz und Subjektivität. Ästhetische, literarische und philosophische Perspektiven.
BeschreibungDemenz und Subjektivität.
Ästhetische, literarische und philosophische Perspektiven.

Internationale und interdisziplinäre Konferenz an der Universität Paderborn
12.-14. November 2015

Das Interesse an einer Hineinversetzung in die Bewusstseinszustände, die Interessen und Bedürfnisse Demenzerkrankter und, davon ausgehend, an einer Ethik der Demenz ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Im Vordergrund stehen dabei vorwiegend Fragen der medizinischen Gerontologie und pflegerische Aspekte, deren normative Grundlagen und Konsequenzen für die Betroffenen, Angehörigen und das medizinische Fachpersonal aus sozialethischer Perspektive diskutiert werden. Darüber hinaus gibt es eine Fülle an literarischen oder filmischen Inszenierungen von Demenz, die das subjektive Erleben der Krankheit thematisieren, zum Beispiel in (autobiographischen) Romanen und Kurzprosatexten von John Bayley, Alice Munro, Ian McEwan, Arno Geiger, Martin Suter, Peter Stamm, Judith Kuckart und Ulrike Draesner. Auch die Philosophie sucht, über sozialethische Diskurse hinaus, analytische Zugangsweisen zu Demenz, was vor allem im englischsprachigen Bereich deutlich wird, aber auch zunehmend in Deutschland verhandelt wird. Im Vordergrund stehen hier unter anderem Fragen nach dem personalen Identitätsstatus Demenzbetroffener, nach Möglichkeiten und Grenzen verlängerter Autonomie sowie der Legitimität paternalistischer Entscheidungen.
Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive geraten im Kontext des Tagungsthemas bevorzugt erzähltheoretische Problemstellungen in den Blick, die sich an der konstitutiven Bedeutung von Sprache und Sprechen für Subjektivierungsprozesse entzünden. Immer wieder versuchen literarische Fiktionen der Krankheit eine mimetische Innenperspektive einzunehmen, um den Erkrankten imaginär eine Stimme zu verleihen. Mit diesen Versuchen, eine Innenperspektive von Demenzerkrankten zu fingieren, gehen häufig formal-poetologische Experimente einher, die bestrebt sind, Demenz als neurodegenerative Erkrankung durch narrative Atomisierungen und syntaktische Transgressionen etc. zu visualisieren. Fiktionen von Demenz knüpfen dabei in poetologischer Hinsicht nicht selten an literarische Traditionen der Avantgarden und ihrer sprachkritischen Ambitionen, zuweilen gar an romantische Traditionsbildungen und ihrer Tendenz zum Irrationalen an. Zur Disposition gestellt werden auf diese Art alternative Wahrnehmungsmodi, welche die Hegemonie rational geleiteter Weltzugänge in Frage stellen. Die Ausgrenzung Erkrankter, die sich durch entsprechende gesellschaftliche Wertehierarchien legitimiert, wird durch derartige Fiktionen von Demenz einer kritischen Revision unterzogen.
Die Philosophie behandelt Fragen nach dem Subjektivitätsstatus Demenzbetroffener unter anderem in der Auseinandersetzung mit Theorien personaler Identität und greift hier insbesondere Probleme auf, die sich angesichts eines möglichen, krankheitsbedingten Verlustes einer diachronen Einheit der Person und des erstpersönlichen Zugriffs auf das eigene Selbst ergeben. Neben der umfassenden Frage, ob und in welchem Maße Demenzkranke als Personen im klassischen oder erweiterten Sinne verstanden werden können, stellen sich im Anschluss an die genannten Identitätsdiskurse zahlreiche ethische Herausforderungen. So gewinnen etwa Analysen an Bedeutung, die das Verhältnis zwischen vorhergehenden und aktualen Willensbekundungen, die im Zuge des Nachlassens kognitiver Fähigkeiten geäußert werden, zueinander in Beziehung setzen. Diese Frage nach der verlängerten Autonomie bei Demenzerkrankungen eröffnet Perspektiven für umfassende Diskurse zum Thema Demenz und Autonomie, bei dem unterschiedliche Formen der Selbstbestimmung der Betroffenen, die Möglichkeiten und Grenzen relationaler Autonomie oder die Legitimität paternalistischer Entscheidungen verhandelt werden können.
Ziel der Tagung ist es, zur interdisziplinären Vernetzung von unterschiedlichen, insbesondere philosophischen, literatur- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven auf Demenz¬erkrankungen beizutragen. Im Vordergrund steht dabei eine Auseinandersetzung mit dem subjektiven Status Demenzbetroffener: Welche Möglichkeiten der Eigenäußerung gibt es und wie werden diese literarisch/ästhetisch aufgegriffen? Welche narrativen, dramatischen, poetischen oder formalen Strategien weisen literarische Texte, Filme, Kunstwerke, Photographien und andere Medien auf, um das subjektive Erleben von Demenz zu repräsentieren? Wie wird der kognitive Status Demenzbetroffener philosophisch analysiert und welche ethischen Implikationen ergeben sich daraus? Welchen Stellenwert erlangt das Erinnern der eigenen Vergangenheit und der kulturellen Identität einer Gemeinschaft in Anbetracht der zunehmenden Verbreitung von Demenzerkrankungen?
Die Konferenz lädt zu einer Erörterung dieser und verwandter Fragen ein. Erwünscht sind Beiträge zu den folgenden oder darüber hinausgehenden Themen.
• Demenz und Person
• Demenz, Identität und Autonomie
• Sprache, Aphasie und literarische Ausdrucksformen
• Mediale Darstellungsweisen von Demenz
• Demenz und Narrativität
• Erinnern und Vergessen
• Subjektives Erleben von Demenz durch Patienten, Angehörige und Pflegende
• Inter-generationale Konflikte und Emotionen
• Wertschätzung gegenüber Demenzerkrankten, Wertschätzung gegenüber Pflegenden
• Räumliche Faktoren und subjektive Wahrnehmungen des Pflegeheims

Tagungssprachen sind Englisch und Deutsch. Abstracts von 300-400 Wörtern für Vorträge im Umfang von 20-30 Minuten sowie eine kurze biographische Angabe im Umfang von ca. 100 Wörtern werden bis zum 10. März 2015 als Word-Dokument oder pdf-Datei an die drei Veranstalterinnen erbeten.

Dr. Daniela Ringkamp (Philosophie), daniela.ringkamp[at]uni-paderborn.de
Dr. Sara Strauß (Anglistik), sara.strauss[at]uni-paderborn.de
Leonie Süwolto, M.A. (Komparatistik), schultel[at]mail.uni-paderborn.de

Eine Übernahme von bzw. ein Zuschuss zu Tagungs- und Reisekosten wird – vorbehaltlich der Mittelzusage – angestrebt.
Weitere organisatorische Informationen finden Sie auf der Konferenz-Webseite: www.kw.uni-paderborn.de/dementia-and-subjectivity
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortUniversität Paderborn
Bewerbungsschluss10.03.2015
Beginn12.11.2015
Ende14.11.2015
PersonName: Ringkamp, Daniela (Dr.); Strauss, Sara (Dr.); Süwolto, Leonie (M.A.) 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: daniela.ringkamp@uni-paderborn.de; sara.strauss@uni-paderborn.de; schultel@mail.uni-spaderborn.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Paderborn 
Strasse/Postfach: Warburger Str. 100 
Postleitzahl: 33 098 
Stadt: Paderborn 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
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