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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Bürger auf Abwegen: Thomas Mann und Theodor Storm. Tagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft"
RessourcentypCall for Papers
TitelBürger auf Abwegen: Thomas Mann und Theodor Storm. Tagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft
BeschreibungCall for Papers –

Bürger auf Abwegen: Thomas Mann und Theodor Storm
Tagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, Lübeck 10.-13.9.2015

„Sie sind ein Bürger auf Irrwegen, Tonio Kröger, – ein verirrter Bürger“, urteilt die Malerin Lisaweta Iwanowna über den Protagonisten in Thomas Manns gleichnamiger Erzählung. Dieser fühlt sich sogleich erkannt und „erledigt“, ist er doch selbst hin- und hergerissen „zwischen zwei Welten“: der des ‚Bürgers’ und der des ‚Künstlers’. Was Thomas Mann in seiner – mehrfach auf Storm rekurrierenden – Novelle, die er selbst als sein „Immensee“ bezeichnete, formuliert, trifft in mehrfacher Hinsicht auch auf die beiden Autoren selbst, auf ihre „Seelen- und Dichterverwandtschaft“ (Karl Ernst Laage) sowie auf ihr Schreiben und die sie prägenden Denkfiguren und Diskurse zu. Das diesjährige Herbstkolloquium der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, das in Verbindung mit der Theodor Storm-Gesellschaft Husum vom 10. bis 13. September 2015 in Lübeck stattfindet, möchte dieser spannungsreichen Polarität, die sich mit dem Typus des ‚bürgerlichen Dichters’ verbindet, in Leben und Werk beider Autoren nachgehen.

Wiederholt hat Thomas Mann seine Nähe zu Theodor Storm betont, gar – noch 1940 – von „norddeutsch Theodor Stormschen Gemütsneigungen“ gesprochen, die auch im eigenen Werk nicht folgenlos geblieben seien. Insbesondere im Frühwerk, zentral in Buddenbrooks und im Tonio Kröger, finden sich deutliche Spuren von Manns Storm-Rezeption. Vor allem aber der große Storm-Essay von 1930 gibt Auskunft über die empfundene geistige Verwandtschaft mit dem prägenden Husumer Vorbild. Storms Dichtertum erscheint Mann hier als „lebensmögliche Form der Inkorrektheit“, die bürgerliche Wurzeln und „künstlerische Konstitution“ – zu der immer ein „Element des Abenteuerlichen, Exzentrischen, Unregelmäßigen, Norm- und Glückswidrigen“ gehöre – zusammenbringt. Gerade darin erkennt Thomas Mann nicht nur Storm, sondern sich selbst wieder.

Die Denkfigur des „verirrten Bürgers“ bündelt dabei eine Reihe spannungsreicher Gegensätze, die über Thomas Manns empfundene Nähe zu Storm weit hinausgehen und als immer wieder umkreiste „Abwege“ von der eigenen Herkunft produktive Widersprüche zwischen ‚Bürgertum’ und ‚Künstlertum’ sichtbar werden lassen, die Leben und Werk beider Autoren prägen und zentral um folgende spezifische Problemkonstellationen kreisen:

1. die Spannung zwischen norddeutscher Herkunft, die „Heimatlichkeit“ als „Heimweh“ erfährt, das sich – die eigene Gegenwart transzendierend – in verschiedenen Formen der Erinnerung aufs „Vergangene, Versunkene, Verlorene“ richtet, und der Erfahrung des Exils, in das sich, aufgrund der jeweiligen politischen Konfliktlage, sowohl Storm als auch Thomas Mann zu flüchten gezwungen sahen;
2. die Spannung zwischen einem ersehnten bürgerlichen Familienleben und zerbrechenden Familienordnungen einerseits, zwischen bürgerlicher Ehe und als Normbruch sanktionierten sexuellen Wunschvorstellungen andererseits;
3. die Spannung zwischen der Suche nach einem gelingenden Leben und der steten Präsenz des Todes, der als „Ende sans phrase“ (Th. Mann) weder religiös noch anderweitig metaphysisch mehr eingefangen werden kann – und in der Spannung von Todesangst und Todessehnsucht resultiert;
4. die Spannung zwischen Leben und Kunst, die Thomas Mann mit Blick auf Storm als „stärkstes Mittel zur Bewußtmachung und Verwirklichung des Ich“ erscheint;
5. damit verbunden die Frage nach der Möglichkeit einer dritten Position jenseits des Dualismus von Bürgertum und Künstlertum;
6. die Rolle zeitgenössischer Diskurse und kultureller Stereotype in den jeweiligen Konstruktionen von ‚Bürgertum‘ und ‚Künstlertum‘.

Neben Beiträgen zu den aufgeführten Konstellationen sind auch Beiträge vorstellbar, die:
- zentrale Themen beider Autoren in den Blick nehmen (etwa: Verlust- und Vergänglichkeitserfahrungen, Natur- und Kunstverständnis, die Funktion von Dingen und Räumen, die Rolle phantastischer Elemente, die Rolle der Ökonomie oder der Musik);
- der Bedeutung von Storms Werk für das Werk Thomas Manns (auch werkgenetisch) nachgehen;
- eine auf Storms Werk bezogene Nachwirkung der Poetik des bürgerlichen (oder neuerdings so genannten „dämonisierenden“) Realismus im Werk Manns untersuchen;
- spezifische intertextuelle Konstellationen zwischen Storms und Thomas Manns Werk exemplarisch herausgreifen.

Dabei sind Beiträge besonders willkommen, die über bereits vorliegende Untersuchungen zu Storm als ‚literarischem Vorfahren‘ Manns hinaus neuere Entwicklungen in Literaturtheorie und Erzählforschung berücksichtigen.

Über Vortrags-Vorschläge würden wir uns sehr freuen. Bitte senden Sie ein kurzes Exposé (max. 1000 Zeichen) sowie eine bio-bibliografische Notiz bis zum 25. Februar per e-Mail an Prof. Dr. Andreas Blödorn (andreas.bloedorn@uni-muenster.de) und PD Dr. Bernd Hamacher (bernd.hamacher@uni-hamburg.de). Der Vorstand der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft entscheidet über die Annahme der Vorträge.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLübeck
Bewerbungsschluss25.02.2015
Beginn10.09.2015
Ende13.09.2015
PersonName: Blödorn, Andreas [Prof. Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: andreas.bloedorn@uni-muenster.de 
Name: Hamacher, Bernd [PD Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: bernd.hamacher@uni-hamburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft Sitz Lübeck e.V. 
Strasse/Postfach: Mengstraße 4 
Postleitzahl: 23552  
Stadt: Lübeck 
Telefon: 0049 +451 122 4242 
Fax: 0049 +451 122 4140 
E-Mail: tmg@buddenbrookhaus.de 
Internetadresse: www.thomas-mann-gesellschaft.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen; Motiv- u. Stoffgeschichte
Zusätzliches SuchwortThomas Mann; Theodor Storm
Klassifikation16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.08.00 Literarisches Leben; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.13.00 Gattungen und Formen; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.14.00 Stoffe. Motive. Themen; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.15.00 Zu einzelnen Autoren
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