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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Ordnung und Unordnung bei Tisch - Germanica N°57"
RessourcentypCall for Papers
TitelOrdnung und Unordnung bei Tisch - Germanica N°57
BeschreibungCall for paper Germanica N°57
Ordnung und Unordnung bei Tisch

Die deutsche Gesellschaft des dritten Jahrtausends ist eine Überflussgesellschaft, es herrscht ein überreiches Nahrungsangebot im Lande, etwa 170 000 Produkte . Der soziale Hintergrund, die Modetrends, das Schlankheitsideal, die natürliche Bio-Ernährung, das ökologische Verantwortungsbewusstssein, die Sorge um die Körpergesundheit, das alles wirkt sich auf das Verhältnis der Deutschen zu den Nahrungsmitteln aus. Was die Menschen essen, wie sie die Nahrungsmittel zubereiten, wann sie essen, mit wem sie essen, das hängt von psychologischen, sozialen, ökonomischen, kulturellen Faktoren ab. Der Lebensrhythmus in der gegenwärtigen Gesellschaft, die Forderung nach beruflicher Mobilität, die Allgegenwart der Kommunikationsmedien
tragen ebenfalls zur Änderungen der Esskultur bei.
Trotz des gesellschaftlichen Wandels und des sich beschleunigenden Lebenstempos bewahrt der Ernährungsakt, das gemeinsame Essen, weiterhin einen wesentlichen Platz im Leben. Wenn beim Essen Nahrungsmittel und Worte zirkulieren, werden auch die kulturellen Eigenheiten einer Gesellschaft oder eines Milieus vermittelt. In Mahlzeit-Szenen offenbart das Verhältnis der Personen zur Nahrung immer mehr als das, was repräsentiert wird. Essen ist nicht nur ein elementares körperliches Bedürfnis, es ist der Ausdruck des tiefsten Begehrens, das das Verhältnis zur Nahrung humanisiert und Lebensfreude aufkommen lässt.
In allen literarischen Gattungen kommt der Beziehung zur Nahrung auf die verschiedensten Arten nicht nur eine materielle Bedeutung sondern auch eine metaphorische zu. Das gemeinsame Essen oszilliert forwährend zwischen dem Lebenserhaltungsbedürfnis und dem symbolischen Ausdruck von Formen des Miteinanderlebens. Essen ist ein individueller aber auch kollektiver Akt, ein intimer aber auch sozialer Akt, ein physischer aber auch symbolischer Akt. Treten in der deutschen Gegenwartsliteratur die Malhlzeit-Szenen weniger häufig auf , so ist das Thema der Beziehung zur Nahrung unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses zum Körper, zur Gesundheit, zur Ästhetik, zu religiösen Speisegesetzen, zum Fasten wohl präsent.
In der literarischen Produktion der letzten dreissig Jahren sollten die Repräsentationen des gemeinsamen Essens analysiert werden. Das gemeinsame Essen ist ein sozialer Akt, der bestimmten Regeln folgt. Man wird achten auf die Personenkonstellationen um den Tisch, auf offen oder heimlich sich anbahnenden Beziehungen am Tisch, auf Verhalten, die kulturelle Konventionen ausdrücken wie Höflichkeit, Distanz, Respekt, Anerkennung, aber auch auf sexuelle Differenzen im Ernährungsverhalten. Das Mahlzeit-Motiv, nämlich beim « Tête-à-tête-Essen », kann dazu dienen, eine Zweierbeziehung zu schildern. Die multiplen Facetten einer Paarbeziehung, sexuelles Begehren, Verführungversuch, Widerstand, Sublimierung, lassen sich über den Modus des Essens darstellen. Die Darstellung der Essgewohnheiten kann sich auch auf die ethnischen Zugehörigkeiten beziehen. Man wird die in dieser Hinsicht reichhaltige interkulturelle Literatur nicht vernachlässigen.
Bei den Analysen der Beziehungen zur Nahrung wird man auf die narrativen Strategien, auf die Verwendung von Metaphern, auf den Schreibmodus achten. Das gemeinsame Essen soll nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Machtverhältnisse, sondern auch unter dem Gesichtpunkt der sozialen, kulturellen, sexuellen, religiösen Zugehörigkeiten untersucht werden. Nicht zu vergessen sind die alimentären Tabus, die religiösen Speisegesetze, das gestörte Verhältnis zur Nahrung, Anorexie und Bulimie. Man wird auch die sogenannten neuen Essgewohnheiten der heutigen Gesellschaft in Betracht ziehen.
Es geht im Grunde darum, die literarischen Darstellungen der Beziehungen zur Nahrung und der Essgewohnheiten in ihren kulturellen, sozialen, humanen, ästhetischen, spirituellen, symbolischen, ritualen, religiösen Dimensionen zu beleuchten und sie in Beziehung zu setzen mit den sozio-kulturellen Transformationen der deutschen Gesellschaft und dem damit einhergehenden Wertewandel.

Bitte schicken Sie Ihre Beitragsvorschläge (ca. 15 Zeilen) sowie eine bio-bibliografische Notiz bis zum 28. Februar 2015 an Bernard Bach (bernard.bach@univ-lille3.fr) und Annick Carlier (annick.carlier@univ-lille3.fr). Das Redaktionskomitee entscheidet über die Annahme der Vorschläge.
Die Nummer soll im Dezember 2015 erscheinen.
Deadline für die Abgabe der Manuskripte ist der 15. September 2015.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss28.02.2015
Ediert von  H-Germanistik
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