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Ergebnisanzeige "Körperbilder zwischen Kult und Verschwinden"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelKörperbilder zwischen Kult und Verschwinden
BeschreibungAmsterdam, 29./30. Januar 2015
Masterclass: Körperbilder zwischen Kult und Verschwinden

Die Veranstaltung geht hervor aus einer Initiative der Universität von Amsterdam und ist ein Kooperationsprojekt mit der Ruhr Universität Bochum, der Universität Bonn, der Universität Duisburg-Essen und dem Deutschlandinstitut (Amsterdam)

Problemaufriss
Körperbilder zwischen Kult und Verschwinden

Nachdem Körper lange Zeit unter einer anthropologisch-phänomenologischen Perspektive betrachtet wurden, gewinnt der kulturelle ebenso wie gesellschaftlich-politische Diskurs über Körper seit etwa dreißig Jahren zunehmend an Bedeutung (Klein). Zu Beginn dieser Auseinandersetzung haben Elias und Foucault den Körper vor allem als Ergebnis historisch je spezifischer sozio-kultureller Konstruktionsprozesse konzipiert. Heute spricht man von einem Paradox, einerseits von der „Wiederkehr des Körpers“ (Kamper/Wulf), andererseits von seinem zunehmenden Verschwinden angesichts der Virtualisierung und Medialisierung unserer Welt (Nitschke).

Von den heute herrschenden Körperbildern imponiert der beliebig formbare Körper als Idealkörper in den Feldern von Freizeit, Schönheit, Gesundheit, Sport und nicht zuletzt auch der Sexualität. Als damit verbunden lässt sich eine zunehmende Ökonomisierung beobachten, die Körper als Kapital, nämlich „körperliches Kapital“ verwertbar macht (Bourdieu). Denn als materieller Besitz können (die entsprechend geformten) Körper gewinnbringend eingesetzt werden, um Anerkennung, Ansehen und Identität zu gewinnen und zu vermehren. Man spricht inzwischen von Körpern schon als einer Form von „inkorporierter Kompetenz“ oder kurz als „Kultobjekt“ (Gugutzer). Vor allem dieser letzte Aspekt ist gesellschaftspolitisch wichtig, denn er reicht vom staatlichen Interesse (Bodypolitics) an der Pflege des Individualkörpers als Teil des Volkskörpers bis hin zu größeren Gewinnchancen auf dem Arbeits- und Liebesmarkt.

Zur Untersuchung der aktuellen Körperbilder sollen in der Masterclass die einschlägigen Theorien von Merleau-Ponty, Plessner, Elias, Foucault, Bourdieu und anderen herangezogen und im Zusammenhang mit neueren Ansätzen der „body studies“ diskutiert werden. Eine weitere, möglicherweise eigenständige Untersuchungsmethode wird von solchen Kunstproduktionen angereicht, die im eigenen Medium den Körper als „artistic research“ reflektieren: Theater, Tanz, Performance etc. Während der Zwang zur Inszenierung des eigenen Körpers in jüngster Zeit weiter zugenommen hat und das Körperbild in den Medien bestimmt, steht dem doch de facto die alltägliche Auseinandersetzung mit den mal kleinen mal größeren Dysfunktionalitäten der Körper entgegen. Erstaunlicherweise sind es gerade diese, die gegenwärtig den künstlerischen Diskurs bestimmen: Hier werden Aussagen über den Körper zum Thema Krankheit, Alter, Alterität oder Tod getroffen, bei der seine Schwere und Unverrückbarkeit oftmals zum Residuum authentischer Körpererfahrung wird.

Masterclass: Körperbilder zwischen Kult und Verschwinden

Programm:
Donnerstag, 29.1.15
Goetheinstitut Amsterdam, Herengracht 470, 1017 CA
Freitag, 30.1.15
Universitätsbibliothek, C1.13 (Belle van Zuylenzaal), Singel 421-427, 1012 WP

Programm

Sektion 1: Rezipierte Körper
Moderation: Rolf Parr

13.15-14.00 Britta Caspers (Duisburg-Essen)
Mögliche Körper: Zum Verhältnis von Körper und Bild in den Fotos/Texten von Jochen Gerz
14.00-14.10 Sinead Wendt (Amsterdam)
Subjektformation in »Die Schutzbefohlenen« von Elfriede Jelinek
14.10-14.20 Friederike Lenter (Amsterdam)
»Majorité oprimée»: Das Ende der männlichen Unantastbarkeit?
14.20-14.35 Diskussion
14.35-14.45 Stefanie Weiß (Amsterdam)
»Freakstars« damals und heute. Gekonnte Provokation oder die Grenze des guten Geschmacks?
14.45-14.55 Svea Gustavs (Amsterdam)
Der Leib und die Sprache des Volkes am Beispiel von Georg Büchners »Dantons Tod« und Elfriede Jelineks »Rechnitz (Der Würgeengel)«
14.55-15.10 Diskussion

Sektion 2: (De-) Konstruierte Körper
Moderation: Nicole Colin

15.45-16.30
Christina Lechtermann (Bochum)
Der zergliederte Körper

16.30-16.40 Ina Westermann (Duisburg-Essen)
Fantasien der Entkörperlichung im Science Fiction Film: »Transcendence« und »Ghost in the Shell«
16.40-16.50 Coene Wouters (Amsterdam)
Wer ist denn hier subaltern? Untergeordnete Körper in Ulrich Seidls »Paradies: Liebe«
16.50-17.05 Diskussion

Keynote
Moderation: Carla Dauven-van Knippenberg

17.30-18.30) Magdalena Beljan (Max Planck Institut für Bildungsforschung, Berlin)
Körper, Bilder und Gefühle


Freitag, 30.1.15

Sektion 3: Soziale Körper
Moderation: Joachim Umlauf/Nicole Colin

9.30-10.15
Joachim Harst (Bonn)
Verkörperungen des Sozialen:Zu Gugutzers Theorie der Leiblichkeit
10.15-10.25 Isabelle van der Weerden (Amsterdam)
Frauen – Kloster – Körper: Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen und religiösen Veränderungen
10.25-10.35 Chiara Tissen (Amsterdam)
Krankheit als Geheimnis oder Stigma: Die Rolle der Gesellschaft in Helmut Dubiels »Tief im Hirn«
10.35-10.50 Diskussion
10.50-11.00 Marissa Pels (Amsterdam)
Ingeborg Bachmanns »Ihr glücklichen Augen« und Max Frischs »Mein Name sei Gantenbein«
11.00-11.10 Thom Westveer (Amsterdam)
Thomas Manns »Tonio Kröger«: der Dichter als Außenseiter
10.10-11.25 Diskussion

Pause: 11.25-11.45

11.45-12.30
Susanne Böhmisch (Aix-Marseille)
Körperliches Kapital in der Wiederholung: Zum Tanztheater Pina Bauschs
12.30-12.40 Alexander Lemonakis (Bochum)
Körper in Bewegung: Sport in John von Düffels »Ego« und in Elfriede Jelineks »Ein Sportstück«

12.40-12.50 Nils Demetry (Duisburg-Essen)
Körperdiskurs im ›Pop‹ zwischen 1992 und heute
12.50-13.05 Diskussion

Pause: 13.05-14.00
Sektion 4: Radikale Körper

14.00-14.45
Thomas Stachelhaus (Duisburg-Essen)
Eklige Erzählwelten: Radikale Körper-, Selbst-, Welterfahrungen im Spiegel der Literaturkritik
14.45-14.55 Melissa Buitenweg (Amsterdam)
Body Horror in »The Fly« und »District 9«

14.55-15.05 Nora Schönfelder (Bochum)
»Corpus Delicti«: Das kreative Potential des Körpers

15.05-15.20 Diskussion

15.20-15.30
Zusammenfassung, Ausblick und Verabschiedung
Anna Seidl

Die Veranstaltung wird dankenswerterweise von den folgenden Institutionen unterstützt:
Goethe-Institut Niederlande
Duitsland Instituut Amsterdam (DIA)
Graduate School of Humanities (Amsterdam)
Universitäten Amsterdam, Bochum, Duisburg-Essen, Bonn, Aix-Marseille

Kontakt: Dr. Anna Seidl (a.s.seidl@uva.nl)


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortAmsterdam
Beginn29.01.2015
Ende30.01.2015
PersonName: Seid, Anna [Dr.] 
Funktion: Koordinator 
E-Mail: a.s.seidl@uva.nl 
KontaktdatenName/Institution: Germanistik Universität von Amsterdam 
Strasse/Postfach: Spuitstraat 210  
Postleitzahl: 1012 VT 
Stadt: Amsterdam 
Telefon: 0031/20/5256181 
E-Mail: a.s.sedil@uva.nl 
LandNiederlande
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur- u. Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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