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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "theatrum animalium - theatrum animarum. Inszenierungen der Tier-Mensch-Relation"
RessourcentypCall for Papers
Titeltheatrum animalium - theatrum animarum. Inszenierungen der Tier-Mensch-Relation
Beschreibungtheatrum animalium - theatrum animarum. Inszenierungen der Tier-Mensch-Relation

Institut für Theater-, Film- & Medienwissenschaft (Universität Wien)


Seit frühesten zivilisationsgeschichtlichen Überlieferungen findet sich
das Verhältnis von Tier und Mensch im Zentrum politischer, ästhetischer,
religiöser und historischer Praktiken und Reflexionen. Gesellschaften
definieren sich immer auch darüber, wie und welche Tiere in ihnen als
Nutz- oder Haustiere, als Totemtiere oder Staatsembleme fungieren, oder
auch – zum Beispiel in Gestalt von Chimären und Monstern – in Figurationen
des ganz ‚Anderen’ eingehen.

In diesem Zusammenhang spielen Inszenierungsstrategien im weitesten Sinn
eine besondere Rolle: Tiere sind – speziell wo sie nicht primär als
Nutztiere dienen – immer wieder zu Akteuren und Protagonisten diverser
Darbietungen, Repräsentationen und theatraler Vorführungen geworden. Dabei
mag es häufig darum gehen, das jeweils „Menschliche“ oder „Kulturelle“ in
Absetzung vom je „Tierischen“ und „Wilden“ begreif- und darstellbar zu
machen. Zugleich ist aber auch eine lange Gegengeschichte von Formen
erkennbar, in denen derartige Oppositionen selbst „aufs Spiel gesetzt
werden“, bis hin zur Frage, ob die Begriffe „Tier“ und „Mensch“ schon als
Singularformen überhaupt geeignet sind, um dem fraglichen „Gefüge“ gerecht
zu werden, oder ob sie nicht zwingend in – sich zudem wechselseitig
durchdringende – Pluralformen gesetzt werden müssen.

Die Tagung „theatrum animalium – theatrum animarum“ möchte sich
historischen und gegenwärtigen Inszenierungen der Tier-Mensch-Relation
primär aus theaterwissenschaftlicher Perspektive nähern. Dabei sind
verschiedene thematische Zugänge und Schwerpunkte denkbar:


> Theaterformen
Höfische Jagdpraktiken, Fest- und Jahrmarktskulturen, Karneval,
Tierkampftraditionen, Menagerien und auch sogenannte Affen- und
Hundetheater zeigen, dass Theater keineswegs nur aus menschlichen Akteuren
bestehen muss. Inwiefern konterkarieren oder supplementieren und
unterstützen solche Formen eine Geschichte, in der Theater vor allem als
„Menschen-Darstellungs-Institut“ erscheint?

> Theaterliteratur/Literaturtheater
Zahlreiche Theatertexte sprechen auf die ein oder andere Weise von
Prozessen der „Tierwerdung“. Wie und mit welchen Konsequenzen wird etwa in
Texten von Aristophanes, Jelinek, Kleist, Müller, Nestroy oder Shakespeare
das Verhältnis von „Menschlichem“ und „Tierischem“ verhandelt? Welche
Herausforderung bedeuten diese Texte für die Traditionen einer Schaubühne,
in der man laut Schiller fühlen kann, was es heißt, „ein Mensch zu sein“?
Und in welchem Verhältnis stehen sie zu nicht oder nicht primär
literarischen Theaterformen (z.B. Tanz, Performance) in Geschichte und
Gegenwart?

> Theaterarchitektur & -raum
Die Einrichtung ‘des’ Theaters als „Menschen-Bühne“ geht historisch in
auffälliger Weise mit einer räumlichen Umgestaltung einher, die anstelle
der Arena-Form eine konfrontativ angeordnete Darstellungsfläche
installiert. Wie hängt ein anderes Verständnis der Mensch-Tier-Relation
mit anderen Theaterräumen zusammen? Wie sind Bühnenformen wie etwa die
antike Bühnenanlage oder die Shakespeare-Bühne vor diesem Hintergrund zu
beschreiben? Und welche Bühnenräume sind für eine angemessene
zeitgenössische Auseinandersetzung mit der Mensch-Tier-Frage denkbar oder
möglich?

> Theater & andere Medien
Wo Tier-Mensch-Fragen ins Spiel kommen, werden auch die angeblichen
Grenzen der medialen Formate überschritten: Von Kleists fechtendem
Tanzbären (Über das Marionettentheater) bis zu Heiner Müllers
Bildbeschreibung als einer „Übermalung“ von Hitchcocks The Birds, von der
Filmaufnahme der spektakulären Hinrichtung des Freizeitpark-Elefanten
„Topsy“ (1903) bis hin zu diversen Mischformen von Theater und
Ausstellung, Zoo oder Museum. Inwiefern zeigen sich die medialen und
inszenatorischen Vermischungsstrategien, wenn das sogenannte „Tierische“
im Zentrum der Betrachtung seht?

> Chor & Harlekin
Die Geschichte des institutionalisierten europäischen Theaters kennt vor
allem zwei folgenschwere Ausgrenzungsbewegungen: Den Ausschluss der
Chorfigur, die schon bei Euripides ihren Status als eine Reflexionsform
des „Außen“ verlor und in neuzeitlichen, primär visuell organisierten
Bühnenanlagen nicht einmal mehr einen Ort hat, und die Vertreibung des
Harlekin und seiner Figurationen, die im Zuge der frühaufklärerischen
Theaterreformen von Gottsched sogar als vermeintliche Inszenierung
zelebriert wurde. Gibt es einen Zusammenhang dieser beiden offenbar als
bedrohlich empfundenen Figuren oder Figurationsformen mit dem Thema des
Tieres? Inwiefern manifestiert sich in ihnen ein „anderes“ Bild des
Menschlichen, das nicht abtrennbar ist von tierischen Dimensionen?


Einreichformalia & weitere Informationen

- Einzureichen: Vortragsvorschlag (mind. 2000 / max. 2500 Zeichen inkl.
Leerzeichen), tabellarischer Lebenslauf (mit Fokus auf:
wissenschaftlicher/universitärer Werdegang, Publikations- &
Vortragsliste, Kontaktdaten) als pdf.- & doc.-Dokument
- Einreichungen an: tmi.tfm@univie.ac.at
- Einsendeschluss 15. März 2015
- Veranstaltungsort & -datum: Institut für Theater-, Film- &
Medienwissenschaft (Universität Wien), 09. bis 11. Dezember 2015
- Vortragslänge: 25-30 min.
- Zu berücksichtigen: Da ein Tagungsband geplant ist, wird unmittelbar nach
der Veranstaltung eine Artikel-Version Ihres Vortrags benötigt.

Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen!

> weitere Informationen auf:
http://www.univie.ac.at/tier-mensch-inszenierungen/

MMag. David J. Krych (Universität Wien) david.krych@univie.ac.at
Dr. Sebastian Kirsch (Ruhr-Universität Bochum) sebastian.kirsch@univie.ac.at

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWien
Bewerbungsschluss15.03.2015
Beginn09.12.2015
Ende11.12.2015
PersonName: David J. Krych 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: david.krych@univie.ac.at 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Theater-, Film- & Medienwissenschaft / Universität Wien 
Strasse/Postfach: UZA II, Rotunde, Althanstraße 14 
Postleitzahl: 1090 
Stadt: Wien 
Telefon: +43-1-4277-48401 
Fax: +43-1-4277-848401 
E-Mail: sekretariat.tfm@univie.ac.at 
Internetadresse: https://tfm.univie.ac.at/home/ 
LandÖsterreich
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeDramentheorie; Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationstheorie; Motiv- u. Stoffgeschichte; Theater (Aufführungspraxis)
Ediert von  H-Germanistik
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