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Ergebnisanzeige "Komparatistik und Didaktik. Möglichkeiten eines vergleichenden Literaturunterrichts "
RessourcentypCall for Papers
TitelKomparatistik und Didaktik. Möglichkeiten eines vergleichenden Literaturunterrichts
Beschreibung- Call for papers für einen Sammelband -

Vergleichende Literaturwissenschaft und Didaktik miteinander in Verbindung zu bringen, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen: In einem Curriculum, das sich an Nationalspra-chen und Einzelphilologien orientiert, ist die Komparatistik als Schulfach nicht verankert und der nationale Grenzen überschreitende Vergleich gilt als stoffliche Überforderung. Das aber steht in eklatantem Widerspruch zur literarischen Realität. Autoren haben schon im-mer die Werke aus anderen Sprachen (bzw. Gattungen, Künsten) zum Vorbild genommen, so dass die Kenntnis wichtiger Paralleltexte das Verständnis kanonischer Literatur ent-scheidend befördert. Mit dem Anbruch der Moderne und dem Übergang in die Gegenwarts-literatur ist die Vorstellung einer vornehmlich aus dem eigenen, nationalen Kulturbestand schöpfenden und sich erneuernden literarischen Tradition vollends unhaltbar geworden: Die beschleunigten Kommunikationswege und deren globale Reichweite lösen lokale Beson-derheiten im 20. und 21. Jahrhundert immer mehr auf; dazu kommt die multimediale Prä-gung der zeitgenössischen Lebenswelt, in der eine auf singulären Werken basierende Lite-raturdidaktik anachronistisch erscheint. Wenn der Literaturunterricht Sprach- und Medien-kompetenz vermitteln soll, dann darf er sich nicht ausschließlich auf eine isolierte, rein monolinguale und mediale Betrachtung literarischer Texte beschränken, sondern muss seinen Gegenstandsbereich um Übersetzungen, Adaptionen und Vergleichstexte erweitern ‒ ggf. auch in der Form eines kooperativen, (fächer)integrativen Unterrichts.
Abgesehen von der im Unterricht nachzuvollziehenden Dringlichkeit einer komparatisti-schen Sichtweise auf Literatur hat der rationale und intellektuelle Vorgang des Verglei-chens aber einen didaktischen Wert per se: Zwingt er doch dazu, die Vergleichsgegen-stände genau zu betrachten, um ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen. So erhält das eine über den Blick auf das andere ein neues, schärferes Profil, und in vielen Fällen ergibt sich der Anlass, bisher Übersehenes in den Blick zu nehmen. Nicht von unge-fähr ist der Vergleich seit der Aufklärung zu einer der wichtigsten erkenntnistheoretischen Methoden avanciert ‒ eine Entwicklung, die die Einrichtung zahlreicher komparatistischer Teildisziplinen in den Geistes- und Sozialwissenschaften nach sich gezogen hat, u.a. auch der vergleichenden Erziehungswissenschaften. Hat sich die Vergleichsmethode auf diesem Weg in den Wissenschaften fest etabliert, so hat sie in die Unterrichtsräume aber nur sel-ten Einlass gefunden; integratives Unterrichten ist die Ausnahme und zu einer ‚verglei-chenden Didaktik‘ gibt es nicht mehr als Ansätze. Der geplante Sammelband soll Wege aufzeigen, dies zu ändern.
Die in dem geplanten Sammelband durchzuführende, experimentelle und exemplarische Verknüpfung ermöglicht beiden beteiligten Disziplinen eine methodische und theoretische Reflektion: Die Literaturdidaktik erprobt die Vermittlung von Literatur durch den Vergleich mit Intertexten, Adaptionen oder kontextuell naheliegenden Kunstwerken (bildende Kunst, Film, Musik); die vergleichende Literaturwissenschaft ist gezwungen, für ihre i.d.R. auf die Forschung konzentrierte komparatistische Arbeit eine auch außerhalb der Universität ver-mittelbare Form zu finden und auf diesem Weg das didaktische Potential ihrer ureigensten Methode zu erweisen. Aus diesem Konzept des Bandes ergeben sich zwei Schwerpunkte, denen die Beiträge (vorläufig) zugeordnet werden sollen:

a) Komparatistischer Literaturunterricht
Literarische Werke stehen nicht isoliert in der Geschichte, sondern befinden sich im inter-textuellen und intermedialen Austausch mit anderen Werken. Welche Vergleichsfälle deut-scher und fremdsprachlicher Texte eignen sich für den Unterricht? Welche Adaptionen o-der Vergleiche zwischen den Künsten, den Gattungen oder den Medien können die deut-schen, englischen, französischen etc. Ausgangsstoffe in ein neues Licht rücken? Im Ver-gleich unterschiedlicher (internationaler) Beispiele einer Gattung (z.B. des Sonetts, der Ballade oder des Kriminalromans) werden deren Möglichkeiten oft erst richtig ersichtlich. Zudem gilt inzwischen wohl, dass viele Jugendliche literarische Texte zuerst über ihre Ver-filmungen wahrnehmen. Der Vergleich von Text und Leinwandfassungen (bzw. Hörspiel , Comicfassungen, Dramatisierungen etc.) schärft den Blick für die Langlebigkeit bestimm-ter narrativer Handlungsmuster, genauso wie für medien oder kulturspezifische Unter-schiede und Umdeutungen.
Welchen literarischen Beispielen ist eine komparative, z.B. interkulturelle Poetik bereits erkennbar eingeschrieben? Neben der inzwischen häufig thematisierten Migrationsliteratur kommt hier etwa auch die multilinguale Literatur in Betracht, für die es für den Unterricht geeignete Beispiele nicht nur in der Gegenwartsliteratur gibt.

b) Didaktik des Vergleichens
Welche Rolle spielen vergleichende Methoden für Lern- und Verstehensprozesse? Verglei-chendes Denken zwingt nicht nur dazu, Analogien und Differenzen zu erkennen, sondern kann dazu führen, dass durch die Relationierung mittels eines tertium comparationis´ bis-her Unentdecktes an bekannten Gegenständen auffällt. Zu diskutieren sind Möglichkeiten, den Vergleich didaktisch zu funktionalisieren, z.B. in klassifikatorischen Ordnungen, im hermeneutischen Zirkelverfahren, in cross-mappings. In welchem Umfang ist der Ver-gleichsvorgang dazu geeignet, eine kritische Reflektion in Gang zu setzen, Kontingenzen zu erkennen (‚es könnte auch anders sein‘) oder auf aktuelle Bezüge älterer Stoffe aufmerk-sam zu werden (z.B. anhand von aktualisierenden Intertexten, Klassikerinszenierungen etc.)?

Interessierte senden bitte bis zum 15.3.2015 ein Kurzexposé (200-300 Wörter) an m-eggers@gmx.net und christof.hamann@uni-koeln.de. Die Benachrichtigung der ausgewähl-ten Autorinnen und Autoren erfolgt bis Ende März 2015, die druckfertigen Texte sollten bis 31.1.2016 vorliegen.

Bibliographie:
- Birus, Hendrik (1999): „Das Vergleichen als Grundoperation der Hermeneutik“. In: Berg, Henk de / Prangel, Matthias / Steinmetz, Horst (Hg.): Interpretation 2000. Positionen und Kontroversen. Heidelberg, S. 95–117.
- Bronfen, Elisabeth: „Cross-Mapping. Kulturwissenschaft als Kartographie von erzählender und visueller Sprache“. In: Musner, Lutz / Wunberg, Gotthart (Hg.): Kulturwissenschaften, Forschung, Praxis, Positionen. Wien 2002, S. 110-134.
- Bronfen, Elisabeth: Crossmappings. Essays zur visuellen Kultur. Zürich 2009.
- Delanoy, Werner / Helga Rabenstein / Werner Wintersteiner (Hg.): Lesarten. Literaturdi-daktik im interdisziplinären Vergleich. Innsbruck, Wien 1996.
- Frederking, Volker / Axel Krommer / Klaus Maiwald: Mediendidaktik Deutsch. Eine Ein-führung. Berlin 2008.
- Frederking, Volker / Petra Josting (Hg.): Medienintegration und Medienverbund im Deutschunterricht. Baltmannsweiler 2004.
- Gabriel, Gottfried: Logik und Rhetorik der Erkenntnis. Zum Verhältnis von wissenschaft-licher und ästhetischer Weltauffassung. Paderborn 1997.
- Greshoff, Rainer: „Interdisziplinarität und Vergleichen“. In: Peter V. Zima (Hg.): Verglei-chende Wissenschaften: Interdisziplinarität und Interkulturalität in den Komparatistiken. Tübingen 2000, S. 29-45.
- Grunder, Hans-Ulrich (Hg.): Vergleichende Didaktik - was vergleichen, weshalb und zu welchem Ende? Frankfurt/M.: Peter Lang 2012 (Pädagogische Rundschau ; Jg. 66,6).
- Hallet, Wolfgang (Hg.): Neue Ansätze und Konzepte der Literatur- und Kulturdidaktik. Trier 2007.
- Hopmann, Stefan / Klafki, Wolfgang / Krapp, Andreas / Riquarts, Kurt (Hg.): Didaktik und / oder Curriculum. Grundprobleme einer international vergleichenden Didaktik. Bei-heft der Zeitschrift für Pädagogik (1995).
- Köhnen, Ralph: Wege zur Kultur. Perspektiven für einen integrativen Deutschunterricht. Frankfurt/M. 1998.
- Krommer, Axel / Matthias Hesse / Julia Müller: „Poem - Lyrikverfilmungen als Impuls für den Deutschunterricht“. In: Deutschunterricht 3 (2005), S. 44-48.
- Krommer, Axel / Matthias Hesse: „‘Du sollst nicht...‘ - Gedichte verfilmen. Zur Theorie und Praxis eines Lyrik-Projekts in der Sekundarstufe II“. In: Frederking, Volker (Hrsg.): Filmdidaktik und Filmästhetik. Jahrbuch Medien im Deutschunterricht 2005. München 2006, S. 145-160.
- Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (Hg.): Schulentwicklung "Fachübergreifendes Arbeiten": Bilanz und Perspektiven. Frechen 1997.
- Landesinstitut für Schulen und Weiterbildung (Hg.): Ansätze zum fächerübergreifenden Unterricht. Lernen über Differenzen. Tagungsdokumentation und Anregungen für die Pra-xis. Bönen 1997.
- Lutz, Helga / Jan-Friedrich Missfelder / Tilo Renz (Hg.): Äpfel und Birnen: illegitimes Vergleichen in den Kulturwissenschaften. Bielefeld 2006.
- Marci-Boehnke, Gudrun / Rath, Matthias (Hrsg.): BildTextZeichen lesen. Intermedialität im didaktischen Diskurs. München 2006.
- Mauz, Andreas (Hg.): Hermeneutik des Vergleichs. Strukturen, Anwendungen und Gren-zen komparativer Verfahren. Würzburg 2011.
- Olof, Klaus: „Literarisches Übersetzen im Literaturunterricht“. In: Delanoy u.a.: Lesarten, S. 127-140.
- Sass, Hartmut von: „Vergleiche(n). Ein hermeneutischer Rund- und Sinkflug“. In: Mauz: Hermeneutik des Vergleichs, S. 25-47.
- Schindler, Frank: „Verbundsysteme: Integrativer Deutschunterricht und fächerübergrei-fendes Lernen“. In: Klaus-Michael Bogdal / Hermann Korte: Grundzüge der Literaturdidak-tik. München 42006, S. 272-285.
- Schubert, Volker: Pädagogik als vergleichende Kulturwissenschaft: Erziehung und Bil-dung in Japan. Wiesbaden 2005.
- Solte-Gresser, Christiane: „Potenziale und Grenzen des Vergleichs. Versuch einer litera-tur- und kulturwissenschaftlichen Systematik“. In: Solte-Gresser, Christiane / Lüsebrink, Hans-Jürgen / Schmeling, Manfred (Hg.): Zwischen Transfer und Vergleich. Theorien und Methoden der Literatur- und Kulturbeziehungen aus deutsch-französischer Perspektive. Stuttgart 2013, S. 23–35.
- Werlen, Erika: „Theorie und Praxis eines integrativen Deutschunterrichts“. In. Der Deutschunterricht 48 (1996), S. 3-8.
- Wermke, Jutta: Integrierte Medienerziehung im Fachunterricht - Schwerpunkt: Deutsch. München 1997.
- Wilkens, Gabriela S. / Ursula Neumann: „Multikulturalität und Mehrsprachigkeit als Lern-bedingungen im Literaturunterricht“. In: Klaus-Michael Bogdal / Hermann Korte: Grundzü-ge der Literaturdidaktik. München 42006, S. 78-90.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.03.2015
PersonName: Eggers, Michael [PD Dr.] 
Funktion: Herausgeber 
E-Mail: m-eggers@gmx.net 
Name: Hamann, Christof [Prof. Dr.] 
Funktion: Herausgeber 
E-Mail: christof.hamann@uni-koeln.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Sprache und Literatur I, Universität zu Köln 
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literaturdidaktik
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.04.00 Methodik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.17.00 Deutschunterricht. Literaturdidaktik; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.04.00 Weltliteratur; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.06.00 Beziehungen einzelner Völker zur deutschen Literatur
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