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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Konjektur und Krux III: Lektüre – Darstellung – Interpretation"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelKonjektur und Krux III: Lektüre – Darstellung – Interpretation
BeschreibungKonjektur und Krux III: Lektüre – Darstellung – Interpretation
am 20./21. Juni 2008 im Freien Deutschen Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum

Der Workshop „Konjektur und Krux: Lektüre – Darstellung – Interpretation“ baut auf zwei Tagungen auf, die am 13./14.7. 2007 am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin, und am 30.11./1.12. 2007 am Schweizerischen Literaturarchiv, Bern, stattgefunden haben.

Ausgangspunkt für die Tagungsreihe waren Überlegungen von Kai Bremer und Uwe Wirth, die sich an der Schnittstelle von Editionsphilologie und Literaturtheorie bewegen. In Berlin wurden literaturtheoretische und wissenschaftsgeschichtliche Fragen zum Verhältnis von Konjektur und Krux thematisiert. Auf der Berner Tagung, die gemeinsam mit Irmgard Wirtz konzipiert wurde, rückte die Frage, wie sich aus editionstheoretischer und praktischer Sicht eine Analyse von Schreibprozessen zu der Dichotomie von Konjektur und Krux verhält, in den Mittelpunkt.

Während die beiden vorangehenden Tagungen den Status der jeweiligen Konjektur oder Krux untersucht haben, soll auf der gemeinsam mit Anne Bohnenkamp geplanten Tagung in Frankfurt nun der Gesamtprozess, in den Konjektur und/oder Krux eingebunden sind, fokussiert werden. Die Leseforschung (Eco) hat wiederholt gezeigt, dass die Lektüre immer schon von Vorannahmen geprägt ist und dass dementsprechend implizite oder explizite Konjekturen Voraussetzung für jede Form der Auseinandersetzungen mit Texten sind. Dieses, den Lektüremodus thematisierende Konjektur-Verständnis steht in einem Spannungsverhältnis zum engeren Konjektur-Begriff, wie er gegenwärtig und in Rückgriff auf Editionspraktiken des 19. Jahrhunderts in der Editionsphilologie im Gebrauch ist und in der neueren Editionspraxis weitgehend mit einer generellen Absage an Konjekturen verbunden wird. Die Tagung möchte sich allerdings nicht darauf beschränken, den Konjektur-Begriff zu thematisieren. Unter Einbeziehung historischer und aktueller Editionsverfahren und –medien soll in einem zweiten Schritt die Frage nach der Darstellung von Konjekturen aufgeworfen werden. Während nämlich das Setzen der Krux auf der Darstellungsebene unproblematisch ist, fordert die Konjektur den Editor heraus: Wie soll eine Konjektur gekennzeichnet werden? Diese Frage ist deswegen von hoher Relevanz, weil letztlich für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Text die Begründung für die Konjektur viel entscheidender und aussagekräftiger ist, als die bloße Graphemfolge im edierten Text selbst. Denn erst die Begründung der Konjektur ermöglicht dem Rezipienten eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Konjektur, was erhebliche Folgen für das Gesamtverständnis des Textes zeitigt. Damit gerät das schwierige Verhältnis von Interpretation und Konjektur in den Blick. Folgt man den älteren Systematisierungen der Philologie, dann haben ‚Konjektur’ und ‚Interpretation’ keine Berührungspunkte. Schon in der antiken Philologie, dann aber auch in der der Renaissance und der des 19. Jahrhunderts wird die Konjektur als Teilgebiet der Emendation verstanden. Die Interpretation besetzt dagegen eine eigene, der Emendation nachfolgende Systemstelle. Wie die Ausführungen zur Darstellung jedoch zeigen, geht jeder Konjektur bereits eine Interpretation voraus. Dieses Problem haben Hermeneutik-Theoretiker wie Schleiermacher immer schon berücksichtigt und durch das Prinzip der Divination zu lösen versucht. Die Divination ist freilich ihrerseits ein Selbstermächtigungsprinzip, das dazu tendiert, die Begründungen und Interpretationsleistungen, die der Konjektur vorausgehen, zu verschleiern. Damit kann sich weder eine kritische Editionsphilologie noch eine kritische Literaturtheorie zufrieden geben. Deswegen gilt es, nach neuen Antworten auf die Frage zum Verhältnis von Konjektur und Interpretation zu suchen.


Programm

Freitag, 20. Juni 2008

14:30-15:15 Uhr:
Begrüßung und Einführung:
Anne Bohnenkamp-Renken (Frankfurt)

Kai Bremer, Uwe Wirth (beide Gießen)

15:15-16:15 Uhr:
Stephan Kammer (Berlin): Konjekturales Entziffern (Warburton, Morel)

Katja Fries (Bern): Johann Jakob Bodmers "Ugolino"-Manuskript - Vorschlag zu einer konjekturalen Lektüre

Responsion: Daniel Weidner (Berlin)

Pause

16:45-17:45 Uhr:
Anke Bosse (Namur): Paratextuelle, medienspezifische Lektüresteuerung und Konjekturdarstellung: Schriften des ‚jungen Goethe’

Rüdiger Nutt-Kofoth (Hamburg/Wuppertal): „Leid“ oder „Lied“ oder was ist Goethes "Faust"? Zum Verhältnis von Textkritik und Interpretation (aus Anlass jüngerer Faust-Ausgaben)

Responsion: Almuth Grésillon (Paris)

17:45-18:15 Uhr:
Hubert Thüring (Bern): Die unschreibbare Melodie. Zu einem frühen Gedicht Gottfried Kellers

Responsion: Wolfgang Bunzel (Frankfurt)

18:15-18:45 Uhr:
Zwischenbilanz: Anne Bohnenkamp-Renken (Frankfurt)


Samstag, 21. Juni 2008

9:30-10:30 Uhr:
Carlos Spoerhase (Kiel), Denis Thouard (Lille/Paris): Ein Dialog über Divination

Christoph König (Osnabrück): Zur Frage philologischer Inspiration

Responsion: Ulrich Joost (Darmstadt)

Pause

11:00-11:45 Uhr:
Dirk Werle (Leipzig): Konjektur und Krux bei Karl Popper

Responsion: Uwe Wirth (Gießen)

11:45-12:45 Uhr:
Dietmar Pravida (Frankfurt): ‚Ideales Wachstum’. Überlegungen zu einer Denkfigur der klassischen neugermanistischen Editionswissenschaft

Ulrich Weber (Bern): Lektor oder Autor? Zur Interpretation der Korrekturvorgänge in Robert Walsers Romanmanuskript "Geschwister Tanner"

Responsion: Ulrike Leuschner (Darmstadt)

Mittagspause

14:30-15:15 Uhr:
Marcel Lepper (Marbach): Konjekturale Wissenschaftsgeschichte

Responsion: Konrad Heumann (Frankfurt)

15:15-16:00 Uhr:
Bodo Plachta (Amsterdam): Verbesserte Lektüre? Klaus Manns Mephisto in der Zeitschriften- und in der Buchfassung (1936)

Responsion: Irmgard Wirtz (Bern)

16:00-16:30 Uhr:
Abschlussdiskussion: Kai Bremer (Gießen)


Tagungsort
Freies Deutsches Hochstift
Frankfurter Goethe-Museum
Großer Hirschgraben 23-25
60311 Frankfurt am Main
Gefördert vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und vom Schweizerischen Literaturarchiv der Nationalbibliothek Bern

Kontakt
Dr. Kai Bremer
Institut für Germanistik
JLU Gießen
Otto-Behaghel-Str. 10b
D-35394 Gießen
Kai.Bremer@germanistik.uni-giessen.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt am Main
Beginn20.06.2008
Ende21.06.2008
PersonName: Bremer, Kai [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: Kai.Bremer@germanistik.uni-giessen.de  
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeEditionstheorie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.05.00 Editorik
Ediert von  H-Germanistik
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