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Ergebnisanzeige "KORREKTUR: 15. Jahrestreffen des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Barockforschung. Der Körper in der frühen Neuzeit: Praktiken – Rituale – Performanz "
RessourcentypCall for Papers
TitelKORREKTUR: 15. Jahrestreffen des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Barockforschung. Der Körper in der frühen Neuzeit: Praktiken – Rituale – Performanz
BeschreibungKORREKTUR

ERGÄNZUNG Tagungsdaten: 27.07.2016-29.07.2016

Seit mehreren Jahrzehnten steht der menschliche Körper im Mittelpunkt intensiver kulturhistorischer, literatur- und geisteswissenschaftlicher Diskussionen. Dabei sind die Forschungsperspektiven und -ansätze grundlegend erneuert und erweitert worden. Für Frankreich kann man etwa nach dem Philosophen Michel Foucault und seinen bahnbrechenden Arbeiten auf die Beiträge des Historikers Georges Vigarello verweisen, insbesondere auf die von ihm herausgegebenen Bände der "Histoire du corps" und der "Histoire de la virilité". Für Deutschland mag man die zahlreichen und wichtigen Beiträge des Berliner Philosophen und Anthropologen Christoph Wulf nennen sowie den einflussreichen Münsteraner Sonderforschungsbereich „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution“.

Der kommende Barock-Kongress wird diese und weitere Zugänge zu einer Kulturgeschichte des Körpers aufnehmen und auf Deutschland und das westliche Europa der frühen Neuzeit beziehen. Insbesondere in diesem Zeitraum setzen entscheidende Transformationen ein, die bis jetzt unterbewertet wurden. Dies betrifft etwa grundlegende Veränderungen in Medizin und Anatomielehre im Laufe des 16. Jahrhunderts, die ein neues Körperwissen und Körperbewusstsein generieren. Daneben sind neue politische Körpertechnologien zu berücksichtigen, die unter dem Schlagwort „Disziplinierung“ bislang zu wenig facettenreich untersucht wurden. Die Relevanz dieser Entwicklungen liegt darin, dass der Umgang des Menschen mit seinem Körper, das Verhältnis des menschlichen Körpers zu seiner Umwelt und die Wahrnehmung der eigenen Körperlichkeit einen Schlüssel zum Verständnis historischer Gesellschaften darstellt, denn Vergesellschaftungsprozesse verlaufen in hohem Maße über Praktiken und performative Inszenierungen der Körper in alltäglichen wie auch außergewöhnlichen Handlungen. Damit steht insbesondere das Verhältnis von physischem Körper und seinem semiotischen, kommunikativen Potential auf der Tagesordnung.

Ausgehend von konkreten Fallstudien soll das fächerübergreifende Thema inter- und transdisziplinär beleuchtet und historisch perspektiviert werden. Die Themenstellung geht daher primär von realen Körperpraktiken und Körpertechniken aus und fragt darüber hinaus nach den Körpertheorien und dem Körperwissen des Barock. Dies schließt Fragestellungen im Bereich der historischen Semantik sowie die Problematisierung der derzeit gängigen Ansätze (wie beispielsweise Performanz, Ritual, symbolische Kommunikation, Interaktion, Technik, Emotionen) ein.

Zu den Themenschwerpunkten können u. a. gehören:

- Wandel, Persistenz, Differenzierung von Körperpraktiken;
- Normativität und Preskriptivität einerseits sowie Flexibilität und Wandlungsfähigkeit andererseits;
- Spielräume performativer Praktiken, Ironisierungs- bzw. Subversionsmöglichkeiten; Phänomene der Deutung und Attribution von Körperpraktiken;
- Dynamik und Ambivalenz vordergründig statischer Rituale (vom Ritual bis zur Ritualkritik);
- Sinnhorizonte und Funktionen von Körperritualen und ihren Codierungen (symbolische Selbstinszenierung, Erzeugung, Stabilisierung und Legitimierung gesellschaftlicher Ordnung bzw. Hierarchien).

Zentral ist das Bestreben, historische Schwellen und Wenden bzw. entsprechende Zuschreibungen zu identifizieren, wie sie etwa im Frontispiz zu Rohrs "Ceremoniel-Wissenschafft Der Privat-Personen" (1728) erscheinen [http://vd18.de/de-slub-vd18/content/pageview/37507459]. Dort artikuliert sich das Bewusstsein, ein neues, modernes Zeitalter erreicht zu haben, das eine neue, pragmatisch orientierte Verhaltensrationalität erfordert.

Ein vollständiger Überblick über die hier angesprochenen Fragen wird nicht angestrebt. Vielmehr geht es darum, auf konkrete Forschungsprobleme einzugehen, Lücken zu identifizieren, neue Quellen heranzuziehen, Paradigmen und Leitbegriffe für die Analyse herauszuarbeiten und deren Fruchtbarkeit im Rahmen der jeweiligen Disziplinen bzw. transdisziplinär zu dokumentieren.

Die Beiträge werden in thematischen Feldern gebündelt, die ggf. eigenständige Sektionen bilden werden. Dazu können zählen:

1. Körper und performative Gesten in Recht, Politik und Religion (z. B. Herrschaftsrituale, gewandelte Rolle des Körpers in Liturgie und Andacht);
2. Körperpraktiken in der ständischen Alltagskultur (z. B. Gesundheit, Pflege, Sexualität, Arbeit);
3. Körperrituale der Geselligkeit und Festrituale (z. B. Essen, Trinken, Kleidung, Musik, Tanz);
4. die Performativität der Körper in der Kunst bzw. performative Kunstwerke (z. B. Ikonographie, „actio“ im Drama);
5. Körper und Gender (z. B. Inszenierung eines 'natürlichen' Körpers, Weiblichkeitsprojektionen).

Wir erhoffen uns für alle Themenfelder Vorschläge aus sämtlichen historisch arbeitenden Fächern. Für die Vorträge ist eine Dauer von 20 Minuten vorgesehen.

Exposés für die hier genannten und weitere einschlägige Themen sollten den Umfang von maximal zwei Seiten nicht überschreiten und für die Berechnung der Reisekosten den voraussichtlichen Abfahrtsort nennen. Sie werden bis zum

31.01.2015

möglichst per Email erbeten an:

forschung@hab.de

Dr. Volker Bauer
Geschäftsstelle des Arbeitskreises für Barockforschung
Herzog August Bibliothek
Postfach 1364
38299 Wolfenbüttel
Web: http://www.hab.de/de/home/wissenschaft/arbeitskreise/barockkongress-2016.html

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWolfenbüttel
Bewerbungsschluss31.01.2015
Beginn27.07.2016
Ende29.07.2016
KontaktdatenName/Institution: Herzog August Bibliothek 
E-Mail: forschung@hab.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1500 - 1580; Literatur 1580 - 1700; Literatur 1700 - 1770
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