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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Variations 23 (2015): Tanz / Danse / Dance "
RessourcentypCall for Papers
TitelVariations 23 (2015): Tanz / Danse / Dance
BeschreibungCall for papers – Variations 23 (2015): Tanz / Danse / Dance

J’ai tendu des cordes de clocher à clocher; des guirlandes de fenêtre à fenêtre; des chaînes d’or d’étoile à étoile, et je danse. (Athur Rimbaud, Les Illuminations)


Tanz bewegt sich in einem Kontinuum verschiedener Dichotomien: Tanzen impliziert sowohl Regelhaftigkeit als auch Improvisation; Regulierung und Disziplinierung zeichnen ihn ebenso aus wie Schwindel und Ekstase. Im Tanz folgen Körper geordneten Schrittfolgen und Bewegungsabläufen, geben sich aber auch wirbelnd und in Trance dem Takt hin. Individuelle Interpretation und normierende Tradition greifen dabei stets ineinander. In der Spannung zwischen Kontrolle und Rausch liegt die Erotik des Tanzes, die von der Kunst immer wieder in den Blick genommen wird. Dabei entgrenzen sich Körper nicht nur über die Begegnung oder Berührung, der tanzende Körper löst sich im Tanz selbst auf – „How can we know the dancer from the dance?“, fragt William Butler Yeats. Während sich besonders die literarische Avantgarde den Tanz als asemantische, ereignishafte, transitorische Kunstform zum Vorbild nimmt, gibt es gleichzeitig eine lange Tradition, den Tanz mit rhetorischer Komposition in Verbindung zu bringen und Tanzfiguren in semiotischen oder metrischen Systemen zu fassen. Somit wird eine Beziehung zwischen Tanz und poetischer Sprache deutlich, die in einer hermeneutischen Auseinandersetzung der Festschreibung und Entgrenzung von Sinn korrespondiert. „Der Sinn des Tanzes ist der Sinn der Trennung in einem Sprung, der die Teilung der Körper gleichzeitig öffnet und überschreitet“, heisst es bei Jean-Luc Nancy. Ein solcher Grenzgang einer Trennung und Überschreitung von Sinn verweist auf eine Auseinandersetzung, die Tanz und Literatur mit Bezug auf ihre rhetorische Verfasstheit ins Verhältnis setzt.
Das Anliegen von Variations 23 ist es, nach diesem Verhältnis zu fragen und Choreographie wörtlich zu nehmen: Ungeachtet der traditionellen Auffassungen des Begriffs, der im zeitgenössischen Tanz eine deutliche Öffnung erfahren hat, sind Tanz und Schrift durch choros und graphein wesentlich miteinander verbunden. Wie schreibt sich Tanz in literarische Texte ein, wie vollzieht sich Schrift tänzerisch? Durch die Repräsentation in einem Text wird Tanz einer Semantisierung unterzogen, doch er vermag es auch, die Zeichen ins Taumeln zu bringen. In den Beiträgen soll das Korrelationsverhältnis von Tanz und Schrift anhand von konkreten literarischen Beispielen nachgezeichnet und reflektiert werden.
Dabei können die folgenden Fragestellungen als mögliche Anhaltspunkte für die je spezifische Lektüre verstanden werden:

- Artikulieren sich Tanzbewegungen in freiem Rhythmus oder in metrisch gebundener Form? Welche semantischen und syntaktischen Auffälligkeiten lassen sich feststellen?
- Gibt es Entsprechungen von rhetorischen Figuren und Tanzfiguren?
- Wie korrespondieren Tanzformen (Menuett, Ländler, Reigen, Rave) mit bestimmten Textformen?
- Schlagen sich tänzerische Körper-Raum-Relationen in Text-Räumen nieder?
- Wie verhält es sich mit tänzerischen Zeitmodellen der Wiederholung oder Synchronisation?
- Wie organisieren Texte unterschiedliche Sozialformen des Tanzes (Einzeltanz, Paartanz, Gruppentanz)?
- Welche poetologischen Funktionen können Tanzfiguren im Text übernehmen?
- Wie kommt der Tanz als Denkfigur poetisch zum Ausdruck?


Abstracts (300–400 Wörter) sowie eine kurze Bio-Bibliographie können der Redaktion bis zum 30. November 2014 unter folgender Adresse eingereicht werden: variations@rom.uzh.ch. Wir publizieren Artikel in deutscher, englischer und französischer Sprache. Die Benachrichtigung über Annahme oder Ablehnung erfolgt im Dezember 2014. Die fertigen Artikel müssen der Re¬daktion bis spätestens 30. April 2015 vorliegen und dürfen 32'000 Zeichen nicht überschreiten.
Zudem besteht auch die Möglichkeit, nicht an das Thema gebundene Artikel, literarische Texte und künstlerische Beiträge wie z. B. Zeichnungen, Collagen oder Fotografien zu veröffentlichen.

http://www.variations.uzh.ch

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss30.11.2014
KontaktdatenName/Institution: Redaktion Variations / Universität Zürich, Deutsches Seminar 
Strasse/Postfach: Schönberggasse 9 
Postleitzahl: CH-8001 
Stadt: Zürich 
E-Mail: variations@rom.uzh.ch 
Internetadresse: http://www.variations.uzh.ch 
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Zusätzliches SuchwortTanz; Choreographie
Ediert von  H-Germanistik
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