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Ergebnisanzeige "Bild - Text - Kritik: Gisela Elsner & Hans Platschek. Interferenzen zwischen Literatur und Bildender Kunst"
RessourcentypCall for Papers
TitelBild - Text - Kritik: Gisela Elsner & Hans Platschek. Interferenzen zwischen Literatur und Bildender Kunst
BeschreibungInterdisziplinäres Symposium, 11./12. September 2015, Hamburg, Warburg-Haus

In den letzten Jahren ist das Verhältnis zwischen Bild und Schrift unter dem Stichwort Intermedialität zunehmend in den Fokus einer interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Forschung gerückt. Die Arbeiten des Künstler(ehe)paars Gisela Elsner (Schriftstellerin, 1937-1992) und Hans Platschek (Maler und Kunstkritiker, 1923-2000) stehen wie kaum andere exemplarisch für die Verschränkung verschiedenster Aspekte von Bild-Text-Bezügen. Über die Beziehung zwischen Gisela Elsner und Hans Platschek ist – im Gegensatz zu dem Verhältnis zwischen Elsner und ihrem ersten Ehemann Klaus Roehler, das dank der medienwirksamen Inszenierungen des Sohnes, des Filmregisseurs und Autors Oskar Roehler, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde – bis jetzt allerdings so gut wie nichts bekannt. Dies liegt u.a. aber auch daran, dass Elsner und Platschek sich nach ihrer Scheidung (1976) fast komplett aus ihren Biografien gestrichen haben.
Doch hat die langjährige Beziehung eindrückliche Spuren in den Werken der beiden Künstler hinterlassen. Die vielfältigen Bezüge zwischen den Werken scheinen bisher allerdings noch nicht erkannt worden zu sein. Ziel des geplanten Symposiums soll es sein, sich dieser Leerstelle zum ersten Mal gezielt zu widmen und die Bezüge zwischen den beiden Künstlern zugleich in einem größeren Kontext zu diskutieren: nämlich im Kontext des komplexen Verhältnisses zwischen Bild und Text bzw. der Intermedialität von Bildlichkeit und Schriftlichkeit. Anhand der Arbeiten dieses Künstlerpaares lässt sich die Doppelbewegung von Bild- und Schriftkritik geradezu exemplarisch studieren. Wie die Auseinandersetzung mit der Bildlichkeit von Texten grundsätzliche Fragen nach dem Selbstverständnis von Literatur berührt, so gilt dies ebenso andersherum: In der Auseinandersetzung mit Text- bzw. Schriftlichkeit werden Fragen nach dem Selbstverständnis der Bildenden Kunst thematisiert.
Hans Platschek, Ende der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre eine der größten Nachwuchshoffnungen des deutschen Informel (damals neuester Trend der gegenstandslosen Malerei), profilierte sich nach seiner Abkehr vom Informel, zunehmend im Bereich der Kunstkritik, als „schreibender Maler“, wodurch er sich schließlich als „echte Doppelbegabung“ (Christian Demand) auswies. Kaum jemand weiß, dass Platschek noch in seiner Informel-Phase unter dem Titel „Lothar Leinlein schreibt an Gisela“ (1964) fünf Gouachen zu Gisela Elsners preisgekröntem Erstling „Die Riesenzwerge“ (1964) schuf.
Umgekehrt wurden in der Elsner-Forschung bisher noch nicht die offensichtlichen Bezüge zu den kunstkritischen Schriften Hans Platscheks thematisiert, wie sie sich insbesondere in den Romanen „Die Riesenzwerge“ (1964), „Der Punktsieg“ (1977), „Abseits“ (1982) sowie in einigen Erzählungen – etwa in „Der Selbstverwirklichungswahn“ (um 1987/88) – darstellen.
In ihrem Erstling „Die Riesenzwerge“ experimentiert Elsner – in Anlehnung an den nouveau roman – dezidiert mit visuellen Schreibweisen. In einer radikalen Verschränkung von Schrift und Bild lotet sie dabei bewusst die Grenzen zwischen Schrift und Bild aus.
Auch die hochgradig visuelle Schreibweise der Satire, auf die Elsner in den 1970er Jahren umstellte und die sich durch extreme Perspektiven (u.a. optische Verzerrungen, Vergrößerungen und Verkleinerungen) auszeichnet, orientiert sich an Techniken der Bildenden Kunst und der Fotografie. Zugleich schließt die Satire an Techniken der Groteske und der Karikatur an.
Es dürften nicht zuletzt die scharfsinnige Analyse sowie die scharfzüngige und unerbittliche Kritik an bestimmten kulturellen Phänomenen sein, die die Autorin und den Maler und Essayisten in ihrer – satirisch und bissig zugespitzten – Kulturkritik vereinten. Wie Elsner sich in ihren literarischen Texten einer satirischen Schreibweise bedient, so spielt Platschek in seinen kunstkritischen Essays zuweilen auch mit „satirischen Akt[en] der Demontage“ (Christian Demand). Dies betrifft insbesondere das Verhältnis zwischen Bild und Text, wie es sich etwa in Bildtiteln, Bildkommentaren und Katalogtexten darstellt.

Die Vortragsthemen können sich an folgenden Themenbereichen orientieren, diese aber auch gern ergänzen:
- Visualität und visuelle Schreibweisen in den Werken Gisela Elsner
- Bezüge zwischen den Werken Gisela Elsners und Hans Platscheks (u.a. Platscheks Gouachen zu den „Riesenzwergen“, Spuren des Informel und/oder der minimal art in Elsners frühen Texten, Sujets für Texte bzw. Bilder)
- Kunst- und Kulturkritik in den Werken Elsners und/oder Platscheks
- Farbe(n) im Werk Gisela Elsners

Abstracts (höchstens 1 Seite, inkl. Kurz-Bio) mit Titeln für Vorträge (30 Minuten) bitte bis zum 15. November 2014 einreichen an: christine.kuenzel@uni-hamburg.de.

Die Tagung wird in Kooperation mit der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft e.V. (www.gisela elsner.de) veranstaltet. Wir werden uns bemühen, Reise- und Übernachtungskosten zu erstatten. Entsprechende Anträge können wir erst stellen, sobald wir wissen, mit wie vielen Vorträgen wir rechnen können.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.giselaelsner.de
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHamburg
Bewerbungsschluss15.11.2014
Beginn11.09.2015
Ende12.09.2015
PersonName: PD Dr. Christine Künzel 
Funktion: Erste Vorsitzende der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft e.V. 
E-Mail: christine.kuenzel@uni-hamburg.de 
KontaktdatenInternetadresse: http://www.giselaelsner.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Zusätzliches SuchwortIntermedialität
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.13.00 Literaturkritik. Wertung; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.06.00 Literarisches Leben
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