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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Globalisierung und deutschsprachige Gegenwartsliteratur: Konstellationen, Konzepte, Perspektiven"
RessourcentypCall for Papers
TitelGlobalisierung und deutschsprachige Gegenwartsliteratur: Konstellationen, Konzepte, Perspektiven
BeschreibungGlobalisierung und deutschsprachige Gegenwartsliteratur: Konstellationen, Konzepte, Perspektiven (Call for Papers)

Veranstalter: Prof. Dr. Georg Mein, Dr. Wilhelm Amann (Université du Luxembourg), Prof. Dr. Rolf Parr (Universität Bielefeld)

Veranstaltungsort: Université du Luxembourg, Campus Walferdange

Veranstaltungstermin: 11.Dezember – 13 Dezember 2008

CFP-Deadline: 30. Juni 2008


Die Konferenz erörtert Resonanzen der Globalisierung in der zeitlich, räumlich und sprachlich begrenzten Diskursformation „deutschsprachige Gegenwartsliteratur“. Durch diese Ausrichtung auf einen nicht national eingeschränkten Sprachraum sind konkrete Aufschlüsse über die kulturellen Folgen jenes per se auf Grenzüberschreitung angelegten Prozesses zu erwarten, der sich der unmittelbaren Beobachtung zu entziehen scheint, wie das unüberschaubare Feld geographischer, politikwissenschaft-licher und soziologischer Publikationen zum Thema ‚Globalisierung’ belegt. Zugleich wird die Bedeutung von Sprachgrenzen in ihrer Filterfunktion gegenüber Globalisierungsprozessen deutlich.

Als Vorteil der engeren Fokussierung des Themas erweist sich weiter der Umstand, dass – im emphatischen wie im erweiterten Sinne – ‚Literatur’ gleich in mehrfacher Hinsicht zur Konturierung der umstrittenen Kategorie ‚Globalisierung’ beitragen kann: Gerade weil die Literatur mit ihren auf Verzögerung und Verlangsamung ausgerichteten Verfahren inzwischen nicht mehr zu den primären Medien der Globalisierung zählt, sind hier Einsichten und Reflexionen in die Verschiebungen der Grundla-gen des kulturellen Wissens möglich.

1. In diachroner Sicht sind es Verweisungszusammenhänge innerhalb des Literatursystems, die den zur Geschichts- und Gedächtnislosigkeit und damit zur historischen Unbelastetheit tendierenden Globalisierungsdiskursen der Gegenwart Widerstände entgegenbringen: Literatur kann zur Historisierung und damit Entdramatisierung einer auf bisher nie Dagewesenes abstellenden Globalisierungsrhetorik beitragen, weil ihr selbst eine besondere Form von Globalität inhärent ist.

2. Im Gesamtzusammenhang der Medienkultur ist Literatur aber auch zunehmend selbst Objekt der Globalisierung, etwa in ökonomischer Hinsicht: Die Konzentrationen im Verlagswesen und Buchhandel, die Professionalisierung von Autoren, die Konjunkturen bestimmter Erzählformate sowie die veränderten Rezeptionsgewohnheiten dürften erhebliche Auswirkungen auf die Konstitution dessen haben, was die an Bourdieu angelehnte Literatursoziologie bisher nur als nationale oder regionale literarische Felder untersucht hat.

3. Zum Themenspektrum gehört auch der Umstand, dass ein Großteil der Globalisierungsdiskurse selbst literarisch funktioniert, nämlich insofern, als das in den (zu-dem zwischen Schreckensvisionen und Ausblick auf paradiesische Zukunft changierenden) literarischen Globalisierungsnarrationen aus ganz verschiedenen diskursiven Reservoirs verarbeitete Wissen in der Regel interdiskursiv reintegriert werden muss: vornehmlich durch kollektiv verbreitete Symbole, stereotype Narrative etc.

4. Darüber hinaus bietet die Konstellation ‚Globalisierung/deutschsprachige Gegenwartsliteratur’ einen Rahmen zur Erörterung der auffälligen Abstinenz insbesondere der deutschen Literaturwissenschaft gegenüber einer in den Sozialwissenschaften differenziert geführten Debatte. Jene hat die neuen globalen Bedingungen, unter denen heute Literatur produziert, distribuiert und rezipiert wird, bislang nicht systematisch in den Blick genommen. Vielmehr sieht es so aus, als habe sie sich von dieser Auseinandersetzung weitgehend durch den Rückzug auf sogenannte ‚philologische Kernaufgaben’ entlastet. Globalisierungsphänome fallen aus einer solchen Sicht dann bestenfalls noch in den Zuständigkeitsbereich der allgemeinen und vergleichenden bzw. der interkulturellen Literaturwissenschaft oder der Postcolonial Studies.

Insofern gehört es zu den wichtigsten Anliegen der Tagung, einschlägige theoretische Konzepte an Fallbeispielen zu diskutieren und auf ihre Tauglichkeit als Analyseinstrumente neuerer Literatur unter den Bedingungen von Globalisierung zu erproben. Auf diese Weise können erste Konturen eines neuen literaturwissenschaftlichen Paradigmas ‚Global Studies’ aufgezeigt werden.

Zur Anregung ein (unvollständiges) Set möglicher Themenschwerpunkte in Stichworten:
– Funktionswandel der deutschsprachigen Literatur in der globalen Dynamik.
– Globale Erzählformate in der deutsprachigen Gegenwartsliteratur.
– Literaturvermittlung in der globalen Medienkultur.
– Kontinuitäten bzw. Diskontinuitäten des (spezifisch deutschen?) Konzepts von ‚Weltliteratur’ im globalen Zeitalter.
– Globalisierung, Globalismus: Epochenbegriff nach der Postmoderne bzw. Ordnungssschema für Literaturgeschichte?
– Literatur als Laboratorium sozialkultureller Transformationsprozesse: kulturelle und kollektive Identitäten, lokale Wissensbestände und neue sozialräumliche Vergesellschaftungsformen.
– Das sozialwissenschaftliches Paradigma ‚Globalisierung’ und die Literaturwissenschaften.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Regionalität und Globalität“ (www.germanistik.lu) findet die Tagung „Globalisierung und deutschsprachige Ge-genwartsliteratur: Konstellationen, Konzepte, Perspektiven“ vom 11. Dezember bis zum 13. Dezember 2008 an der Universität Luxemburg statt.

Bewerbungen (Vortragstitel, kurze Skizze zur thematisch-methodischen Ausrichtung) sind bis zum 30. Juni 2008 an Dr. Wilhelm Amann zu richten.

KONTAKT:
Dr. Wilhelm Amann
Université du Luxembourg
Laboratoire de linguistique et de littérature allemandes
Campus Walferdange
Route de Diekirch
L-7220 Walferdange
Tel.: (00352) 46 66 44-6379
wilhelm.amann@uni.lu
www.germanistik.lu

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLuxemburg/Walferdange
Bewerbungsschluss30.06.2008
Beginn11.12.2008
Ende13.12.2008
PersonName: Amann, Wilhelm [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: wilhelm.amann@uni.lu 
KontaktdatenName/Institution: Université du Luxembourg, Laboratoire de linguistique et de littérature allemandes 
Strasse/Postfach: Route de Diekirch 
Postleitzahl: 7220 
Stadt: Walferdange 
Internetadresse: www.germanistik.lu 
LandLuxemburg
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur nach 1945
Klassifikation18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.10.00 Bundesrepublik Deutschland bis 1990; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart
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