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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Brecht und die Naturwissenschaften, Technologie und Technik"
RessourcentypCall for Papers
TitelBrecht und die Naturwissenschaften, Technologie und Technik
Beschreibung»MIR GEFÄLLT DIE WELT DER PHYSIKER«

Brecht und die Naturwissenschaften, Technologie und Technik
Tagung im Zusammenhang der Brecht-Tage 2015 am Literaturforum im Brecht-Haus (Chausseestr. 125, 10115 Berlin), in Zusammenarbeit mit TU Berlin

Bewerbungsschluss für Beiträge: 01.11.2014
Termin der Konferenz: 13.02.2015, Berlin

Brechts Affinität zu den Naturwissenschaften reichte so weit, dass er sich bisweilen selbst als Naturwissenschaftler zu inszenieren pflegte. Seine Vorliebe für Beweise, Argumente und Experimente anstelle bloßer Appelle oder Erlebnisse führte er ebenso entschieden wie keck darauf zurück, dass er „ursprünglich Naturwissenschaften studiert habe“ – was als überaus wohlwollende Auslegung seiner flüchtigen Studienlaufbahn bezeichnet werden muss. Später dann wähnte er sich gar in der Rolle eines „Einstein der neuen Bühnenform“ – zumindest bis sein Bild des zunächst bewunderten Physikers deutliche Risse bekommen sollte, wovon das späte Dramenfragment „Leben des Einstein“ Ausdruck gibt. Zum zentralen Thema auf der Bühne wurden die Naturwissenschaften mit Brechts „Leben des Galilei“, das nicht zu Unrecht als eines seiner Hauptwerke gelten kann. Als Figuren bevölkern Naturwissenschaftler darüber hinaus die Szenenfolge „Furcht und Elend des III. Reiches“, den theoretischen Dialog „Messingkauf“ wie auch den dialogischen Prosatext „Flüchtlingsgespräche“. Dennoch liegt die Bedeutung des Themas „Brecht und die Naturwissenschaften“ nicht allein im Auftritt von Physikern als Dramatis personae. Weit mehr geht es um den Grundimpuls, den seine Ästhetik von Seiten der Naturwissenschaften gewann. Schon früh postulierte Brecht ein „Theater für das wissenschaftliche Zeitalter“, eine Formulierung, die später vor dem Hintergrund des Planetariums als einem Theatermodell der Zukunft konkretisiert und im Hinblick auf das grundsätzliche Verhältnis von Wirklichkeit–Bühne–Publikum ausbuchstabiert wurde – und die Frage nahelegt, inwiefern Literatur und Naturwissenschaften für Brecht vielmehr verwandte als disparate Zugänge auf die Wirklichkeit bildeten. Vor allem aber waren es die großen physikalischen Einschnitte des frühen 20. Jahrhunderts, das ‚Goldene Zeitalter der Relativitätstheorie und Quantenphysik‘, die Brecht als Herausforderung seiner poetologischen Überlegungen angenommen hat. Neben seiner Auseinandersetzung mit der Heisenbergschen Unschärferelation waren es besonders die Ideen von Max Planck (so dessen Aufsatz „Determinismus oder Indeterminismus?“) und Hans Reichenbach, zu denen sich Notizen und Überlegungen Brechts erhalten haben. Reichenbach, ein „einstein-schüler, logistiker und empiriker“, so die Charakterisierung im „Arbeitsjournal“, war ein Nachbar Brechts im amerikanischen Exil in Los Angeles, wo es zu einem intensiven Austausch der beiden kam, der geradezu als freundschaftlich bezeichnet werden muss. Im Ergebnis gelang es Brecht durch seine naturwissenschaftlichen Sondierungen, Problematiken wie jene der Kausalität, des Verhältnisses von Subjekt und Objekt, von Individuum und Gesellschaft im Rahmen seiner literarischen Arbeiten neu zu fundieren. Prägnant zum Ausdruck gelangt dies im Rahmen der „Flüchtlingsgespräche“, wenn der Physiker Ziffel im Rekurs auf die Heisenbergsche Unschärferelation bilanziert: „So beobachten wir nicht das normale Leben der mikrokosmischen Welt, sondern ein durch unsere Beobachtung verstörtes Leben. In der sozialen Welt scheinen nun ähnliche Phänomene zu existieren.“

Ziel der Brecht-Tage 2015 ist es, das Thema „Brecht und die Naturwissenschaften“ punktuell zu vertiefen und im Horizont anderer Autoren oder wissenschaftsepistemologischer Diskurse als Referenzfolie zu diskutieren. Im Einzelnen nachzugehen wäre dabei der Bedeutung naturwissenschaftlicher Theoreme und Paradigmen sowie szientistischer Schreib-, Denk- und Darstellungsformen für Brechts Schaffen. Ebenso zu verfolgen wären die Rezeption und der Austausch mit einzelnen Wissenschaftlern sowie die Referenz auf Naturwissenschaftler in den Texten Brechts. Neben Beiträgen, die im engeren Sinn das Thema Naturwissenschaften betreffen, sind darüber hinaus auch Themenvorschläge aus dem verwandten Themenspektrum des Technik- und Technologiediskurses ausdrücklich erwünscht – wobei besonders Brechts Faible und Enthusiasmus für Technik und Technologien zu diskutieren wäre.

Vorschläge für Vorträge (Arbeitstitel und Abstract, max. 300 Wörter) und knappe Angaben zur Person bitte per Email bis zum 01.11.2014 an unten aufgeführte Emailadressen. Auch Bewerbungen von jungen WissenschaftlerInnen sind ausdrücklich gewünscht. Zusagen erfolgen zeitnah bis zum 15.11.2014. Für geladene ReferentInnen ist eine pauschale Aufwandsentschädigung für Reise- und Unterbringungskosten in Höhe von 250 Euro vorgesehen (bei transatlantischer Anreise bemühen wir uns um eine zusätzliche Beteiligung an den Reisekosten).

Die Tagung wird geleitet von Prof. Dr. Hans-Christian von Herrmann (TU Berlin, Fachgebiet Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Literatur und Wissenschaft) und bildet den Abschluss der traditionellen Brecht-Tage am Literaturforum im Brecht-Haus. Zuvor wird eine Reihe von Abendveranstaltungen das Thema „Brecht und die Naturwissenschaften“ verhandeln.


Konzept/ Organisation Brecht-Tage 2015 / Kontakt:

Dr. Christian Hippe/ Volker Ißbrücker
Literaturforum im Brecht-Haus Berlin
Chausseestr. 125 / 10115 Berlin
Email: hippe@lfbrecht.de / issbruecker@lfbrecht.de
Web: www.lfbrecht.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss01.11.2014
Beginn13.02.2015
Ende13.02.2015
PersonName: Dr. Christian Hippe (Konzept/ Organisation) 
Funktion: PR/ Projekte, Literaturforum im Brecht-Haus 
E-Mail: hippe@lfbrecht.de 
Name: Volker Ißbrücker (Konzept/ Organisation) 
Funktion: freier Mitarbeiter, Literaturforum im Brecht-Haus 
E-Mail: issbruecker@lfbrecht.de 
Name: Prof. Dr. Hans-Christian von Herrmann (Leitung/ Moderation der Konferenz) 
Funktion: Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Berlin 
E-Mail: karen.frey@tu-berlin.de (Sekretariat) 
KontaktdatenName/Institution: Literaturforum im Brecht-Haus (in Zusammenarbeit mit der TU Berlin) 
Strasse/Postfach: Chausseestr. 125 
Postleitzahl: 10115 
Stadt: Berlin 
Telefon: 030-2822003 
E-Mail: info@lfbrecht.de 
Internetadresse: www.lfbrecht.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Zusätzliches SuchwortLiteratur und Naturwissenschaften
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben > 03.16.02 Schriftsteller; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.13.00 Sozialistische Literatur; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.15.00 Exilliteratur; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren
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