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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "E-Journal DIEGESIS 4.2: Erzaehlen und Wahrheit (Verlängerte Abgabefrist!!!)"
RessourcentypCall for Papers
TitelE-Journal DIEGESIS 4.2: Erzaehlen und Wahrheit (Verlängerte Abgabefrist!!!)
BeschreibungCall for Papers

DIEGESIS 4.2

Erscheinungstermin: Dezember 2015

Thema: Erzählen und Wahrheit

VERLÄNGERTE ABGABEFRIST für Abstracts: 15.10.2014
Abgabefrist für angenommene Aufsätze: 30.06.2015

Zum THEMA:

Die Wahrheit zu erzählen ist bekanntlich nie ganz einfach, in manchen Situationen nicht ratsam oder gefährlich, und, genau genommen, gar nicht möglich. Warum dies so ist, hat die Erzählforschung erst ansatzweise geklärt. Zum einen folgen Alltagserzählungen dem von der Soziolinguistik beschriebenen Prinzip der tellability: Erzählungen dürfen nicht 'nur' wahr sein, sie müssen vielmehr ihre Adressaten durch eine geschickt aufgebaute Dramaturgie fesseln und Übertreibungen in Kauf nehmen, um Erfahrungen auf den Punkt zu bringen. Sie müssen dabei die Tabus und Codes einer Gesellschaft beachten – wer sie verletzt, stellt sich selbst ins Abseits, wie der Umgang mit kontrovers diskutierten Autobiographien zeigt. Auch im literarischen Erzählen stößt der Wahrheitsanspruch an Grenzen – etwa dann, wenn (wie im Fall von Maxim Billers Skandalroman "Esra") gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen wird, deren Schutz möglicherweise schwerer wiegt als die Redefreiheit oder Kunstfreiheit. Gefährlich werden Erzählungen dann, wenn sie zwar die Wahrheit sagen, diese aber unter allen Umständen unterdrückt werden soll, wie der Umgang mit Edward Snowden oder die Repressalien gegen britische Journalisten des Guardian in der NSA-Affäre zeigt. Kann aber Wahrheit überhaupt erzählt werden? Wenn man davon ausgeht, dass beim Erzählen immer Mechanismen der Selektion und Kombination wirksam werden, die aus einer Vielzahl möglicher Perspektiven, Ereignisse und Zusammenhänge genau eine Variante bevorzugen und eine Version konstruieren, wird klar, warum Erzählungen die Wahrheitsfindung vor Gericht oft eher erschweren als erleichtern. Wenn man desweiteren berücksichtigt, dass sich gelebte Erfahrung nie in vollem Umfang durch Zeichen vermitteln und narrativ repräsentieren lässt, dann wird schnell deutlich, dass selbst der aufrichtige Versuch, die Wahrheit zu erzählen, immer schon zum Scheitern verurteilt ist.
Die vielfältigen Dimensionen des Wahrheitsanspruchs des Erzählens will das Themenheft der Zeitschrift DIEGESIS in theoretischen, aber auch analytischen Beiträgen erkunden. Die Liste möglicher Themen, zu denen wir Beiträge erwarten, umfasst u.a.

• Soziolinguistische, psychologische und philosophische Annäherungen an die Grenzen des Erzählbaren
• Soziologische, mentalitätsgeschichtliche und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die Rolle von Narrationen bei der Entstehung, Verbreitung und Aufrechterhaltung von Tabus einer Gesellschaft sowie kollektiv geteilten Moral- und Wertvorstellungen
• Sprachliche Markierungen von Wahrheit und Lüge in 'Wirklichkeitserzählungen' (Klein/Martinez 2009)
• Literaturtheoretische Reflexionen zum Wahrheitsanspruch fiktionalen Erzählens
• Erkundungen der Schnittstellen zwischen Theorien der Wahrheit und des Erzählens
• Theoretische Modellierungen der Zusammenhänge von Erinnerung, Wahrheit und Narration
• Beispielanalysen zum Zusammenhang von Wahrheit und Erzählung in verschiedenen Genres, Medien und kulturellen Kontexten.

Wir bitten um Abstracts von max. einer halben DIN-A4 Seite bis spätestens zum 15.10.2014. Bitte fügen Sie außerdem eine akademische Kurzvita bei. Schicken Sie beides an die DIEGESIS-Redaktion: diegesis@uni-wuppertal.de. Über die Annahme der Abstracts entscheiden Redaktion und Herausgeber bis zum 15.11.2014. Die Zusendung der fertigen Aufsätze im Umfang von ca. 15-20 Seiten, die vor der Publikation ein anonymisiertes Peer-Review-Verfahren durchlaufen, erwarten wir bis zum 30.06.2015. Erscheinen wird das DIEGESIS-Themenheft "Erzählen und Wahrheit" im Dezember 2015.

Wir suchen außerdem fortlaufend REZENSIONEN zu Neuerscheinungen aus allen Bereichen der Erzählforschung (maximal der letzten 3 bis 4 Jahre), und zwar auch hier ausdrücklich disziplinübergreifend, also nicht etwa nur aus den Philologien. Vorschläge für Rezensionen (in Form von einfachen Titelnennungen der zu besprechenden Bücher und ergänzt durch kurze Informationen zum akademischen Lebenslauf) können jederzeit an die oben genannte Redaktionsadresse geschickt werden. In der Regel können wir Rezensionsexemplare bei den Verlagen besorgen.

Willkommen sind uns zudem jederzeit Vorschläge für TAGUNGSBERICHTE zu allen Veranstaltungen im Bereich der Erzählforschung. Wenn Sie Vorschläge dazu einreichen, bitten wir um kurze Informationen zu Thema, Ort, Datum und den Organisatoren der Veranstaltung sowie zum eigenen akademischen Lebenslauf.

Über DIEGESIS:
Das von der DFG geförderte E-Journal DIEGESIS. Interdisziplinäres E-Journal für Erzählforschung / Interdisciplinary E-Journal for Narrative Research erscheint als Open-Access-Publikation ausschließlich im Internet (www.diegesis.uni-wuppertal.de).
Der hohe wissenschaftliche Standard der in DIEGESIS veröffentlichten Forschungsbeiträge wird durch ein kompetitives Auswahlverfahren für Beiträge zu Themenheften sowie ein Peer Review-Verfahren gesichert.
Herausgegeben wird die Zeitschrift an der Bergischen Universität Wuppertal und in Kooperation mit dem dortigen Zentrum für Erzählforschung (ZEF) (www.zef.uni-wuppertal.de) von den Professoren Matei Chihaia (Romanistik), Sandra Heinen (Anglistik), Matías Martínez (Germanistik), Michael Scheffel (Allgemeine Literaturwissenschaft) und Roy Sommer (Anglistik).

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss15.10.2014
PersonName: Filippo Smerilli 
Funktion: Redaktion 
E-Mail: diegesis@uni-wuppertal.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/41095

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