VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "IVG Panel 2015 - Sektion B26: Mediologie des Theaters - Erinnerung"
RessourcentypCall for Papers
TitelIVG Panel 2015 - Sektion B26: Mediologie des Theaters - Erinnerung
BeschreibungSektion B26: Mediologie des Theaters

XIII. Kongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG)
Shanghai, 23.–30.08.2015; Page: http://www.ivg2015-tongji.com

In einem „Medientheater“ überschriebenen Essay konstatiert der Soziologe Dirk Baecker, dass das Theater in der gegenwärtigen „Phase des Übergangs von der vom Buchdruck getragenen modernen Gesellschaft zu einer vom Computer getragenen Gesellschaft“ „von einer neuen Unruhe erfasst“ und „zum Medientheater“ werde. Dieses Medientheater sieht Baecker dabei dadurch bestimmt, „dass die Medien mit zur Aufführung kommen“. Man könnte dies auch so formulieren, dass das Theater in seinen Inszenierungen sein mediales Apriori mitreflektiert.
Baeckers Einlassungen bilden einen produktiven Ausgangspunkt nicht nur für die Beschreibung des Theaters im Umbruch hin zu einer „nächsten“ computergestützten, sondern ebenso für eine Re-Perspektivierung des Theaters der (nach Baecker) im Absterben begriffenen „modernen“ Gesellschaft, die man entweder mit dem kanadischen Medientheoretiker Marshall McLuhan als „Gutenberg-Galaxis“ oder mit dem französischen Mediologen Régis Debray als „Grafosphäre“ bezeichnen mag.
Im weitesten Sinne kann man davon sprechen, dass im Laufe des 18. Jahrhunderts eine Verpflichtung des theatralen Spiels auf einen im Medium der Schrift vorliegenden Dramentext erfolgt. Hierfür hat sich im Deutschen – und ohne eigentliche Entsprechung in den anderen europäischen Sprachen – die Rede von der 'Literarisierung des Theaters' eingebürgert, in deren Folge nicht-literarische Formen des Theaters zu „subkulturellen Praxen“ (Rudi Graf) degradiert wurden. Christopher Wild sieht diesen Paradigmenwechsel gar durch „Theaterfeindlichkeit“ gekennzeichnet. Ohne zunächst eine solche am Disziplinierungsnarrativ orientierte Wertung vorzunehmen, lässt sich besagter Umbruch im Horizont der allgemeinen Umstellung der symbolischen Reproduktion von Mündlichkeit auf Schriftlichkeit verorten, wie sie sich in den sich modernisierenden europäischen Gesellschaften vollzieht. Im terminologischen Anschluss an Niklas Luhmann hat Albrecht Koschorke diesen Vorgang als eine Umstellung von „Interaktion“ (verstanden als „direkter, personaler Kontakt zwischen Menschen“) auf „Kommunikation“ („als ein über Medien und Institutionen vermitteltes Geschehen“) beschrieben. Die ‚Literarisierung des Theaters‘ lässt sich mithin als eine Strategie identifizieren, dem Theater einen Ort in der „Gutenberg-Galaxis“ zuzuweisen.

Die geplante Sektion soll sich mit folgenden Fragekomplexen beschäftigen:
1. Wie lassen sich die institutionellen Veränderungen, die das Theater im 18. Jahrhundert durchläuft, im Hinblick auf das Medialitätsparadigma beschreiben? Hier wäre an Entwicklungen zu denken, die gemeinhin unter dem Stichwort „Professionalisierung des Theaters“ verhandelt werden und dabei einen starken medialen Aspekt besitzen.
2. Wie wird der mediale Umbruch im Theaterdiskurs des 18. Jahrhunderts reflektiert? Das Aufkommen von Schauspieltheorien, die Reflexion des Rollenfachsystems, die Gestaltung des Bühnenraumes etc. wären hier unter mediologischem Aspekt neu zu diskutieren.
3. Wie entwickelt sich die Reflexion auf das mediale Apriori im Theater/Drama des frühen 20. Jahrhunderts? Hier wäre an das Aufkommen des bald zur Leitkunst aufsteigenden Films sowie neuer Kommunikationsmedien wie Rundfunk, Telefon etc. zu denken.
4. Inwiefern reflektieren die Dramentexte das mediale Apriori des nun ‚literarischen‘ Theaters?

Beitragsvorschläge werden bis zum 30. September 2014 per Email an die beiden Sektionsleiter erbeten.

Sektionsleitung:

Associate Professor Franz-Josef Deiters, FAHA
School of Languages, Literatures, Cultures and Linguistics
Monash University in Melbourne
Victoria 3800
Australien

franz-josef.deiters@monash.edu

Professor Dr. Thorsten Unger
Institut für Germanistik
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Universitätsplatz 2
39104 Magdeburg
Deutschland
thorsten.unger@ovgu.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortShanghai
Bewerbungsschluss30.09.2014
Beginn23.08.2015
Ende30.08.2015
PersonName: Franz-Josef Deiters, Thorsten Unger 
Funktion: Sektionsleiter 
E-Mail: franz-josef.deiters@monsah.edu, thorsten.unger@ovgu.de 
KontaktdatenName/Institution: school of Languages, Literatures, Cultures and Linguistics, Monash University / Institut für Germanistik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg 
Strasse/Postfach: clayton Campus, Wellington Rd / Universitätsplatz 2 
Postleitzahl: vIC 3800 / DE 39104 
Stadt: melbourne / Magdeburg 
Telefon: +61 3 9905 8045 (Deiters) / +49 391 6716648 (Unger) 
E-Mail: franz-josef.deiters@monsah.edu, thorsten.unger@ovgu.de 
LandAustralien
BenutzerführungDeutsch; Englisch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Dramentheorie; Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie; Literaturtheorie: Klassiker; Literaturtheorie: Themen; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie; Theater (Aufführungspraxis)
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.02 Drama; 12.00.00 18. Jahrhundert; 13.00.00 Goethezeit; 14.00.00 Romantik; 15.00.00 19. Jahrhundert; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/40955

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 09.09.2014 | Impressum | Intern