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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Technische Beschleunigung - ästhetische Verlangsamung?"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelTechnische Beschleunigung - ästhetische Verlangsamung?
BeschreibungInterdisziplinäre Tagung vom 09.10. bis zum 11.10.2014 im Neuen Senatssaal (Pockelsstr. 4) der TU Braunschweig
Organisation: Prof. Dr. Jan Röhnert, Institut für Germanistik

Technische Beschleunigung – ästhetische Verlangsamung?
(Inszenierung von Mobilität in Literatur und Künsten II)

Mobilität, Zeitersparnis, Flexibilität – alltägliche Begriffe, in denen sich die vom Gedanken
der Leistungs- und Effektivitätssteigerung getragene technische Beschleunigung
äußert, welche zusammen mit dem Ausbau technischer und medialer Infrastrukturen,
maximalem Ressourcenmanagement und einem verabsolutierten Arbeitsethos
zu Grunddispositiven der Moderne zählt. Technische Beschleunigung ist
das von ihren Teilnehmern verinnerlichte Synonym einer Moderne, die in der Erfahrung
ihrer eigenen Akzeleration zum Bewusstsein kommt, „dass es so weitergeht“
(Benjamin) und dementsprechend auch nicht ans Ende (der Beschleunigung als stetig
sich beschleunigender Zustandserfahrung) gelangt. Oder doch?
Mit der technischen Beschleunigung kam es auf dem Feld der Ästhetik nämlich zur
scheinbar gegenteiligen Bewegung: Die Sammlung, Konzentration, Langsamkeit
werden zu Phänomen einer Anschauungs- und Lebensweise, einer Formensprache
und Poetik, die sich als ästhetischer Gegenpol etabliert. Ob es sich um Goethes Beharren auf den eigenen Sinnen, um Baudelaires Flânerie im turbulenten Paris, Prousts Regress in die Kindheit, die Epiphanien Rilkes, Musils oder Joyce’ oder anachronistisch-alternative Zeiten und Räume in Erzählwelten der Postmoderne handelt, stets lässt sich ein Moment der Verlangsamung in der Ästhetik der Moderne ausmachen, das wie in der Literatur auch in Künsten, Film, Musik oder Architektur hervortritt.
Ist ästhetische Verlangsamung dabei als bloße Reaktion auf technische Beschleunigung
zu sehen oder stehen beide in einem komplizierten Wechselverhältnis, da auch die Ästhetik auf ihre Weise den Stand der Technik verinnerlicht? Und gibt es nicht ebenso an der
Technik auch Momente der Verlangsamung, der Ambivalenz und Möglichkeit zum Innehalten? Der komplexen Beziehung von technischer Beschleunigung und ästhetischer Verlangsamung und vice versa will die Tagung in Einzelanalysen literarischer Werke und Poetiken, künstlerischer Objekte und Manifestationen, anhand von Gegenständen aus Film, Architektur, Musik nachgehen. Gleichzeitig wird dabei der Tagungsband Die Metaphorik der Autobahn vorgestellt und jüngere Autoren der Gegenwartsliteratur ( Bettina Hartz, Jan Wagner, Björn Kuhligk, Jan Brandt) kommen mit ihrer Einstellung zur Mobilität zu Wort. Der Eintritt ist frei.

Neuer Senatssaal der TU Braunschweig, Pockelsstr. 4, 38106 Braunschweig

Zum Programm:

Donnerstag, 09.10.2014

13:00 Uhr: Begrüßung der Teilnehmer

13:30 Uhr: Dr. Marc Kleine (Münster): Stillstand. Adornos Theorie der Kunst im Zeitalter der Beschleunigung

14:00 Uhr: Dr. Andreas Kramer (London): Befreite Worte oder gebremste Sprache? Zum Verhältnis von Sprache, Technik und Mobilität im avantgardistischen Gedicht

14:30 Uhr: Prof. Dr. Rüdiger Heinze (Braunschweig): Bullet Time. Zeitlupe und Hochgeschwindigkeit im Film

15:00 Uhr: Diskussion; anschließend Kaffeepause

16:00 Uhr: Jan Brandt (Berlin): Gegen den Tod. Der Regisseur Werner Herzog und der Journalist Michael Holzach liefen in den 1970ern und 1980ern fürs Leben und begründeten eine Literatur der Langsamkeit

16:30 Uhr: Dr. Nikolas immer (Trier): Wallfahrt als Spurensuche. W.G. Sebalds Apologie der Langsamkeit

17:00 Uhr: Dr. Peter Hermann Braun (Jena): Zu Fuß durch die Faszinationslandschaften der Moderne. Über Wolfgang Büschers literarische Reisereportagen Berlin-Moskau und Hartland

17:30 Uhr: Diskussion

19:00 Uhr – ca. 21:30 Uhr: Beschleunigung und Verlangsamung im Fokus der Gegenwartsliteratur

Es lesen und diskutieren die Berliner Autoren:

Bettina Hartz (Auf dem Rad. Eine Frage der Haltung. Essay, München 2012)
Björn Kuhligk (Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Berlin 2014)
Jan Wagner (Regentonnenvariationen. Gedichte, Berlin 2014)
Jan Brandt (Gegen die Welt. Roman, Köln 2012)


Freitag, 10. Oktober 2014

9:00 Uhr: Dr. Dietmar Elflein (Braunschweig): Slow it down – Ästhetiken der Verlangsamung in der populären Musik

9:30 Uhr: Dr. Stefan Elit (Paderborn): Den eigenen Rhythmus finden - im sozialistischen Takt? Individualistische 'Eigenzeiten' in DDR-Gegenwartsprosa und DEFA-Film

10:00 Uhr: Dr. Jan Urbich (Braunschweig): Breaking slow. Eigenzeiten ästhetischer Verzögerung im neueren seriellen filmischen Erzählen

10:30 Uhr: Diskussion; anschließend Kaffeepause

11:30 Uhr: Dr. Rahel Ziethen (Hildesheim): Glaube, Hoffnung, Apple... Über die Ästhetisierung von Benutzeroberflächen und die Bereitschaft, seinen Computer zu lieben

12:00 Uhr: Prof. Dr. Jan Röhnert (Braunschweig): Der Präsident im Käfer. Pepe Mujicas politische Ästhetik der Verlangsamung

12:30 Uhr: Diskussion; anschließend: Mittagspause

15:00 Uhr: Kevin Liggieri, M.A. (Bochum): Am Ende hängen wir doch ab / Von Kreaturen, die wir machten. Goethes Homunculus als Modell der Entschleunigung

15:30 Uhr: Dr. Christian Stein (Berlin): Alte Narretei, neue Narrative: Zeit- und Raummanipulationen im transmedialen Storytelling

16:00: Diskussion; anschließend Kaffeepause

17:00 Uhr: Oliver Völker, M.A. (Frankfurt a.M.): Freeze this Frame. Zeitlicher Stillstand in Lehrs 42 und McCarthys The Road

17:30 Uhr: Markus Schleich, M.A. (Saarbrücken): Fitter, Happier, More Productive. OK Computer als meditative Verweigerung in Zeiten des unbedingten Fortschritts

18:00 Uhr: Diskussion

18:30 Uhr: Vorstellung des Sammelbandes Die Metaphorik der Autobahn. Literatur, Kunst, Film und Architektur nach 1945 (Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2014)


Sonnabend, 11. Oktober 2014

9:00: PD Dr. Carsten Rohde (Weimar): Der zerbrochene Zusammenhang. Akzeleration und Entschleunigung bei Goethe, Emerson, Hofmannsthal

9:30 Uhr: PD Dr. Burkhard Meyer-Sickendiek (Berlin): Mit Stifter gegen Wagner. Nietzsches Ästhetik der Langsamkeit in Menschliches, Allzumenschliches

10:00 Uhr: Diskussion; anschließend Kaffeepause

11:00 Uhr: MMag. Cornelius Mitterer (Wien): Blickdichte. Richard Schaukals und Luigi Pirandellos narratologischer Dialog über Perspektive, Geschwindigkeit und Ästhetik

11:30 Uhr: PD Dr. Cord-Friedrich Berghahn (Braunschweig): Heiliges Schweigen und Coup de foudre. Vorbeifahrende Züge bei Gerhart Hauptmann und Émile Zola

12:00 Diskussion; anschließend Mittagsimbiss

13:00 Uhr: Rafael Silveira (Jena): Technische Beschleunigung und Erzähltempo. Alfred Döblins Verarbeitung der technischen Beschleunigung in Berlin Alexanderplatz und ihre Folgen für die Erzählstruktur des Romans

13:30 Uhr Dr. Christophe Fricker (Bristol): Die Echtzeit technischer Beschleunigung und die authentische Zeit persönlicher Begegnung in Ernst Jüngers Tagbüchern

14:00 Uhr: Prof. Dr. Karin Herrmann (Aachen): Geschwindigkeitsrekord in Zeitlupe. Eine Studie zum Zusammenhang von Zeitreflexion und Erzählstruktur in Walter Kappachers Roman Silberpfeile

14:30 Uhr: Diskussion; anschließend: Gemeinsames Resümee der Tagung und Verabschiedung

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.tu-braunschweig.de/germanistik
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBraunschweig
Beginn09.10.2014
Ende11.10.2014
PersonName: Röhnert, Jan [Prof. Dr.] 
Funktion: Organisator der Tagung 
E-Mail: j.roehnert@tu-bs.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik der TU Braunschweig 
Strasse/Postfach: Bienroder Weg 80 
Postleitzahl: 38106 
Stadt: Braunschweig 
Telefon: 0531/3918646 
Fax: 0531/3918658 
E-Mail: ndlit@tu-bs.de 
Internetadresse: www.tu-braunschweig.de/germanistik 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
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