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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Literatur und Recht im Vormärz"
RessourcentypCall for Papers
TitelLiteratur und Recht im Vormärz
BeschreibungAufruf zur Mitarbeit am Jahrbuch 2009 des Forum Vormärz Forschung

Literatur und Recht im Vormärz


Das Verhältnis von Literatur und Recht hat in den letzten Jahren unter dem anregenden Impuls des Law-and-Literature-Movement in den Literatur- und Geisteswissenschaften ein besonderes Interesse hervorgerufen. Mindestens vier verschiedene Ansätze haben sich dabei etabliert: 1. Unter dem Begriff ‚Law in Literature‘ erscheinen Studien über das in der Literatur dargestellte Recht. 2. ‚Law and Literature as Language‘ geht davon aus, dass Recht und Literatur jeweils eine vergleichbare Funktion als Medien kultureller Kommunikation und kultureller Selbstverständigung in der Gesellschaft übernehmen. 3. Unter ‚Law as Literary Movement’ laufen jene Studien, in denen die rechtlichen Entwicklungen unter historischen Gesichtspunkten mit literaturhisorischen und -ästhetischen oder geistes- und ideengeschichtlichen Entwicklungen parallelisiert werden. 4. ‚Law and Literature as Ethical Discourse’ beschäftigt sich mit moralethischen Wirkungen von Literatur und Kunst. Für die Zeit des Vormärz sind solche Fragestellungen nach den Wechselbeziehungen besonders fruchtbar, gehört es doch zu den historischen Auffassungen jener Zeit, dass „recht und poesie miteinander aus einem bette aufgestanden waren“, wie es Jacob Grimm in seinem Aufsatz Von der Poesie im Recht (1816) kundtat.

Bezogen auf Literatur und Kultur des Vormärz galt das Interesse am Thema Literatur und Recht bislang überwiegend Fragen der Zensur. Tatsächlich ist die rechtliche Regulierung des Literaturbetriebs und des Pressewesens ein Charakteristikum textueller Produktion ab 1819 in der von Metternich dominierten politischen Landschaft. In der Forschung sind insbesondere Zensurpraktiken beispielhaft (lokal und regional) und systematisch (Theaterzensur, Zensurstruktur, Distributionswege von Literatur) analysiert worden. Ebenso sind Fragen wie sekundäre Zensur (‚Schere im Kopf‘), Schreiben unter der Zensur (Camouflage-Technik) und existenzielle Bedrohung (veränderte Lebens- und Berufswege) ventiliert worden.

Doch neben den Problemen der Zensur eröffnet die Analyse des Spannungsverhältnisses von Literatur und Recht, wie sie in der Law-and-Literature-Movement vorgenommen wird, neue Perspektiven für die Vormärz-Forschung. Zu den dort mittlerweile gängigen Interessen lassen sich mehrere für die textuelle Produktion im Vormärz produktiv machen: 1. Rechtsvorstellungen in der Literatur oder literarische Thematisierungen des Rechts, bei denen die Sichtweisen der Beteiligten (vom Täter bis zum Richter) und Prozesse diskutiert werden. 2. Rechtsphilosophische Fragestellungen, insbesondere über das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit, und die moralischen Konsequenzen in Politik und Gesellschaft. 3. Die Bedeutung des rechtsgeschichtlichen Hintergrunds für die interpretatorische Erschließung literarischer und publizistischer Texte. Im Jahrbuch sollen diese neuen Perspektiven in den Mittelpunkt rücken und damit die Fokussierung auf die Zensurproblematik hin aufbrechen.

Gemäß dem Anliegen des FVF (Forum Vormärz Forschung) ist auch in diesem Jahrbuch eine multidisziplinäre Herangehensweise erwünscht, d.h., dass Beiträger aus den Bereichen Literatur-, Rechts,- Geschichts-, Wissenschafts- und Kulturwissenschaft sowie aus der Philosophie oder anderen Disziplinen zur Mitarbeit eingeladen sind.

Die Beiträge sollten in deutscher Sprache verfasst sein.

Folgende Aspekte sind für das Schwerpunktthema Literatur und Recht im Vormärz interessant, wobei grundsätzliche Offenheit für andere Themen besteht:

Dichterjurist: Doppelbiographie Jurist – Schriftsteller/Publizist (z.B. W. Alexis, K. Baldamus, K. v. Bentzel-Sternau, K. Follen, C. Grabbe, F. Hebbel, H. Heine, K. Immermann, K. Mayer, J. Nestroy, J. Siebenpfeiffer, J. Temme, P. Wigand usw.)

Auswirkungen juristischer Tätigkeit auf die schriftstellerische Produktion

Beschreibung der juristischen Tätigkeit von Dichterjuristen

Das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit in rechtsphilosophischer, politischer, sozialer und literarischer Perspektive

Literatur als politisches Tribunal

Rechtsfälle in Wirklichkeit und Fiktion - literarische und publizistische Reaktionen auf wichtige Prozesse (politische Prozesse, Kriminalprozesse, Strafrecht)

Gattungstypologische Überlegungen

Konzepte poetischer und sozialer Gerechtigkeit in Literatur und Publizistik

Verfassung im Spiegel literarischer, publizistischer und politischer Darstellungen

Rechtliche Bedingungen der Literaturproduktion

Verleumdung und Personenkritik – Literatur im Widerstreit mit dem Persönlichkeitsrecht

Recht und Rhetorik/Rechts- und Literatursprache – theoretische Schriften zur Beredsamkeit, Verteidigungsschriften

Friedrich Carl von Savigny und die historische Rechtsschule


Einsendeschluss für die Exposés: 1. Oktober 2008
Einsendeschluss für die druckfertigen Manuskripte: 1. November 2009.

Falls Sie am Jahrbuch 2009 Literatur und Recht im Vormärz mitwirken möchten, senden Sie bitte eine Email mit einem Exposé von max. 500 Wörtern an:

Ludwig Maximilian Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Dr. Claude D. Conter
Schellingstraße 3 / RG. - Zi. 420
80799 München
claude.conter@lmu.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss01.10.2008
PersonName: Dr. Claude D. Conter  
Funktion: Kontakt 
E-Mail: claude.conter@lmu.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Deutsche Philologie, Ludwig Maximilian Universität München 
Strasse/Postfach: Schellingstraße 3 
Postleitzahl: 80799  
Stadt: München 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation15.00.00 19. Jahrhundert > 15.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.14.00 Stoffe. Motive. Themen
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