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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Otto Julius Bierbaum – zwischen Berliner und Münchner Moderne"
RessourcentypCall for Papers
TitelOtto Julius Bierbaum – zwischen Berliner und Münchner Moderne
BeschreibungOtto Julius Bierbaum –
zwischen Berliner und Münchner Moderne


Tagung, Frankfurt am Main, 28.–30. September 2015
Veranstaltet von PD Dr. Bernd Zegowitz (Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Dr. Björn Weyand (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)


2015 jährt sich der Geburtstag des Schriftstellers, Übersetzers und Herausgebers Otto Julius Bierbaum (1865–1910) zum hundertfünfzigsten Mal. Dieses Jubiläum soll Anlass sein, das vielfältige, mitunter unstete literarische und editorische Schaffen Bierbaums kritisch zu würdigen und sein Werk im Kontext der Berliner und Münchner Moderne zu reflektieren. Dabei gilt es, Bierbaum als einen wichtigen, wenn auch nicht unumstrittenen Repräsentanten der literarischen Moderne zu begreifen, der sich zwischen den Gattungen bewegte und sich unterschiedlichste Stile und Strömungen anverwandelte. Durch seine Herausgeber- und Redakteurstätigkeiten stellt Bierbaum eine zentrale Figur im Netzwerk der Moderne dar. Seine Beteiligung am „Roman der zwölf“, einer 1909 erschienenen literarischen Koproduktion von zwölf Autoren, zeigt ihn in einer Reihe mit Hermann Bahr, Hanns Heinz Ewers, Felix Hollaender, Gustav Meyrink, Ernst von Wolzogen und anderen. Die zeitgenössische Einschätzung seines Werks erscheint dabei durchaus kontrovers: Johannes Schlaf bezeichnet „Stilpe“ als den „besten Roman, der im Laufe der letzten Jahre bei uns in Deutschland“ geschrieben worden ist. Franz Blei urteilt Bierbaums lyrische Produktion dagegen als „aus der Zuckerspritze gegossene krumpelige Dinger“ ab.

Die literaturwissenschaftliche Tagung will das Schaffen Bierbaums unter formalästhetischen, kulturwissenschaftlichen, medienästhetischen und sozialhistorischen Fragestellungen einer neuen Bewertung unterziehen. Beiträge aus benachbarten Disziplinen wie den Medien-, Kunst- oder Buchwissenschaften sind ausdrücklich willkommen.

Folgende Themenfelder sollen besondere Berücksichtigung finden:


1. ASPEKTE DER MODERNE

Die literarischen Anfänge Bierbaums stehen ganz im Zeichen des Naturalismus. Er schreibt für die von Michael Georg Conrad herausgegebene Zeitschrift „Die Gesellschaft“ und ist 1890 einer der Mitbegründer der „Gesellschaft für modernes Leben“, einer Münchner Gegengründung zur „Freien Bühne“ in Berlin. Aber bereits in seinem „Modernen Musen-Almanach auf das Jahr 1893“, mit dem er ein „vollständiges Bild der in verschiedenen Richtungen lebendigen modernen Bewegung in Deutschland“ zu zeichnen beabsichtigt, vereint er Texte von Autoren, die sich nicht nur zum Naturalismus, sondern auch zum Jugendstil bekennen. Damit wendet er sich primär gegen die epigonale Literatur des Münchner Dichterkreises um Emanuel Geibel und Paul Heyse. Daneben wirkt Bierbaum als Pionier eines künstlerischen Kabaretts nach Pariser Muster. 1901 übernimmt er kurzzeitig die Leitung des Berliner Trianon-Theaters und schreibt Texte sowohl für Wolzogens Berliner „Überbrettl“ als auch die Münchner „Scharfrichter“.

Zu fragen wäre vor diesem Hintergrund:

– Welche Einflüsse, Tendenzen und Richtungen lassen sich in Bierbaums Werk ausmachen?
– Wie wirkten sich die Austauschbeziehungen (Freundschaften, Kooperationen etc.) mit anderen Künstlern auf Bierbaums Tätigkeiten als Herausgeber, Autor usw. aus?
– Welchen Anteil hat Bierbaum an der Gründung eines literarischen Kabaretts in Deutschland?
– Inwiefern ist beim späten Bierbaum von einem Gesinnungsumschwung zu sprechen? Lassen sich beim „ehemaligen Vorkämpfer moderner Kunst“ in seinen letzten Lebensjahren „archaisierende Neigungen“ (Hans Brandenburg) erkennen?
– Wie erklären sich Bierbaums große Popularität zu Lebzeiten und das rasch abnehmende Interesse an seinen Werken nach seinem Tod?



2. ZWISCHEN DEN GATTUNGEN

Bierbaums literarisches Œuvre ist überaus breit gestreut. Als Lyriker lässt er sich nur schwer einordnen, schreibt er doch sowohl naturalistische als auch impressionistische Gedichte, bewegt sich dabei öfters zwischen Lyrik und Prosa und bedient sich verschiedenster historischer Stile. Seine „Brettl“-Lieder gelten als Vorläufer der deutschen Kabarettlyrik. Vertont werden die Gedichte u.a. von Richard Strauss. Daneben verfasst Bierbaum Opern- und Operettentexte, Einakter und Lustspiele. Seine Prosa – Romane, Erzählungen, Reisebeschreibungen – ist meist eng an literarische Vorbilder angelegt: der Roman „Stilpe“ an Henri Murgers „Scènes de la vie de Bohème“, sein „Prinz Kuckuck“ an den Bildungsroman goethescher Prägung. Als literarischer Parodist erweist er sich in seinen „Steckbriefen“ von dreißig „literarischen Übeltätern“, als Chronist in seinen Künstlerbiographien („Franz Stuck“, „Hans Thoma“) oder seiner Geschichte des Münchner Hoftheaters.

Folgende Fragen ließen sich stellen:

– Inwieweit unterscheidet sich Bierbaums Lyrik von den traditionellen lyrischen Rede- und Gestaltungsweisen? Inwiefern kann von einer „Auflockerung der lyrischen Disziplin“ (Sprengel) gesprochen werden?
– Welche Bedeutung haben Bierbaum und seine Vorstellung „angewandter Lyrik“ für die Entwicklung des deutschen Kabaretts?
– Lassen sich in Bierbaums Erzählprosa („Studentenbeichten“, „Künstlergeschichten“) Ansätze einer emanzipatorischen Unterhaltungsliteratur finden?
– Kann im Falle von Bierbaums Romanen („Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive“, „Die Freiersfahrten und Freiersmeinungen des weiberfeindlichen Herrn Pankrazius Graunzer, der Schönen Wissenschaften Doktor, nebst einem Anhange wie schließlich alles ausgelaufen“, „Prinz Kuckuck. Leben, Thaten, Meinungen und Höllenfahrt eines Wollüstlings“) von einer Modifizierung ältere Erzählmodelle gesprochen werden?
– Inwiefern sind die Bühnenstücke Bierbaums auf die Aufführungssituation an kleineren Theatern bzw. Kabarettbühnen ausgerichtet?



3. REISEN

Mit seiner „Empfindsamen Reise im Automobil“ (1903) modernisiert Bierbaum den Reisebericht in spielerischer Erneuerung von Laurence Sternes „Sentimental Journey Through France und Italy“ und überführt die nachgoethesche und nachromantische Italiensehnsucht ins automobile Zeitalter. Als erstem Autoreisebuch in deutscher Sprache kommt der „Empfindsamen Reise“ damit eine besondere Bedeutung in der deutschsprachigen Reiseliteratur zu. Bierbaums letzte Publikation „Yankeedoodle-Fahrt“ (1909) führt u.a. in den Orient und möchte, wie der Untertitel verspricht, einen Beitrag zur „Kunst des Reisens“ liefern.

Folgende Fragen ließen sich an die Reisetexte stellen:

– Wie knüpfen Bierbaums Reisetexte an die Tradition der Reiseliteratur an? Welche Rolle spielen romantisches Fernweh und Naturerleben in ihnen?
– Wie verhalten sie sich zur bürgerlichen Praxis der Bildungsreise, wie zum entstehenden Massentourismus (Baedeker u. a. )?
– Stellen die Reisetexte tatsächlich Beiträge zur „Kunst des Reisens“ dar und liefern somit eine „moderne Apodemik“?
– Wie sind die Reisetexte im literarischen Feld ihrer Zeit zu verorten? Partizipieren sie an einer „Kulturpoetik“ des Reisens? Teilen sie literarische Verfahren mit anderen populären Reisetexten?
– Auf welche Weise verhandeln sie Aspekte der modernen Infrastruktur (Automobil, Eisenbahn, Dampfschiff)?



4. SCHRIFT, BILD, MATERIALITÄT DES BUCHS

Bierbaum gilt als einer der wichtigsten Förderer der Buchgestaltung und der Druckkunst um 1900. Für seine zahlreichen Herausgebertätigkeiten und für seine eigenen Werke ging er wiederholt Kooperationen mit so herausragenden Illustratoren und Typographen wie Franz Stuck, Hans Thoma, Felix Vallotton und Peter Behrens ein. Die von ihm 1899 mitbegründete Zeitschrift „Die Insel“ macht diesen ästhetischen und materiellen Aspekt von Literatur bereits im Untertitel „Monatsschrift mit Buchschmuck und Illustrationen“ deutlich und stellt einen wichtigen Beitrag zu den buchgestalterischen Innovationen unter dem Vorzeichen des Jugendstils dar. „Das seidene Buch. Eine lyrische Damenspende“ (1904) wird in einem dreifarbigen, gefütterten Seideneinband ausgeliefert, zudem gibt Bierbaum eine Reihe bibliophiler Einzelausgaben heraus.

Von hier aus ergeben sich Fragen etwa zu folgenden Gesichtspunkten:

– In welchem Verhältnis stehen Text, Typographie und Buchschmuck in Bierbaums Publikationen?
– Wie lässt sich die typographische, illustratorische und materielle Buchgestaltung vor dem Hintergrund des aktuellen kulturwissenschaftlichen Interesses an Schriftbildlichkeit einerseits und an materieller Kultur andererseits reflektieren?
– Welchen Beitrag leisten die Gestaltungsprinzipien insbesondere der „Insel“ zu den Bemühungen des Jugendstils um eine neue Buchkunst? Inwiefern erweisen sie sich als prägend für die nachfolgende Buchgestaltung?
– Wie verändern sich die Text-Bild-Relationen durch die Einbeziehung von Fotografien, etwa in der „Yankeedoodlefahrt“?



5. BIERBAUM ALS DISTRIBUTOR

Besonders hat sich Bierbaum auch als Begründer und Herausgeber von Zeitschriften hervorgetan. Sein Engagement ist jedoch immer nur von kurzer Dauer: Entweder kommt es erst gar nicht zur Gründung („KRAFT, Kunst und Sport“) oder Bierbaum scheidet nach einem Zerwürfnis mit den Mitherausgebern aus der Redaktion aus („Pan“, „Die Zeit“) oder die Zeitschriften werden nach kurzer Zeit eingestellt („Die Insel“). Daneben gibt er Kalenderbücher mit eigenen Texten heraus („Der bunte Vogel“) und Sammelbände mit Texten zeitgenössischer Autoren („Deutsche Chansons“). In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts wendet er sich dann zusehends von der Moderne ab und verlegt sich auf Anthologien klassischer Autoren („Goethe-Kalender“) und Übersetzungen bzw. Bearbeitungen („Das Gespenst von Matschatsch“ nach Oscar Wilde, „Zäpfel Kerns Abenteuer“ nach Carlo Collodis „Pinocchio“).

Mögliche Fragen wären:

– Inwieweit können sowohl „Die Insel“ als auch der „Pan“ als wegweisende Zeitschriftengründungen der Jahrhundertwende gelten?
– Welche Bedeutung haben die Zeitschriften und Anthologien Bierbaums für die Entwicklung der Buchausstattung?
– Welche Rolle spielt Bierbaum innerhalb des jeweiligen Herausgebergremiums?
– Ist Bierbaums Rückwendung zu literarischen Werken der Vergangenheit nach 1900 Zeichen individueller Enttäuschung oder ästhetischer Programmatik?



Geplant ist eine Vortragsdauer von 30 Minuten; eine Publikation der Vorträge ist vorgesehen. Für die Übernahme von Reise- und Unterkunftskosten wird ein Antrag auf Förderung gestellt.

Vortragsangebote (Exposé von max. 1.000 Zeichen und ein Kurz-CV) senden Sie bitte bis zum 30. November 2014 per Mail an die beiden Veranstalter:

PD Dr. Bernd Zegowitz
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik
Campus Westend
Grüneburgplatz 1
60629 Frankfurt am Main
zegowitz@lingua.uni-frankfurt.de

Dr. Björn Weyand
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Institut für Germanistik (IGER)
Zschokkestr. 32
39104 Magdeburg
bjoern.weyand@ovgu.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt am Main
Bewerbungsschluss30.11.2014
Beginn28.09.2015
Ende30.09.2015
PersonName: Weyand, Björn [Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: bjoern.weyand@ovgu.de 
Name: Zegowitz, Bernd [PD Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: zegowitz@lingua.uni-frankfurt.de 
KontaktdatenName/Institution: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Germanistik (IGER) 
Strasse/Postfach: Zschokkestr. 32 
Postleitzahl: 39104 
Stadt: Magdeburg 
E-Mail: bjoern.weyand@ovgu.de 
Internetadresse: www.iger.ovgu.de 
Name/Institution: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik 
Strasse/Postfach: Grüneburgplatz 1 
Postleitzahl: 60629 Frankfurt am Main 
E-Mail: zegowitz@lingua.uni-frankfurt.de 
Internetadresse: www.uni-frankfurt.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben > 03.16.02 Schriftsteller; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.08.00 Literarisches Leben; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.09.00 Zeitschriften; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.10.00 Naturalismus; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.11.00 Jugendstil; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.13.00 Gattungen und Formen; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.15.00 Zu einzelnen Autoren
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