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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Literarische Öffentlichkeit 1840-1885"
RessourcentypCall for Papers
TitelLiterarische Öffentlichkeit 1840-1885
BeschreibungFür einen Sammelband mit dem Titel

"Literarische Öffentlichkeit im mittleren 19. Jahrhundert. Vergessene Konstellationen literarischer Kommunikation zwischen 1840 und 1885"
Hg. von Katja Mellmann & Jesko Reiling

werden noch Beiträge gesucht. Bitte senden Sie Ihren Vorschlag in Form von Arbeitstitel und einem kurzen Exposé (ca. 1/2 bis 1 Seite) bis zum 15. Oktober 2014 an katja.mellmann@phil.uni-goettingen.de und jesko.reiling@germ.unibe.ch.

Zur Ausrichtung des Bandes:

Die Differenzierungsprozesse im Kulturbetrieb des ausgehenden 19. Jahrhunderts haben unser Bild vom 19. Jahrhundert in einer Weise retrospektiv geprägt, die eine historisch adäquate Betrachtung der literarischen Kultur des mittleren 19. Jahrhunderts oft erschwert. Das betrifft z.B. die Unterscheidung von E- und U-Literatur, die sich um 1900 mit aller Schärfe durchsetzt, vor 1880 aber noch kaum eine relevante Ordnungskategorie im Bewusstsein der Zeitgenossen darstellt. Vor allem das breite Spektrum realistischer Erzählliteratur umfasst eine Reihe von Genres, die wir aus heutiger Perspektive in so unterschiedliche Ressorts wie Heimatdichtung, populärer Kitsch- und Unterhaltungsroman, Lebenshilfeliteratur und Bildungsroman einzuordnen versucht sind, im zeitgenössischen Verständnishorizont jedoch lediglich als Facetten innerhalb ein und desselben integrativen Begriffs realistischen Erzählens erscheinen. Eine andere Verständnishürde aus heutiger Sicht liegt in der Bedeutung des ethischen Gehalts von Dichtung. "Tendenzliteratur" war um die Jahrhundertmitte keineswegs nur ein Schimpfwort für die politische engagierte Literatur des Vormärz; vielmehr existiert über mehrere Jahrzehnte hinweg ein positiver Begriff von "Tendenz", der den ideellen Gehalt eines Werkes, inklusive seiner ethischen Haltung meint.

Diese beiden Beispiele für retrospektivische Verzerrungen markieren nur zwei Bereiche eines weitgespannten Problemfeldes, das der geplante Sammelband adressieren möchte. Im Allgemeinen entwirft die Literaturgeschichtsschreibung ein zweigeteiltes Bild des 19. Jahrhunderts: Während die ersten Jahrzehnte als Phase einer vielfältigen ästhetischen Gemengelage beschrieben werden, in der sich unterschiedliche (epochale) Schreibweisen wie Klassik, Romantik, Vormärz, Biedermeier etc. überschneiden, gilt die Jahrhundertmitte als ›ruhige‹ und weitgehend homogene Periode. In jüngster Zeit jedoch lässt sich eine neue Aufmerksamkeit auf die tatsächliche kulturelle Vielfalt innerhalb und jenseits des Kanonischen feststellen. Ziel der Sammelbandbeiträge soll es sein, hinter habituelle und anachronistische Ordnungskategorien zurückzusetzen und die Dynamik und Spannweite des literarischen Feldes im mittleren 19. Jahrhundert durch einen 'frischen' Blick auf die Quellen neu – d.h. aus den Kategorien der Zeit selbst heraus – zu rekonstruieren.

Im Zentrum eines jeden Beitrags sollte eine bestimmte "Konstellation" des literarischen Lebens zwischen 1840 und 1885 liegen. Dabei ist besonders zu achten auf z.B.:
- neue Realitäten/alte Denkmuster (semantische Evolution als Umdeutung)
- Umordnung der Realität: Differenzierungs- vs. Integrationsprozesse (z.B. Literaturbegriff, Märkte, Medien, Publika)
- Divergenzen und Konvergenzen zwischen programmatischem Anspruch und Praxis
- Stabilität und Instabilität von Erwartungsstrukturen in literarischer und literaturbezogener Kommunikation
- Dynamisierungen und Institutionalisierungen
- personale, mediale und institutionelle Konstellationen: regelhafte Kommunikationswege in Produktion, Distribution oder Rezeption
- Konstellationen unterschiedlicher Wissensdomänen durch Medien, Gattungen, Vermarktungskontexte o.Ä.
- Funktionen von Literatur
- Keimzellen der literarischen Moderne, Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Problembezüge

Erwünscht sind Beiträge, die sich durch quellennahes Arbeiten, eine strikt historisierende Perspektive und ein literaturgeschichtliches Erkenntnisinteresse auszeichnen. Der Schwerpunkt liegt auf der deutschsprachigen Literatur Deutschlands, Österreichs und der Schweiz; internationale Transfer- und Übersetzungsprozesse sind nicht ausgeschlossen, stehen jedoch nicht im Zentrum des Interesses. Termin für die Einreichung der fertigen Manuskripte ist der 30. April 2015.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss15.10.2014
PersonName: Dr. Katja Mellmann 
E-Mail: katja.mellmann@phil.uni-goettingen.de 
KontaktdatenName/Institution: Seminar für deutsche Philologie 
Strasse/Postfach: Käte-Hamburger-Weg 3 
Postleitzahl: 37073 
Stadt: Göttingen 
E-Mail: katja.mellmann@phil.uni-goettingen.de 
Internetadresse: www.mellmann.org 
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
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