VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige ""Es sind alles Geschichten aus meinem Leben". Tagung aus Anlass des 100. Geburtstages von Hans-Werner Richter"
RessourcentypCall for Papers
Titel"Es sind alles Geschichten aus meinem Leben". Tagung aus Anlass des 100. Geburtstages von Hans-Werner Richter
Beschreibung"Es sind alles Geschichten aus meinem Leben"
Tagung aus Anlass des 100. Geburtstages von Hans-Werner Richter
vom 12.-14. November 2008 in Bansin/Insel Usedom

ausgerichtet von Prof. Dr. Carsten Gansel (Universität Gießen) und Dr. Roman Luckscheiter (Universität Heidelberg)
in Verbindung mit Prof. Dr. Pawel Zimniak (Universität Zielona Góra)und Martin Bartels (Hans-Werner Richter-Haus, Bansin )
in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI)der Universität Gießen

Call for papers (Deadline: 31.05.08):

Eine Tagung aus Anlass des 100. Geburtstags von Hans Werner Richter zu veranstalten lässt sich nicht nur über das willkürliche Datum des Jubiläums rechtfertigen. Eine neue Beschäftigung mit dem lange Zeit von der Germanistik vernachlässigten Werk des Autors und Literaturpolitikers Richter erfährt wesentliche Impulse aus der Tatsache, dass dazu seit den neunziger Jahren eine neue Quellen- und Materiallage existiert: So liegen Richters Briefwechsel ediert und kommentiert vor. Zudem ist Hans-Werner Richters Rolle als ,Spiritus Rector' der Gruppe 47 Gegenstand empirischer und rezeptionsgeschichtlicher Studien geworden. Mit Edgar Wolfrums jüngerer Darstellung zur frühen Bundesrepublik als "geglückter Demokratie" liegt inzwischen ein offenerer Blick auf jene Jahrzehnte vor, die Richter als Intellektueller mitprägte. Die Tagung setzt bei diesen Fragen an. Sie zielt darauf, das literarische wie intellektuelle Profil Richters neu zu bestimmen und ihn in den Kontext jener Autoren-Generation zu stellen, die in den letzten Jahren vor allem durch ihre spezifische literarische Erinnerungsarbeit eine öffentliche Debatte ausgelöst hat. Ein weiteres Ziel der Tagung besteht daher auch darin, in den Austausch mit Vertretern dieser Generation über Hans Werner Richter und die deutsche Literatur zu treten.
Hans-Werner Richter hat in der deutschen Literatur in vielfältigen Rollen agiert. Er war auf der einen Seite "Ziehvater der Gruppe 47" und auf der anderen Seite ein Autor, in dessen Werk das autobiographische Moment eine wichtige Rolle spielt. Auch dieser Umstand erfordert es, Literatur als ,Handlungs- und Symbolsystem' zu modellieren und neben den Texten die Handlungsrollen und die entsprechenden Institutionen in den Blick zu bekommen. Dies um so mehr, da sich das literarische Feld nach 1945 nicht nur wegen der räumlichen und politischen Trennung in Besatzungszonen als zerklüftet darstellte. Von einer Einheit der Autoren konnte ebenso wenig die Rede sein, wie von einer "Stunde Null". Im Gegenteil: Aufbruchs-Rhetorik wie Einheitsappelle waren Indiz für die Konkurrenz unterschiedlicher Autoren-Gruppen auf einem relativ offenen gesellschaftlichen Feld.
Vor diesem Hintergrund sollen Leben und Werk Hans Werner Richters unter folgenden Aspekten untersucht und diskutiert werden:
1. Hans-Werner Richter spielt als ,Netzwerker' im literarischen Feld der jungen Bundesrepublik mit der von ihm maßgeblich geprägten Gruppe 47 eine zentrale Rolle bei der Herausbildung der westdeutschen Nachkriegsliteratur und ihrer Kritik, aber auch des zu konsolidierenden Begriffs von Öffentlichkeit. Die literarische Gruppenbildung, die mit der Zeit immer stärker zu einer politischen geriet bzw. gemacht wurde, ist gewiss jenes Feld, das in der Forschung am umfassendsten untersucht wurde. Gleichwohl bleibt die Aufgabe neuer Bewertungen von Richters Handeln vor dem Hintergrund seines inzwischen edierten Briefwechsels, der beispielsweise auch überraschende Öffnungsbewegungen zur CDU hin offen legt, sowie vor dem Hintergrund etwa der immer wieder aufflammenden und zuletzt von Klaus Briegleb untermauerten Vorwürfe an die Gruppe 47, sie habe einen latenten Antisemitismus gepflegt. Walter Jens hat Richter im Hinblick auf seine autobiographischen Texte bescheinigt, die "Kunst der Tarnung" zu beherrschen; die Berechtigung und Reichweite dieses Diktums ist zu erörtern, nicht zuletzt unter dem Eindruck der Diskussion um Fragen von Erinnerung, wie sie im Kontext mit Günter Grass' Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" kontrovers diskutiert wurden.
Eine zusätzliche Komponente von Richters Netzwerkertätigkeit ergibt sich auf der deutschlandpolitischen Ebene; hier steht sein Verhältnis zur DDR und ihren Autoren zur Debatte. Und darüber hinaus geht es um Verbindungen von Hans-Werner Richter in andere Länder des Real-Sozialismus, insbesondere nach Polen und die Sowjetunion. In diesem Rahmen wird auch danach zu fragen sein, welche Rolle Hans-Werner Richter und die Gruppe 47 für Intellektuelle etwa in der DDR oder Polen spielte und wie sie von den Institutionen des Staates wahrgenommen wurden.
2. Als Publizist und Herausgeber war Hans-Werner Richter maßgeblich beteiligt an der Etablierung von Intellektuellendebatten und -diskursen in der Transformationszeit zur Bundesrepublik, etwa über die von ihm gegründete Zeitschrift "Der Ruf". Walter Jens hat diesbezüglich auf das Phänomen hingewiesen, dass sich bei Richter neben kommunistischen und sozialistischen Überzeugungen auch Sichtweisen und Töne finden, die durchaus kompatibel seien mit der konservativen Kulturkritik eines Ernst Jünger. Hier interessiert die Verortung Richters im Zusammenhang seiner Generation, über den bestimmte Positionen in ihrer Widersprüchlichkeit neu beleuchtet werden können. Von Interesse sind dabei unter anderem auch jene Impulse, die Richter in der Zeit seiner amerikanischen Kriegsgefangenschaft erhalten und dann in seine publizistische Tätigkeit in der Bundesrepublik übertragen hat. Das 40-jährige ,Jubiläum' der 1968er-Bewegung gibt in diesem Jahr zudem Anlass, Richters Rolle bei der Politisierung des Literaturbegriffs zu reflektieren und das ambivalente Wechselverhältnis zwischen Gruppe 47 und Außerparlamentarischer Opposition zu analysieren.
3. Als Romancier, ,Autobiograph' und Hörspielautor hat Hans-Werner Richter ein durchaus umfangreiches Werk hinterlassen, in dem er thematisch und stilistisch verschiedene Spielarten eines multiperspektivischen Realismus erprobt und zugleich einen gewichtigen Beitrag zur geschichtlichen Dimension von Literatur als Erinnerungsarbeit geleistet hat. Der literarische Aspekt von Richters Schaffen stand in der öffentlichen und literaturwissenschaftlichen Wahrnehmung immer hinter seinen literaturpolitischen Aktivitäten zurück. Damit ist bereits ein Anliegen des Tagungsprojekts benannt: Es geht darum, Hans Werner Richter auch als Romanschriftsteller in der Breite seines Werks zu würdigen. Seine Erzähltexte sind in Beziehung zu setzen zu den zeitgenössischen politischen wie literarischen Diskursen ebenso wie zu seinen eigenen politischen Standpunkten und biographischen Erfahrungen. Daraus ergeben sich u.a. folgende Aspekte für eine narratologische Analyse der Texte:
- Literarischer Stil und historische Analyse: Zu fragen wäre -- etwa in "Rose weiß Rose rot", dem Roman über die Weimarer Republik -- nach dem Verhältnis von Erzähltechnik und Epochendiagnose als Indikator von Richters Wirkungsästhetik. Seine jeweiligen Entscheidungen für einen homodiegetischen bzw. heterodiegetischen Erzähler sind daraufhin ebenso zu untersuchen wie etwa das Vorkommen ,unzuverlässiger' Erzähler.
- Literatur und Gedächtnis: In Richters Texten spielt das ,Prinzip Erinnerung' eine gewichtige Rolle. Zu fragen ist, auf welche Weise Erinnerung etwa im Kriegsroman "Die Geschlagenen", in "Spuren im Sand" oder anderen autobiographisch geprägten Texten inszeniert wird. Es geht mithin um die ,Rhetorik der Erinnerung' bei Hans-Werner Richter.
- Regionalität und autobiographische Grundierung: Richters "Geschichten aus Bansin"; "Spuren im Sand" oder "Die Stunde der falschen Triumphe" machen deutlich, welche Relevanz er der regionalen wie autobiographischen Verankerung seiner Erzählungen beimisst. Seine narrative Strategie ist dabei zu verorten zwischen der Beglaubigung der Phantasie durch die lokale und personale Konkretisierung einerseits und dem Versuch, die geschilderten individuellen Situationen ins Exemplarische, Bedeutsame und Lehrreiche zu transzendieren. Zudem steht die Rekonstruktion einer regionalen Topographie seines Werks aus.
- Modernität und Traditionalität: Zu bestimmen ist der literaturgeschichtliche Ort von Richters Schreiben insbesondere im Kontext der nach 1945 allmählich wieder rezipierten internationalen Moderne. Richters Realismus verweigert sich formalen Experimenten und wirkt in seinen Dialog- und Erzähltechniken herkömmlich. Vor diesem Hintergrund steht die Bestimmung von Richters Literaturbegriff zwischen Kontinuität und Innovation im Spannungsfeld zwischen eigenem Schreiben und literaturpolitischer Programmatik aus.

Aus der Skizze ergibt sich folgende Grobgliederung der Tagung, die auch für die Zuordnung der einzelnen Tagungsbeiträge in Sektionen eine Orientierung geben soll:
1) Hans Werner Richter als Romancier: Themen, Schreibweisen, Rezeption
2) Hans Werner Richter als Intellektueller: Organe, Diskurse, Rhetorik
3) Hans Werner Richter als Literaturpolitiker: Strategien, Korrespondenzen, Resonanzen
Drei Leitfragen sollen die Auffächerung nach thematischen Sektionen insofern relativieren, als sie übergeordnete Querverbindungen herstellen und das gemeinsame Erkenntnisinteresse auf Begriffe zu bringen suchen:
A) Modernität: Inwiefern ist Richter beteiligt am ästhetischen Modernisierungsprozess?
B) Macht: Wie verhält sich Richters literaturgeschichtliche Bedeutung zu seiner Rezeption?
C) Mentalität: Welche Konditionen und Dispositionen haben das von Richter mit der Gruppe 47 konzertierte Segment der Nachkriegsliteratur bestimmt?

Kontakt:

Prof. Dr. Carsten Gansel
Justus-Liebig-Universität Giessen
FB 05 Sprache, Literatur, Kultur
Germanistisches Institut
Otto-Behaghel-Str. 10B
35394 Giessen
Tel.: ++49-(0)641-99-29145 ++49-(0)641-99-29121 (Sekr.)
Fax: ++49-(0)641-99-29129
carsten.gansel@germanistik.uni-giessen.de

bzw.

Dr. Roman Luckscheiter
Universität Heidelberg
Germanistisches Seminar
Hauptstraße 207--209
D-69117 Heidelberg
roman.luckscheiter@gs.uni-heidelberg.de



Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBansin/Usedom
Bewerbungsschluss31.05.2008
Beginn12.11.2008
Ende14.11.2008
PersonName: Luckscheiter, Roman [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: roman.luckscheiter@gs.uni-heidelberg.de 
KontaktdatenName/Institution: Justus-Liebig-Universität Giessen, FB 05 Sprache, Literatur, Kultur, Germanistisches Institut 
Strasse/Postfach: Otto-Behaghel-Str. 10B 
Postleitzahl: 35394  
Stadt: Giessen 
Telefon: ++49-(0)641-99-29145 
Fax: ++49-(0)641-99-29129 
E-Mail: carsten.gansel@germanistik.uni-giessen.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur nach 1945
Klassifikation18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.14.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/4038

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 26.05.2008 | Impressum | Intern