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Ergebnisanzeige "IVG 2015: Poetik der Sinne um 1900"
RessourcentypCall for Papers
TitelIVG 2015: Poetik der Sinne um 1900
BeschreibungSektion B19

Thema: Poetik der Sinne um 1900


Sektionsbeschreibung

Die Sektion möchte vor dem Hintergrund aktueller kulturwissenschaftlicher Debatten um Visualität, Tonalität und Textualität von Literatur nach einer ‚Poetik der Sinne’ um 1900 fragen. Im Mittelpunkt sollen dabei Aspekte der epistemologischen und poetischen Funktionalisierung sinnlicher Wahrnehmung in der und durch die Literatur vom späten Realismus über die Jahrhundertwende bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts stehen. Diskussionswürdig erscheint uns insbesondere, wie die für den Realismus zentralen, an die sinnliche Interaktion und Kommunikation des Subjekts mit seiner Umwelt gekoppelten Semantiken (vor allem optische, akustische, aber auch haptisch-taktile Sinneswahrnehmungen und Sinnesäußerungen) in ihrer weiteren Entwicklung in der Frühen Moderne ab 1890 neu zu bestimmen und auszudifferenzieren sind. So steht etwa angesichts von Schallanalysen, ausdruckspsychologischen Studien und Sprechkunstbewegungen zur Debatte, ob und inwiefern die (aus der späten Goethezeit überkommene) optische Kodierung narrativ vermittelter Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesse noch für Poetologien relevant bleiben, die modernen Strömungen und stilistischen Tendenzen um 1900 zuzurechnen sind.

Zu den damit intendierten Fragestellungen gehören insbesondere:
- Welche neuen ästhetischen Konzepte (etwa expressive Lautsymboliken) entwickeln sich?
- Welche zeichen-, erkenntnis- und wirkungstheoretischen Modelle sind damit verbunden und wie korrespondieren diese mit dem zeitgenössischen Wissen um Sinnesströme, Nervenreize und Übersinnlichem?
- Wie positionieren sich die poetologischen Programme durch ‚sinnliche‘ Schreibweisen und Präsentationsformen jeweils im literarischen Feld gegeneinander?
- Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang neue visuelle (Photographie, Film) und akustische Medien (Phonograph, Grammophon, Theatrophon, Radio)?
- Wie profiliert sich das Mediendispositiv mit seinen literarästhetischen Auswirkungen gegenüber den Mediendispositiven um 1800 oder denen des digitalen Zeitalters?

Themenvorschläge sollten sich möglichst folgenden Teilbereichen zuordnen:

a) Medienumbruch und (Sinnes-)Wahrnehmung um 1900

In diesem Teilbereich der Sektion interessiert der genauere Zusammenhang zwischen Medialisierung und Avantgarde – bzw. zwischen Medialisierung und der Transformation realistischer Ästhetiken und Schreibweisen. Dazu scheint es notwendig, die Genese neuer Medien und einer neuen Medienkultur sowie die Neuausrichtung der Wahrnehmungsdispositive um 1900 zu erkunden. Gewünscht sind daher Beiträge zu den Wechselwirkungen zwischen medientechnologischen Entwicklungen, Medialitätstheorien, sinnes- und neurophysiologischem Wissen, philosophischen Neuausrichtungen, psychologischen und aisthetischen Effekten.

b) Poetische und poetologische Funktionalisierungen (über-)sinnlicher Wahrnehmung

Die literarischen Strömungen um 1900 - Décadence, Wiener Moderne, Jugendstil, Neuromantik, Neuklassik, Naturalismus, Symbolismus, Expressionismus usw. – sind auf unterschiedliche Weise geprägt durch Visualität und Tonalität, durch synästhetische Experimente, Trance- und Intermedialität sowie durch sinnlich-performative Inszenierungen (s. etwa die Auditionen im George-Kreis). Zugleich finden sich die neuen Schreibweisen oftmals an spezifische Körperkonzepte gebunden – dem neurasthenischen, durchgeistigten Dichtertypus der Décadence wird beispielsweise im Naturalismus ein schweißgebadeter, hart arbeitender, starker und viriler Autorkörper gegenübergestellt. Damit verknüpft werden programmatisch unterschiedliche Lautstilistiken, Rhythmiken und Bildlichkeiten. Sie dienen der jeweiligen Abwehr anderer poetologischer Programme (als übersinnlich, als effeminiert etc.) und der Selbstpositionierung im literarischen Feld. Erwünscht sind Beiträge, die diesen Verhandlungen Rechnung tragen und möglichst sowohl das ästhetische als auch das kulturpolitische Potential der poetischen und poetologischen Funktionalisierungen sinnlicher Wahrnehmungen und Sinnesdiskurse erkunden.

c) Rezeptionstheoretische Aspekte einer Sinnespoetik um 1900

Es gehört seit dem 18. Jahrhundert zu den Texteffekten, Unsichtbares sichtbar zu machen und Unhörbares hörbar. Verbunden mit der Evokation derartiger sinnlicher Effekte sind Konzepte der Einbildungskraft (im Zusammen- oder Gegenspiel mit den Wahrnehmungen der Sinnesorgane), vor allem aber affekttheoretische und wahrnehmungslenkende Überlegungen, die dann die jeweilige Schreibweise prägen. Die Fragen sind nun, ob und wie sich die rezeptionsästhetischen Theorien im Kontext der neuen Wissensbestände und der neuen Medienkultur um 1900 verändern, welche (sinnlichen) Wirkungsmöglichkeiten der Literatur zugeschrieben werden, wie diese das Wahrnehmungsdispositiv der Frühen Moderne (gegenüber dem des Realismus) prägen. Für Letzteres ist auch von Bedeutung, wie das Phänomen der Massenrezeption (in Geselligkeit bei Deklamationen und später im Kino, zunehmend allein vor dem Grammophon) sich auswirkt – nicht nur im Hinblick auf die Medialisierung der aisthetischen Erfahrung und des Imaginären, sondern auch im Hinblick auf deren Kommerzialisierung, gar Industrialisierung.

Bitte schicken Sie Ihr anstract mit ca. 400-600 Wörtern bis 15.10.14 an den Sektionsleiter/die Sektionsleiterin:

Prof. Dr. Andreas Blödorn
Westfälische Wilhelms Universität Münster
Germanistisches Institut
Abt. Neuere deutsche Literatur
Schlossplatz 34
D-48143 Münster
E-Mail: andreas.bloedorn@uni-muenster.de

Prof. Dr. Britta Herrmann
Westfälische Wilhelms Universität Münster
Germanistisches Institut
Abt. Neuere deutsche Literatur
Schlossplatz 34
britta.herrmann@uni-muenster.de
D-48143 Münster


Namen der Koleiter mit Kontaktinformationen:

Prof. Dr. Chenxi Tang
Department of German
University of California
Berkeley, CA 94720
E-mail: ctang@berkeley.edu


Prof. Dr. Raul Calzoni
Universita degli studi di Bergamo
Department of Foreign Languages, Literatures and Communication Studies
Piazza Rosate 2
I - 24129 Bergamo
raul.calzoni@unibg.it

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortShanghai
Bewerbungsschluss15.10.2014
Anmeldeschluss23.08.2015
Beginn24.08.2015
Ende31.08.2015
PersonName: Prof. Dr. Andreas Blödorn 
Funktion: Sektionsleiter 
Name: Prof. Dr. Britta Herrmann 
Funktion: Sektionsleiterin 
KontaktdatenName/Institution: Prof. Dr. Andreas Blödorn (Leiter der Sektion), Westfälische Wilhelms Universität Münster, Germanistisches Institut, Abt. Neuere deutsche Literatur 
Strasse/Postfach: Schlossplatz 34 
Postleitzahl: D-48143  
Stadt: Münster 
E-Mail: andreas.bloedorn@uni-muenster.de 
Name/Institution: Prof. Dr. Britta Herrmann (Leiterin der Sektion), Westfälische Wilhelms Universität Münster, Germanistisches Institut, Abt. Neuere deutsche Literatur 
Strasse/Postfach: Schlossplatz 34 
Postleitzahl: D-48143  
Stadt: Münster 
E-Mail: britta.herrmann@uni-muenster.de 
Name/Institution: Prof. Dr. Raul Calzoni (Koleiter der Sektion), Universita degli studi di Bergamo, Department of Foreign Languages, Literatures and Communication Studies 
Strasse/Postfach: Piazza Rosate 2 
Postleitzahl: I - 24129  
Stadt: Bergamo 
E-Mail: raul.calzoni@unibg.it 
Name/Institution: Prof. Dr. Chenxi Tang (Koleiter der Sektion), Department of German, University of California Berkeley 
Strasse/Postfach: 5331 Dwinelle 
Postleitzahl: CA 94720 
Stadt: Berkeley, USA 
E-Mail: ctang@berkeley.edu  
LandChina
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1880 - 1945
Klassifikation16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
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