VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Das Genre der Kritik. Über jüdische und andere Zeitdiagnostiker / The Genre of Criticism. About Jewish and Other Diagnosticians of the Times"
RessourcentypCall for Papers
TitelDas Genre der Kritik. Über jüdische und andere Zeitdiagnostiker / The Genre of Criticism. About Jewish and Other Diagnosticians of the Times
BeschreibungDie Gesellschaft für europäisch-jüdische Literaturstudien (EJLS) veranstaltet in Kooperation mit dem Franz Rosenzweig Minerva Research Center der Hebräischen Universität Jerusalem, dem Zentrum für Jüdische Studien der Universität Basel und dem Institut für Jüdische Studien der Universität Antwerpen eine Konferenz zum Thema "Das Genre der Kritik. Über jüdische und andere Zeitdiagnostiker". Die Konferenz findet vom 31. Mai - 02. Juni 2015 am Franz Rosenzweig Minerva Research Center der Hebräischen Universität Jerusalem statt. Es ist die fünfte Konferenz der EJLS.

Kritik ist die moderne Art des philologischen Texturteils. Sie ist ein Phänomen der Säkularisierung. Mit der zunehmenden Bedeutung des öffentlichen Raumes und der das Milieu der Öffentlichkeit kommunizierenden Medien gewinnt der schreibende Kritiker an gesellschaftlichem Gewicht. Er wird zum Torhüter der richtigen Meinung, des gerechten Urteils und des wohlfeilen Geschmacks; er ist ein aus der Zeit für die Zeit wertender Zeitdiagnostiker.
Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an zog es von der Tradition sich abwendende Juden zunehmend in den Bereich einer anschwellenden Publizistik. Prototypisch steht Ludwig Börne für dieses Metier. Diese Tendenz kulminiert um die Jahrhundertwende in der Person eines Karl Kraus und in seinem Organ "Die Fackel". In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dürfte sie im deutschsprachigen Raum wohl in Marcel Reich-Ranicki ihren letzten Protagonisten gefunden haben.
Die Konferenz will sich textgeschichtlichen wie literarturgeschichtlichen Themen öffnen. Dabei werden Fragen der Person, des Stils und des Genres im Vordergrund stehen. Auch die antisemitisch grundierte Anti-Kritik soll Gegenstand der Konferenz sein. Schließlich zog der jüdisch konturierte Kritiker den traditionellen, den Juden ohnehin entgegenschlagenden Hass wie magnetisch auf sich. Er wurde aus der Perspektive der Antisemiten zum ‚jüdischsten‘ aller Juden. Entsprechend soll dem Phänomen des Literatur-, Theater-, aber auch des Musikkritikers in der deutschsprachigen Moderne nachgegangen werden. Dabei stellt die Konferenz das Phänomen in den Kontext der mitteleuropäischen jüdischen Emanzipation und ihren Verwerfungen, ohne dies zu einem ausschließlich jüdischen Phänomen zu verengen. Letztendlich soll es um das Zusammenspiel von Textkultur, Habitus und modern verwandelter Tradition gehen, für die sich die lebensweltlichen Umstände der Juden offenbar in ganz besonderer Weise eigneten.
Damit stellt sich auch die Frage, inwiefern jüdische Kritik an bürgerlicher Kanonbildung des 19. und 20. Jahrhunderts mitgewirkt, bzw. mit dieser womöglich auch interferiert hat. Zugleich wird danach zu fragen sein, ob und wie die sich entwickelnden medialen Voraussetzungen der Ausbildung der jüdischen Figur des Kritikers entgegenkamen und was die gesellschaftlichen Vorbedingungen einer Ausbildung des Kritikers als einer kulturell anerkannten Instanz waren.

Wir bitten um Vortragsvorschläge (300-500 Wörter) mit einer kurzen biografischen Notiz und/oder Rückfragen bis zum 15. September 2014 an folgende Mailadresse: info.aejl@gmail.com. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Die Vorträge sollen eine Länge von 25 Minuten nicht überschreiten. Übernachtungskosten werden übernommen, Reisekosten werden nach Möglichkeit erstattet. Es wird vor Ort eine Konferenzgebühr von 70 Euro erhoben, die eine zweijährige Mitgliedschaft bei der EJLS beinhaltet.


The Association for European Jewish Literature Studies (EJLS) in cooperation with the Franz Rosenzweig Minerva Research Center at the Hebrew University of Jerusalem, the Center of Jewish Studies at the University of Basel and the Institute of Jewish Studies at the University of Antwerp is organizing an international conference entitled "The Genre of Criticism. About Jewish and Other Diagnosticians of the Times". The conference will take place at the Franz Rosenzweig Minerva Research Center at the Hebrew University of Jerusalem from 31st May - 2nd June 2015. It is the fifth scholarly gathering organized by the EJLS.

Critique is a modern form of aesthetic judgment. It is a phenomenon of the Enlightenment and, in a further sense, of secularization. With the growing importance of public space and mass media, the writing critic gains societal weight. He becomes the guardian of sound opinion, fair judgment and accessible taste; he is a diagnostician of the times, evaluating out of the times for the times.
Beginning in the middle of the 19th century, Jews turning away from tradition were drawn increasingly into the growing realm of journalism. Ludwig Börne stands prototypically for this profession. This tendency culminates around the turn of the century in the person of Karl Kraus and in his mouthpiece "Die Fackel". In the second half of the 20th century, it may well find its last major protagonist in the German-speaking arena in Marcel Reich-Ranicki.
The conference will be open to topics of cultural studies and literary history, foregrounding questions about person, style, and genre. Anti-criticism, as based in anti-Semitism, will also be a subject of the conference. After all, the critic who was perceived as Jewish magnetically attracted that traditional hatred which confronted the Jew in any event. From the perspective of the anti-Semites, he – the critic – became the ‘most Jewish’ of all Jews.
Accordingly, the conference will pursue the phenomenon of literary and theater criticism as well as music criticism in German-speaking modernity. In the process, it places this phenomenon in the context of Central European Jewish emancipation and the upheavals it caused, without reducing it to an exclusively Jewish phenomenon. Ultimately, the discussion shall center on the interaction of textual culture, demeanor and tradition changed in modern ways, to which the circumstances of the Jewish way of life were apparently particularly suited.
In this way, the question also arises to what extent Jewish critique contributed to bourgeois canon formation of the 19th and 20th century, or rather perhaps also interfered with it. At the same time, the question will be posed if and how the emerging prerequisites in the media accommodated the development of the Jewish figure of the critic and as to what constituted the societal (pre-)conditions of the development of the critic as a culturally recognized authority.

Please send your abstracts (300-500 words), a short CV and/or further questions to info.aejl@gmail.com by 15th September 2014. Conference languages are German and English. The talks should not be longer than 25 minutes. Costs for accommodation are covered; travel expanses will be reimbursed as far as possible. A conference fee (70 Euro) will be charged, which includes a membership at the EJLS for two years.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttps://sites.google.com/site/europeanjewishliterature/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortJerusalem
Bewerbungsschluss15.09.2014
Beginn31.05.2015
Ende02.06.2015
PersonName: Jaworski, Sylvia 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: info.aejl@gmail.com 
KontaktdatenName/Institution: Gesellschaft für europäisch-jüdische Literaturstudien / Association for European Jewish Literature Studies 
Strasse/Postfach: ℅ Zentrum für Jüdische Studien der Universität Basel, Leimenstrasse 48 
Postleitzahl: 4051 
Stadt: Basel (Schweiz) 
E-Mail: info.aejl@gmail.com 
Internetadresse: https://sites.google.com/site/europeanjewishliterature/ 
SchlüsselbegriffeLiteratur- u. Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/40173

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 04.07.2014 | Impressum | Intern