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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Mein Alles hab' ich an den Wurf gesetzt. Spiele um das Glück in den Werken Heinrich von Kleists und seiner Zeitgenossen"
RessourcentypCall for Papers
TitelMein Alles hab' ich an den Wurf gesetzt. Spiele um das Glück in den Werken Heinrich von Kleists und seiner Zeitgenossen
BeschreibungMein Alles hab' ich an den Wurf gesetzt.
Spiele um das Glück in den Werken Heinrich von Kleists und seiner Zeitgenossen


Call for Papers (28. August 2014)



Das Kleist-Museum veranstaltet am 17. Oktober 2014 sein jährliches wissenschaftliches Kolloquium im Rahmen der Frankfurter Kleist-Festtage. Deren Motto "Glück(s)Spiel" aufgreifend, stellt das Kolloquium die Frage nach der Beziehung zwischen Figuren des Spiels und des Glücks – in der Bedeutung 'Glück haben' – in literarischen Texten um 1800.

Glücksspiel als engste Verbindung von Spiel und Glück definierte sich als "ein Spiel, in welchem alles auf das Glück, d.i. auf einen ungefähren vortheilhaften Zufall, und nicht auf die Geschicklichkeit der Spielenden ankommt" (Adelung). Zwischen Spiel und Glück steht also Zufall, und damit zusammenhängend konturiert ein weiterer Begriff die Glück-Spiel-Beziehung: Wahrscheinlichkeit. Im 17. Jahrhundert hatte das Glücksspiel als Gegenstand mathematisch-logischer Forschungen (Pascal, Leibniz, Bernoulli) gedient, aus denen ein Probabilitätskonzept hervorging, das auf Grund von Datensammlungen Wahrscheinlichkeiten errechnete, die wiederum rationale Orientierung im Bereich des Zufälligen, des aus der providentiellen Ordnung Gefallenen ermöglichen sollte. Das Glücksspiel situierte sich nun nicht mehr nur entlang einer moraltheologischen (gut/böse) und juristischen (Recht/Unrecht) Grenze, sondern auch entlang einer Vernunftsgrenze zwischen rational und irrational.
In der Literatur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts übernahm das Glücksspiel verschiedene Funktionen. Zum einen bildete es ein häufig auftretendes Motiv: Goethes Wilhelm Meister, Tiecks William Lovell, Ifflands Der Spieler, Schlegels Lucinde, Hoffmanns Elixiere des Teufels und Spielerglück sind die prominentesten Werke, deren Helden dem Glücksspiel frönen, um ihm zu unterliegen oder zu entsagen. Mit historisch-philosophischen Fragen des Glücksspiels beschäftigten sich Wieland (Über die ältesten Zeitkürzungsspiele) und Novalis (Das allgemeine Brouillon). In dieser Exklusivität findet sich das Glücksspielmotiv in Kleists Werken nicht, doch hinterließ er ein Epigramm und einen fingierten Leserbrief über die Lotterie, das Glücksspiel des Volkes. Zum anderen fungierte das Glücksspiel als Metapher. Insbesondere im Zusammenhang mit Berichten über die Französische Revolution und Handelsspekulationen erschien es als Analogie zum Leben, das für den Einzelnen keine Planbarkeit mehr bereithält. "Es ist ein Wurf, wie mit dem Würfel; aber es giebt nichts Anderes", schrieb Kleist an seinen Freund Rühle von Lilienstern (31. August 1806). Das Glücksspiel wurde Sinnbild der individuellen Kontingenzerfahrung, die gleichzeitig mit der Herausbildung neuer, den Zufall ausschließender Verwaltungs-, Berechnungs- und Aufzeichnungsmöglichkeiten (Polizei, Wahrscheinlichkeitstheorie, Statistik) aufkam.
Des weiteren kann sich das Glücksspiel der narrativen Konstruktion als Modell unterlegen, wenn beispielsweise das Geschehen wie einzelne 'Coups' des berühmten Pharo-Spiels in voneinander vollkommen unabhängigen Ereignisfolgen dargestellt wird, die immer wieder von vorn beginnen. Ohne Kausalität gewährende und auf Erfahrungswerten beruhende Ordnung unterliegt das Geschehen dem Zufall und gerät an Grenzen der linearen Erzählbarkeit. Erzählen verheißt jedoch stets Ordnung, verheißt Providenz, ist doch der Zufall in Texten nur ein fingierter Zufall, der den Autor zu Gott werden läßt.
Andere Verbindungen zwischen Literatur und Glücksspiel liegen in der Diskussion des Wahrscheinlichen und in der Beschreibung beider als soziale Praktiken, die innerhalb eines Möglichkeitraumes nach bestimmten Regeln funktionieren, autonome Entscheidungen zulassen, Gewinn anstreben und eine Ununterscheidbarkeit zwischen Providenz und Kontingenz produzieren.

Als mögliche Themenkomplexe für Vorträge bieten sich an:
- Glücksspiel und Wahrscheinlichkeitstheorie im 17. und 18. Jahrhundert
- Glücksspiel als Motiv in zeitgenössischen Romanen mit Seitenblick auf Kleist
- historische Einordnung der Lottosatire Kleists (Zuschrift eines Predigers an den Herausgeber der Berliner Abendblätter)
- Kleists Lottosatire als fingierter Leserbrief im Kontext der Berliner Abendblätter
- Glücksspielmetaphern in Kleists Werken
- Kreuzungsräume der Begriffe Glück – Spiel – Zufall in Kleists Werken
- Kleists Erzählen zwischen Providenz, Kontingenz und Wahrscheinlichkeit
- Seitenblick: ästhetische Erfindung und Spiel in Kleists Brief einen jungen Dichters an einen jungen Mahler



Das Kolloquium möchte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aller Fachbereiche ein Podium geben, eigene Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Deshalb fordern wir insbesondere fortgeschrittene Studierende, Doktorand/innen und Postdoktorand/innen herzlich auf, uns die kurze Zusammenfassung (max. 500 Wörter) eines Themenvorschlags zu schicken.
Die Vortragsdauer sollte 20 Minuten nicht überschreiten.

Bitte senden Sie uns Ihre Vorschläge bis zum 28. August 2014; die Entscheidung über eine Teilnahme wird am 1. September 2014 bekanntgegeben.

Fahrt- und eventuelle Übernachtungskosten (bei längerer Anreise) können übernommen werden. Eine Publikation der Beiträge im Kleist-Jahrbuch 2015 ist vorgesehen.



Dr. Barbara Gribnitz
Tel. +49.335-387.14.53
gribnitz@kleist-museum.de

Kleist-Museum
Faberstraße 6-7
15230 Frankfurt (Oder)
www.kleist-museum.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.kleist-museum.de
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt (Oder)
Bewerbungsschluss28.08.2014
Anmeldeschluss16.10.2014
Beginn17.10.2014
Ende17.10.2014
PersonName: Dr. Barbara Gribnitz 
Funktion: wissenschaftliche Mitarbeiterin 
E-Mail: gribnitz@kleist-museum.de 
KontaktdatenName/Institution: Kleist-Museum 
Strasse/Postfach: Faberstraße 6-7 
Postleitzahl: 15230 
Stadt: Frankfurt (Oder) 
Telefon: 0335-3872210 
E-Mail: info@kleist-museum.de 
Internetadresse: www.kleist-museum.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Erzähltheorie; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1770 - 1830; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen; Motiv- u. Stoffgeschichte; Rhetorik
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.10.00 Stilistik. Rhetorik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben > 03.16.02 Schriftsteller; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 13.00.00 Goethezeit; 13.00.00 Goethezeit > 13.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 13.00.00 Goethezeit > 13.13.00 Stoffe. Motive. Themen; 13.00.00 Goethezeit > 13.14.00 Zu einzelnen Autoren; 14.00.00 Romantik; 14.00.00 Romantik > 14.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 14.00.00 Romantik > 14.11.00 Stoffe. Motive. Themen; 14.00.00 Romantik > 14.12.00 Zu einzelnen Autoren
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