VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Call for Posters: Scientia quantitatis: Quantitative Literaturwissenschaft in systematischer und historischer Perspektive"
RessourcentypCall for Papers
TitelCall for Posters: Scientia quantitatis: Quantitative Literaturwissenschaft in systematischer und historischer Perspektive
Beschreibung++++ English version see below ++++

Für folgende Tagung ist ein Call for Posters ausgeschrieben:

Scientia quantitatis
Quantitative Literaturwissenschaft in systematischer und historischer Perspektive

Internationale Tagung der Forschergruppe Quantitative Literaturwissenschaft
und dem Stuttgart Research Centre for Text Studies (Universität Stuttgart)
in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach,
unterstützt von der VolkswagenStiftung.

Dienstag, 30. September bis Donnerstag, 2. Oktober 2014
Schloss Herrenhausen, Hannover

Tagungsleitung:
Andrea Albrecht, Toni Bernhart, Marcel Lepper, Sandra Richter, Marcus Willand

Abstract
Im Prinzip werden seit spätestens der Mitte des 19. Jahrhunderts quantifizierende Verfahren angewandt, um literarische Texte zu beschreiben, zu analysieren und zu interpretieren. Doch sind solche Ansätze – z.B. aus den informellen Gruppen um Wilhelm Fucks, Rul Gunzenhäuser, Max Bense u.a.) – in der Literaturwissenschaft generell stark unterrepräsentiert, gewinnen aber im Zuge der Digital Humanities seit geraumer Zeit wieder deutlich an Bedeutung. Es ist Ziel der Tagung, die vielen separaten und diskontinuierlichen Versuche aus mehr als zwei Jahrhunderten theorie-, methoden- und fachgeschichtlich zu kontextualisieren, nach ihren Ergebnissen zu fragen, ihre Chancen und Grenzen auszuloten. Dies berührt zugleich in zentralen Punkten die aktuellen Debatten um die Digital Humanities, die in vielen ihrer Arbeitsbereiche quantitative und statistische Verfahren anwenden, ohne dabei explizit an vorausgegangene Theorie- und Modellbildungen anzuschließen. Das Anliegen der Tagung besteht darin, in einem methodisch klar umrissenen Bereich historisch und systematisch reflektierte Perspektiven für eine Quantitative Literaturwissenschaft zu entwickeln und ihr Potential in theoretischer und praktischer Hinsicht zu diskutieren.
(Eine ausführliche Darstellung der Tagungskonzeption finden Sie unten.)

Tagungsplan

Dienstag, 30. September 2014
14.00 Uhr: Anmeldung
14.30 Uhr: Eröffnung durch die Veranstalter
15.00 Uhr: Grußwort von Dr. Wilhelm Krull
15.15 Uhr: Pause


Sektion A) Quantitative Analyse literarischer Texte
Moderation: Prof. Dr. Lutz Danneberg

15.30 Uhr: ---Vakant----
16.15 Uhr: Dr. Toni Bernhart:
„Ein Fach mit langer Tradition? 200 Jahre
Quantitative Literaturwissenschaft“
17 Uhr: Pause
17.30 Uhr: Prof. Dr. Fotis Jannidis:
„Autor, Epoche, Gattung und Stil - eine stilometrische
Methodenreflexion“
19 Uhr: Abendessen


Mittwoch, 1. Oktober 2014
Sektion B) Literaturwissenschaftliches Text Mining /
Text Mining in den Literaturwissenschaften
Moderation: Andrea Albrecht

9.30 Uhr: Dr. Marcel Lepper:
„Bibliotheken, Archive und Quanitative Verfahren“
10.15 Uhr: Prof. Dr. Sandra Richter:
„Quantität und Interpretation. Einige Beispiele
aus der Weltliteratur-Debatte“
11 Uhr: Pause

Sektion C) Quantitative Narratologie
Moderation: Marcus Willand

11.30 Uhr: Annelen Brunner, M.A.
„Automatische Erkennung von Redewiedergabe
in literarischen Texten“
12.15 Uhr: PD Dr. Friedrich Michael Dimpel
„Narratologische Textauszeichnung in Märe
und Novelle“
13-15 Uhr: Mittagspause

Sektion D) Quantitative Linguistik
Moderation: Toni Bernhart

15 Uhr: Prof. Dr. Daniel Hole:
„Von Farben, Tassen, Konsonanten und scare quotes –
Quantitative Holz- und Königswege in der Linguistik“
15.45 Uhr: Prof. Dr. Jonas Kuhn:
„Wie kann die Computerlinguistik eine kritisch reflektierte
Textanalyse in den Digital Humanities unterstützen?“
16.30 Uhr: Pause
17 Uhr: Dr. Emmerich Kelih:
„Quantitative Ansätze in der russischen Sprach- und
Literaturwissenschaft: Die 20er und 30er Jahre“
19 Uhr: Abendessen


Donnerstag, 2. Oktober 2014
Sektion E) Stilometrie
Moderation: Artemis Alexiadou

9.30 Uhr: Dr. Christof Schöch:
„Autorschaft und Gattungsstil im französischen
Theater der Klassik“
10.15 Uhr: Dr. J. Berenike Herrmann:
"Kafkas Stil - Wie misst man ein
Interpretationsverweigerungsphänomen?"
11 Uhr Pause

Sektion F) Quantifizierende Literaturgeographie
Moderation: Sandra Richter

11.30 Uhr: Prof. Dr. Julia Lossau:
„Der Raum und das Quantitative“
12.15 Uhr: Ph. D. Shih-Pei Chen:
„From Text to Data: the China Biographical Database
and the Local Materiality Project at MPIWG“
13-15 Uhr: Mittagspause

Sektion G) Semantische und kommunikative Netzwerkanalyse
Moderation: Claus Zittel

15.45 Uhr: Dr. Anne Baillot:
„Die Krux mit dem Netz. Verknüpfung und Visualisierung
bei digitalen Briefeditionen“
16.30 Uhr: Vortrag 16: ---Vakant----
16.30 Uhr: Verabschiedung


Call for Posters
Im Rahmen dieser Tagung laden wir bis zu acht Nachwuchsforschern/innen ein, ihr in der Bearbeitung befindliches Projekt im Poster-Format zu präsentieren. Thematisch sollten diese Forschungsarbeiten das Thema der Tagung oder einen einzelnen, auch angrenzenden Aspekt davon beleuchten. Erfolgreichen Kandidaten/innen können die Übernachtungskosten im Tagungshotel und die Reisekosten (wahrscheinlich in Form einer Reisepauschale von 150,- €) erstattet werden.
Bitte bewerben Sie sich bis zum 31. Juli 2014 informell per E-Mail an marcus.willand@ilw.uni-stuttgart.de. Die Bewerbung soll einen Lebenslauf und eine max. einseitige, schriftliche Skizze des vorzustellenden Projekts enthalten.


Tagungskonzeption
Die Idee, einem interpretativen close reading literarischer Texte ein deskriptiv und holistisch orientiertes distant reading gegenüberzustellen, ist so alt wie die Idee des close readings selbst. Doch trübt der zeitgenössische Arbeitsalltag und der routinisierte Umgang mit digitalen Medien den Blick auf die Geschichte quantitativer Ansätze, denn Zählen ist keinesfalls erst durch die ‚digitale Revolution‘ der Literaturwissenschaften denkbar geworden (Bernhart 2008, Bernhart 2009). Vielmehr wird schon seit mindestens hundertfünfzig Jahren das, was vom späten Dilthey als Gegenstand der verstehenden und qualitativ orientierten Geisteswissenschaften bestimmt wurde, zum ‚messbaren‘ Objekt erklärt: der Text als Artefakt. So sind nach gegenwärtigem Kenntnisstand die ersten sprachstatistischen Untersuchungen auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren, und zwar in einen länderübergreifenden Raum, der von England bis Italien reicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lässt sich dann sowohl in Russland (Grzybek / Kelih 2005) als auch Deutschland ein genuines Interesse an einem quantifizierenden Umgang mit Literatur beobachten. Das erste Frequenzwörterbuch des Deutschen erscheint 1898. Friedrich Wilhelm Kaeding, der Herausgeber, wurde von fast 1000 freiwilligen Helfern unterstützt, um die von ihm erfassten 11 Mio. Wörter zu systematisieren (Bernhart 2014). Im April 2013 verkündete Google Books, 30 Mio. Bücher gescannt zu haben (Darnton 2013); das hauseigene Textanalysetool (Ngram-Viewer) erlaubt es derzeit, 5,2 Mio. davon – also etwa 500 Mrd. Wörter – zu durchsuchen (Huffington Post, 17 Dezember 2010; Michel u.a. 2011).

Mediale Veränderungen dieser Art ermöglichen nun also erstmals, Textmengen in einer Größenordnung quantitativ zu bearbeiten, die die Leseleistung eines Menschenlebens oder einer Forschergruppe bei weitem übersteigt. Geht man mit Schmitz davon aus, dass ein Mensch während seiner Lebenszeit etwa 5 Tsd. Bücher lesen kann (Schmitz 2006), wird deutlich, mit welch geringem Teil der vorhandenen Literatur er sich zufrieden geben muss; gerade wenn die steigenden Mengen der Buchproduktion berücksichtigt werden (vgl. Lepper 2014). Allein von 1740-1900 sind etwa 32 Tsd. Romane im englischsprachigen Raum publiziert worden (Pierazzo 2013). Die Württembergische Landesbibliothek nennt als Bestand 3,7 Millionen Bände Buchmaterial, 15420 Handschriften, 7087 Inkunabeln und 180439 Autographen. Es benötigte die Lebenszeit von über 7 Tsd. Wissenschaftlern, um diesen Bestand aufzuarbeiten. Vergleichsweise brauchte Google Books am 23.08.2013 genau 0,44 Sekunden, um in den bereits digitalisierten Beständen 7, 1 Mio. Treffer für das Suchwort „Lesen“ zu finden.

Auf den ersten Blick scheint sich hier vor allem ein arbeitsökonomisches Argument zu finden, immerhin gehören nun Archiv- und Bibliotheksbesuche vermeintlich der Vergangenheit an. Tatsächlich erstreckt sich der durch die bereits stark verbreitete Textdigitalisierung ermöglichte Gewinn aber vor allem auf die Inhaltsebene. Denn mit der leichteren Erschließbarkeit der Textkorpora und der damit einhergehenden leichteren quantitativen Erweiterung des Analysebereichs wächst potentiell die Reichweite der deskriptiv und interpretativ möglichen Aussagen über die untersuchte Literatur. Gerade weil dieses zentrale Argument für die Einsetzung quantitativer Verfahren naheliegend ist, erscheint es umso frappierender, dass quantitative Forschung in den Literaturwissenschaften bislang ausschließlich insular stattfindet und einer Vielzahl zumeist unkoordinierter Methodiken folgt. Wir sehen eine Aufgabe der Tagung darin, diese im Einzelnen fruchtbaren Ansätze miteinander ins Gespräch zu bringen und eine gemeinsame methodische Grundlage zu entwickeln. Auf diesem Wege können separierte, oftmals einem ad hoc-Ansatz verpflichtete Forscherinnen und Forscher in dem größeren Kontext einer organisierten Ausrichtung auf quantifizierende Fragestellungen hin zusammengeführt werden.

Demgemäß ist das tatsächliche Novum quantitativer Ansätze nicht die Frage nach dem Was, sondern die Frage nach dem Wie, also nach der Methodik des Umgangs mit den textuellen Artefakten. Hier schließt die Tagung direkt an die zeitgenössischen Diskussionen über spezifisch literaturwissenschaftliches Arbeiten an, die unter dem Stichwort Praxeologie der Literaturwissenschaft verhandelt werden (u.a. Martus / Spoerhase 2009 (Replik: Willand 2011), Spoerhase 2010, Martus 2013, Albrecht / Danneberg / Kraemer / Spoerhase 2014). Hinzu kommt die durch diesen Ansatz erneut in den Blick zu nehmende wissenschaftshistorische Beobachtung, dass quantitative Verfahren in der Literaturwissenschaft stets unter erheblichem Legitimationsdruck standen. Vor diesem Hintergrund ist es umso aufschlussreicher, auch die genuin quantitative Methodengeschichte für eine prinzipiell zeitgenössisch und prospektiv orientierte Tagung zu berücksichtigen.

Es wird für diesen Zweck also eruiert werden müssen, welche literaturwissenschaftlichen Fragen in der Vergangenheit mithilfe quantitativer Verfahren privilegiert bearbeitet wurden (v.a. Fragen der Autorschaft von Texten und Fragen aus den Bereichen Stilistik, Metrik etc.) und welche bisher kaum in den Aufmerksamkeitsfokus rückten. Wie ändern sich diese Aufmerksamkeitslenkungen gegenwärtig im Zuge verstärkter Textdigitalisierungen? Weder die Quantitative Literaturwissenschaft noch die Digital Humanities sind ein rein philologisches Phänomen. Symptomatisch in diesem Zusammenhang ist die Beobachtung, dass sich – unter dem Programmbegriff Culturomics – gerade quantifizierende Verfahren dazu empfehlen, Artefakte in ihrer maximal möglichen kulturwissenschaftlichen Breite zu analysieren und zu interpretieren (Michel u.a. 2011). Zwar liegt der Schwerpunkt der Tagung auf den unterschiedlichen literaturwissenschaftlichen Philologien, als Erweiterung des theoretisch-methodischen Spektrums sind aber systematisch ergänzende und vergleichende Beiträge aus anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen vorgesehen, allen voran aus der Linguistik, aber auch aus der Geographie und Soziologie. Insgesamt scheint uns eine spezifizierende Abgrenzung der Quantifizierenden Literaturwissenschaft von der unpräziseren Rede der Digital Humanities unumgänglich, gerade weil quantifizierende Ansätze bereits lange vor dem digital turn der Sozial- und Humanwissenschaften Anwendung fanden.

Ein Schwerpunkt des angestrebten interdisziplinären Austauschs soll auf die Annäherung von Theorie und Praxis quantitativer Verfahren gelegt werden, insbesondere weil dieses Verhältnis in den einzelnen Disziplinen unterschiedlich konturiert ist. Die Differenzen lassen sich exemplarisch wie folgt beschreiben: Die Forschung im Bereich der Quantitativen Linguistik (etwa die Stilometrie) entsteht ebenso wie u.a. kartographische Verfahren aufgrund ihrer Erkenntnisziele von Beginn an in enger Nachbarschaft zu der theoretischen Diskussion der Vor- und Nachteile quantifizierender und digitaler Methoden. Von anderen in den disziplinären Verbund der Digital Humanities aufgenommenen Verfahren des literatur- und kulturwissenschaftlichen Textumgangs, die aber eine lange nicht-digitale und nicht-quantifizierende Theorietradition haben, ist eine theoretische und methodische Neuorientierung zu erwarten, die sich sowohl an den nun ermöglichten eigenen Analysepraktiken als auch an den differenzierten theoretischen Argumenten der ‚von Geburt an‘ quantifizierend ausgerichteten born-digitals orientieren kann. Sowohl Narratologie (Dimpel 2013) als auch Gattungstheorie (Viehhauser 2013) wären als solche vergleichsweise späte Immigranten der Digital Humanities zu bezeichnen.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich also, dass in der rezenten Fachgeschichte der Philologie durchaus wieder ein breites Feld an Forschungsarbeiten im Bereich der Quantitativen Literaturwissenschaft vertreten ist. Dennoch ist es bis heute kaum möglich, einen gemeinsamen Nenner dieser Forschung auszumachen. Dieses Desiderat erkannte bereits der Wissenschaftsrat und sprach 2012 folgende Empfehlung zur „Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsstrukturen in Deutschland bis 2020“ aus: „Zur verbesserten Integration von quantitativen und qualitativen Forschungsansätzen in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften wird der DFG und dem BMBF empfohlen, sich abzustimmen und ein Programm auszuschreiben, das Modellprojekte in diesem Bereich fördert. Das Programm sollte sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richten. Gegenstand der Ausschreibung sollte einerseits die Bearbeitung einer fachwissenschaftlichen Fragestellung mittels einer Verbindung quantitativer und qualitativer Forschungsdaten und -methoden sein. Darüber hinaus sollten entsprechende Projekte andererseits auch zur Weiterentwicklung von Standards und Methoden für die Langzeitverfügbarmachung von qualitativen Forschungsdaten beitragen“ (S. 58). Die solch einer Forderung vorausgehende Mangelsituation eines methodischen Forschungskonsenses ist jedoch – so die tagungsleitende These – nicht im eigentlichen Sinne der Sache geschuldet, sondern bloß der für die heutige Wissenschaftstheorie insuffizienten Möglichkeiten der Sichtbarmachung forschungspraktischer Gemeinsamkeiten.

Das Erfordernis einer Interaktion und Vermittlung entsprechender Forschungsansätze wird genau an diesem Punkt deutlich, findet aber im interdisziplinären Austausch, zumindest jenseits genuin technischer Angelegenheiten, schwerlich eine Basis in gemeinsamen Forschungsfragen oder Forschungsgegenständen. Demgegenüber scheint die jeweils disziplinspezifische Form der Modellierung eine diskursivierbare Schnittmenge unterschiedlicher Ansätze auf theoretischer und methodischer Ebene anzubieten. Sie vermittelt sowohl zwischen den Forschungspositionen selbst als auch zwischen ihren originellen Theorien und Praktiken: Während sich beispielsweise in den Literaturwissenschaften ein von der interpretativen Praxis völlig entfunktionalisierter Diskurs über die unterschiedlichen Autor-, Text-, Leser-, Kontext-Modelle (usw.) verhärtet hat, betont der Begriff „Modellierung“ nicht einseitig theoretische Aspekte. Er fungiert vielmehr als „eine Brücke von der Theorie zur Praxis, von der theoretischen zur empirischen Ebene, vom Logischen zum Sinnlichen“, wie der Modelltheoretiker Viktor Štoff bereits in den 1960er Jahren prononcierte (Štoff 1969 [1966]). Als Übertrag für die quantifizierende Perspektive und gleichsam als leitmotivische Bedingung für die Beiträge der geplanten Tagung ist auf diesem Wege die Prämisse eines theoriegeleiteten Umgangs mit Daten eingeführt. Denn die damit einhergehende Korrektiv-Funktion der Praxis in Form einer Anwendbarkeit theoretisch entworfener Modelle auf Daten funktioniert ebenso vice versa als Korrektur unsystematischen Umgangs mit Daten durch Theorie. Die interdisziplinäre Tagung mit Fokus auf literaturwissenschaftliche Forschung soll dergestalt als Plattform dieses Dialogs dienen und die Wissenschaftsfähigkeit der disziplinspezifischen Modellierungen auf den Prüfstand setzen. Dabei sollen – idealiter ausgerichtet auf die brisante Frage nach den Möglichkeiten einer interdisziplinären Standarisierung quantitativer Verfahren – in einem ersten Schritt quantitative Verfahrensmodelle gesichtet, Verfahrenskataloge erstellt und gegebenenfalls die Grundlagen für Empfehlungen von best-practice-Modellen als Antwort auf spezifische Fachfragen vorbereitet werden.

*********************English version*********************

Call for posters:

Scientia quantitatis
Quantitative criticism in systematic and historic Perspektive

International conference of the research group ‚Quantitative Criticism‘ and the Stuttgart Research Centre for Text Studies in cooperation with the German Literature Archive Marbach,
funded by the VolkswagenStiftung.

Tuesday, 30th of September until Thursday, 2nd October 2014
Castle Herrenhausen, Hannover

Organisation:
Andrea Albrecht, Toni Bernhart, Marcel Lepper, Sandra Richter, Marcus Willand

Abstract
Since the middle of the 19th century, quantitative methods have been used in order to describe, analyse and interpret literary texts. Yet, approaches like these – e.g. from the informal networks around Wilhelm Fucks, Rul Gunzenhäuser, Max Bense et al. – are not well represented in literary criticism. It is only since the rise of Digital Humanities that quantitative approaches (related to the notion of ‚big data‘) have gained a certain relevance which is, of course, strongly contested by those colleagues who doubt the innovative character of Digital Humanities or make ethical claims against it. Reaching beyond current discussions, the conference wants to contextualise the in itself separate and discontinous quantitative attempts of the past and present in the histories of their fields as well as of related theories and methods. The conference asks for results of these approaches, taking into account their chances and limitations. As a consequence, also Digital Humanities will appear as another new step towards quantitative criticism which, like many of its forerunners, is disconnected from previous approaches. It is also but not only this gap which inspires the conference to explore the historical, theoretical and practical potential of quantitative methods in literary criticism.
(A longer expose of the conference is added below.)



Auswahlbibliographie
Albrecht, Andrea / Lutz Danneberg / Olaf Kraemer / Carlos Spoerhase: Theorien, Methoden und Praktiken des Interpretierens. Berlin (vsl. 2014).
Allison, Sarah / Heuser, Ryan / Jockers, Matthew / Moretti, Franco / Witmore, Michael: Quantitaitve Formalism. An Experiment. Pamphlets of the Stanford Literary Lab 1 (2011): http://litlab.stanford.edu/LiteraryLabPamphlet1.pdf (11.11.2013).
Altmann, Vivien / Gabriel Altmann: Anleitung zu quantitativen Textanalysen. Methoden und Anwendungen. Lüdenscheid 2008.
Bamman, David / Gegory Crane / David Smith: „Extracting Two Thousand Years of Latin from a Million Book Library”. In: Journal of Computing and Cultural Heritage 5 (2012) H. 1, Art. 2.
Bernhart, Toni: „Die Vermessung der Farben in der Sprache. Zur Berlin-Kay-Hypothese in der Literaturwissenschaft“. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik (2008) H. 150, S. 56–78.
Bernhart, Toni: „Quantitative Literaturwissenschaft am Beispiel der Farbsemantik“. In: Huber, Martin / Simone Winko (Hrsg.): Literatur und Kognition. Bestandsaufnahmen und Perspektiven eines Arbeitsfeldes. Paderborn 2009, S. 217–234.
Bernhart, Toni: „‚Von Aalschwanzspekulanten bis Abendrotlicht‘. Buchstäbliche Materialität und Pathos im ‚Häufigkeitswörterbuch der deutschen Sprache‘ (1898) von Friedrich Wilhelm Kaeding“. In: Ralf Klausnitzer / Carlos Spoerhase / Dirk Werle (Hrsg.): Ethos und Pathos der Wissenschaften. Studien zur wissenschaftlichen Persona zwischen 1750 und 1930. Göttingen 2014 (im Erscheinen).
Brunner, Annelen: „Automatic Recognition of Speech, Thought, and Writing Representation in German Narrative Texts“. In: Literary and Linguistic Computing (2013):
http://llc.oxfordjournals.org/content/early/2013/05/18/llc.fqt024 (29.07.2013).
Burrows, John F.: ‚Delta“: A Measure of Stylistic Difference and a Guide to Likely Authroship. In: Literary and linguistic computing 17 (2002), H. 3, S. 267–287.
Döring, Jörg: Zur Geschichte der Literaturkarte (1907–2008). In: Jörg Döring / Tristan Thielmann (Hrsg.): Mediengeographie. Theorie – Analyse – Diskussion. Bielefeld 2009, S. 247-290.
Gregory Crane, Anke Lüdeling: Corpus and Computational Linguistics, Philology and the Linguistic Heritage of Humanity. Introduction to the Special Issue. In: Journal on Computing and Cultural Heritage 5 (2012), H. 1, S. 1–5.
Darnton, Robert: „The National Digital Public Library Is Launched!“ In: The New York Review of Books (25. April 2013): http://www.nybooks.com/articles/archives/2013/apr/25/national-digital-public-library-launched/ (29.07.2013).
Dimpel, Friedrich Michael: Ausgezeichnete Kurzerzählungen analysieren. (Vortrag inmen der Berufung einer W2-Professur für Literatur- und Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Digitale Literaturwissenschaft / Digital Cultural Studies am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft, TU-Darmstadt, 3.7.2013).
Fucks, Wilhelm: „Mathematische Analyse des literarischen Stils“. In: Studium Generale 9 (1953), S. 506–523.
Gamble, William: Two lists of selected characters containing all in the Bible and twenty-seven other books. Shangai 1861.
„Google Ngram Database Tracks Popularity Of 500 Billion Words. In: Huffington Post, 17 December 2010.
Groos, Karl / Ilse Netto / Marie Groos: Die Sinnesdaten im „Ring des Nibelungen“. Optisches und akustisches Material. In: Archiv für die gesamte Psychologie 22 (1912), S. 401–422.
Grzybek, Grzybek, Peter / Emmerich Kelih: „Zur Vorgeschichte quantitativer Ansätze in der russischen Sprach- und Literaturwissenschaft“. In: Köhler, Reinhard / Gabriel Altmann / Rajmund G. Piotrowski (Hrsg.): Quantitative Linguistik / Quantitative Linguistics. Ein internationales Handbuch / An International Handbook. Berlin 2005, S. 23–64.
Grzybek, Peter / Emmerich Kelih / Ján Mačutek (Hrsg.): Text and Language. Structures – Functions – Interrelations. Quantitative Perspectives. Wien 2010.
Grzybek, Peter / Emmerich Kelih: „Empirische Textsemiotik und quantitative Text-Typologie“. In: Bernard, Jeff / Jurij Fikfak / Peter Grzybek (Hrsg.): Text & Reality. Text & Wirklichkeit. Ljubljana, Wien, Graz 2005, S. 95–120.
Grzybek, Peter / Ernst Stadlober / Emmerich Kelih / Gordana Antić: „Quantitative Text Typology: The Impact of Word Length“. In: Weihs, Claus / Wolfgang Gaul (Hrsg.): Classification: The Ubiquitous Challenge. Heidelberg / New York 2005, S. 53–64.
Herdan, Gustav: Language as Choice and Chance. Groningen 1956.
Herdan, Gustav: Quantitaitve Linguistics. London 1964.
Heuser, Ryan / Le-Khac, Long: A Quantitative Literary History of 2,958 Nineteenth-Century British Novels. The Semantic Cohort Method. Pamphlets of the Stanford Literary Lab 4 (2012): http://litlab.stanford.edu/LiteraryLabPamphlet4.pdf (11.11.2013).
Hoover, David L.: „Quantitative Analysis and Literary Studies.“ In: Ray Siemens / Susan Schreibman (Hrsg.): A Companion to Digital Literary Studies. Malden, MA [u.a.] 2007, S. 517–533.
Jannidis, Fotis: „Methoden der computergestützten Textanalyse“. In: Nünning, Vera / Ansgar Nünning / Irina Bauder-Begerow (Hrsg.): Methoden der literatur- und kulturwissenschaftlichen Textanalyse. Ansätze - Grundlagen - Modellanalysen. Stuttgart 2010, S. 109–132.
Jannidis, Fotis: „Kleiner Versuch über Romangattungen“. (19.08.2013): http://dhd-blog.org/?p=2128 (30.08.2013).
Jockers, Matthew Lee: Macroanalysis. Digital Methods and Literary History. Urbana 2013.
Kaeding, Friedrich Wilhelm: Häufigkeitswörterbuch der deutschen Sprache. Festgestellt durch einen Arbeitsausschuß der deutschen Stenographiesysteme. Berlin 1898.
Kelih, Emmerich: Geschichte der Anwendung quantitativer Verfahren in der russischen Sprach- und Literaturwissenschaft. Hamburg / Graz 2008.
Kelih, Emmerich / Peter Grzybek / Gordana Antić / Ernst Stadlober: „Quantitative Text Typology. The Impact of Sentence Length“. In: Spiliopoulou, Myra / Rudolf Kruse / Andreas Nürnberger / Christian Borgelt / Wolfgang Gaul (Hrsg.): From Data and Information Analysis to Knowledge Engineering. Heidelberg / Berlin 2006, S. 382–389.
Kelih, Emmerich / Peter Grzybek: „Neuanfang und Etablierung quantitativer Verfahren in der sowjetischen Sprach- und Literaturwissenschaft (1956-1962)“. In: Köhler, Reinhard / Gabriel Altmann / Rajmund G. Piotrowski (Hrsg.): Quantitative Linguistik / Quantitative Linguistics. Ein internationales Handbuch / An International Handbook. Berlin 2005, S. 65–82.
Kindt, Tom / Hans-Harald Müller: „Wie viel Interpretation enthalten Beschreibungen? Überlegungen zu einer umstrittenen Unterscheidung am Beispiel der Narratologie“. In: Jannidis, Fotis / Gerhard Lauer / Matías Martínez / Simone Winko (Hrsg.): Regeln der Bedeutung. Zur Theorie der Bedeutung literarischer Texte. Berlin 2003, S. 286–305.
Köhler, Reinhard / Gabriel Altmann / Rajmund G. Piotrowski (Hrsg.): Quantitative Linguistik / Quantitative Linguistics. Ein internationales Handbuch / An International Handbook. Berlin 2005.
Kreuzer, Helmut / Rul Gunzenhäuser (Hg.): Mathematik und Dichtung. Versuch zur Frage einer exakten Literaturwissenschaft. 3. Aufl. München 1969.
Lauer, Gerhard: „Literatur rechnen“. Frankfurter Allgemeine Zeitung (26.08.2009).
Lauer, Gerhard: „Bibliothek aus Daten“. In: Christine Haug / Vincent Kaufmann: Die digitale Bibliothek. Wiesbaden 2011, S. 79–85.
Lauer, G.: „Die Vermessung der Kultur. Geisteswissenschaften als Digital Humanities. In: Heinrich Geiselberger / Tobias Moorstedt: Big Data. Das neue Versprechen der Allwissenheit. Berlin 2013, S. 99–116
Lepper, Marcel: „Big Data, Global Villages“. In: Philological Encounters (vorauss. 2014).
Liu, Alan: „The Meaning of the Digital Humanities“. In: PMLA 128 (2013) H. 2, S. 409–423.
Lutosławski, Wincenty: „Principes de stylométrie“. In: Revue des études grecques 41 (1990), S. 61–81.
Martus, Steffen / Carlos Spoerhase: „Praxeologie der Literaturwissenschaft“. In: Geschichte der Germanistik (2009) 35/36, S. 89–96.
Martus, Steffen / Carlos Spoerhase: „Die Quellen der Praxis. Probleme einer historischen Praxeologie der Philologie. Einleitung“. In: Zeitschrift für Germanistik 23 (2013) H. 2, S. 221–225.
Meister, Jan Christoph: Computing Action. A Narratological Approach. Berlin 2003.
Michel, Jean-Baptiste / Yuan Kui Shen / Aviva Presser Aiden / [et al.]: „Quantitative Analysis of Culture Using Millions of Digitized Books“. In: Science (2011) H. 331, S. 176–182.
Moretti, Franco: Atlante del romanzo europeo 1800–1900. Torino 1997.
Moretti, Franco: Graphs, Maps, Trees. Abstract Models for a Literary History. London 2005.
Moretti, Franco: Distant Reading. London 2013.
Moretti, Franco: The Bourgeois. Between Literature and History. Brooklyn, NY 2013.
Moretti, Franco: Network Theory, Plot Analysis. Pamphlets of the Stanford Literary Lab 2 (2011): http://litlab.stanford.edu/LiteraryLabPamphlet2.pdf (11.11.2013).
Nadler, Josef: „Die Literaturkarte“. In: Euphorion 30 (1929), S. 1–19.
Neuroth, Heike / Fotis Jannidis / Andrea Rapp / Felix Lohmeier: „Virtuelle Forschungsumgebungen für e-Humanities. Maßnahmen zur optimalen Unterstützung von Forschungsprozessen in den Geisteswissenschaften“. In: Bibliothek. Forschung und Praxis (2009) H. 2, S. 161–169.
Overbeck, Anja: Italienisch im Opernlibretto. Quantitative und qualitative Studien zu Lexik, Syntax und Stil. Berlin [u.a.] 2011.
Pierazzo, Elena: „From Documents to Texts, and Return: New Developments for Digital Scholarly Editions“. (Vortrag im Rahmen der Berufung einer W2-Professur für Literatur- und Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Digitale Literaturwissenschaft / Digital Cultural Studies am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft, TU-Darmstadt, 3.7.2013).
Piotrowski, Michael: Natural Language Processing for Historical Texts. San Rafael, CA 2012.
Rapp, Andrea: „TextGrid als virtuelle Infrastruktur für digitale Editionen“. In: Bibliothek und Wissenschaft 44 (2011), S. 127–140.
Ray Siemens / Susan Schreibman (Hg.): A Companion to Digital Literary Studies. Malden, MA 2007.
Rieger, Burghard B.: Poetae studiosi. Analysen studentischer Lyrik des 19. und 20. Jahrhunderts – ein Beitrag zur exaktwissenschaftlichen Erforschung literarischer Massenphänomene. Frankfurt a. M. 1970.
Rieger, Burghard B.: „Wort- und Motivkreise als Konstituenten lyrischer Umgebungsfelder. Eine quantitative Analyse bestimmter Textelemente“. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik (1971) H. 4, S. 23–41.
Schreibman, Susan / Raymond George Siemens / John Unsworth: A Companion to Digital Humanities. Malden, MA [u.a.] 2004.
Schmitz, Rainer: Was geschah mit Schillers Schädel? Alles, was Sie über Literatur nicht wissen. Frankfurt a. M. 2006.
Spoerhase, Carlos: „Big Humanities. Geisteswissenschaften als Großforschung“. In: Recherche. Zeitung für Wissenschaft (2009) H. 4, S. 11–14.
Spoerhase, Carlos: „Big Humanities. ‚Größe‘ und ‚Großforschung‘ als Kategorien geisteswissenschaftlicher Selbstbeobachtung“. In: Geschichte der Germanistik 37/38 (2010), S. 9–27.
Štoff, Viktor A.: Modellierung und Philosophie. Berlin 1969 [1966].
Thraede, Klaus: Der Hexameter in Rom. Verstheorie und Statistik. München 1978.
Viehhauser, Gabriel: „Jenseits der Naturformen. Die Offenheit mittelalterlicher Gattungskonzepte als Herausforderung für eine digitale Literaturwissenschaft“. (Vortrag im Rahmen der Berufung einer W2-Professur für Literatur- und Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Digitale Literaturwissenschaft / Digital Cultural Studies am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft, TU-Darmstadt, 3.7.2013).
Willand, Marcus: „Replik: Steffen Martus / Carlos Spoerhase: Praxeologie der Literaturwissenschaft“. In: Geschichte der Germanistik 35/36 (2009), S. 89-96“. In: Aussiger Beiträge 5 (2011), S. 180–184.
Wissenschaftsrat: „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland bis 2020“. (13.07.2012) http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2359-12.pdf (10.08.2013).

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHannover
Bewerbungsschluss01.07.2014
Beginn30.09.2014
Ende02.10.2014
PersonName: Marcus Willand  
E-Mail: marcus.willand@ilw.uni-stuttgart.de.  
KontaktdatenName/Institution: Marcus Willand 
Strasse/Postfach: Keplerstr. 17 
Postleitzahl: 70174 
Stadt: Stuttgart 
Telefon: 0711-68582784 
E-Mail: Marcuswilland@hotmail.com  
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Zusätzliches SuchwortDH, Digital Humanities,
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/39786

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 12.06.2014 | Impressum | Intern