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Ergebnisanzeige "Doktorandentagung: Das Radikale – gesellschafts-politische und formal-ästhetische Aspekte in der Gegenwartsliteratur"
RessourcentypCall for Papers
TitelDoktorandentagung: Das Radikale – gesellschafts-politische und formal-ästhetische Aspekte in der Gegenwartsliteratur
BeschreibungDoktorandentagung:
Das Radikale – gesellschafts-politische und formal-ästhetische Aspekte in der Gegenwartsliteratur (25.03.-27.03.2015)

Der Begriff Radikalität (lat. radix), der im übertragenen Sinn ‚bis an die Wurzel gehen‘ bedeutet, wird in Deutschland ab 1830 verwendet und bezieht sich vor allem auf eine grundlegende Veränderung der bestehenden politischen Verhältnisse. Beeinflusst von den an der Schwelle zur Moderne stehenden historischen Entwicklungen in England und Frankreich, wurde der Terminus so zunächst für die Kennzeichnung einer positiven Grundhaltung zur Demokratie und der Befürwortung von sozialer Gleichheit und Grundsatztreue gebraucht. Vornehmlich durch die gescheiterte Märzrevolution erfuhr der Begriff jedoch sukzessive eine sich bis in das Gegenteil steigernde semantische Verschiebung, sodass nun demokratie- und republikfeindliche Tendenzen und Gruppierungen mit dem Begriff assoziiert wurden (HWPh). Mit dieser Bedeutung ist der Terminus bis heute noch hauptsächlich verbunden, sei es, um einen politischen Kontrahenten mit einer negativen Etikettierung zu versehen oder um eine extreme politische Position zu benennen. Aber auch im Zusammenhang von verschiedenen politisch-historischen Ereignissen, vom Ersten und Zweiten Weltkrieg, dem Kalten Krieg bis hin zu den gegenwärtigen Konflikten in Syrien und der Ukraine, wird von Radikalität gesprochen.
Während im Politischen der Radikalität oftmals eine negative Konnotation inhärent ist, entwickeln die Kunst und die Literatur eine Affinität zum Radikalen, Emmerling konstatiert sogar: „Ein Kunstwerk als radikal zu bezeichnen ist einer der am häufigsten gebrauchten Topoi in der gegenwärtigen Kunstkritik“, was, wie er betont, „durchgängig positiv“ gemeint sei (Emmerling, 2012). In der Literatur scheint besonders die Form geeignet zu sein, um Radikales hervorzubringen. Dies ist insbesondere im ‚postmodernen‘ Theater mit seinem radikalen Zeichenbegriff der Fall, dessen prägendes Lebensgefühl die Simulation beinhaltet, da „die Welt unbeschreibbar und das eigene Handeln unkommunizierbar“ geworden sei (Lehmann, 1999). Auch in der Literaturtheorie, teilweise beeinflusst durch die in Frankreich bereits in den 1960er und 1970er Jahren aufkommenden philosophischen Strömungen (bspw. Derrida, Deleuze, Barthes), die in Deutschland erst Jahre später rezipiert und unter dem unscharfen Begriff ‚Poststrukturalismus‘ zusammengefasst wurden, finden sich radikale Tendenzen, die sich v. a. in der absoluten Absage an einen hermeneutischen Denkgestus mit seiner Vorstellung einer allumfassenden Sinnkonzeption eines Textes ausdrücken ebenso wie in der Auflösung vermeintlich feststehender Objektivationen wie Werk, Autor und Leser. Hermeneutischen Ansätzen stellen diese Theoretiker „die Unlesbarkeit der Texte, das Verschwinden des Subjekts und die Textualität der Geschichte“ (Arnold, 1996) gegenüber. Diese philosophisch ausgerichteten Theorien finden ihren Ausdruck selbstverständlich nicht nur in der Literaturtheorie, sondern beschäftigen sich auch insbesondere mit gesellschaftlichen und politischen Aspekten. So fasst Foucault im Kontext seiner Analysen zu Politik, Macht und Gouvernementalität an einer Stelle lakonisch zusammen: „alles ist politisch“ (Foucault, 1977), was darauf hinweist, dass alles „vermachtet resp. regierbar“ ist (Kammler, 2008) – also schlussendlich auch die Literatur.
Unter der Prämisse, dass Literatur nicht losgelöst, sondern kontextbezogen als Spiegel der Gesellschaft entsteht und ihre Diskurse verarbeitend aufnimmt, setzt sich die Tagung das Ziel, das politisch Radikale als Motiv und das formal-ästhetisch Radikale als Kategorie in der Gegenwartsliteratur zu untersuchen.
Mögliche Aspekte, die sowohl in theoretischer als auch in werkanalytischer Hinsicht Beachtung finden können, sind dabei:


- der Umgang der Literatur mit Radikalität
- der Stellenwert des Radikalen in der Literatur
- literarische Sprache und radikales Denken
- Möglichkeiten der Literatur, das Radikale abzubilden bzw. zu verhandeln
- die Darstellung von Radikalität in Bezug auf gesellschaftliche Kontexte
- politische Rechts- und Linksradikalität
- angrenzende Bereiche der Politik wie Ökonomie und Religion
- radikale Literaturformen (postdramatisches Theater, Lyrik des Radikalen, postmoderner Roman)

Bitte reichen Sie Ihren Vortragsvorschlag (max. 1 Din A4 Seite) bis zum 29.08.2014 an willeke@mail.uni-paderborn.de ein.

Veranstaltungsort ist die Universität Paderborn. Die durch die Tagung entstehenden Übernachtungskosten werden gänzlich, die Anfahrtskosten anteilig übernommen. Die Publikation eines Tagungsbandes wird angestrebt.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage: http://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-germanistik-und-vergleichende-literaturwissenschaft/germanistik/projekte-der-literaturwissenschaft/doktorandentagung-das-radikale/

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Stephanie Willeke
willeke@mail.uni-paderborn.de

Ludmila Peters
lpeters@uni-paderborn.de

Carsten Roth
roth@mail.uni-paderborn.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-germa...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPaderborn
Bewerbungsschluss29.08.2014
Beginn25.03.2015
Ende27.03.2015
PersonName: Willeke, Stephanie 
Funktion: Organisatorin 
E-Mail: willeke@mail.uni-paderborn.de 
Name: Peters, Ludmila 
Funktion: Organisatorin 
E-Mail: lpeters@uni-paderborn.de 
Name: Roth, Carsten 
Funktion: Organisator 
E-Mail: roth@mail.uni-paderborn.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Paderborn; Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft 
Strasse/Postfach: Warburger Straße 100 
Postleitzahl: 33098  
Stadt: Paderborn 
Telefon: +49 (0)5251 60-5229 
LandDeutschland
Ediert von  H-Germanistik
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