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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Naivität und Popkultur. Eine deutsch-skandinavische Perspektive"
RessourcentypCall for Papers
TitelNaivität und Popkultur. Eine deutsch-skandinavische Perspektive
BeschreibungCFP: Naivität und Popkultur. Eine deutsch-skandinavische Perspektive

NTNU, Trondheim 11/08

Institut für Moderne Fremdsprachen, NTNU, Universität in Trondheim, Norwegen, 29.-30. Nov. 2008.

Deadline: 16. Mai 2008


Naivität ist ein ‚wandernder Begriff’ im Sinne der kulturanalytischen Überlegungen Mieke Bals: er wandert zwischen den Sprachen, zwischen den historischen Perioden und zwischen den akademischen Fächern. Und, entscheidend für seine Begriffsgeschichte, er wandert zwischen einer lebensgeschichtlichen und einer ästhetischen Deutung seiner selbst. Denn mit der Eindeutschung des französischen /naïveté/ in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die semantische Zweideutigkeit zwischen Mentalitäts- und Stilbegriff übernommen. Auch in Schillers bekannter Bestimmung des Naiven als „eine Kindlichkeit, wo sie nicht mehr erwartet wird“ scheint beides auf: die moralische Empfindung der Einfachheit und Natürlichkeit, wie auch die Reflexion auf die Unerwartbarkeit, mithin Nachträglichkeit des Naiven als eine damit ästhetische Kategorie. Naivität erscheint so als ästhetischer Schlüsselbegriff des 18. Jahrhunderts, der ein gesellschaftliches Ganzes aus einem „Krisenbewußtsein“ (H. Jäger), einem „gemeinsam erfahrenen Verlust“ (T. Nause) im Blick hat. Der Naivitätsbegriff präsentiert sich als Protestbegriff.

Ausgangspunkt für den CFP ist die Beobachtung, dass sich in den Ausdrucksformen der Popkultur überraschend viele Momente des Naiven finden. Die Leitfrage der zweitägigen Tagung in Trondheim lautet entsprechend, ob der gegenwärtig offensichtliche Rekurs auf Naivität als einem kulturellen Gestus und einer ästhetischen Praxis auf ein Krisenbewußtsein und eine daran anknüpfende – genuin romantische – Zivilisationskritik schließen lässt? Der Einsatz naiver Gesten, Figuren und Erzähl- wie Darstellungsweisen bei Autoren wie Christian Kracht und Erlend Loe, bei Musikern wie PeterLicht und DeLillos oder Künstlern wie Norbert Bisky und Odd Nerdrum ließe jedenfalls auf eine ästhetische Form des moralischen Protests im Rahmen der Popkultur schließen. Wird also dem verweisenden Zitat, der Montage und Künstlichkeit, der offensiven Oberflächlichkeit wie Hybridisierung als popkulturelle Verfahren ein naivistisches Gegengift injiziert? Ist der Rückgriff auf das dichotomisch und moralisch wertende Verhältnis von Natur und Kunst im Begriff der Naivität ein neokonservativer Rückgriff, wie es vor allem den Pop-Autoren vorgeworfen wird, oder im Gegenteil eine Negierung der popkulturellen Formen im Rahmen der Popkultur? Oder spiegelt sich schließlich in Gebrauch und Reflexion des Naiven nur eine weitere Spielart der postmodernen ‚breiten Gegenwart’ (H.U. Gumbrecht)?

Um der Eigenschaft von Naivität als einem wandernden Begriff gerecht zu werden, wird eine interdisziplinäre Breite der Beiträge angestrebt, die allerdings durch die Begrenzung auf eine entweder deutsche oder skandinavische Perspektive beschränkt wird. Beiträge, die Formen der Naivität und des Naiven in Literatur und den Medien, auf dem Theater, in der Musik und bildenden Kunst behandeln, sollten bitte bis zum 16. Mai in Form einer etwa 1-seitigen Skizze (ca. 2.000-2.500 Zeichen) per email und mit biographischen Angaben versehen an eingereicht werden.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortTrondheim
Bewerbungsschluss16.05.2008
Beginn29.11.2008
Ende30.11.2008
PersonName: Stefan Krankenhagen 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: Stefan.Krankenhagen@hf.ntnu.no 
KontaktdatenName/Institution: NTNU, Institute of Modern Languages 
Postleitzahl: N-7491 
Stadt: Trondheim 
Telefon: +47-73 59 6707 
Fax: +47-73 59 6512 
LandNorwegen
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur nach 1945
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.09.00 Stoffe. Motive. Themen; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.09.00 Stoffe. Motive. Themen
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