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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Die (Un-)Wahrheit der Bilder. Reality-Modi in TV und Kino"
RessourcentypCall for Papers
TitelDie (Un-)Wahrheit der Bilder. Reality-Modi in TV und Kino
BeschreibungDie (Un-)Wahrheit der Bilder. Reality-Modi in TV und Kino

Kiel, 26.03.-28.03.2015

Die 1960 von Siegfried Kracauer getroffene Einteilung filmischer Tendenzen in „realistische“ und „formgebende“ scheint auch heute zunächst noch fruchtbar zu sein, wenn es darum geht, filmische Texte danach zu unterscheiden, in welchem Modus sie auf die außersprachliche Welt zugreifen: mit dem Anspruch, ein Abbild der Realität zu erzeugen, das im Rahmen der medialen Bedingungen eben jene Realität möglichst ungebrochen erfasst, oder in der freien Verfügung medialer Verfahren, mit denen sich eine Welt als autonomer Entwurf mehr oder minder unabhängig von außersprachlichen Standards konstruieren lässt. „Dokumentation“ und „Fiktion“ sind hier die klassischen Kategorien.

Es können aber kaum Zweifel daran bestehen, dass – und zwar nicht erst in jüngster Zeit – diese Kategorien zunehmend aufgeweicht und dass die Grenzen zwischen diesen – möglicherweise nur als implizit-abstrakte Idealformen zu denkenden – Polen verwischt und nicht eindeutig zu ziehen sind. TV-Formate und Kinofilme spielen mit authentifizierenden Signaturen, und die Menge solcher Filme und TV-Produktionen, die offensiv den inhaltlichen Wahrheitsbezug und die beglaubigende Präsentationsform gegeneinander ausspielen, wird ständig größer; „Doku-Fake“, „mockumentary“ und „scripted reality“ sind hier nur einige Stichworte, mit denen die Unsicherheit darüber beschrieben werden kann, welchen Realitätsstatus die Abbildung ihrer formalen Vermittlung zum Trotz hat.

Das Fernsehen mag, was die Popularisierung dieser Signale angeht, Vorreiter sein. Hinzu kommt ein sich wandelndes Alltagsleben des Einzelnen mit seinen vielfachen Kopplungen an digitalisierte Medienwelten (durch die Anwesenheit von Kamera und Mikrophon in praktisch jeder erdenklichen Konfiguration und die zeitnahe Einspeisung ihrer Produkte in soziale Netzwerke, Onlinespeicher und Sendeplattformen), wodurch die Erfassung, Übertragung und Wahrnehmung von im weitesten Sinne filmischen Botschaften zum Normalfall einer Weltaneignung geworden sind, die ihren Radius und ihre Geschwindigkeit fortlaufend erhöhen. Dass sich mit dieser Erhöhung des Informationstransfers unkritische Haltungen in der Wahrnehmungsroutine gegenüber dem Wahrheitsgehalt des Abgebildeten einstellen, ist beinahe selbstverständlich. Ein neues Phänomen ist das freilich nicht: Dass Medien die Welt nicht abbilden, sondern (mit-/re-)konstruieren, dass aber Mediennutzer den radikalen Konstruktivismus der Medien oftmals unterschätzen, wird in den Medienwissenschaften immer wieder thematisiert.

Dennoch scheinen sich neue Entwicklungen abzuzeichnen, auf deren Diskussion die Tagung abzielt:

• Einerseits lassen sich immer mehr Authentifizierungen von Medienangeboten auch dort beobachten, wo die Texte prinzipiell und durchaus nachvollziehbar fiktional operieren. Die Rede ist z.B. von jenem sich immer stärker ausweitendem Modus der „scipted reality“ – also solchen sich genreübergreifend ausbreitenden Formaten, die drehbuchlogische und narrativ durchkalkulierte Handlungsstränge erzählen, dabei aber mit den formalen Mitteln des Dokumentarischen operieren. Neben den auch öffentlich vieldiskutierten Fragen, die sich z.B. an moralischen und sittlichen Standards abarbeiten (in der Art von „darf Fernsehen so etwas zeigen/initiieren?“), richtet sich das Interesse der Tagung auf die dahinter stehenden Konzeptionen von Welt und Welt-Aneignung generell: Inwieweit lösen quasi-dokumentarische Erzählverfahren klassische Narrationsverfahren, die traditioneller Weise mit der deutlichen Markierung der Differenz von Welt und Diegese operieren, ab? Welchen Stellenwert hat die Pseudo-Authentifizierung des Dargestellten bei der Vermittlung von Affekten oder bei der Herstellung von Konsens oder Dissens zu Wert- und Moralvorstellungen?

• Andererseits ist der Frage nachzugehen, welche Konsequenzen es für die Wahrnehmung einer dominant medial vermittelten Umwelt hat, wenn routinemäßig dokumentarische Signaturen an die Stelle fiktionalisierender Signaturen treten; wenn also solche Erzählungen, die originär der Kategorie des Fiktiven zuzuordnen wären, zunehmend im dokumentarischen Modus produziert werden? Stehen solche Entwicklungen z.B. im Zusammenhang mit Modi der Verarbeitung von Realität, wie sie in sozialen Netzwerken vorgenommen werden? Und ist zu erwarten, dass der inflationäre Gebrauch von Authentifizierungsstrategien auch dort, wo eigentlich Fiktives verhandelt wird, dazu führt, dass umgekehrt das eigentlich Dokumentarische nicht mehr als eigene Kategorie erkannt und/oder gewertet werden kann (was z.B. zur Konsequenz hätte, dass der mediale Zugriff auf die Realität die Welt prinzipiell mythisieren und irrationalisieren würde, weil die eigentlich vom Medienzugriff unabhängige Welt durch ihre gescriptete Vermittlung Kontingenz verliert)?

Die Tagung wendet sich an alle Medien-, Literatur-, Kultur-, Film- und Kommunikationswissenschaftler, die im Bereich Reality-TV, Dokumentarfilm und ihren Misch- und Hybridformen arbeiten und forschen; willkommen sind Beiträge, die sich mit Fragen der Nutzung, Produktion, Rezeption und Systematik (Geschichte, Dramaturgie, Genreeinordnung, Format-Genese, Symbolik usw.) von Reality-Formaten in Fernsehen und Kino beschäftigen.

Interessierte werden gebeten, ein Abstract ihres Themas (ca. 1000 Zeichen) bis zum 30. Juni 2014 unter einer der folgenden Email-Adressen einzureichen:

e.pabst@t-online.de
wstrank@ndl-medien.uni-kiel.de

Weitere Fragen sind bitte zu richten an:
Eckhard Pabst, Willem Strank, Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien
Raum 332, Tel. 0431 880 34 08
Leibnizstraße 8
24118 Kiel

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKiel
Bewerbungsschluss30.06.2014
Anmeldeschluss31.12.2014
Beginn26.03.2015
Ende28.03.2015
PersonName: Pabst, Eckhard [Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: e.pabst@t-online.de 
Name: Strank, Willem [Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: wstrank@ndl-medien.uni-kiel.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien 
Strasse/Postfach: Leibnizstraße 8 
Postleitzahl: 24118 
Stadt: Kiel 
Telefon: 0431 880 34 08 
Fax: 0431 880 36 73 
Internetadresse: http://www.ndl-medien.uni-kiel.de/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeMedien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortMedienwissenschaft
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/39334

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