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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "(Deutschsprachige) Literatur in plurikulturellen Regionen Mittelosteuropas | Deutsch-estnisch-slowakisch-tschechische Go-East-Sommerschule"
RessourcentypVerschiedenes (Workshops, Sommerschulen u.a.)
Titel(Deutschsprachige) Literatur in plurikulturellen Regionen Mittelosteuropas | Deutsch-estnisch-slowakisch-tschechische Go-East-Sommerschule
BeschreibungDAAD Go East-Sommerschule 2014 (21. 8. - 4.9.):
Deutschsprachige Literatur in plurikulturellen Regionen Mittelosteuropas.

Zu den gegenwärtig intensivsten ‚Go East‘-Expeditionen in der Literatur gehören essayistische Landschaftsporträts und die Spurensuche von Autoren, die mit fremdem Blick durch ‚vergessene‘ Regionen reisen. Eine terra incognita suggerieren auch Beiträge in den ‚westlichen‘ Medien. Sie dokumentieren zugleich den Grad der Blindheit gegenüber Schauplätzen der europäischen Geschichte, die bis zum Fall der politischen Grenzen aus dem Blickfeld gerückt waren. Eine Literaturgeschichtsschreibung dieser Regionen, die historisch durch Mehrsprachigkeit, Multiethnizität und große soziale Gefälle geprägt sind, wäre mit dem Versuch, Autoren unter einem Begriff der Nationalliteratur zu subsumieren, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Autoren wie Lenz, Stifter und Kafka gelten nicht selten als ortlose Dichter, deren Schriften universale Interpretationsmöglichkeiten zu eröffnen scheinen. Zwar kennen Studierende der Germanistik Kafka als einen Vertreter der literarischen Moderne, würden ihn aber kaum in einer mehrsprachigen und plurikulturellen böhmisch-mährischen Literatur verorten. Sie wissen um Stifters Herkunft aus dem böhmischen Oberplan, aber nur selten etwas über die Bezüge zu seinem Preßburger Verleger Heckenast in Budapest oder gar über das schillernde (und selten behandelte) Ungarn-Bild in Stifters Prosa. Bekannt ist ihnen zwar die Wanderung des Jakob Michael Reinhold Lenz durch das „elsäßische Sibirien“, aber meistens nicht dessen Herkunft aus dem livländischen Seßwegen und dessen Schulzeit in Dorpat/Tartu im damals russischen Zarenreich.

Bei der von uns intendierten Spurensuche kann es nicht um positivistische Einflussforschung gehen. Die Rede von deutschsprachigen literarischen ‚Räumen‘ in Mittelosteuropa hat sich – auch und gerade in der Folge des spatial turn – vielmehr selbst allererst historisch zu verorten: Wer über die deutschsprachige Literatur Preßburgs/Bratislavas oder der Zipser Landschaft, über böhmisch-mährische bzw. Prager Literatur oder die des Baltikums spricht, ist nicht nur mit einer Vielfalt von regionalen Korrespondenzen, sondern mit der Rekonstruktion der Genese und des Verfalls von sozialen, kulturellen und mentalen Räumen konfrontiert und kann sich der kollektiven Erinnerung an Holocaust und Vertreibung nicht entziehen. Das Erkenntnisinteresse dieser Sommerschule in Bratislava und Prag – unter Beteiligung von DozentInnen aus Deutschland, Estland, Lettland, Österreich, der Slowakei und Tschechien – besteht in dem Versuch, am Beispiel von drei Regionen Mittelosteuropas die Geschichte der deutschsprachigen Literatur in einem multiethnischen Gefüge zu rekonstruieren. Der Begriff der Region bietet – so problematisch er auf den ersten Blick zu sein scheint – dabei die Möglichkeit einer spezifischen Aneignung von Literaturgeschichte, die im Kontext transnationaler und transkultureller Gemeinsamkeiten neue Erkenntnisse verspricht. Regionen werden dementsprechend nicht als marginalisierte und an den Rand der Metropolen gedrängte Schauplätze verstanden, sondern als literarische Chronotopoi der europäischen Kulturgeschichte. Ein solches Verständnis setzt voraus, dass literarische Regionen im Sinne von Sprachlandschaften selbst vielfältig konstruierte, mehrfach kodierte und historisch produzierte Räume sind, die auf hybriden Selbstimagines und Fiktionalisierungen beruhen.

Der Weg dieser Sommerschule führt über Vorträge, Lektüren, Exkursionen und Autorenlesungen durch drei Regionen. Exemplarisch werden an historisch markanten literarischen Texten Gleichzeitigkeiten und Differenzen von Entwicklungen an Bruchstellen des Strukturwandels der Öffentlichkeit gezeigt. Das Programm umfasst feuilletonistische und literarische Texte vom 18. Jahrhundert (publizistischer Expansion und sozialer Unterdrückung) über revolutionäre und nationalstaatliche Tendenzen Mitte des 19. Jahrhunderts und schließlich der Moderne- und Antimodernediskussionen der Zwischenkriegszeit. Ein Ausblick auf weitere plurikulturelle Regionen Mittelosteuropas (am Beispiel von Czernowitz/Bukowina und Lemberg/Galizien) steht am Ende der Sommerschule und verweist so auf die den TeilnehmerInnen offenstehende Möglichkeit, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Universität Konstanz an einer Exkursion nach Czernowitz (im Oktober 2014) teilzunehmen.

Allen TeilnehmerInnen wird vorab ein Reader mit Grundlagentexten zur Verfügung gestellt. Bewerben können sich Studierende der Germanistik an einer deutschen Universität, die mindestens über einen BA-Abschluss verfügen. Alle Interessenten haben die Möglichkeit, ein Stipendium beim DAAD zur Begleichung der Reisekosten und Kursgebühren zu beantragen.

Bewerbungen um eine Teilnahme an der Sommerschule werden bis zum 15. Mai 2014 an alle folgenden Adressen erwartet:

Dr. Silke Pasewalck
silke.pasewalck@ut.ee

PD Dr. phil. habil. Sabine Eickenrodt
sabine.eickenrodt@googlemail.com

Prof. Dr. Manfred Weinberg
Manfred.Weinberg@ff.cuni.cz

Weitere Informationen: http://german.ff.cuni.cz/goeast/
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://german.ff.cuni.cz/goeast/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBratislava und Prag
Bewerbungsschluss15.05.2014
Beginn21.08.2014
Ende04.09.2014
PersonName: Dr. Silke Pasewalck 
Funktion: DAAD-Langzeitdozentin 
E-Mail: silkep@ut.ee 
KontaktdatenName/Institution: Universität Tartu, Abteilung für Germanistik 
Strasse/Postfach: Ülikooli 17 
Postleitzahl: 50705 
Stadt: Tartu 
E-Mail: silkep@ut.ee 
LandTschechische Republik
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.07.00 Germanistik im Ausland; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.06.00 Regionale deutsche Literatur; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.07.00 Deutschsprachige Literatur des Auslandes; 15.00.00 19. Jahrhundert; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945)
Ediert von  H-Germanistik
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