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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Datenmodellierung in digitalen Briefeditionen und ihre interpretatorische Leistung. Ontologien, Textgenetik und Visualisierungsstrategien"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelDatenmodellierung in digitalen Briefeditionen und ihre interpretatorische Leistung. Ontologien, Textgenetik und Visualisierungsstrategien
BeschreibungWorkshop "Datenmodellierung in digitalen Briefeditionen und ihre interpretatorische Leistung. Ontologien, Textgenetik und Visualisierungsstrategien"

Zahlreiche Briefeditionen haben im deutschsprachigen Gebiet mittlerweile eine digitale Komponente. Während einige von einer vorliegenden Papieredition ausgehen, die digital transformiert wird, sind andere Projekte von vornherein als digitale Editionen konzipiert, entweder in rein digitaler Form oder als Hybridedition. Der Standard bewegt sich damit immer mehr von der historisch-kritischen Papierausgabe weg, die sowohl als ökonomisches Modell als auch hinsichtlich des angebotenen wissenschaftlichen Apparats ihren hegemonialen Status verliert – aber wohin? Der sich etablierende Weg, online das "vollständige" Material zur Verfügung zu stellen und in Papierform nur einen Auszug abzudrucken, wirft Fragen des Verhältnisses zwischen digitaler Edition und Buchversion auf: in Bezug auf ihre jeweilige Leserschaft und die verschiedenen Anforderungen, die an beide Präsentationsformen gestellt werden. Der Fokus des Benutzers, der mithilfe digitaler Erschließungsmöglichkeiten auf das Material gerichtet wird, führt zu einer Vielzahl möglicher Ergebnisse. In diesem Workshop geht es darum, welcher Interpretationsspielraum bei der digitalen Aufbereitung freigelegt wird und wie dieser genutzt werden kann.

Dies hängt nicht zuletzt auch mit den jeweils eingesetzten technischen Umsetzung zusammen. Während einige Briefeditoren den originalen XML-Quellcode bearbeiten, entwickeln andere Projekte eine Arbeitsumgebung, die es möglich macht, die editorische Arbeit ohne jede Beschäftigung mit dem Quellcode zu bewerkstelligen. Die Datenmodellierung steht im Mittelpunkt einer jeden digitalen Edition – aber wer ist für die Bits und Bytes verantwortlich, die hinter einer Präsentationsoberfläche das digitale Material ausmachen? Die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Technikern bietet viele Möglichkeiten, kann aber auch zu Einschränkungen im Ablauf führen: Wo hört die bloße technische Umsetzung auf und wo beginnt die interpretatorische Arbeit? Oder sind beide Sichtweisen, ob technik- oder materialbezogen, nur zwei Seiten derselben Medaille?

Die Frage nach einer zielorientierten editorischen Praxis im Zusammenhang mit Briefeditionen soll im Rahmen dieses Workshops gestellt werden. Welche Auszeichnungspraxis etabliert sich, mit welchem editorischen Ziel? Welche Workflows und Tools haben sich in den letzten Jahren bewährt? Personen-, ort- und werkbasierte Ontologien, die sich derzeit zum Standardwerkzeug der digitalen Briefeditionen entwickeln, ermöglichen eine in diesem Ausmaß und dieser Detailliertheit noch nicht dagewesene Rekonstruktionsmöglichkeit von Netzwerken, in Ansätzen auch schon editionenübergreifend. Auszeichnungsapparate mit textgenetischem bzw. morphosyntaktischem Schwerpunkt spielen dagegen bislang eine vergleichsweise geringere Rolle – und das, obwohl die Entstehung eines Textes wohl kaum anschaulicher mit digitalen Mitteln dargestellt werden könnte, und so, zusammen mit einer umfassenden Verweisstruktur, weitreichende Interpretationsleistungen ermöglichen könnte.

Über das Kodierungsschema hinaus stellt sich die Frage nach der Visualisierung der Ergebnisse. In unterschiedlichen Bereichen (Art der Transkription, des Kommentars, der Verzeichnisse etc.) lassen sich neue, differenzierte Erkenntnisinteressen generieren. – Wie lassen sich diese aber darstellen und benutzbar machen? Zu reflektieren ist in diesem Zusammenhang immer auch eine sich - aufgrund des anderen Mediums - möglicherweise verändernde Zielgruppe. Grundsätzlich kann eine digitale Edition die Bedürfnisse eines breiteren Publikums befriedigen, indem sich je nach Interessenschwerpunkt Ergebnisse maßgeschneidert zusammenstellen lassen bzw. der Benutzer selektiv einzelne Bereiche konsultieren kann. Die Diversifizierung von Formaten außerhalb der gängigen Dreieinigkeit von historisch-kritischer Edition, Studien- und Leseausgabe wird eine Vielzahl von hybriden und genuin digitalen Editionen hervorbringen: von der Internetpräsenz als Ergänzung zur Printversion über nutzergenerierte, open-crowd-Editionen bis hin zu multimedialen Editions- Museen. Wie lassen sich solche Möglichkeiten, die eine digitale Umsetzung mit sich bringt, in der Praxis verwirklichen, ohne dass Wissenschaftler und/oder Techniker de facto ihnen bekannte Benutzer voraussetzen und damit interessierte Laien im Meer von Informationen zu ertrinken drohen?

Nicht zuletzt soll es auch um die Gratwanderung digitaler Briefeditionen zwischen anerkannten und bewährten Qualitätsstandards einerseits und eigenen projektimmanenten Entscheidungen andererseits gehen. So steht im Mittelpunkt des Workshops schließlich die Frage danach, wie die strukturierenden Möglichkeiten von Ontologien sich auf die semantische Texterfassung beziehen und so editionsübergreifende Wissensbestände generiert, zusammengeführt und durchsuchbar gemacht werden können.

Programm

Veranstaltungsort: Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums der Humboldt-Universität zu Berlin

Donnerstag 15.5.:

13.15: Begrüßung und Moderation (Anne Baillot)

13:30-14:05: Kurzvorträge
1. Vera Hildenbrandt / Jörg Ritter: Vernetzte Korrespondenzen. Erforschung und Visualisierung sozialer, räumlicher, zeitlicher und thematischer Netze in Briefkorpora (exilnetz33.de)
2. Costanza Giannaccini: Burckhardtsource.org
3. Joseph Wang: Briefedition nach TEI-Richtlinien mit MS-Word? Technische Umsetzung und Erfahrungen
4. Sibylle Söring / Stefan E. Funk / Ubbo Veentjer: Das TextGrid Repository. Digitale Editionen publizieren, archivieren, analysieren
5. Anna Busch / Sabine Seifert: Brief im Netz: Briefedition Adelbert von Chamisso an Louis de La Foye als Teil einer größeren Gesamtstruktur
6. Jana Kittelmann / Christoph Wernhard: Semantik, Linked Data und Web-Präsentation – Grundlagen der Nachlasserschließung im Editionsportal www.pueckler-digital.de
7. Emmanuelle Chaze: Digital Edition of the correspondence between Jean Albert Euler and Jean Henri Samuel Formey (1766 - ca.1780)

14:05-14:45: Postersession

14:45-15:15: Kaffeepause

15:15-15:45: Kurzvorträge

1. Anke Hertling: Historisch-kritische (Hybrid-)Edition der Briefe von und an Theodor Fontane
2. Franziska Horn: Der DARIAH-DE Geo-Browser im Einsatz – Visualisierung von Briefmetadaten aus dem Savigny-Bang-Briefwechsel
3. Stefan Frühwirth / Johannes Mücke: "Netzwerke des Wissens" - Ein Projekt zur Aufbereitung der (sprach-)wissenschaftlich-medialen Landschaft des 19. Jahrhunderts
4. Stefan Cramme: Die Gesamtausgabe der Briefe Friedrich Fröbels – Transformationen einer Edition
5. Gaby Pailer: Epistolary Culture circa 1800: The Letters of Charlotte Schiller (1766-1826)
6. Marion Schumm: Der Briefwechsel zwischen Adolf von Buch und Louis de Beausobre: intellektuelle Netzwerke, philosophische Kommunikation und privater Austausch

15:45-16:30: Postersession

16:30-17:00: Kaffeepause

17:00 Abendvortrag

Moderation: Gesa Dane

Thomas Stäcker, HAB Wolfenbüttel: "Edieren KATA DYNAMIN" - Voraussetzungen, Formen und Konsequenzen des digitalen Edierens am Beispiel ausgewählter Editionen der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.


Freitag, 16. Mai 2014 vormittags

Moderation: Anna Busch

9:00-10:00: Jochen Strobel / Claudia Bamberg: Inventarisierung, Edition und semantische Erschließung der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels
10:00-11:00: Gabriele Radecke / Mathias Göbel: Theodor Fontanes Notizbücher. Konzept und Visualisierung der digitalen genetisch-kritischen und kommentierten Edition

11:00-11:30: Kaffeepause

11:30-12:30: Anne Baillot: "Ich sehe was, was du nicht siehst" - Interpretation bei der Kodierung von Briefen

12:30-14:15: Mittagspause

Freitag, 16. Mai 2014 nachmittags

Moderation: Gerhard Müller

14:15: Eingangsstatement Gerhard Müller: Die Rolle Kalliopes bei der Vernetzung von Briefeditionen
14:30-15:30: Peter Stadler: Interoperabilität von digitalen Briefausgaben

15:30-16:00: Kaffeepause

16:00-17:00: Elise Hanrahan / Markus Schnöpf: Vom Regest zu 01. Editionswissenschafltiche Entwicklungen bei Briefeditionen

17:00-17:30: Abschlussdiskussion


Der Workshop wird organisiert von Anne Baillot und Anna Busch im Rahmen der

Nachwuchsgruppe Berliner Intellektuelle 1800–1830

Leitung: Anne Baillot
Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für deutsche Literatur
Dorotheenstraße 24, R. 3.432 | 10099 Berlin
Tel.: +49 (0)30 2093-9640


URL: https://www.literatur.hu-berlin.de/aktuelles_idl/konferenzen_tagungen_vortraege/ontologien/startseite
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttps://www.literatur.hu-berlin.de/aktuelles_idl/konferenzen_tagungen_...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Beginn15.05.2014
Ende16.05.2014
PersonName: Baillot, Anne [Dr.]  
Funktion: Leiterin Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe "Berliner Intellektuelle 1800-1830"  
E-Mail: anne.baillot@hu-berlin.de 
Name: Busch, Anna [Dr. des.] 
Funktion: wissenschaftliche Mitarbeiterin 
E-Mail: anna.busch@hu-berlin.de  
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin 
Strasse/Postfach: Unter den Linden 6 
Postleitzahl: 10099 
Stadt: Berlin 
Telefon: +49 (0)30 2093-9640 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeComputerphilologie; Editionstheorie
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/38834

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