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Ergebnisanzeige "KORREKTUR Rhetorik und Kulturen. Diskurse im Spannungsfeld zwischen Leitkultur und Nebenkulturen"
RessourcentypCall for Papers
TitelKORREKTUR Rhetorik und Kulturen. Diskurse im Spannungsfeld zwischen Leitkultur und Nebenkulturen
BeschreibungKorrigierte Fassung: In der ersten Sendung war die Deadline falsch angegeben worden.



Centre de Recherche et d’Etudes Germaniques

Call for Papers für das Internationale Kolloquium

Rhetorik und Kulturen.
Diskurse im Spannungsfeld zwischen Leitkultur und Nebenkulturen

An der Université Paul Valéry – Montpellier 3 vom 6. bis 8. November 2014

Die Forschungsgruppe Centre de Recherche et d’Etudes Germaniques der Universitäten Montpellier 3 – Paul Valéry und Toulouse 2 – Le Mirail veranstaltet dieses Kolloquium am 6., 7. und 8. November 2014 im Rahmen ihres derzeitigen Forschungsvorhabens « Leitkulturen vs. Gegenkulturen ». Forscher aus Frankreich und dem deutschsprachigen Ausland sind herzlich eingeladen, an dieser Tagung mitzuwirken.

Unter Rhetorik oder Kunst der Rede wird gemeinhin die Kunst der schönen oder gar gekünstelten Rede verstanden, d.h. die Ornamentierung von Texten und Diskursen. Dies entspricht einer reduzierten Sichtweise auf die Rhetorik als Figurenlehre. Rhetorik muss aber zunächst als Kunst der effizienten, auf Erfolg und Überzeugung gerichteten Rede, der politischen Kommunikation betrachtet werden. Dies knüpft an die Bedeutung der Rhetorik in der griechischen Antike an: In der athenischen Demokratie war Rhetorik untrennbar mit dem politischen und juristischen System der Polis verbunden, rhetorische Gewandtheit war in der Volksversammlung und vor Gericht unumgänglich, um die angestrebten Ziele zu erreichen. So wurde Rhetorik auch im 17. Jh. von Christian Weise aufgefasst, dessen Politischer Redner die Rhetorik in das Zentrum politischer und sozialer Beziehungen stellt. Diese Auffassung der Rhetorik als durch Sprache initiierte Handlung oder als Instrument zur Handlung, erlaubt es, sowohl rein sprachliche Aspekte als auch diskurspragmatische, kommunikative und literarisch-ästhetische Dimensionen ins Auge zu fassen. Dabei geht es nicht nur um den politischen Diskurs im engeren Sinne, wie etwa um die bereits weitgehend bekannte LTI oder die Wirkung der rhetorischen Sprache Luthers im Wortgefecht mit seinen Kontrahenten, sondern auch um in Diskursen verankerte kulturelle Strömungen, wie etwa jene des Ausdrucks von Gefühlen und Emotionen im 18. Jahrhundert.
Die Rhetorik mit all ihren Dimensionen soll im Rahmen dieses Kolloquiums ins Zentrum der Kulturen gestellt werden. Rhetorik, so verstanden als eine spezifische Kompetenz von kulturellem Ausdruck, kann Kulturen einerseits tradieren, andererseits modifizieren. Von besonderem Interesse ist deshalb die Ermittlung verschiedener rhetorischer Spielarten von Leit-, Sub- und Gegenkulturen. Ist Rhetorik immer nur Rhetorik der Herrschaft? Welches sind die Wechselbeziehungen zwischen der Macht der Rhetorik und der Rhetorik der Macht? Auch Abgrenzungsversuche oder, im Gegenteil, Interaktionen zwischen den Kulturen mittels rhetorischer Diskriminierung bzw. mittels Aneignung oder Vermittlung rhetorischer Techniken können in einem kontrastiven Ansatz beleuchtet werden. Kontrast kann dabei sowohl synchron innerhalb eines Systems vielfältiger Kulturen als auch diachron im Aufkommen und Verschwinden rhetorischer Gepflogenheiten im Wechsel kultureller Strömungen gesehen werden.
Gegenstand der Untersuchungen sollen Diskurse und Texte in deutscher Sprache oder, zum Zwecke kontrastiver Untersuchungen mit dem Deutschen, in französischer oder auch in anderen Sprachen sein. Es können Textexemplare unterschiedlicher Textsorten und verschiedener Epochen untersucht werden. In einem medienspezifischen Ansatz kann das Augenmerk auf den Paradigmenwechsel gerichtet werden, der zu einer erheblichen Erweiterung des ursprünglichen Gegenstandsbereichs der Rhetorik — der Rede — geführt hat. Welche Auswirkungen hat die Entwicklung neuer Kommunikationsmedien auf die Rhetorik des Diskurses? Man denke zum Beispiel an die gemeinsame Anwendung des Power-Points und der englischen Sprache, die im geisteswissenschaftlichen Diskurs das tradierte Modell des Redners der alten Philologie in den Schatten gestellt hat, um es durch das Modell einer internationalen, multi-medialen Rhetorik zu ersetzen.
Beleuchtet werden sollen entsprechende kulturspezifische Topoi, ihre rhetorischen Ausformungen, kon- und intertextuelle Einbindungen.
Der Bezug auf Kategorien des durch die Jahrhunderte tradierten antiken rhetorischen Systems kann im Hinblick auf die Quantität (Systematik / Kontinuität) und Qualität (Wirkungsästhetik / Textfunktion) seiner Anwendung in Texten und Diskursen erfolgen. Dabei sind auch theoretische Abhandlungen über den möglichen systematischen Zusammenhang von Denkmustern und rhetorischen Strategien willkommen. Kulturwissenschaftliche Beiträge, die Rahmenbedingungen für das Bedürfnis nach spezifischen Textsorten/ Diskursformen offenlegen bzw. kulturelle Wandlungsprozesse als Ergebnis spezifischer Textsorten/ Diskursformen verstehen, mögen die Diskussion bereichern.
Methoden der literaturwissenschaftliche Analyse sollen dabei in Dialog treten mit Methoden der linguistischen Analyse. Die anwendungsbezogenen Analysen sollen in Verbindungen mit theoretischen Modellbildungen Raum für einen transdisziplinären Dialog der Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften bieten.

Wir bitten Sie, Ihr Abstract einen Umfang von 500 Wörtern (inkl. Literaturangaben) nicht überschreiten zu lassen, und es bis zum 2. Mai 2014 an michel.lefevre@univ-montp3.fr und kamutu@mail.uni-paderborn.de zu senden.

Organisation

CREG Montpellier – Prof. Dr. Michel Lefèvre
CREG Montpellier / Universität Paderborn – Dr. Katharina Tummuseit

Wissenschaftlicher Rat des Kolloquiums:

Frau Prof. Yasmin Hoffmann (Montpellier, Literaturwiss.)
Frau Prof. Walburga Hülk-Althoff (Siegen, Kulturwiss.)
Herr Prof. Rainer Huenecke (Dresden, Sprachwiss.)
Herr Prof. Michel Lefèvre (Montpellier, Sprachwiss.)
Frau Prof. Dorle Merchiers (Montpellier, Literaturwiss.)
Frau Dr. Emmanuelle Prak-Derrington (ENS-Lyon, Sprachwiss.)
Frau Dr. Katharina Tummuseit (Paderborn, Sprachwiss.)

Literaturhinweise

Bleumer, Hartmut/ Franceschini, Rita/ Habscheid, Stephan/ Werber, Niels, 2013. Turn, Turn, Turn? – Oder: Braucht die Germanistik eine germanistische Wende? [Call for Papers der Zeitschrift LiLi, vid. http://www.uni-siegen.de/lili/aktuelles/ttt2013/cfp.pdf (14.06.2013)].
Fix, Ulla/ Gardt, Andreas/ Knape, Joachim (Hgg.), 2008/ 2009. Rhetorik und Stilistik. Ein internationales Handbuch historischer und systematischer Forschung. Rhetoric and Stylistics. An international handbook of historical and systematic research. 2 Teilbde. Berlin, New York: Mouton-de Gruyter 2008, 2009 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, HSK, 31.1 u. 2).
Genette, Gérard, 1970. Die restringierte Rhetorik. In Haverkamp, Anselm (Hg.), 1996. Theorie der Metapher. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 229-252 (frz. Original : La rhétorique restreinte. In: Communications 16, no 1 (1970), 158 171.
Hess-Lüttich, Ernest, W. B. / Schiewer, Gesine L., 2005. LiLi (CH): Linguistik und Literaturwissenschaft in der Schweiz. VSH-Bulletin Nr. 4, November 2005, S. 24 ff./ APU-Bulletin no 4, novembre 2005, pp. 24 ff.
Hoffmann, Michael / Keßler, Christine (Hgg.), 2003. Berührungsbeziehungen zwischen Linguistik und Literaturwissenschaft. Reihe: Sprache - System und Tätigkeit, Band 47. Frankfurt/M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Peter Lang Verlag.
Knape, Joachim, 2000. Was ist Rhetorik? Reclam: Stuttgart.
Lachmann, Renate/ Strätling, Susanne/ Nicolosi, Riccardo, 2008. Rhetorik als kulturelle Praxis. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag.
Lausberg, Heinrich, 2008. Handbuch der literarischen Rhetorik: eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. 4. Aufl. Stuttgart: F. Steiner.
Perelman, Chaïm/ Olbrechts-Tyeca, Lucie, 2006. The new rhetoric: a treatise on argumentation. Reprinted. Notre Dame, Ind.: Univ. of Notre Dame Press.
Seminar für Allgemeine Rhetorik, Eberhard Karls Universität Tübingen, vid. http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/ (27.06.2013).
Ueding, Gert, 2005. Rhetorik: Begriff - Geschichte - Internationalität. Berlin: De Gruyter.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://creg.univ-tlse2.fr
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMontpellier
Bewerbungsschluss02.05.2014
Anmeldeschluss01.11.2014
Beginn06.11.2014
Ende08.11.2014
PersonName: Lefèvre, Michel, Prof. Dr. 
Funktion: Organisation 
E-Mail: michel.lefevre@univ-montp3.fr 
Name: Tummuseit, Katharina 
Funktion: Organisation 
E-Mail: kamutu@mail.uni-paderborn.de 
KontaktdatenName/Institution: CREG (Université Paul Valéry - Montpellier 3) 
Strasse/Postfach: Route de Mende 
Postleitzahl: 34199  
Stadt: Montpellier 
Internetadresse: http://www.univ-montp3.fr 
LandFrankreich
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLinguistik; Kognitive Linguistik (Metapherntheorie, Prototypentheorie, Konzeptualisierung); Kontrastive Linguistik (Sprachvergleich); Korpuslinguistik / Computerlinguistik; Methodologie / Wissenschaftsgeschichte; Pragmatik (Sprechakttheorie, Implikatur, Handlungstheorien, Historiopragmatik); Sprache in den Medien / Medienwissenschaft (Sprache in Massenmedien, Internet und Hypertext, Medienentwicklung); Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Sprachgeschichte (Sprachwandel, Idg., Germ., Ahd., Mhd., Frühnhd.); Stilistik / Rhetorik (inkl. Argumentationstheorie, Stilbegriff, Persuasionstheorie, politische Sprache, Werbesprache); Textlinguistik (Textbegriff, Textgrammatik, Textsorten, Hypertexte, Textsortengeschichte); Übersetzungswissenschaft; Literaturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte; Motiv- u. Stoffgeschichte; Rhetorik; Stilistik
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
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