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Ergebnisanzeige "Innere Emigration versus Exilliteratur: ‚Intra et extra muros‘. "
RessourcentypCall for Papers
TitelInnere Emigration versus Exilliteratur: ‚Intra et extra muros‘.
BeschreibungInnere Emigration versus Exilliteratur: ‚Intra et extra muros‘.

Internationale Tagung an der Adam Mickiewicz Universität Poznań/Posen, 26.-28. September 2014

Der Begriff Innere Emigration als Bezeichnung für die Literatur während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde nicht – wie oft behauptet – erst nach 1945 kreiert. Er war also keine nachträgliche Rechtfertigung der nicht ins Exil gegangenen Autoren, sondern ein bereits in den 1930er Jahren von verschiedenen Autoren gebrauchter Begriff. Er war so geläufig, dass man von äußerer und innerer Emigration als von zwei gleichberechtigten Erscheinungen des literarischen oppositionellen Lebens gesprochen hat (Spalek 1973).
Vor 1945 gab es zwischen der inneren und der äußeren Emigration durchaus ein Gefühl der Gemeinsamkeit, einen Minimalkonsens. Doch der ist nach dem Zweiten Weltkrieg infolge der Mann- Thiess-Molo-Debatte verloren gegangen. Die Auseinandersetzung zeigte überdeutlich, wie wenig die Autoren der Inneren Emigration sich mit den Existenzbedingungen der Autoren des Exils auseinandergesetzt hatten. Aber sie zeigte auch, welche falschen Vorstellungen sich die Exilanten von dem Leben und Arbeiten unter dem NS-Regime gemacht hatten. Der Minimalkonsens zwischen innerer und äußerer Emigration war endgültig zerbrochen. Ihre Folgen waren aber für Jahrzehnte prägend. www.uni.lodz.pl
Wie problematisch aber der Umgang mit dem Begriff der Inneren Emigration ist, wird an einem Definitionsversuch deutlich. Denn er lässt die vielschichtigen Möglichkeiten erkennen, die den Autoren zur Verfügung standen, aber auch die Schwierigkeiten, eine Definition zu finden, die auf alle Autoren der Inneren Emigration anwendbar wäre.
Ein Teil der Autoren distanzierte sich in der Weise, dass sie Werke schrieben, die sich von den nationalsozialistischen Literaturvorstellungen abhoben. Sie hatten dabei nicht zwangsläufig oppositionellen oder antifaschistischen Charakter. Andere Autoren flüchteten in die Innerlichkeit (beispielsweise Ernst Wiechert), in die Naturlyrik (wie Oskar Loerke) oder in Romane und Erzählungen, die eine heile Gegenwelt zum Nationalsozialismus errichteten (wie Gertrud von le Fort oder Hans Carossa). Viele bedienten sich einer verschleierten Sprache, der Camouflage. Der Terminus ‚das Schreiben zwischen den Zeilen‘ wurde damals zu einer wirkungsreichen Waffe der Literatur (vgl. Schmollinger 1998 u. Ehrke-Rotermund; Rotermund 1999).
Die Problematik der unterschiedlichen Bewertungen der Inneren Emigration, die sich schon unmittelbar nach 1945 entwickelten, zieht sich durch die Sekundärliteratur bis hin in die unmittelbare Gegenwart. Sie wird als Flucht vor der Realität, „Flucht in die Idylle oder in die sogenannten einfachen und zeitlos menschlichen Verhältnisse, Flucht in den Traditionalismus, in die forcierte Betonung des alten Wahren und Unvergänglichen, Flucht in das Bewährte und damit Problemlose. Flucht nicht zuletzt vor der Trivialität und der Barbarei in das Schöne, Edle und Ewige“ (Schonauer 1961) verstanden.
Der Begriff wird andererseits als „wenig brauchbar und außerdem schon zu abgenutzt“ (Westenfelder 1988) bezeichnet. Es wird auch vorgeschlagen, ihn durch den Sammelbegriff ‚apolitische, nicht-oppositionelle Reichsliteratur‘ abzulösen (Moeller 1988). In den 1950er Jahren hat sich unter Literaturwissenschaftlern die Meinung etabliert, dass „ein Vorhandensein einer Literatur der inneren Emigration zwar [anerkannt wird]“ (Brekle 1985), dies bedeutet aber noch lange nicht, dass ihr ein antifaschistischer Charakter zuerkannt wird. Parallel dazu hat „Ende 1960er Jahre die stürmische Aufwertung der Exilliteratur“ (Scholdt 2003) stattgefunden. Da die Existenzbedingungen der Exilanten und die der Daheimgebliebenen völlig anders waren, warf man nach dem Krieg der Inneren Emigration eine resignative oder opportunistische Haltung vor. Dies hatte zur Folge, dass diese Literatur in den 50er und 60er Jahren schrittweise verdrängt wurde und aus dem wissenschaftlichen Diskurs verschwand.
In den 1970er und 1980er Jahren wurde es dann nahezu ganz still um die Schriftsteller und Dichter der Inneren Emigration. Viele von ihnen waren inzwischen in Vergessenheit geraten, ihre Werke wurden nicht mehr neu aufgelegt. Somit sind sie vom Büchermarkt fast komplett verschwunden. Erst seit den 1990er Jahren lässt sich ein vermehrtes Interesse bemerken, das aus der mangelnden wissenschaftlichen Aufarbeitung der Inneren Emigration resultiert. Das neu belebte Interesse an kultur- und ideengeschichtlichen Fragestellungen hat damit erste Versuche zur Erhellung geistig-kultureller, besonders literarischer Widerstandsaktivitäten gebracht. Solche Versuche verstehen sich jedoch bislang allesamt als vorläufig und erschließen das Gesamtbild des Problems nicht.

Die Konferenz umfasst die folgenden thematischen Kreise:
1) Innere Emigration und Exilliteratur – zwei gleichberechtigte Erscheinungen des Literaturlebens oder ‚Konkurrenten‘ zur Zeit des Dritten Reiches?
2) Ideologische Voraussetzungen der Literatur des Dritten Reiches. Nationalsozialistische Literatur- und Kulturpolitik. Möglichkeiten des literarischen Schaffens in einer Diktatur;
3) ‚Intra et extra muros‘ – ein unerfüllter Wunsch oder eine Realität bis 1945?
4) Widerstandspotential der Literatur der Inneren Emigration;
5) Die Rezeption der Literatur der Inneren Emigration in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik;
6) Die neuesten Tendenzen in der Betrachtung und Bewertung der Inneren Emigration und der Exilliteratur.

Veranstalter:
Lehrstuhl für Literatur und Kultur Deutschlands, Österreichs und der Schweiz an der Universität Łódź
Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft (IEWG)
Institut für Germanische Philologie der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań
Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Immanuel-Kant-Universität in Kaliningrad
Arbeitsstelle Katholizismus- und Widerstandsforschung an der Universität Vechta

Konferenzsprache:
Deutsch

Interessenten werden gebeten, ein Abstract (300 Wörter) und eine Kurzvita (150 Wörter) als Word-Dateien an die Adresse zu schicken: mkardach@amu.edu.pl

Deadline für die Einreichung des Abstracts und der Kurzvita: 15. April 2014.

Für weitere Fragen wenden Sie sich an:

dr/Dr. Magdalena Kardach

Adam Mickiewicz Universität Poznań
Institut für Germanische Philologie
al. Niepodległości 4
61-874 Poznań

e-mail:mkardach@amu.edu.pl



Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPoznań
Bewerbungsschluss15.04.2014
Anmeldeschluss15.04.2014
Beginn26.09.2014
Ende28.09.2014
PersonName: Kardach 
Funktion: wiss. Mitarbeiterin 
E-Mail: mkardach@amu.edu.pl 
KontaktdatenName/Institution: Dr. Magdalena Kardach, Dr. Marcin Gołaszewski / Adam Mickiewicz Universität, Institut für Germanische Philologie 
Strasse/Postfach: al. Niepodległosci 4 
Postleitzahl: PL-61-874 
Stadt: Poznań 
Telefon: +48 61 8293540 
Fax: +48 61 853 69 37 
E-Mail: mkardach@amu.edu.pl marcingolaszeski@wp.pl 
LandPolen
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Klassifikation05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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