VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Hamburger Gastprofessur für Interkulturelle Poetik - Emine Sevgi Özdamar: Sprach-Rollen-Wechsel"
RessourcentypVortragsreihen
TitelHamburger Gastprofessur für Interkulturelle Poetik - Emine Sevgi Özdamar: Sprach-Rollen-Wechsel
BeschreibungHamburger Gastprofessur für Interkulturelle Poetik
Emine Sevgi Özdamar: Sprach-Rollen-Wechsel

Im Sommersemester 2014 übernimmt die renommierte Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar die von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius geförderte „Hamburger Gastprofessur für Interkulturelle Poetik“. Die für ihren unverwechselbaren Schreibstil vielfach preisgekrönte Autorin hält als Gastprofessorin an der Universität Hamburg eigens für diesen Anlass geschriebene Vorlesungen zum Thema „Sprach-Rollen-Wechsel“. Dabei reflektiert sie über Entstehungsbedingungen ihres Schreibens, den Sprachwechsel vom Türkischen ins Deutsche wie auch ihr Rollenverständnis auf der theatralen und literarischen Bühne. Sie entwickelt somit einen neuen Blick auf zentrale Aspekte ihres schriftstellerischen Werks.
Emine Sevgi Özdamar wurde 1946 in der ostanatolischen Stadt Malatya geboren, wuchs in verschiedenen Städten der Türkei auf und spielte bereits während ihrer Schulzeit Theater. Mit 19 Jahren ging sie zunächst als Gastarbeiterin nach Berlin, besuchte dann eine Schauspielschule in Istanbul und übernahm Rollen an Theatern in der Türkei. Mit ihrer Rückkehr nach Deutschland nimmt sie u. a. ein Engagement am Schauspielhaus Bochum (1979 bis 1984) an, spielt in Berlin, Frankfurt und München Theater und inszeniert ihr eigenes Stück „Karagöz in Alamania“ am Schauspielhaus Frankfurt (1986). Überdies übernimmt sie zahlreiche Filmrollen wie in Hark Bohms „Yasemin“ (1988), Doris Dörries „Happy Birthday, Türke!“ (1992), Matti Geschonnecks „Reise in die Nacht“ (1998), Torsten Wackers „Süperseks“(2004) und Sinan Akkuş´„Evet, ich will!“ (2008). Einen Namen macht sich Özdamar aber vor allem mit ihrem schriftstellerischen Werk.
Durch ihren Erzählband „Mutterzunge“ (1990) erstmals einer breiteren Leserschaft bekannt geworden, gelingt ihr mit dem Roman „Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus“ (1992) der endgültige Durchbruch. Bereits vor Erscheinen des Bandes erhält sie für die aus der Ich-Perspektive eines phantasiebegabten türkischen Mädchens erinnerte Kindheits- und Jugendgeschichte den Ingeborg-Bachmann-Preis. Der Folgeroman „Die Brücke vom Goldenen Horn“ (1998) erzählt über die Erfahrungen der adoleszenten Protagonistin als Gastarbeiterin in Deutschland und dann am Theater in der Türkei. Ergänzung findet diese Entwicklungsgeschichte durch den Text „Seltsame Sterne starren zur Erde“ (2003), in dem die Rückkehr der Erzählerin ans Theater in Deutschland in Form eines mit Skizzen versehenen Arbeitstagebuchs zum Thema wird. Die Romane sind unter dem Titel „Sonne auf halbem Weg“ (2006) auch als Trilogie publiziert.

Da sich Stationen und Ereignisse aus dem Lebensbericht der namenlosen Ich-Erzählerin teilweise mit Lebensdaten der Autorin decken, werden die Texte vielfach autobiographisch gelesen und die Protagonistin als eine Art Alter Ego Özdamars verstanden. Doch eine auf das Biographische verkürzende Lesart wird dem inszenatorischen Charakter der Romane nicht gerecht. Bereits die narrative Figuration mit einer Erzählerin, die ihr früheres Selbst gleich der Protagonistin ihres Lebensspiels in unterschiedlichen Rollen in Szene setzt, verdeutlicht schon auf den ersten Blick, dass hier von einer artifiziellen Inszenierung biographischen und zeitgeschichtlichen Materials zu sprechen ist. Dieser inszenatorische Ansatz lässt sich auch an der Migrationsbewegung innerhalb der erzählten Welt festmachen: Die Handlung konzentriert sich neben Orten, die auf Reisen besucht werden, im Wesentlichen auf die Schauplätze Berlin und Istanbul. Die Entwicklung der Protagonistin folgt von der Ankunft in Berlin über ihre Rückkehr in die Türkei und den erneuten Aufbruch in die geteilte Stadt der Struktur einer wiederholten Migration. Dabei ist das theatrale Rollenspiel für die Protagonistin in Özdamars Roman nicht nur angestrebtes Ziel des migrantischen Werdegangs, sondern auch Medium der Selbstvergewisserung auf dem fortgesetzten Weg dorthin, wie dies in der apodiktischen Feststellung Ausdruck findet: „Theater ist mein Leben.“

In ihren drei Poetikvorlesungen mit den Titeln „Durch die Karawanserei der frühen Anfänge“ (1), „Über die Brücke in die deutsche Sprache“ (2) und „In neuen Rollen unter seltsamen Sternen“ (3) wird sich Emine Sevgi Özdamar mit den Bedingungen und Kontexten ihres Schreibens beschäftigen, wobei nicht auszuschließen ist, dass hier dem Ernst der akademi-schen Analyse auch der Schalk im Nacken sitzen wird.

Bei der internationalen Tagung, die zu Ehren Emine Sevgi Özdamars (in ihrem Beisein) im Alstersalon des Literaturhauses stattfindet, setzen sich Literaturwissenschaftler/-innen in Vorträgen und Diskussionen mit ihrem literarischen Werk und der hier implizit formulierten Interkulturellen Poetik auseinander. Denn in den Romanen ihrer Istanbul-Berlin-Trilogie wie auch ihren kürzeren Erzähltexten stellt die Autorin mit häufig schelmenhaftem Erzählgestus die Frage nach einem Ich, das sich in seinem Unterwegs-Sein zwischen kulturellen Kontexten, performativen Praktiken und Sprachen in unterschiedlichen Rollen immer wieder neu erfindet.

Die Tagung ist für Publikum geöffnet und bietet die Möglichkeit, sich mit Deutungsansätzen zum Werk der Autorin vertraut zu machen und sich an Diskussionen mit ihr zu beteiligen. Zum Abschluss der Tagung liest Emine Sevgi Özdamar in einer öffentlichen Abendveranstaltung im Großen Saal des Literaturhauses aus der Istanbul-Berlin-Trilogie sowie aus noch unveröffentlichten Texten.


Programm der Veranstaltungsreihe

03.04.2014
Hauptgebäude der Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, Hörsaal M, 18-20 Uhr
Begrüßung
Prof. Dr. Holger Fischer, Vizepräsident, Universität Hamburg
Christine Neuhaus, Bereichsleiterin Förderungen, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Prof. Dr. Ortrud Gutjahr, Leiterin der INPOET, Universität Hamburg
Sprach-Rollen-Wechsel – Wohin geht die Reise?
Einführende Lesung von und Gespräch mit Emine Sevgi Özdamar

10.04.2014
ESA1, Hörsaal M, 18-20 Uhr
Durch die Karawanserei der frühen Anfänge
Poetikvorlesung I (anschließend Diskussion)
Gastprofessorin Emine Sevgi Özdamar

24.04.2014
ESA1, Hörsaal M, 18-20 Uhr
Über die Brücke in die deutsche Sprache
Poetikvorlesung II (anschließend Diskussion)
Gastprofessorin Emine Sevgi Özdamar

08.05.2014
ESA1, Hörsaal M, 18-20 Uhr
In neuen Rollen unter seltsamen Sternen
Poetikvorlesung III (anschließend Diskussion)
Gastprofessorin Emine Sevgi Özdamar

15.05.2014
Abaton-Kino, Allende-Platz 3, Beginn 18.00 Uhr
Karriere einer türkischen Putzfrau
Emine Sevgi Özdamar zeigt Filmausschnitte und spricht über ihre Rollen.
Moderation: Prof. Dr. Ortrud Gutjahr, Universität Hamburg

22.05.2014
ESA1, Hörsaal M, 18-20 Uhr
Mit Emine Sevgi Özdamar durch ein Semester
Studierende stellen ihre Auseinandersetzung mit dem Werk Emine Sevgi Özdamars vor und diskutieren mit der Autorin.

27. und 28.05.2014
Literaturhaus Hamburg, Schwanenwik 38, Beginn jeweils 9.30 Uhr
Sprach-Rollen-Wechsel
Emine Sevgi Özdamars Interkulturelle Poetik
Internationale Tagung in Anwesenheit der Autorin

28.05.2014
Literaturhaus Hamburg, Schwanenwik 38, Beginn 19.30 Uhr
Emine Sevgi Özdamar liest aus der Istanbul-Berlin-Trilogie und unveröffentlichten Texten
Die Autorin im Gespräch
Moderation: Prof. Dr. Ortrud Gutjahr, Universität Hamburg

Weitere Informationen unter
http://www.inpoet.uni-hamburg.de

Koordination:
Prof. Dr. Ortrud Gutjahr, Institut für Germanistik: Neuere deutsche Literatur und Interkulturelle Literaturwissenschaft, Universität Hamburg
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHamburg
Beginn03.04.2014
Ende28.05.2014
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/38308

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 03.04.2014 | Impressum | Intern