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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Archiv für Mediengeschichte 14 (2014): Modelle und Modellierung"
RessourcentypCall for Papers
TitelArchiv für Mediengeschichte 14 (2014): Modelle und Modellierung
BeschreibungCall for Papers
Archiv für Mediengeschichte 14 (2014)
Modelle und Modellierung

Die nächste Ausgabe des „Archivs für Mediengeschichte“ wird sich der Frage nach dem Status sowie nach der Funktion von Modellen in wissenschaftlichen, gestalterischen und künstlerischen Prozessen widmen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass der Modellgebrauch und die Verfahren der Modellierung einen wesentlichen Anteil haben an der Begründung und Kodierung von Entscheidungsprozeduren, die für die Verfertigung unterschiedlicher – szientifischer, experimenteller, historischer, poietischer – Wissensformen maßgeblich sind. Mit ihrem Operieren zwischen Abstraktion und Anschauung, Analyse und Synthese, Evidenzerzeugung und Ausblendung sind Modelle und verwandte Figuren wie Muster (ital. modello), Pläne, Blaupausen oder Prototypen spezifische Akteure, an denen sich die logische, funktionale oder ästhetische Konsistenz epistemischer Ordnungen und der damit verbundenen Repräsentationsweisen bemisst. Sie machen somit einen ‚Eigensinn’ geltend, der von der medialen, symbolischen und materiellen Beschaffenheit jeweiliger Modelltypen abhängig ist und aus verschiedenen Perspektiven erfasst werden kann. Beiträge für diese Ausgabe des „Archivs für Mediengeschichte“ sollten sich an den folgenden, grundlegenden Fragestellungen orientieren.

Eine erste Frage gilt dem epistemischen Status von Modellen in unterschiedlichen Verwendungszusammenhängen. Modelle leiten oder begründen die Bildung wissenschaftlicher Hypothesen, sichern darstellerische Evidenz, regulieren Konsensbildung, strukturieren experimentelles Probehandeln, situieren sich in einer Grauzone zwischen Faktizität und Fiktion. Sie fassen disparate Erkenntnisleistungen in kohärente Darstellungsformen zusammen oder figurieren als Prolepsen bzw. ‚Vorahmung’ für die Strukturierung ungesicherter und offener Wissenshorizonte. Mit ihrem demonstrativen Charakter können sie als Agenten für die Variation und Negation, für die Bestärkung und Verwerfung, für die Innovation oder Normalisierung von Wissensbeständen fungieren. Und sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag für die Erprobung – vergangener oder künftiger – Wirklichkeiten.

Ihre pragmatische Dimension wird zweitens durch die Art ihrer Materialität gewährleistet. Modelle verkörpern sich in Stilen, Vorschriften, Experimenten, Ausdrucksformen aller Art. Ihre Gestalt wird durch jene Techniken, Medien und Verfahren bestimmt, mit denen sie ihre repräsentative Kraft sichern. Die Modellierung geschieht mit sprachlichen und bildnerischen Mitteln, mit symbolischen Operationen, mit Algorithmen, mit kognitiven und handwerklichen Praktiken. Die Verfertigung von Modellen erscheint selbst als ein umstandsbedingtes Bewerkstelligen, dessen Parameter vom Einsatzbereich, vom Gegenstandsgebiet und von den an die Modellbildung gerichteten Anspruchsprofilen dirigiert wird – vom Architekturmodell bis zur Computersimulation, vom Gedankenexperiment bis zur theoretischen Modellierung komplexer Zusammenhänge und Prozesse.

Ein dritter und wesentlicher Aspekt betrifft die Dimensionierung von Modellen. Damit sind nicht nur Fragen der Skalierung und des Maßstabes gemeint, also Fragen, die etwa die Verkleinerung makroskopischer und die Vergrößerung mikroskopischer Größenordnungen, Projektions- und Abbildungsverfahren, die Reduktion mehrdimensionaler Darstellungen oder das Verhältnis von räumlichen und temporalen Repräsentationsweisen betreffen. Vielmehr müssen Modelle als Artefakte begriffen werden, die etwas mit bestimmten Mitteln von etwas für etwas transportieren (cargo) und dabei höchst kritische Grenz- und Trennlinien passieren. Mit ihnen stellen sich Übersetzungsprobleme aller Art: zwischen verschiedenen Disziplinen, von unübersichtlichen Realitäten zur Modellform, von Modellen zu diversen Anwendungsbereichen, von theoretischen Annahmen zu praktischen Funktionszusammenhängen, von disparaten Daten zu gesetzmäßigen Prozessen, von ungleichen Darstellungsmilieus zu analogen oder ähnlichen Strukturen.

Ein besonderes Augenmerk soll viertens der Modellierung zeitkritischer Prozesse gelten, wie sie in verschiedenen – naturwissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen, ökonomischen oder allgemein historischen – Arbeitsgebieten herausgefordert werden. Dabei steht die modellhafte Fassung von Entwicklungsprozessen, von Veränderungen und Transformationen, von Krisen und außerordentlichen Begebenheiten, von erwartbaren oder wahrscheinlichen Verlaufsprofilen auf dem Spiel. Hier ist danach zu fragen, mit welcher Informationssicherheit vergangene Ereignisserien auf künftige Prozessformen projiziert werden können, welche prognostischen Qualitäten damit verknüpft sind, wie strukturelle Instabilitäten mit homöostatischen Ordnungsfiguren gefasst werden, welche Allgemeingültigkeit iterative Algorithmen beanspruchen können.

Schließlich und fünftens steht mit der Frage nach der repräsentativen Kraft von Modellen in unterschiedlichen Kontexten auch die Grenze modellhafter Darstellung selbst zur Diskussion. Die Qualität von Modellen ist nicht zuletzt von der Art und vom Ausmaß reduktiver und abstraktiver Verfahren abhängig. Und wenn die Modellbildung allgemein als Operation des Komprimierens und Subsumierens, mithin als Intervention eines ‚Ockham’schen Rasiermessers’ begriffen werden kann, so rücken zugleich Zonen in den Blick, in denen die determinierende bzw. deterministische Macht von Modellen spezifische Verfehlungspotentiale generiert. Dies betrifft nicht nur jene Herausforderungen, wie sie etwa Turbulenzen oder chaotische Prozesse für eine modellartige Fassung darstellen; die Verfertigung von Modellen muss vielmehr selbst als ein Vorgang betrachtet werden, der sich mit der bedingten Haltbarkeit, mit der fortlaufenden Revision, mit der nie abschließbaren Anpassung, Abänderung, Verwerfung und Innovation von Modellfiguren konfrontiert.

Um die Einsendung von Themenvorschlägen einschließlich Abstracts (bis
zu 2.500 Zeichen) wird bis zum 30.4.2014 an folgende Adresse gebeten: dorothea.walzer@hu-berlin.de

Die ausgearbeiteten Beiträge (bis zu 30.000 Zeichen) sollen bis zum 31.8.2014 bei der Redaktion eingehen.

Die Herausgeber
(Friedrich Balke, Bernhard Siegert, Joseph Vogl)


Weitere Informationen zum Archiv für Mediengeschichte unter:
http://www.uni-weimar.de/de/medien/forschung-und-kunst/archiv-fuer-mediengeschichte/

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss30.04.2014
PersonName: Walzer, Dorothea, M.A. 
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin 
E-Mail: dorothea.walzer@hu-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin 
Strasse/Postfach: Unter den Linden 6 
Postleitzahl: 10099  
Stadt: Berlin  
Telefon: (030) 2093-9650 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeMedien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
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