VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Chorfiguren: Stimme, Affekt, Kollektiv. Neuperspektivierungen einer intermedialen Figur"
RessourcentypCall for Papers
TitelChorfiguren: Stimme, Affekt, Kollektiv. Neuperspektivierungen einer intermedialen Figur
BeschreibungCall for Papers für die interdisziplinäre Konferenz:
"Chorfiguren: Stimme, Affekt, Kollektiv. Neuperspektivierungen einer intermedialen Figur"

Ort und Zeit der Tagung:
20.-22. November 2014, Germanistisches Institut, WWU Münster

Eine längst überholt geglaubte dramatische Instanz wird seit einigen Jahren mit auffälliger Experimentierlust auf die deutschsprachigen Bühnen gebracht: der Theaterchor. In Münster inszenierte Frank Behnke jüngst Hamlets Vater als Rollstuhl fahrenden Greisenchor (Premiere 21.09.13), in Volker Löschs Essener Inszenierung "Rote Erde" dekonstruierte ein Arbeitslosenchor Mythen über das Ruhrgebiet (Uraufführung 26.09.12). Die Etablierung des Chors als dramatisches und theatrales Element ist eng verknüpft mit dem antiken Dionysoskult und der Baugeschichte des attischen Theaters. Daher eignet er sich in besonderem Maße hinsichtlich dramen-, theater- und bühnengeschichtlicher Fragestellungen. Obwohl der Chor immer wieder totgesagt, als Schreckgespenst der dramatischen Kunst oder Ausdruck von Barbarei abgewertet wurde, erlebt er derzeit eine Renaissance. Die Artikulation von Vielstimmigkeit und das Auftreten eines kollektiven Körpers sind insbesondere im Kontext neuer theatraler Politisierungsversuche zu beobachten. Angesichts der zahlreichen Laien- und Bürgerchöre steht zur Disposition, ob damit eine Stimme des Volkes und ein gemeinsames Bewusstsein erzeugt und zum Ausdruck gebracht werden. Mit dem bürgerlichen Sprechraum ist die Referenz auf die antike polis aufgerufen und die Frage, ob der Chor als eine politische Artikulationssphäre gesehen werden kann. Die stimmliche, körperliche und räumliche Inszenierung eines ‚Wir‘ wirft aber auch Fragen auf, insofern als die Identifizierung unterschiedlicher Individuen als Chor nicht ohne Hindernisse geschieht. Damit sind das stets Reibungen ausgesetzte Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft und seine dramatischen und bühnentechnischen Repräsentationsmöglichkeiten angesprochen. Ambivalenz eignet dem dramatischen Chor auch hinsichtlich seiner Regulationsfunktion von Affekten. Ein kollektives Stampfen und Singen entfaltet besondere sinnliche Kraft, die zu einer anderen Chor-Funktion, dem neutralen, überblickshaften Kommentar im Kontrast steht.

Die Konferenz nimmt die virulente Wiederkehr des Chors zum Anlass, diese ambivalente, funktionsreiche und intermediale Instanz des Dramas und Theaters neu zu perspektivieren, und zwar, indem die folgenden vier systematischen Schwerpunkte zusammengedacht werden sollen:

Chor als Figur des Politischen: In welche Funktionsweisen ist der Chor als Reflexionsfigur von Gemeinschaft eingebunden?
Chor als Kollektivfigur: In welcher Weise problematisieren chorische Figuren das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft?
Stimme, Körper, Raum: Wie wird der Raum im Drama und auf der Bühne durch den Chor oder chorische Figuren organisiert? Wessen Stimme(n) artikuliert der Chor?
Affekt und Aktivierung: In welcher Weise eignet Chorstimmen bzw. Chorkörpern ein affektdynamisches Potential?

Diese und weitere Fragestellungen können nur sinnvoll in einer interdisziplinären Herangehensweise untersucht werden. Insbesondere literaturwissenschaftliche, theaterwissenschaftliche, musikwissenschaftliche und tanzwissenschaftliche Beiträge sind eingeladen, in einen Dialog über eine alte und gleichzeitig überaus innovative Figur des Dramas und der Bühne zu treten.

Ein Antrag zur Finanzierung von Reise- und Übernachtungskosten für die Referentinnen und Referenten der Tagung wird gestellt.

Abstracts von ca. 300 Wörtern, die einen 30-minütigen Vortrag skizzieren, und biobibliografische Daten werden bis zum 15. April 2014 erbeten an:
Dr. Julia Bodenburg, WWU Münster, Neuere deutsche Literatur (juboden@uni-muenster.de) und
Dr. Katharina Grabbe, WWU Münster, Neuere deutsche Literatur (kagrabbe@uni-muenster.de).
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMünster
Bewerbungsschluss15.04.2014
Beginn20.11.2014
Ende22.11.2014
PersonName: Bodenburg, Julia Dr. 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: juboden@uni-muenster.de 
Name: Grabbe, Katharina Dr. 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: kagrabbe@uni-muenster.de 
KontaktdatenName/Institution: Germanistisches Institut, WWU Münster 
Strasse/Postfach: Schlossplatz 34 
Postleitzahl: 48155 
Stadt: Münster 
Telefon: +49 (0)251 83 24695 
Fax: +49 (0)251 83 25424 
E-Mail: juboden@uni-muenster.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Dramentheorie; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen; Medien- u. Kommunikationstheorie; Theater (Aufführungspraxis)
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/37875

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 10.03.2014 | Impressum | Intern