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Ergebnisanzeige "Scham und Schuld. Geschlechter(sub)texte der Shoah"
RessourcentypCall for Papers
TitelScham und Schuld. Geschlechter(sub)texte der Shoah
BeschreibungCALL FOR PAPER

KONFERENZ
Scham und Schuld. Geschlechter(sub)texte der Shoah
14. und 15. November 2008, an der Humboldt-Universität zu Berlin

Veranstalter:
DFG-Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“
(Humboldt-Universität zu Berlin)

Wir freuen uns, auf die Konferenz „Scham und Schuld. Geschlechter(sub)texte der Shoah“ hinweisen zu können, die vom 14. bis 15. November 2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfinden wird. Mit diesem Call for Paper möchten wir interessierte Wissenschaftler/-innen und Nachwuchswissenschaftler/-innen herzlich dazu einladen, ein kurzes Abstract einzureichen.
Dieses soll max. 3000 Zeichen umfassen, eine Zuordnung zu einem der fünf Panel enthalten und durch einen kurzen CV (eine Seite) sowie Angaben zu benötigtem technischen Equipment ergänzt werden. Die Vorträge können auf Deutsch und Englisch gehalten werden und sollen eine Länge von 30 Minuten nicht überschreiten.
Die Abstracts sind bis zum 01. Juni 2008 an folgende Adresse zu richten: Subtexte@web.de. Entscheidungen bezüglich des Calls werden ca. bis zum 01.Juli 2008 mitgeteilt. Anreise- und Übernachtungskosten können in Ausnahmefällen anteilig erstattet werden.
Wir freuen uns auf Ihre Ideen und Ausarbeitungen!

Konstanze Hanitzsch, Sven Glawion

Scham und Schuld. Geschlechter(sub)texte der Shoah
Konzeption: Konstanze Hanitzsch, Sven Glawion sowie Nadine Teuber für das Panel 4

" […] alles andere hätte irgendwie noch einmal gutgemacht werden können, wie in der Politik ja alles einmal wieder gutgemacht werden kann. Dies nicht. Dies hätte nie geschehen dürfen." (Hannah Arendt)

Scham und Schuld konstituieren zentrale Narrationen, in denen die Verbrechen der Shoah erzählt werden. Verhandeln die Überlebenden der Shoah hier ihre traumatischen Leiden, die unabschließbar sind, so kursieren auf der Täter/-innenseite vielfältigste Erzählungen, welche die Shoah zu bannen versuchen und/oder in ein nationales, deutsches Motiv verwandeln. Der Schwerpunkt unserer Konferenz liegt auf der Betrachtung des Umgangs mit der Shoah und ihrer von Scham und Schuld bestimmten Erinnerung auf der Täter/-innenseite. In den 80er Jahren hat eine kontroverse und differenzierte Diskussion um den Opferstatus 'der Frau' im Nationalsozialismus stattgefunden (Lanwerd/Stoehr 2007). Wurde bis dahin Täterschaft oft unmarkiert als männlich gedacht, gerieten nun Studien über Frauen als Täterinnen in das Blickfeld der Forschung. Bis heute wird jedoch in diesem Zusammenhang die Frage nach der Konstruktion von Geschlecht sowie nach deren Funktion von Geschlecht innerhalb der symbolischen Ordnung vernachlässigt. Unser Vorhaben ist es, sowohl die als Männer und Frauen schuldig Gewordenen als auch die im Erinnern und Verschweigen der Shoah zirkulierenden Gender-Codierungen zu fokussieren. Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Gender-Codierungen und den Verbrechen der Shoah? Können hier verborgene Schuldabwehr-, bzw. Ermächtigungsstrategien durch die Einnahme von Opferpositionen wirksam werden? Scham und Schuld, ihre geschlechtliche Codierung und ihre strategisch-diskursive Verwendung in 'Erzählungen' über die Shoah, stehen im Zentrum der Konferenz. Die 'Wahrheit des Sex' und die 'Wahrheit des Geschlechts' liefern Deutungen, Erklärungen und/oder dienen der Schuldabwehr – wie genderkritische Arbeiten unter anderem zum Verhältnis von Gedächtnis und Geschlecht gezeigt haben (Eschebach/ Jacobeit/ Wenk 2002).
Scham und Schuld über die nationalsozialistischen Verbrechen werden sowohl in der Literatur als auch im Film und ebenso in den Berichten über die Prozesse gegen Kriegsverbrecher/-innen in heteronormativ verfassten Gender-Stereotypen verhandelt. So bildet die heterosexuelle Liebesgeschichte in Literatur und Film häufig den Hintergrund, vor dem nach Verantwortung, Schuld und Scham gefragt wird. Dieses Phänomen findet sich z.B. in dem Bestseller "Der Vorleser" (1995) von Bernhard Schlink, der von einer Liebesgeschichte zwischen den Generationen erzählt. Anhand geschlechtlich codierter Schuld und Scham wird in diesem Roman eine Schuldabwehr durch die Erotisierung und Feminisierung der nationalsozialistischen Verbrechen geschaffen. Ebenso findet sich in Literatur und Film verstärkt seit den 1990er Jahren die Tendenz, Perspektiven auf die Zweite Generation nicht-jüdischer Deutscher zu etablieren, welche die Differenzen zwischen den Kindern der Opfer einerseits und den Kinder der Täter/-innen andererseits nivellieren und beide zu Opfern der Shoah erklären. Scham und Schuld sind geschlechtlich codierte Emotionen über die Erinnerung- und Entschuldungsdiskurse in der deutschen Vergangenheitspolitik verhandelt werden. Auch der Begriff der 'Schande' spielt in diese Diskurse mit hinein – und somit der zutiefst mit 'Männlichkeit' und Nation verbundene Begriff der 'Ehre'. Einen scheinbaren Gegensatz dazu bilden Darstellungen der 'Feminisierung des deutschen Volkes', die den Mythos der 'verführten deutschen Nation' festschreiben und der Schuldabwehr dienen. Auf der Konferenz soll aus vielfältigen, (inter-, trans-)disziplinären Perspektiven Scham, Schuld und Geschlecht im Erinnern und Verdrängen der Shoah nachgegangen werden. Anhand der Darstellungen von Schuld und Scham soll diskutiert werden, welche Funktionen die geschlechtlichen Codierungen erfüllen.
Inwiefern führt Schuldkonfrontation in geschlechterstereotype Flucht vor der Schuld? Ist Schuld ein Terminus, der Verantwortung und Handlungsmöglichkeit beinhaltet und Scham hingegen ein passives ohnmächtiges Gefühl für begangene Schuld? Inwiefern führt die Trennung von Scham und Schuld zu Schuldverschiebungen oder sogar zu Schuldabwehr? Wie verschränken sich diese beiden Begriffe in der literarischen Auseinandersetzung mit der Shoah? Neben keynote-Vorträgen, die den Geschlechtercodierungen von Scham und Schuld kultur-, literatur- und religionswissenschaftlich nachspüren, soll diesem Komplex unter verschiedenen Aspekten nachgegangen werden.


Panel 1: Vater, Mutter, Kind – und die Schuld der Täter/-innen

Wie wird der Nationalsozialismus und die Shoah im Familiengedächtnis der Täter/-innen verhandelt und welche Bedeutung kommt dabei der Kategorie Geschlecht zu? Wie wird Geschlechterdifferenz im Erinnern inszeniert, reproduziert und bedeutsam gemacht? Inwiefern ist der Begriff der Generation und Generativität an geschlechtsspezifische Rollenmuster gebunden? Wie wird das Wissen bzw. Schweigen über nationalsozialistische Verbrechen weitergegeben? Inwieweit ist Schuldig-werden Teil der familiären Subjektbildung und beeinflusst die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Schuld der Eltern (des Vaters, der Mutter)? Ist Scham – als Gefühl der emotionalen Reue, als Beschämung im Angesicht der Verbrechen der Eltern – nach 1945 ein Gefühl auf Seiten der nicht-jüdischen Deutschen? Wie äußert sich diese Beschämung und welchen Einfluss hat sie auf die Darstellung der Schuld in narrativen Texten? Wird 'das Kind' als eine Kategorie jenseits geschlechtlicher Zuordnungen verstanden?


Panel 2: Schuld und Sühne: Geschlechtercodes der Religionen

In Scham und Schuld überschneiden sich religiöse und geschlechtliche Deutungsmuster (z.B. Sündenfall, Erbsünde und die ‚Schuld der Frau‘). In säkularisierter Form kehren diese Vorstellungen auch in der Auseinandersetzung mit der Shoah wieder. Wie wirken religiöse Geschlechtercodierungen in (zeitgenössischen und retrospektiven) Darstellungen der Shoah weiter? Welche religiösen Traditionen konstituieren hier die Kategorie Geschlecht? Wie kann ein kritischer Austausch zwischen jüdischer und christlicher Theologie aussehen, der die religiösen Deutungsmuster von Scham und Schuld reflektiert? Welche Bedeutung wird religiöser und religionskritischer Literatur im Widerstand, in Entschuldungsversuchen und im Erinnern zuteil? Wie werden religiöse Konzepte von Scham und Schuld in der literarischen Auseinandersetzung mit der Shoah reorganisiert? Welche Geschlechtercodierungen zirkulieren im jüdisch-christlichen Dialog nach der Shoah und prägen Debatten um Scham und Schuld?


Panel 3: Iustitia

Welche vergeschlechtlichten Konzepte von Recht und Gesetz liegen den Auseinandersetzungen mit Schuld nach der Shoah zugrunde? Welche Rolle spielt das Geschlecht der Anklagenden und Angeklagten in den Nachkriegsprozessen? Ist Verantwortung und damit Schuldfähigkeit an bestimmte Vorstellungen von 'Männlichkeit' gebunden? Welche realen Handlungsmöglichkeiten von nationalsozialistischen Täter/-innen gab es und wie werden diese gedeutet? Wie werden Sexualisierungen und Pathologisierungen von nationalsozialistischen Täter/-innen als Deutungsmomente eingesetzt? Welche Bedeutung haben diese Bilder, die in das kollektive Gedächtnis eingegangen sind, für die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischer 'Täterschaft'? Wie werden geschlechtlich codierte Vorstellungen von Täter/-innen und Opfern anhand von geschlechtlichen Zuweisungen von Schuld und Unschuld hergestellt? Haben die Fotografien der 'ganz normalen' Wehrmachtssoldaten in der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944" das Verständnis von Schuld verändert? Wie veränder(te)n sich die literarischen Verarbeitungen der nahezu 'ikonischen' Täter/-innen (Adolf Eichmann, Irma Grese, Ilse Koch)? Welchen Einfluss hatte vor 1989 die Rechtsprechung in Ost- und Westdeutschland auf die Beurteilung der nationalen Schuldverarbeitung?


Panel 4: Wissensarchiv Psychoanalyse. Geschlecht, Scham und Schuld in Familien von NS-TäterInnen und MitläuferInnen

Ein psychoanalytisches Wissen aus der Therapie von Überlebenden prägt das Verständnis der traumatischen Auswirkungen der nationalsozialistischen Judenvernichtung auf die Überlebenden der Shoah und ihre Familien. An diese Erkenntnisse knüpfen literatur-, kultur- und medienwissenschaftliche Arbeiten an, die dieses 'Wissensarchiv' in jüngster Zeit auch zunehmend auf das Erleben nicht-jüdischer Deutscher und deren Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Täter/-innengeneration anwenden. Hierbei besteht die Gefahr, dass der Begriff der Extremtraumatisierung in diesen Diskursen eine Ausweitung erfährt, so dass der Eindruck entstehen kann, letztlich seien alle gleichermaßen Opfer des zweiten Weltkriegs. In manchen Debatten um das Leid der so genannten „Kriegskinder“ und deren „Kriegsväter und -mütter“ scheint es z.B., als solle der Krieg vom Nationalsozialismus und somit von der Schuld der Täter/-innen und Mitläufer/-innen bereinigt werden (Grünberg 2007). Mit der Psychoanalyse kann auf Seiten der Täter/-innen und Mitläufer/-innen, aber auch spezifisch nach der Weitergabe von Antisemitismus, Täter/-innenschaft, Scham und Schuld gefragt werden. In den Familien der TäterInnen und MitläuferInnen wird oftmals neben einem (Ver-)Schweigen über die nationalsozialistische Beteiligung der eigenen Familie auch eine (unbewusste) Abwehr von Scham und Schuld bei den Kinder und Enkel/-innen beobachtet. Gibt es in diesen Familien geschlechtsspezifische Umgangsweisen mit der 'zweiten Schuld' (Giordano 1987), dem Verschweigen der nationalsozialistischen Verbrechen auf der nicht-jüdischen Seite? Wie werden die Erfahrungen von Scham und Schuldoder deren Abwehr geschlechtlich codiert? Wie beeinflusst die NS-Familiengeschichte das individuelle Bild von Weiblichkeit, Männlichkeit und Sexualität in den nachfolgenden Generationen?


Panel 5: Bewegte Scham: Vergeschlechtlichte Shoah in politischen Bewegungen nach 1945

Neben einer Schuldabwehr ist aber auch eine Annahme der nationalsozialistischen Schuld festzustellen, die diese in ein positives Bild der deutschen Nation integriert. Wird – und wenn ja wie – (die deutsche) Nation über Scham- und Schulddiskurse hergestellt? Kann Scham als visuelles Erblickt-werden ein nationales Gefühl sein? Soll durch stereotype weibliche Figuren anhand dieser Scham von Schuld 'reingewaschen' werden? Inwieweit sind solche Codierungen an das Geschlechtermodell der 'trauernden Frau' gebunden? Wie verhält sich Scham zu Schande (Walser Debatte: 'unsere – deutsche – Schande') und inwiefern werden hier nationale Ehrgefühle verhandelt? Wie wurde im geteilten Deutschland im Kontext politischer Bewegungen (z.B. APO, Friedensbewegung) die Shoah vergeschlechtlicht? Welche geschlechterpolitischen Konsequenzen wurden aus Scham- und Schulddiskursen abgeleitet? Welche Bedeutung kommt hier dem sekundären Antisemitismus und dem Philosemitismus zu? Wie prägen Misogynie und Homophobie das Erinnern in Politiken und in politischer Literatur nach der Shoah?


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CALL FOR PAPERS
Conference
„Shame and Guilt. Gendered (Sub-)Texts of the Shoa”
14-15 November 2008, Humboldt-University, Berlin
Organiser:
Research Training Group „Gender as a Category of Knowledge”
(Humboldt-University Berlin), funded by the DFG (German Research Foundation)

We would like to announce a conference on „Shame and Guilt. Gendered (Sub-)Texts of the Shoa”, taking place 14 - 15 November 2008 at the Humboldt-University, Berlin. We invite PhD-students and Post-docs doing research on the subject, to give presentations up to 25 minutes. An abstract of approximately 500 words (3000 characters) should be send by e-mail to Subtexte@web.de. Please attach a short CV, and let us know whether any audio-visual equipment is required. The deadline for proposals is 1 June 2008. Presentations may be given either in German or in English. Decisions concerning the call will be announced by 1 July 2008. Please note: In exceptional cases there is a possibility to cover travel expenses.
We are looking forward to hearing about your ideas!

Conference, 14-15 November 2008, Humboldt-University, Berlin
„Shame and Guilt. Gendered (Sub-)Texts of the Shoah”
Konstanze Hanitzsch, Sven Glawion and Nadine Teuber (Panel 4)

" […] alles andere hätte irgendwie noch einmal gutgemacht werden können, wie in der Politik ja alles einmal wieder gutgemacht werden kann. Dies nicht. Dies hätte nie geschehen dürfen." (Hannah Arendt)

Shame and guilt constitute central narratives through which the crimes of the Holocaust are represented. For survivors of the Nazi persecution and genocide, these narratives provide a medium to come to terms with their highly traumatic experiences. In contrast to this, Nazi perpetrators produced their own counter-narratives in order to either negate the Shoah or to rewrite it by transforming it into a German, i.e. nationalist myth. Our conference looks at the ways in which memories marked by shame and/or guilt are explored from the perpetrator position.

The 1980s were marked by controversy focusing on the status of the woman as victim during the Third Reich (Lanwerd/Stoehr 2007). Whereas up to that point, guilt was most often conceived of as male, more recent studies explicitly put their focus on female Nazis. Until today, however, neither the construction of gender nor the function of gender within the symbolic order have been sufficiently addressed. Our conference has a twofold goal: First, it attempts to focus on both female and male Nazi perpetrators.
Second, gender codes which determine either memories and/or the forgetting of the Shoah are taken into account. Based on these propositions, the following questions arise: What connection exists between these gender codes and crimes committed during the Holocaust? If perpetrators seek to pose as victims, can such behaviour be understood as an attempt at self-exoneration or even empowerment?

Shame and guilt, the gender coding of these concepts and their strategic-discursive deployment in “narratives” of the Shoah are the central concerns here. As critical studies of gender and memory, for example, have shown, the “truth of sex” or the “truth of gender” can generate meanings, provide explanations or function as a rejection or denial of guilt (Eschebach/Jacobeit/Wenk 2002).

Literature and film, along with reports on trials against war criminals, deal with conceptions of shame and guilt by negotiating prescribed hetero-normative gender stereotypes. Here, the heterosexual love story is often used as a background upon which questions of responsibility, shame and guilt are projected. This is the case, for example, in Bernhard Schlink’s bestselling novel The Reader (1995), which tells an inter-generational love story. This text deals with gender codings of shame and guilt, in particular the eroticisation and feminization of crimes committed under the Nazi regime, as an aesthetic means of denying or mitigating guilt. Moreover, by focusing on second-generation non-Jewish Germans, literature and films of the 1990s show a strong tendency to elide differences between the children of victims and the children of perpetrators, on the other, portraying members of both groups as victims of the Shoah.

Shame and guilt are gendered emotions through which discourses of memory and contrition are negotiated as part of the political processes of coming to terms with the German past. The term “disgrace” also plays a role here, and with it the concept of “honour”, itself highly charged with notions of “masculinity” and the nation. In apparent contrast to this are representations of the “feminized German nation”, which inscribe the myth of the “German nation led astray”, and thus function to displace questions of guilt.

The conference encourages diverse discussions encompassing inter- and trans-disciplinary points of view on the issues of shame, guilt and gender which determine both the memory and the forgetting of the Shoah. Representations of shame and guilt shall be taken as starting points for discussions of the functions fulfilled by their gender coding.

To what degree does the confrontation with guilt provoke gender-stereotypical evasive responses? Does the term “guilt” signify responsibility and ability to act, whereas “shame”, in contrast, implies incapacity and passivity? To what extent does the differentiation between shame and guilt invite the displacement or the outright rejection of a sense of guilt? How are these two concepts linked in the literary engagement with the Shoah?

In addition to keynote speeches which will investigate shame and guilt in terms of gender codings from different perspectives (including cultural, religious and literary), our topic shall be approached under the following aspects.

Panel 1: Father, Mother, Child – and the Guilt of Male and Female Perpetrators

How are the issues of Nazi terror and the Shoah negotiated within the collective memory of the family of perpetrators, and what is the function of gender categories? How is the issue of gender difference enacted, reproduced and semantically charged within processes of memory? To what extent must the conceptions of generation and generativity be juxtaposed with gender-specific role models? What strategies are employed to pass on knowledge or “silences” about Nazi crimes? To what degree does becoming guilty (in the sense of “Oedipal guilt”, for example) already play a role in the formation of the self within the family, and how does this then influence the process of coming to terms with the parents’ (whether father’s or mother’s) guilt? Can a feeling of shame – in the sense of humiliation with regard to crimes committed by the parental generation – be attributed to non-Jewish Germans after 1945? How is this humiliation articulated and how does it influence representations of guilt in narrative texts? Is it possible to understand the “child” as a category beyond gender categories?


Panel 2: Crime and Punishment: Religious Gender Codes

Discourses of religion and gender intersect in issues of shame and guilt (e.g., the fall of man, original sin and “woman’s guilt”). Reinterpreted from a secular point of view, these motifs permeate critical discussions about the Shoah. How do religious gender codings continue to generate meaning in representations of the Shoah? Which religious traditions are relevant for the constitution of the category of gender? What can a critical and fruitful exchange between Jewish and Christian traditions which reflects their conceptions of shame and guilt look like? What impact does religious literature or literature critical of religion have in the context of resistance, questions of guilt and in processes of memory? What strategies are employed in literary texts to re-define the conceptions of shame and guilt? What gender codings are present in and underlie the Jewish-Christian dialogue after the Shoah?


Panel 3: Iustitia

What gendered legal concepts mark the critical debates over guilt after the Shoah? What role does the sex of the accuser and the accused play in the context of post-war trials? Must the complex issue of legal and/or moral responsibility be exclusively conceived in terms of masculinity? What possible courses of action did male and female Nazis have and how are these to be interpreted? How are trends toward the sexualization and pathologization of Nazi criminals employed to generate meaning? What relevance does such imagery, as part of the collective memory, gain in discussions about Nazi crimes? How do gender-specific representations of both perpetrators and victims, founded on gendered notions of guilt and innocence, come into being? Did the photographs depicting 'the ordinary soldier' collected in the now-legendary exhibition "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" have the power to change the perception of guilt? How have literary treatments of “iconic” perpetrator figures (such as Adolf Eichmann, Irma Grese, or Ilse Koch) changed? What influence did legal practices before 1989 in East and West Germany have on judgements of the national processes of working through guilt?


Panel 4: Psychoanalysis as an Archive of Knowledge. Gender, Shame and Guilt in Families of Nazi Perpetrators and Nazi Tolerators

The psychoanalytical knowledge gained through the therapeutic treatment of the survivors of the Shoah and their families provides an important source for our current understanding of the influence of the traumatic experience of the Holocaust on these individuals. Recent studies, which have dealt with this topic from different angles, including cultural, literary and media-specific approaches, show a marked tendency to transfer this particular knowledge to non-Jewish Germans and their attempts to come to terms with the crimes committed by Nazi-delinquents. In doing so, however, these approaches risk an over-general application of the concept of “extreme traumatisation,” implying that everyone was equally a victim of the Second World War. As a result, in some debates, the suffering of the so-called “children of war” and their parents seems to purge the war itself of its connection to National Socialism and thus to the guilt of Nazi criminals and those who tolerated the Nazi regime (Grünberg 2007). Psychoanalysis provides an appropriate analytical framework for investigating patterns of shame and guilt found in perpetrators and tolerators and to trace the mechanisms responsible for the propagation of Anti-Semitism. In families of Nazi perpetrators and tolerators, one observes not only a tendency to maintain silence about involvement with the Nazi regime but also an (unconscious) rejection of shame and guilt on the part of their children and grandchildren. Are there gender-specific attitudes in such families in the process of coming to terms with the “second guilt” (Giordano 1987), or silence about National Socialist crimes on the part of non-Jewish community? How are experiences of shame and guilt, or the rejection of them, gender coded? What influence does a Nazi family history have on the following generation and their individual perceptions of femininity, masculinity and sexuality?


Panel 5: “Movements” of Shame: The Gendering of the Shoah in Political Movements after 1945

Alongside strategies of repressing or guilt linked to the Nazi past, there is also a tendency to accept this guilt and integrate it into a positive image of German national identity. Is the formation of (German) national identity then necessarily based on discourses of shame and guilt? Could shame, with its visual implication of “being seen”, be a feeling of national identification? Should this shame be “washed clean” of guilt through the use of stereotyped figures? To what extent are such gender codings connected with the gendered model of the “mourning widow”? What is the relation between shame and disgrace (as in the debate sparked by Walser’s phrase, "our German disgrace"); and to what extent is this connected with negotiations of feelings of honour and national pride? How was the Shoah gendered in East and West Germany before the fall of the Wall (APO, Peace-Movement)? What gender-political consequences are generated by the discourses of shame and guilt? How do “secondary Anti-Semitism” and “Philosemitism” function in this context? What influence do misogyny and misanthropy have on politicised processes of memory and on political literature after the Shoah?

(Translation: Ines Detmers, Jennifer Cameron)


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss01.06.2008
Beginn14.11.2008
Ende15.11.2008
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeGenderforschung; Literatur 1880 - 1945
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.11.00 Stoffe. Motive. Themen; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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