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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Kleists Topographien (Schwerpunktthema des Kleist-Jahrbuchs 2014)"
RessourcentypCall for Papers
TitelKleists Topographien (Schwerpunktthema des Kleist-Jahrbuchs 2014)
BeschreibungSpätestens seit der DFG-Tagung "Topographien der Literatur" vor zehn Jahren ist das Raumparadigma Gegenstand auch der germanistischen Forschung. Obwohl in den Diskussionen dieser Tagung Kleist immer wieder erwähnt wurde, finden sich im Tagungsband nur punktuelle Hinweise. Auch die Kleist-Forschung weist in dieser Hinsicht größere Lücken auf, obgleich Untersuchungen vereinzelt den Fokus auf die Topographie gelegt und damit das Erkenntnisinteresse daran offengelegt haben.

Alle größeren Biographien bemühen sich um ein genaueres Bild von Kleists Lebensstationen und Reisewegen. Zudem finden sich speziellere Studien zum Beispiel zu Idyllen, Garten-, Landschafts- und Städtebildern, Räumen und Landschaften als Gedankenfiguren, Räumen der Zeichen, Bildern der Grenze und der Übergänge. Dabei standen für die topographischen Beschreibungen vor allem die Briefe immer wieder im Fokus des Interesses (so zuletzt in den Kleist-Tagungen 2011 in Krakau und 2012 in Berlin), aber in einzelnen Studien auch z.B. die geopolitischen Verknüpfungen von Staat und Territorium in der "Herrmannsschlacht", zu Images eigener und fremder Länder und Regionen und (post-)kolonialen Topographien, zu realen und metaphorischen Räumen wie Hölle und Paradies, Brücken und Torbögen oder auch zu weniger beachteten Räumen wie Gefängnissen und Schweinekoben.

Hier gilt es anzusetzen und Kleists literarische Raumgestaltungen erneut zu reflektieren. Dabei erscheinen markante Zimmer, ihre Interieurs und Funktionen (z.B. Eingangsbereich, Küche, Schlafzimmer), Gebäudetypen (Hütten und Häuser, Kirchen und Klöster, Paläste, Schlösser und Ruinen) und Außenbereiche (z.B. Rampe, Garten und freies Feld) ebenso relevant wie Städte- und Landschaftstypen (z.B. Großstadt und Dorf, Zentrum und Peripherie, Fluss und See, Flachland und Gebirge) und ihre zeitgenössischen Reflexionen in Polizeiordnungen, Geographie, Städtebau, Landschaftsarchitektur, Ästhetik usw. Auch der Fokus auf das "Haus" als juristische Institution in Hausväterliteratur, Kameralistik und ökonomischen Theorien mag neue Perspektiven aufzeigen. In diesem Zusammenhang wäre zu fragen, ob sich im Hinblick auf Kleists erzählte Räume eine "Poetik des Raumes" (Bachelard) oder auch eine räumliche "Atmosphäre" (Böhme) ausmachen lässt, ob sich "Passagen" (Benjamin) oder "Heterotopien" (Foucault) finden.

Gerade die Denkfigur der Bewegung eröffnet Anschlussmöglichkeiten an neuere Raumkonzepte, seien es Überlegungen zu "Praktiken im Raum" (de Certeau), zum "wayfaring" (Ingold) oder zum "glatten" bzw. "gekerbten Raum" als Perspektive des Nomaden bzw. Sesshaften (Deleuze/Guattari). Auch Verkehrswege für den Transport von Korrespondenz und Information, Personen und Gütern können als Transiträume gelten, die z.B. in Augés Vorstellung des "Nicht-Orts" eine zentrale Rolle spielen. Selbst Truppenbewegungen und Schlachtordnungen, für die Kleist stets großes Interesse zeigte, sind zugleich Handlungs- und Denkräume.

Nachzudenken wäre zudem nochmals erzähltechnisch über Semantisierungen der Topographie (Lotman) und Verräumlichungen von Sprache (Genette) sowie theatertheoretisch/-praktisch über Bewegungs- und Bühnenräume im Anschluss an die Tagungen der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft zur Theatralität und zu Choreographien (2000 bzw. 2006).

Es ist also an der Zeit, neuere Raumkonzepte dahingehend zu überprüfen, ob sie zur weiteren Aufklärung über Kleists Werke - und vielleicht auch über sein Leben - beitragen können. Zudem bietet das Kleist-Jahrbuch 2014 Raum für neuere Trouvaillen und Entdeckungen zu Kleists Topographien, auch in Form von Miszellen.

Einsendeschluss ist der 18. Mai 2014. Das Kleist-Jahrbuch 2014 wird im Oktober 2014 im Verlag J.B. Metzler erscheinen. Inhaltliche Nachfragen richten Sie bitte an Dr. Ingo Breuer (ingo.breuer@uni-koeln.de). Ein redaktionelles Merkblatt ist auch erhältlich von Sebastian Goth, an den bitte die fertigen Manuskripte einzusenden sind (sebastian.goth@uni-koeln.de).
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss18.05.2014
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
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