VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft"
RessourcentypCall for Papers
TitelKongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft
BeschreibungCall for Papers

Episteme des Theaters

12. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft
25. bis 28. September 2014 an der Ruhr-Universität Bochum

Begriffe, Formen und Äußerungsbereiche des Theaters haben sich im 20. Jahrhundert fortwährend gewandelt, ebenso wie die sozialen, politischen, medialen und technischen Konturen unserer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund vervielfältigen sich die Fragen des Theaters, das sich „im Zeitalter des Raumes“ (Foucault) zunehmend in seiner Abhängigkeit von räumlichen und situativen Kontexten begreift. Räume werden nicht als gegeben, sondern als hergestellt und veränderlich aufgefasst. Betont werden das Aneinanderreihen, die Gleichzeitigkeit von Nahem und Ferne, das Nebeneinander, das Zerstreute sowie Prozesse der Raumbildung. Die spektakuläre Anordnung aus dem 18. Jahrhundert, in der eine Aufführung auf der einen Seite gegeben und auf der anderen gesehen (gehört) wird, regelte die Verhältnisse zwischen Repräsentanten und Akteure einerseits und Zuschauern (Zuhörern) andererseits als ein striktes Gegenüber. Im 20. Jahrhundert löste sich diese Anordnung zunehmend auf. An ihre Stelle treten heute Relationsgefüge mit wechselnden Nachbarschaften, heterogenen Lagen und Bezugnahmen. Im Horizont dieser Veränderungen stellt sich die Frage nach Theater (im weitesten Sinne) neu; dies betrifft ebenso die Frage nach der Epistemologie von Theaterwissenschaft. Die Gesellschaft für Theaterwissenschaft will mit ihrem Kongress 2014 in Bochum dazu beitragen, sich mit der disziplinären Konstitution des Faches auseinanderzusetzen, die Gegenstände und Arbeitsbereiche der Theaterwissenschaft neu zu verhandeln und in dieser Hinsicht innovativ zu werden.

Die Herausbildung der Theaterwissenschaft als eigenständigem Fach in Lehre und Forschung verlief keineswegs kontinuierlich. Ihre Ablösung aus der Philologie vor etwa neunzig Jahren und der Prozess ihrer akademischen Etablierung (zunächst in München, Wien, Köln und Berlin) sind durch Versuche zur politischen Vereinnahmung, durch Verwicklungen prominenter Fachvertreter in den Nationalsozialismus, durch Irrwege und Umbrüche geprägt. Unterschiedliche theoretische Traditionen, künstlerisch-praktische und -politische Bezugssysteme begleiteten nach 1945 die langsame und fragile institutionelle Verankerung der Theaterwissenschaft an den Universitäten. Diese wiederum haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten hinsichtlich ihrer disziplinären Strukturen und Selbstverständnisse radikal gewandelt, so dass eine Neubestimmung von Nachbarschaften und Interrelationen (Interdisziplinarität) notwendig wird. Angesichts neuerer Entwicklungen in der Literatur- und Medienforschung erscheint insbesondere die aus der Gründungsgeste des Faches hervorgegangene Dichotomie von werkgebundener Philologie und aufführungskonzentrierter Theaterwissenschaft revisionsbedürftig. Der Kongress will zu Weiterentwicklungen und produktiven Optionen anregen. Dabei stehen die drei klassischen Kategorien der Theaterwissenschaft auf dem Prüfstand: Theorie, Geschichte und Analyse.

Theorie: Episteme des Theaters fragt danach, wie wir unsere Gegenstände wissenschaftlich konstituieren und mit welchem Erkenntnisinteresse wir sie verbinden. Diese Frage will das Schema von Fortschritt und Überwindung hinter sich lassen und bricht gleichzeitig mit einer Vorstellung des Gegenwärtigen als dem vermeintlich unmittelbar Gegebenen. Das Aktuelle ist in kontextuellen Bezügen situiert, die sich nicht als solche erkennen lassen, sondern Fragen aufwerfen. Dazu zählen Fragen nach institutionellen Kontexten, dem Publikum und der Figur des Zuschauers, dem öffentlichen Raum als herzustellendem Raum sowie nach Koexistentialgefügen von menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren. In Frage stehen Milieus von Medien, Sinnesvermögen und Körpern sowie diverse Modalitäten und Praktiken von Subjektivierung und Affektivität im Zeichen von zunehmender Immaterialisierung und Kommerzialisierung. Im Rahmen der Unruhe der Formen und Neujustierung von Begriffen muss das Ästhetische selbst neu durchdacht werden.

Geschichte: Während konservative Historiker von den Anfängen aus auf die Gegenwart zugingen, so dass heutige Fragen bis zu einem gewissen Grad als immer schon in der Vergangenheit angekündigte erscheinen, so gehe Epistemologie vom Aktuellen aus auf seine Anfänge zurück (Canguilhem). Eine Betrachtung von Geschichte, die auf netzwerkartige Verknüpfungen fokussiert, erweitert das Schema des historischen Verlaufs des szenischen Feldes. Die Zeit des Theaters schließt das Vorher und Nachher nicht aus, aber sie ordnet es nicht zwingend und nicht ausschließlich nacheinander an. Vielmehr kennt sie unterschiedliche und wechselhaft dauernde Zeiten, die übereinandergeschichtet koexistieren. Die Zeit des Theater ist ein „unendliches Werden“ (Deleuze), das sich mit dessen Geschichte überschneidet, aber nicht mit ihr verschmilzt. Eine Epistemologie der Theatergeschichtswissenschaft sollte mit solchen über das Fach hinausgehenden Diskursen verbunden werden, die heute einen Ausgang aus der Geschichtsteleologie reflektieren.

Analyse: Der analytische Nachvollzug von empirischen Theaterereignissen wird durch Dramaturgien des künstlerisch-sinnlichen Experimentierens, durch szenisches Forschen bzw. die Analytik der Probe erweitert. Diese Beschäftigung wird derzeit in der Theaterwissenschaft intensiviert. Vielerorts entwickeln sich daraus eigene Studiengänge oder -schwerpunkte. Neben den empirisch-analytischen Nachvollzug tritt die entwerfende Geste. Ihr kommt in Bezug auf die zukünftige Gestalt und die zukünftigen Arbeitsfelder der Theaterwissenschaft besondere Bedeutung zu.

Der 12. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft wird vom Institut für Theaterwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum ausgerichtet – zeitgleich und in Kooperation mit der Ruhrtriennale unter der künstlerischen Leitung von Heiner Goebbels, die am 28. September 2014 endet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses haben die Möglichkeit, ausgewählte Vorstellungen der Triennale zu besuchen.

Für die aktive Teilnahme am Kongress sind zwei verschiedene Formate vorgesehen, zum einen das bekannte Format des Kurzvortrags (zwanzig Minuten), an den sich jeweils eine zehnminütige Diskussion anschließt. Zum anderen sind Themenforen mit ca. sechs Teilnehmenden vorgesehen, die sich jeweils mit einem Statement (10 Minuten) einbringen, um dann eine gemeinsame Diskussion von insgesamt 60 Minuten anzuschließen. Mit diesem Vorschlag hoffen wir, die Anzahl der Parallelsektionen verringern und die gemeinsame Arbeit und Diskussion stärken zu können.

Die Einzelvorträge sollen einen klaren Bezug zum Kongressthema aufweisen. Hierfür ist ein Abstract (max. 1.500 Zeichen) einzureichen. Themenforen sind thematisch frei, ein Bezug zum Kongressthema ist jedoch erwünscht. Sie können von Gruppen mit einem gemeinsamen Abstract (max. 3.000 Zeichen) vorgeschlagen werden. Ebenso gut ist es möglich, dass Einzelne ein Thema vorschlagen und knapp begründen (max. 1.200 Zeichen). Wir stellen aus den bekundeten Einzelinteressen Themenforen zusammen und machen ihre Zusammensetzung den Teilnehmenden im Vorfeld des Kongresses bekannt. Es bleibt den Themenforen überlassen, sich während des Kongresses auf Wunsch auch mehrfach zu treffen und über die Art der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse zu entscheiden.

Wir laden Sie herzlich dazu ein, sich mit einem Abstract in deutscher oder englischer Sprache und einer Kurzvita (max. 400 Zeichen) für die Teilnahme am Kongress zu bewerben. Bitte senden Sie Ihre Unterlagen bis zum 1. März 2014 in elektronischer Form (PDF) an:

KongressGTW2014@rub.de

www.rub.de/kongressgtw2014

Institut für Theaterwissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
D – 44801 Bochum


The Episteme of Theatre

The 12th Congress for the Society of Theatre Studies from September 26 to 28, 2014
at the Ruhr University of Bochum, Germany

The concepts, forms and areas of expression of theater have continuously changed in the 20th century, similar to the social, political, media and technical contours of our society. With this background, the questions related to theater are multiplied in the “epoch of space” (Foucault). These are considered in their dependencies to spatial and situational contexts. “Space” is not considered as a given but as manufactured and variable. Theater concepts stress the stringing together, the simultaneity of the close and the far, the condition of being side by side, dispersion, and the formation of space. The spectacular newly formalized arrangement which arose in the 18th century (with a presentation on one side and reception on the other side) established the relationship between actors and representatives on the one hand and the public as their counterpart on the other hand. In the 20th century, this disposition has increasingly dissolved. In place of this, we now have relational networks with changing ambiances, heterogeneous situations or positions and changing points of references. In the milieu of these changes, the questions related to theater (in its broadest conceptual dimension) are posed in a radically new manner. This equally relates to the Epistemology of Theatre Studies. The Society for Theatre Studies wishes to contribute with its congress in 2014 in Bochum to investigate the constitution of the discipline and the fields of Theatre Studies in a new connotation and to encourage innovation.

The development of Theatre Studies as an independent discipline in teaching and in research in German speaking countries has in no way been a continuous process. Its gradual detachment from the field of philology and the process of its academic establishment first took place in Munich, Vienna, Cologne and Berlin. These were strongly influenced by attempts at political takeover of the discipline through the ideological entanglement of prominent representatives of the field with the Nazis, the following of false paths and political upheavals. After 1945, the slow and fragile institutional establishment of Theatre Studies at the universities was accompanied by different theoretical traditions and artistic/practical or cultural/political relationships. On the other hand, these universities have radically changed in the last two decades as far as their disciplinary self-image is concerned. Therefore, a new definition of the surroundings and interrelationships (interdisciplinarity) of Theatre Studies is advisable. In view of new developments in literature and media research, it is necessary to revise the dichotomy of written philology and performance oriented Theatre Studies, which results from the formative programme (Max Hermann) in the early 1920’s. The congress wishes to encourage further theoretical developments and provide productive options. In this sense, the three traditional concepts of Theatre Studies (theory, history, and analysis) will be put on trial.

Theory: the Episteme of the theater poses the question, as to how we constitute our subjects in an academic manner and how to relate them to our differing cognitive interests. This problem should leave the pattern of progress and overcome previous models and break at the same time with the idea that the present is always imminent. On the contrary, the present moment is situated in contextual reference frames which are not clear as such at the first view, but raise multiple questions. These concerns are expressed in the institutional context, the public, the idea of the spectator, the public space (as a generative area), as well as the coactive structures of human and non-human actors. We will request different environments which are composed by the media, sensuality and our bodies, as well as diverse possibilities to become an autonomous individual and for affectivity in the context of increasing dematerialization and commercialization. Due to the instability of forms and the justifying of new terms, the field of aesthetics must be newly conceptualized.

History: While conservative historians have gone from the beginnings up to the the present in a chronological manner, so that to a certain degree one gets the impression that current problems have already been indicated in the past, Canguilhem claims that epistemology starts from the present and goes back to its beginnings. This is a historical view which focuses upon network connections and thus broadens the schema pattern of the Western historical course of the scenic field. The temporality of theatre does not exclude what has previously occurred and what may take place afterwards, but does not order this necessarily or absolutely in a successive manner. Instead, this concept of temporality recognizes different and changeable periods of time which coexist and lie upon each other in different anachronistic strata. The temporality of theatre is an “eternal process of becoming” (Deleuze) which is related to its history but not necessarily identical with it. The epistemology of the history of theater should be connected with the debates which nowadays reflect an attempt to overcome the idea of historical teleology.

Analysis: the analytical comprehension of given events in the theatrical world will be widened by artistic experiments in dramaturgy, through scenic research or by the analysis of try-outs. Currently, these activities are being intensified in the field of Theatre Studies. In many faculties, new university courses are developed out of this conceptual advancement. Besides this basic analytical comprehension, a creative movement has appeared with its “drafting gesture” towards the future. This has special importance in respect to the prospective form and the coming fields of work in Theatre Studies.

The 12th Congress of the Society for Theatre Studies will be organized by the Institute for Theatre Studies at the Ruhr University Bochum – in cooperation with the Ruhrtriennale under the artistic leadership of Heiner Goebbels which will end on September 28, 2014. There are two manners in which you can participate in the congress: the first is a short lecture, which will last twenty minutes, followed by a ten minutes discussion. The second possibility is a thematic forum with approximately six participants, who introduce their topics by a ten minutes statement and then follow with a collective discussion of about sixty minutes. With this suggestion, we hope to decrease the number of parallel panels and strengthen the cooperative work and discussions. The short lectures should have a clear relationship to the issues of the congress. Relating to this, please send us an abstract with a maximum of 1500 letters. In the case of thematic forums, you have more freedom concerning the choice of your topics; however, please link this to the main theme of the congress. You can organize your own group with a collective abstract containing a maximum of 3000 letters. You can also individually suggest a topic and give your arguments in a short abstract with a maximum of 1200 letters. Then we will try to combine your interests with those of others and construct a thematic forum and inform you in advance about your group and its other participants. It is up to the group or members of the forum to decide whether they want to meet once more during the congress and also to decide as to how their results will be printed in our publication. We warmly invite you to send us an abstract in German or in English and a short vita curricula (with a maximum of 400 letters) in order to participate in the congress. Please send your documents no later than March 1, 2014 in electronic form (PDF) to:

KongressGTW2014@rub.de

www.rub.de/kongressgtw2014

Institut für Theaterwissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
D – 44801 Bochum

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBochum
Bewerbungsschluss01.03.2014
PersonName: Milena Cairo 
Funktion: Kongresskoordinatorin 
E-Mail: infokongressgtw2014@rub.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Theaterwissenschaft 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 150  
Postleitzahl: 44801 
Stadt: Bochum 
E-Mail: infokongressgtw2014@rub.de 
Internetadresse: www.rub.de/kongressgtw2014 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeDramentheorie; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie; Theater (Aufführungspraxis)
Zusätzliches SuchwortTheaterwissenschaft
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.02 Drama
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/37558

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 26.02.2014 | Impressum | Intern