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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Warten als Kulturmuster"
RessourcentypCall for Papers
TitelWarten als Kulturmuster
BeschreibungWarten als Kulturmuster

Interdisziplinärer Workshop im Rahmen der Tübinger Graduiertenakademie am Deutschen Seminar der Eberhard Karls Universität Tübingen, 27.06. −28.06.2014

Organisation:
Julia Kerscher M.A.: julia.kerscher@web.de
Xenia Wotschal: xenia.wotschal@student.uni-tuebingen.de
Daniel Kazmaier: daniel.kazmaier@uni-tuebingen.de

Warten ist allgegenwärtig. Wir warten auf den Bus, die Bahn oder das Flugzeug, in der Warteschleife der service-hotlines, an der Supermarktkasse, auf die nächste Folge der Lieblingsserie, auf das erste Mal oder auch auf den richtigen Lebenspartner, beim Arzt, auf eine gute oder schlechte Diagnose, manche warten auf ein Spenderorgan oder sogar den Tod. Flüchtlinge warten auf Ausreise oder Rückkehr, auf Asyl oder Abschiebung und Gläubige erwarten sehnlichst einen bzw. den Messias. So verwundert es nicht, dass auch in der Literatur viel gewartetwird. Penelope wartet auf die Heimkehr von Odysseus, der Minnesänger auf die Erhörung durch die Minnedame, Tristan auf die Rückkehr von Isolde. Hebels Unverhofftes Wiedersehen (1811) ist eine Geschichte über das Warten, der Roman des 19. Jahrhunderts betont den Zusammenhang von Warten und Liebe, ja macht diese Komplizenschaft zum plot, wie bei Jane Austen oder invertiert in Dickens‘ Great Expectations (1860/61). Vladimir und Estragon warten auf Godot, die Exilierten bei Feuchtwanger und Seghers auf die Heimkehr, die Ausreise oder das Ende des Krieges.

Wenn das Warten entweder zur Signatur kultureller Krisenzustände wird oder im Modus der Hoffnung als Erwartung erscheint, wird es zum Kulturmuster,das die Welt kategorial erschließt und gleichzeitig an eine gesellschaftliche Praxis bindet (Daniel Fulda). Somit bewegt sich das Phänomen des Wartens an der Schnittstelle, an der sich Semantiken und Symbolsysteme mit bestimmten sozialen Bedürfnissen verbinden: Freud erklärt das Warten in Gestalt des Triebaufschubs zu einem Grundpfeiler der Sozialisation. Psychoanalytisch gesehen bedingt es einerseits die Kulturfähigkeit des Menschen, andererseits erkennt die Philosophie das inhaltslose Warten, die Langeweile, als eine anthropologische Gegebenheit.

Aus den genannten Beispielen lassen sich drei systematische Kategorien gewinnen, die das Warten als Kulturmuster strukturieren. Erstens Zeitlichkeit: Warten bezieht sich immer auf einEnde. Ohne die Imagination eines Endes kann nicht gewartet werden. Zweitens Räumlichkeit: Gewartet wird in eigens dafür ausgestalteten Räumen und setzt Ferne oder Abstand zum ersehnten Bezugspunkt voraus. Drittens Geschlecht: Warten ist eine historisch weiblich konnotierte Kategorie (Roland Barthes), die im Wandel der Zeit, wie viele der angeführten Beispiele zeigen, Umcodierungen erfährt. In einem Workshop wollen wir dieses Phänomen, das in der literaturwissenschaftlichen Forschung bislang zu wenig Beachtung gefunden hat, in den Fokus nehmen. Anhand der drei vorgeschlagenen systematischen Kategorien soll erprobt werden, inwiefern die Literatur unter dem Blickwinkel von Warten als Kulturmuster gewinnbringend erschlossen werden kann.

Dazu wollen wir folgenden Fragen nachgehen:
Wie kann man den Zusammenhang zwischen Warten und Erzählen fassen? Egal, ob inhaltlich oder strukturell motiviert, ob in der Novellentradition (Boccaccio, Goethe), dem Briefroman, den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht oder beim Warten auf die neue Folge oder Staffel einer Fernsehserie.
Wie werden die Zeitlichkeit und die Zeiterfahrung des Wartens in der Literatur dargestellt? Wird die Erfahrung des Wartens an die Leserin den Leser weitergegeben? Das heißt, welche rhetorischen und narrativen Verfahren setzen Warten in Szene? Wie figurieren Texte das Phänomen des Wartens?
Welche Räume strukturieren die Wahrnehmung von Warten bzw. wie strukturiert Warten den Raum?
Welche Gendersemantiken sind an das Phänomen des Wartens geknüpft bzw. welche Bedeutung(en) erlangt Warten für die Gender-Kategorie(n)?
Inwiefern gibt es einen Zusammenhang zwischen Warten und Unverfügbarkeit?
Inwiefern kann man Warten anthropologisch verstehen?

Organisatorisches:
Die Vorträge sollten einen Aspekt des Themas in systematischer Hinsicht aufgreifen, gerne auch zu Texten, die hier nicht genannt wurden, wobei der Austausch mit den anderen Disziplinen besondere Berücksichtigung finden darf.
Als key note speaker konnten gewonnen werden: Annette Keck (Literaturwissenschaft, München), Susanne Marschall (Medienwissenschaft, Tübingen), Martin Kirschner (Theologie, Tübingen)
Vorschläge mit Titel und kurzem Abstract (max. 500 Wörter) werden bis zum 31.03.2014 erbeten an daniel.kazmaier@uni-tuebingen.de
Die Vortragsdauer sollte 25 Minuten nicht überschreiten. Reise- und Übernachtungskosten für die Vortragenden können übernommen werden.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortTübingen
Bewerbungsschluss31.03.2014
Beginn27.06.2014
Ende28.06.2014
PersonName: Daniel Kazmaier 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: daniel.kazmaier@uni-tuebingen.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur- u. Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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