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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Autorschaft in den Inszenierungen des Autors "
RessourcentypCall for Papers
TitelAutorschaft in den Inszenierungen des Autors
BeschreibungUNIVERSITE JEAN MONNET Saint-Etienne
Groupe de Recherches et d'Etudes sur la Culture Allemande :
Composante du Centre d'Etudes sur les Littératures Etrangères et Comparées

CALL FOR PAPER

Autorschaft in den Inszenierungen des Autors
und des Künstlers im deutschsprachigem Raum

Internationales Kolloquium für Germanisten: 24. bis 25. November 2014, Université Jean Monnet Saint Etienne (Frankreich)

Im Rahmen des Kolloquiums geht es darum zu untersuchen, wie der Begriff der auctoritas (Autorschaft) in den verschiedenen Bildern des nicht ausschließlich im literarischen Sinne, sondern auch als Schöpfer eines Kunstwerks aufzufassenden Autors, Gestalt annimmt. Bei der Rezeption eines Werkes wird das Bild des Autors ständig aktualisiert und im Lichte neuer soziokultureller Verhältnisse angereichert. Im Laufe der Jahrhunderte haben Schriftsteller und Künstler ihre öffentliche Tätigkeit nicht so wie ihre Vorgänger aufgefasst, noch haben sie ihr Image so wie letztere aufgebaut, denn ihr Status hat sich je nach den gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen gewandelt. Der Begriff der Autorschaft ergab keinen Sinn für den Troubadour oder für den Hofdichter, die weder das Ansehen, noch die Freiheit ihrer Zunftgenossen während der Aufklärung, oder später im Zeitalter der vom Erscheinen einer weit verbreiteten Presse gekennzeichneten Industrialisierung, genossen. In der Moderne konnte die Figur des Künstlers an Individualität gewinnen, sich durchsetzen und gar in den Vordergrund treten. Sie wurde manchmal sogar dank des Erfolgs der Biographien oder der oft zur Hagiographie neigenden Reportagen zum Objekt der Verehrung. Dann wurde der Begriff der Autorschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Avantgarde und die gewaltigen Veränderungen der literarischen und künstlerischen Institutionen dekonstruiert. Nach dem proklamierten „Verschwinden des Autors“, infolge dessen die Strukturalisten die Analyse eines literarischen Werkes von der Person seines Verfassers absonderten, wohnt man heutzutage einer „Wiederkehr des Autors“ bei. Dieser wird nicht mehr einzig und allein als der Träger einer Biographie angesehen, dank der man sein Werk deuten könnte, sondern als ein vielschichtiges Gebilde, das die Kritik, deren moderne Kommunikations-, Vermarktungsmittel und der damit verbundene Starkult von außen her schufen. Oder er entstand von innen her durch seine „postures littéraires“(MEIZOZ Jérôme, Postures littéraires. Mises en scènes modernes de l’auteur, Genève, Slatkine, 2007), die allesamt Selbstinszenierungen sind und von den Massenmedien gefördert werden.

Wir nehmen uns vor, den Begriff der Autorschaft im Zusammenhang mit den Entstehungsformen des einen oder anderen „images“ dieses oder jenes Autors oder Künstlers zu untersuchen, und zwar sowohl im Laufe der letzten Jahrhunderte, als auch in unserer Zeit, in der sich dem Autor unzählige neue Möglichkeiten bieten, an seinem literarischen oder künstlerischen Image zu arbeiten. Es scheint nunmehr ausgeschlossen, letzteres zu erforschen, ohne den von Bourdieu als „champ littéraire“ bezeichneten Bereich zu berücksichtigen, der der Autorschaft eine bis heute ungenügend beleuchtete, vielschichtige Dichte verleiht.

In ihren Untersuchungen schlagen Gunter E. Grimm und Christian Schärf zum ersten Mal eine synthetische Analyse der internen oder externen Autoren-Inszenierungen vor. Dies soll für uns eine Anregung sein zur Betrachtung der Selbstinszenierungen des Künstlers in den ihn darstellenden Porträts oder Skulpturen, und zwar unter Berücksichtigung der Attribute der schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit, der lobreichen oder kritischen Verweise auf irgendeinen Vorgänger oder Berufsgenossen. Darüber hinaus kann man auch beobachten, wie ein Autor oder Künstler durch Selbstfiktion, als Teilung der Autorschaft verstandene Intertextualität, (Bsp. Ein weites Feld von Günter Grass), Fernsehinterviews, Preisträgerreden, Autorenlesungen, Performances, musikalische Zitate und Motive (Bsp. Umsetzung des Namens BACH in die Noten B.A.C.H durch den Thomas-Kantor selbst und viele andere Komponisten), Autoporträts von Malern seine Autorschaft in Szene setzt. Autobiographische Literatur wird außer Acht gelassen, weil sie schon öfters von der Forschung in Betracht gezogen wurde. Was die externen Künstler-Inszenierungen anbetrifft, können bei der Analyse die Prozesse der Fiktionalisierung eines Autors herangezogen werden, wenn letzterer in einer literarischen oder filmischen Fiktion als Figur auftritt. Auβerdem erweitern und bereichern die technischen, technologischen und digitalen Möglichkeiten die Vielfalt der Autorenbilder: Fotografie, Interviews, Fernsehreportagen, Poetry Clips und Poetry Slams sind zahlreiche neue Mittel im Dienste der Autoren-Inszenierung. In solchen Fällen wird man sich fragen, welche Rolle dabei dem Autor selbst zufällt, welche dem Initiator der Inszenierung oder dem Produzenten und worin ihre Zusammenarbeit besteht, um dann die Vermarktungsstrategien eines Kunstwerks anhand des Image seines Schöpfers identifizieren zu können.

Diese Untersuchungen beabsichtigen eine diachronische und synchronische Analyse der Entstehung oder der Dekonstruktion der Autorschaft; es soll versucht werden, ein synthetisches Bild von den Wechselwirkungen zwischen den „postures auctoriales“ und den externen Autoren-Inszenierungen, von der Entwicklung des Begriffs der Autorschaft im Laufe der Zeit, und von den Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Rezeption eines beliebigen Autors und seines Werkes entstehen zu lassen.

Anmeldegebühr:
35 € TTC für Doktoranden
60 € TTC für sonstige Kategorien

Reisekosten werden von Ihrem Forschungszentrum übernommen. Wir sorgen für Verpflegung und Übernachtung.

Ihre Vorschläge sind bitte spätestens bis zum 16. Mai 2014 an folgende Email -Adresse zu schicken:
Dr. Jean-Pierre Chassagne : jean.pierre.chassagne@univ-st-etienne.fr
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortSaint Etienne
Bewerbungsschluss16.05.2014
Anmeldeschluss30.06.2014
Beginn24.11.2014
Ende25.11.2014
PersonName: CHASSAGNE Jean-Pierre 
Funktion: Maître de Conférences 
E-Mail: jean.pierre.chassagne@univ-st-etienne.fr 
KontaktdatenName/Institution: CELEC de l'Université de Saint Etienne 
Strasse/Postfach: Bâtiment M - Site Tréfilerie 35 rue du 11 novembre 
Postleitzahl: 42023 
Stadt: Saint Etienne cédex 02 
Telefon: 04 77 42 16 66 
E-Mail: nadine.lair@univ-st-etienne.fr  
LandFrankreich
BenutzerführungFranzösisch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Zusätzliches SuchwortAutorschaft
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/37497

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