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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Diegesis: Erzählen und Lüge"
RessourcentypCall for Papers
TitelDiegesis: Erzählen und Lüge
BeschreibungCall for Papers

DIEGESIS. Interdisziplinäres E-Journal für Erzählforschung / Interdisciplinary E-Jour-nal for Narrative Research 4.1

Erscheinungstermin: Juni 2015

Thema: Erzählen und Lüge

Abgabefrist für Abstracts: 31.3.2014
Abgabefrist für angenommene Aufsätze: 31.12.2014

Zum THEMA:
Auch wenn nicht alle unwahren Aussagen sich zu einer Geschichte fügen, und nicht alle Erzähler lügen, scheint es sinnvoll, nach dem Verhältnis von Lüge und Narration zu fragen. Gattungstheoretisch fällt die Lügengeschichte in das Gebiet der Erzähltheorie; aber auch in einer historischen Perspektive liegt eine Transformation vor zwischen den "Wahren Geschichten" Lukians, den verschiedenen Münchhausiaden des 18. und 19. Jahrhunderts und schließlich Wolfgang Hildesheimers "Lieblosen Legenden". Über dieses Genre hinaus führt die Erscheinung narrativer Unzuverlässigkeit, die mit der Lüge zwar nicht kongruent, aber zumindest affin ist. Ein weites Feld der Forschung bietet schließlich die Fiktion, beginnend mit dem paratextuellen und performativen Aspekt der Fälschung über die Erscheinung der fiktiven Zeugnisse, welche die Form der Testimonialliteratur usurpieren, bis zu den Freiheiten der Autofiktion.
Alle diese Begegnungen von Erzählung und Lüge, sei es im Genre der Lügengeschichte, im narrativen Verfahren des unzuverlässigen Erzählens oder einer mehr oder weniger aufrichtig präsentierten Fiktion, haben zu einer auffälligen Menge von poetologischen oder metapoetischen Texten Anlass gegeben. Die bekannte Bemerkung im zehnten Buch von Platons "Staat" spricht zwar nicht spezifisch von Erzählung; die "Arbeit am Mythos" (Hans Blumenberg) bringt jedoch mit den vermeintlichen Wahrheiten der Vergangenheit immer wieder auch Erzählungen der Vergangenheit zu Ende: die heidnischen Göttermythen, die frommen Legenden der Christenheit, die Abenteuerromane des Mittelalters, die romantischen Geschichtserzählungen werden nacheinander Gegenstand literarischer Überwindung und Verarbeitung, erzeugen Geschichten über Geschichten wie "Don Quijote", "Tristram Shandy" oder "L’Éducation sentimentale".
Neben die Arbeit am Mythos tritt in der Moderne zunehmend eine Arbeit an der Fiktion, welche die Grenzen literarischer (und somit auch erzählerischer) Kommunikation zu überschreiten strebt. Prominentes Zeugnis dieser Arbeit ist eine Anekdote über Franz Kafka: Einem über den Verlust ihrer Puppe untröstlichen Mädchen soll er erzählt haben, diese sei lediglich zu einer längeren Reise aufgebrochen. Diese Lüge stützt der Autor in der nachfolgenden Zeit, indem er dem Mädchen verschiedene Briefe schickt, welche vermeintlich die Puppe verfasst habe; bis hin zu dem glücklichen Ende der Korrespondenz: frisch verliebt und auch verheiratet bittet die Puppe das Mädchen um Verständnis, dass es aufgrund der neuen Situation nicht mehr schreiben könne. "Die Lüge mußte also durch die Wahrheit der Fiktion in Wahrheit verwandelt werden", folgert Dora Diamant, der wir die Anekdote verdanken (Dora Diamant: „Mein Leben mit Franz Kafka“. In: Hans-Gerd Koch [Hg.], "Als Kafka mir entgegenkam …" Erinnerungen an Franz Kafka. Berlin 1995, S. 174–185.).
Für unser Heft mit dem Themenschwerpunkt "Lüge" suchen wir Aufsätze, die das Verhältnis von Erzählen und Lügen in den soeben skizzierten Perspektiven untersuchen. Erwünscht sind Texte von ca. 15-20 Seiten Umfang, die beispielsweise die narrativen Aspekte der Lügengeschichte oder das Erzählen von Lügen mit den Mitteln historischer Erzähltheorie erforschen. Mit Blick auf ein bestimmtes literarisches Verfahren können z. B. Formen und Funktionen des Lügens im Zusammenhang unzuverlässigen Erzählens analysiert werden. Ein weites Gebiet sind die metanarrativen und metafiktionalen Kommentare, die das Lügen in Zusammenhang mit dem Erzählen stellen. Schließlich bieten sich kulturwissenschaftliche und anthropologische Zugänge zum Verhältnis von Fiktion und Lüge und ihren verschiedenen historischen Konstellationen an (Arbeit am Mythos, Fälschung, Autofiktion usw.). Bei der Entwicklung von Fragestellungen zu diesen Themengebieten sollte in gleichem Maße auf die interdisziplinäre Öffnung wie auf einen engen Bezug zu erzähltheoretischen Diskussionen geachtet werden; die Aufsätze sollten ihren erkennbaren Schwerpunkt in der Erörterung des Verhältnisses von Erzählen und Lüge haben.
Wir bitten um Abstracts von max. einer halben DIN-A4 Seite bis spätestens zum 31.3.2014. Bitte fügen Sie außerdem eine akademische Kurzvita bei. Schicken Sie beides an die DIEGESIS-Redaktion: diegesis@uni-wuppertal.de (PD Dr. Matthias Aumüller, Dr. Filippo Smerilli und Antonius Weixler). Über die Annahme der Abstracts entscheiden Redaktion und Herausgeber bis zum 30.4.2014. Die Zusendung der fertigen Aufsätze im Umfang von ca. 15-20 Seiten, die vor der Publikation ein anonymisiertes Peer-Review-Verfahren durchlaufen, erwarten wir bis zum 31.12.2014. Der Erscheinungstermin des DIEGESIS-Themenhefts "Erzählen und Lüge" ist im Sommer 2015.

Wir suchen außerdem fortlaufend REZENSIONEN zu Neuerscheinungen aus allen Bereichen der Erzählforschung (maximal der letzten 3 bis 4 Jahre), und zwar auch hier ausdrücklich disziplinübergreifend, also nicht etwa nur aus den Philologien. Vorschläge für Rezensionen (in Form von einfachen Titelnennungen der zu besprechenden Bücher und ergänzt durch kurze Informationen zum akademischen Lebenslauf) können jederzeit an die oben genannte Redaktionsadresse geschickt werden. In der Regel können wir Rezensionsexemplare bei den Verlagen besorgen.

Über DIEGESIS:
Das von der DFG geförderte E-Journal DIEGESIS. Interdisziplinäres E-Journal für Er-zählforschung / Interdisciplinary E-Journal for Narrative Research erscheint als Open-Access-Publikation ausschließlich im Internet (www.diegesis.uni-wuppertal.de).
Der hohe wissenschaftliche Standard der in DIEGESIS veröffentlichten Forschungsbei-träge wird durch ein kompetitives Auswahlverfahren für Beiträge zu Themenheften so-wie ein Peer Review-Verfahren gesichert.
Herausgegeben wird die Zeitschrift an der Bergischen Universität Wuppertal und in Kooperation mit dem dortigen Zentrum für Erzählforschung (ZEF) (www.zef.uni-wuppertal.de) von den Professoren Matei Chihaia (Romanistik), Sandra Heinen (Anglistik), Matías Martínez (Germanistik), Michael Scheffel (Allgemeine Literaturwissenschaft) und Roy Sommer (Anglistik).

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DIEGESIS
Interdisziplinäres E-Journal für Erzählforschung / Interdisciplinary E-Journal for Narrative Research

Herausgegeben von / Edited by
Prof. Dr. Matei Chihaia
Prof. Dr. Sandra Heinen
Prof. Dr. Matías Martínez
Prof. Dr. Michael Scheffel
Prof. Dr. Roy Sommer

Redaktion / Executive Team
Dr. Matthias Aumüller
Dr. Filippo Smerilli
Antonius Weixler
Carolin Gebauer

E-Mail: diegesis@uni-wuppertal.de

URL: www.diegesis.uni-wuppertal.de

Postadresse / Mailing Address:
Redaktion DIEGESIS
Bergische Universität Wuppertal
Fachbereich A:
Geistes- und Kulturwissenschaften
Gaußstraße 20
42119 Wuppertal
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.diegesis.uni-wuppertal.de
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.03.2014
PersonName: Antonius Weixler 
Funktion: Redaktion 
E-Mail: diegesis@uni-wuppertal.de 
KontaktdatenName/Institution: Redaktion DIEGESIS.  
Strasse/Postfach: Gaußstr. 20 
Postleitzahl: 42119 
Stadt: Wuppertal 
Internetadresse: www.diegesis.uni-wuppertal.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Erzähltheorie; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Ediert von  H-Germanistik
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