VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Lessings Erbe? Theater als diskursive Institution"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelLessings Erbe? Theater als diskursive Institution
BeschreibungLessings Erbe?
Theater als diskursive Institution

REIHE „THEATER UND UNIVERSITÄT IM GESPRÄCH“: SYMPOSIUM XVI

ZEIT UND ORT
Sonntag, 2. Februar 2014, 9.30 – 17.30 Uhr, im Thalia Theater in der Gaußstraße
Gaußstraße 190, Hamburg-Altona.

Das gegenwärtige Theater sucht auffällig häufig auch jenseits der Aufführung von Theaterstücken den Dialog mit seinem Publikum. Es führt mit teilweise theaterpädagogischem Impetus gezielt unterschiedliche Altersgruppen an Aufführungsprojekte heran, erläutert seine Inszenierungen vor Beginn der Vorstellung und bereitet sie in Publikumsgesprächen nach. Das Theater veranstaltet Lesungen und Autorengespräche, um alte Stoffe und neue Themen in ihrer Relevanz für die gegenwärtige Bühne und darüber hinaus vorzustellen. Es kooperiert mit anderen Institutionen der Stadt, greift in Diskussionsforen gesellschaftlich aktuelle Fragen auf und bietet wissenschaftlichen Symposien Raum, die sich mit aktuellen Inszenierungen diskursiv auseinandersetzen. Dieses Anliegen des Theaters, sich im urbanen Raum dialogisch auszurichten, ist nicht einseitig. Auch seitens der interessierten Öffentlichkeit besteht unzweifelhaft rege Nachfrage nach sachkundigen Analysen und vermittelnden Erläuterungen neuer Inszenierungen und Projekte.

Angesichts dieser vielfältigen Wechselprozesse stellen sich zahlreiche Fragen bezüglich der diskursiven Signatur des Theaters. Wird das Bedürfnis nach Austausch allein schon durch das gemeinsame, nicht selten emotional aufwühlende Erlebnis einer Aufführung evoziert? Könnte es sein, dass ein verändertes Verständnis über das, was ein Stück ist, und die Ausdifferenzierung intermedialer Inszenierungsstile heute in besonderer Weise zu kritischen Auseinandersetzungen herausfordern? Oder sollte uns ein Blick auf die Entstehung und Entwicklung des deutschsprachigen Theaters verdeutlichen, dass die Bühnenkunst immer schon diskursiv ausgerichtet war und ist? Sind wir dann gehalten, uns aus heutiger Perspektive die im 18. Jahrhundert entwickelte Idee vom Theater als Bildungsinstitution noch einmal genauer anzusehen? Verständigte sich seinerzeit ein aufgeklärtes Bürgertum kritisch über Wertvorstellungen und damit sich selbst, so gilt also zu fragen, worüber wir uns bei der heutigen Diskussion über Theater eigentlich austauschen.

Für diesen Fragezusammenhang, der auf dem Symposium erörtert werden soll, kann Lessing einen ersten Anhaltspunkt geben, denn seine „Hamburgische Dramaturgie“ ist als erster ambitionierter Versuch zu verstehen, dem Publikum Formen des europäischen Theaters zu erklären und Kriterien der Beurteilung von Stücken und Inszenierungen an die Hand zu geben: So heißt es in seiner programmatischen Ankündigung: „Diese Dramaturgie soll ein kritisches Register von allen aufzuführenden Stücken halten, und jeden Schritt begleiten, den die Kunst, sowohl des Dichters, als des Schauspielers, hier tun wird.“ Dabei ging es Lessing auch um ästhetische Geschmacksbildung und Kritikfähigkeit, denn selbst bei mittelmäßigen Stücken sah er die Chance, dass „der unbefriedigte Zuschauer wenigstens daran urteilen lernt.“ Auch wenn Lessings Vermittlungsversuchen nur mäßiger Erfolg beschieden war, erlebt die von ihm intendierte diskursive Kultur des Theaters in unseren Tagen eine Blütezeit. Dabei spielen performative Formen, mit denen die Unmittelbarkeit des geteilten theatralen Ereignisses besonders hervortritt, eine besondere Rolle, wie dies die geschäftsführende Dramaturgin am Thalia Theater Hamburg Beate Heine betont: „Für uns Theaterschaffende stellt sich die Frage, welche Wege soll das Theater, das sich als Kunstbetrieb begreift, beschreiten angesichts des ökonomischen Drucks, der immer wieder aufflammenden Legitimationsfrage und der Wandlungsprozesse in der Medien- und Migrationsgesellschaft? Dass soziales Gefüge und Lebensformen durch die technologischen und gesellschaftspolitischen Umwälzungen dramatisch herausgefordert werden, ist inzwischen ein Gemeinplatz, der aber nicht an Brisanz verliert und alle Institutionen, einschließlich des Theaters, in Not bringt. Denn nicht nur Ästhetiken, Themen und Probleme verändern sich, sondern auch Anforderungen und Kompetenzen – auf Seiten der Theatermacher wie auf der des Publikums. Fähigkeiten, die auf einen ästhetischen Bildungshorizont der bürgerlichen Schicht rekurrieren, werden zur Disposition gestellt.“
Vor diesem Hintergrund geht es auch bei Theaterfestivals nicht allein um die Präsentation herausragender Inszenierungen und eine Selbstfeier der Bühnenkunst in ihrer ganzen Bandbreite, sondern auch um die Überprüfung des gesellschaftlichen Stellenwerts der dem Theater zukommt. Mit der dialogisch orientierten Zusammenstellung eigener und eingeladener Produktionen und der Eröffnung von Diskussionsforen reflektiert sich das Theater als Impulsgeber für die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen wie auch in seiner Weltoffenheit und transnationalen Verbindung mit anderen Theaterkulturen. Das Symposium lädt dazu ein, sich im Rahmen der LESSINGTAGE 2014 mit der Idee des Theaterfestivals und der interkulturellen Signatur des Gegenwartstheaters näher zu beschäftigen. Dabei wird ausgehend von Lessings Vermittlungsleistung zwischen Bühne und Zuschauern nach der Bedeutung des diskursiven Theaters für die global vernetzte Zivilgesell-schaft gefragt. Prominente Experten loten die Bedeutung des deutschsprachigen Theaters aus und erörtern, in welcher Weise es der Förderung bedarf, um es im Sinne eines „immateriellen Weltkulturerbes“ in dieser lebendigen Form auch erhalten und in seiner produktiven Vielfalt weiterentwickeln zu können.


Programm:

9.30 Uhr
Begrüßung und Einführungsvortrag
Die Idee der Lessingtage
Joachim Lux, Intendant Thalia Theater Hamburg

Lessings „Hamburgische Dramaturgie“
und die Idee eines interkulturell diskursiven Theaters
Prof. Dr. Ortrud Gutjahr, Universität Hamburg

Den Bürgern eine Bühne?
Theaterkultur im aufklärerischen Hamburg
Prof. Dr. Bernhard Jahn, Universität Hamburg

Festivals als Explosivkörper. Herausforderungen für eine kulturpolitische Wende
Dr. Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele

11.00 Uhr
Diskussion
Moderation: Beate Heine

12.00 Uhr
Mittagspause

13.00 Uhr
Das Theater: repräsentativ und performativ – ein Paradox?
Beate Heine, geschäftsführende Dramaturgin am Thalia Theater Hamburg

Affekt und Diskurs im alten und neuen Theater
Prof. Dr. Hans-Thies Lehmann, Berlin

Was heißt und zu welchem Ende Förderung für das Theater?
Prof. Barbara Kisseler, Kultursenatorin der Stadt Hamburg

Die deutsche Theaterlandschaft als immaterielles Weltkulturerbe?
Prof. Klaus Zehelein, Präsident des Deutschen Bühnenvereins; Präsident der Bayerischen Theaterakademie August Everding

14.30 Uhr
Diskussion
Moderation: Ortrud Gutjahr

15.30 Uhr
Kaffeepause

16.00 Uhr
Lesung aus Lessings „Hamburgische Dramaturgie“
Sebastian Rudolph, Thalia Theater Hamburg

Theater als diskursive Institution: Worüber ist auf und jenseits der Bühne eigentlich zu sprechen?
Kurzstatements aller Referent/inn/en und Abschlussdiskussion

Moderation: Maike Schiller, Ressortleiterin Kultur Hamburger Abendblatt

Ende der Veranstaltung ca. 17.30 Uhr


Idee und Organisation: Prof. Dr. Ortrud Gutjahr, Institut für Germanistik, Universität Hamburg.
Tel.: 040 42838-277
E-mail: sekretariat.gutjahr@uni-hamburg.de

Web: http://www.thalia-theater.de/h/repertoire_33_de.php?play=1004

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHamburg
Beginn02.02.2014
Ende02.02.2014
PersonName: Prof. Dr. Ortrud Gutjahr 
E-Mail: sekretariat.gutjahr@uni-hamburg.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeDramentheorie; Medien- u. Kommunikationstheorie; Theater (Aufführungspraxis)
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/36764

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 20.01.2014 | Impressum | Intern