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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Literatur, Sprache und Institution"
RessourcentypCall for Papers
TitelLiteratur, Sprache und Institution
BeschreibungCall for Papers: Literatur, Sprache und Institution
Vom 23. bis zum 26. Oktober 2014 wird in Łódź das 21. Treffen österreichischer und polnischer Germanist_innen stattfinden. Die Tagung ist gleichzeitig die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Germanistik 2014.

Literatur, Sprache und Institution

Die Bereiche ‚Literatur‘, ,Sprache‘ und ‚Institution‘ scheinen auf den ersten Blick denkbar weit voneinander entfernt zu liegen. Literatur ist als autopoetisches System autonom und dürfte (idealiter) keinen funktionalen Zwängen unterliegen. Sprache hingegen ist ein autonomes, d.h. selbstregulierendes System, welches – entgegen der mittlerweile als überholt geltenden normativen Grammatiktradition – keiner Regulation bedarf. Die Institution dagegen übt, kraft ihrer Rolle in demokratischen (wie auch nichtdemokratischen) Gesellschaften, gerade solche Zwänge und Regulierungsleistungen aus: Institutionen standardisieren, stabilisieren und regeln das Funktionieren der Gesellschaften, so machen sie die Gesellschaft erst möglich. Mit Literatur und Sprache hat die Institution wohl nur eine Funktion gemeinsam – beide haben einen Anteil an der Sozialisierung der Individuen innerhalb einer Gemeinschaft. Allein aufgrund dieser Funktion lassen sich weitere Berührungspunkte zwischen Literatur, Sprache und Institution benennen, die um ein solches nicht unwesentliche Phänomen wie gesellschaftlich vermittelbare Wertemaßstäbe oszillieren.
Dabei kann Literatur auf der Ebene der Inhalte eine Reflexion über Institutionen innerhalb der jeweiligen Gesellschaft vermitteln und damit befragt sie immer auch ihre eigene Position gegenüber geltenden Wertehierarchien wie auch ihre eigene gesellschaftliche Autonomie. Folgende Aspekte können dabei von Bedeutung sein:
- Selbstbefragung: inwiefern ist die literarische (bzw. künstlerische) Produktion tatsächlich als abgekoppelt von institutionellen Zwängen realisierbar? Zu denken sei an die Tätigkeit von Institutionen, die die Förderung von AutorInnen ermöglichen, sowie an die Dynamiken (bzw. Moden und Trends) im Bereich des literarischen Marktes. Hierzu bietet ebenfalls das zeitgenössische Theater Stoff zur kritischen Reflexion, hinzuweisen sei auf die geradezu zwanghaft selbstreflexive Geste solcher Autoren und Regisseure wie Rene Pollesch oder Frank Castorf.
Dies gilt in ähnlicher Form auch für die Sprache: Inwiefern ist das System Sprache wirklich losgelöst von der möglichen Einflussnahme durch Institutionen? Sind die beobachtbaren Sprachwandelphänomene der Sprachgeschichte und die sprachliche Variation (wie in den Dialekten, Regiolekten und Soziolekten, aber auch im kindlichen Erst- und Zweitspracherwerb) beziehbar auf sprachliche Institutionen bzw. sprachliche Institutionalisierung?
- Ebene der Produktion: Lässt sich ein Wandel des Konzepts entweder Autorschaft (für das System Literatur) oder des Sprechers/Sprachlernenden (für das System Sprache) beobachten: Inwiefern bestimmen Institutionen die Position des Autors/Sprechers als gesellschaftlicher Instanz, welche Institutionen sind es?
- Thematisierung der Rolle der Institutionen: welche Institutionen kommen in den literarischen Texten vor (z.B. Theater, Museum, Archiv, Kirche, Universität, Schule, Staat als Institution, politische Institutionen), wie werden sie dargestellt, worin besteht ihre jeweilige Bedeutung innerhalb der Diegese, welche Verfahren dienen der Darstellung von Institutionen (z.B. Erzählperspektive, diskursive Markierung)?
Dasselbe gilt für Sprache: Inwieweit lässt sich auf Diskursebene die Thematisierung von Institutionen feststellen, wie und mit welcher diskursspezifischen Funktion werden sie dargestellt?
- Jenseits der Institutionen: lassen sich in der zeitgenössischen Literatur Konzepte finden, in denen eine Wirklichkeit jenseits der Institutionen (als positive wie auch negative Utopie) entworfen wird? Ist hiervon auch die Sprachebene (wie bspw. die bewusste Erfindung von grammatischen Konstruktionen oder Wörtern) betroffen?
- Wandelbarkeit der Institutionen: Reflektieren a) literarische und b) nicht-literarische Texte bzw. Sprachdokumente Veränderungen, denen manche Institutionen unterliegen (etwa: Universität, Kirche), wie wird die jeweilige historische Perspektive auf einen solchen Wandel erreicht und was vermittelt sie?
- Parallelisierung von Sprache und Literatur über eine Kritik der Institutionen: Norbert Bolz diagnostizierte unlängst im Zusammenhang mit der Übermacht des „vorsorgenden Staates“: „Institutionen sind Schemata der Freiheit; sie entlasten uns zur höheren Kombinatorik der Lebensführung.“ Inwieweit machen sich in den nichtfiktionalen Textgenres (Essay, Manifest, Rede) anti-institutionellen Affekte bemerkbar? Welche Argumentationslinien werden von den kritischen AutorInnen bzw. Sprachproduzenten bevorzugt?

Zur Teilnahme an dieser Tagung laden wir herzlich ein und erbitten bis zum 10. Februar um ein maximal einseitiges Exposé mit Vortragstitel. Wir bitten um Verständnis, wenn nicht alle Angebote berücksichtigt werden können.
Die Exposés bitte per mail an: kalinakupczynska@gmail.com
Die Organisatorinnen und Organisatoren der Tagung sind bemüht, einen möglichst hohen Beitrag zur Unterstützung der Reise- und Übernachtungskosten einzuwerben.
Im Rahmen der Tagung werden die Wendelin Schmidt-Dengler Wissenschaftspreise vergeben. Neben dem Wendelin Schmidt-Dengler Preis für österreichische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist dabei der ‚Internationale Wendelin Schmidt-Dengler Wissenschaftspreis‘ besonders zu erwähnen, der an nichtösterreichische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben wird, deren Dissertation einen Bezug zu Österreich aufweist. Dieser Preis ist ab 2014 mit 2500 Euro dotiert. Nähre Informationen dazu auf www.oegg.org.

TagungsveranstalterInnen:
Prof. Joanna Jabłkowska (Łódź)
Prof. Stefan Müller (Wien)
Dr Kalina Kupczyńska (Łódź)
Dr Artur Pełka (Łódź)


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLodz, Polen
Bewerbungsschluss10.02.2014
Beginn23.10.2014
Ende26.10.2014
PersonName: Kupczynska, Kalina Dr 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: kalinakupczynska@gmail.com 
KontaktdatenName/Institution: Universität Lodz, Institut für Germanistik 
Strasse/Postfach: ul. Sienkiewicza 21 
Postleitzahl: 90-114 
Stadt: Lodz 
LandPolen
SchlüsselbegriffeLinguistik; Literaturwissenschaft
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.06.00 Literarisches Leben; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.07.00 Literaturzeitschriften
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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