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Ergebnisanzeige "Spielräume und Raumspiele in der Literatur, Tagung für PromovendInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen"
RessourcentypCall for Papers
TitelSpielräume und Raumspiele in der Literatur, Tagung für PromovendInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen
BeschreibungCfP: Spielräume und Raumspiele in der Literatur, Tagung für PromovendInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen, Berlin (Deadline: 15.03.2014)


(for English version see below)

Ort: Freie Universität Berlin, Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Datum: 4. bis 5. Juli 2014
Deadline: 15. März 2014
Organisation: Julia Dettke, M.A. (Berlin) und Elisabeth Heyne, M.A. (Münster)


„Jedes Spiel bewegt sich innerhalb seines Spielraums, seines Spielplatzes, der materiell oder nur ideell, absichtlich oder wie selbstverständlich im Voraus abgesteckt worden ist. […] Die Arena, der Spieltisch, der Zauberkreis, der Tempel, die Bühne, die Filmleinwand, der Gerichtshof, sie sind allesamt der Form nach Spielplätze, d.h. geweihter Boden, abgesondertes, umzäuntes, geheiligtes Gebiet, in dem besondere Regeln gelten.“ (Huizinga: Homo Ludens)

„[L]e discours qui fait croire est celui qui prive de ce qu'il enjoint [...] Il fait place à du vide. Par là, il ouvre des jours; il ‚permet‘ du jeu dans un système de lieux définis. Il ‚autorise‘ la production d'un espace de jeu (Spielraum) dans un damier analytique et classificateur d'identités. Il rend habitable. À ce titre, je le désigne comme une ‚autorité locale‘.“ (de Certeau: Arts de faire)

Spiel im Raum – Raum im Spiel: Gibt es Spiele nur durch räumliche Begrenzung? Und lassen sich Räume insbesondere durch spielerische Praktiken erschließen? Bereits Huizinga führt in seinem kanonischen Werk „Homo Ludens“ den Raum als entscheidende Voraussetzung ludischer Tätigkeit an. In umgekehrter Perspektive beschreibt etwa de Certeau das Erzählen als spielerische Raumpraktik, die maßgeblich einen Spielraum eröffnet. Zentral ist dabei die Dynamik zwischen öffnenden und schließenden Verfahren, zwischen Freiraum und Regelhaftigkeit, ‚contrainte‘ und Imagination, Alltag und magischem Ausnahmezustand, Zufall und Notwendigkeit: Die regelhafte Begrenzung eines Spielraums eröffnet erst einen potenziell unendlichen Möglichkeits- , Innovations- und Imaginationsraum.
Die Verbindung von Spiel und Raum weist auf eine grundlegende Interdependenz zweier kulturtheoretischer Schlüsselbegriffe hin, die gerade durch ihre ambivalente Aufladung virulent werden. Ihre systematische Verschränkung steht in der Forschung jedoch bislang aus. Die Nachwuchstagung „Spielräume und Raumspiele in der Literatur“ möchte vor diesem Hintergrund zwei aktuelle Forschungsachsen verbinden und zuspitzen. Denn einerseits hält das Interesse am Raum als Analysekategorie seit dem ‚spatial turn‘ noch immer an, wird ihr Potenzial kontinuierlich weiter diskutiert und differenziert. Zum anderen geben das konstante Interesse von Autoren (u.a. Schiller, Freud, Caillois, Huizinga) und LiteraturwissenschaftlerInnen (u.a. Anz, Matuschek, Motte, Poier-Bernhard) am Begriff ‚Spiel‘ sowie der jüngst ausgerufene ‚ludic turn‘ das Spiel ebenfalls als kulturanthropologisch wie textuell wirkmächtige Kategorie zu erkennen. Während der Fokus etwa der „game studies“ dabei auf einer multimedialen Perspektive liegt, möchten wir nach den spezifisch literarischen Charakteristika von Spielräumen und Raumspielen fragen.
Ziel der geplanten Nachwuchs-Tagung ist es, Spielräume und Raumspiele in der Literatur auf motivischer wie formalästhetischer Ebene in ihrem Wechselverhältnis herauszuarbeiten und so theoretisch wie werkanalytisch fruchtbar zu machen. Welche Formen von Spielräumen und Raumspielen tauchen in der Literatur, in fiktionalen aber auch faktualen Texten auf, und welche Funktionen erfüllen sie? Inwiefern werden sie sowohl innerhalb der Diegese, aber auch zwischen Leser und Erzähler sowie in der räumlichen Materialität des Buches (u.a. Seite, Schrift, Paratexte) relevant? Über welche den Raum strukturierenden Kräfte verfügt das Spiel?


Mögliche Untersuchungsgegenstände und -perspektiven sind dabei insbesondere (aber nicht ausschließlich):

1. Spielräume und Raumspiele als Motiv und Untersuchungsgegenstand

- Zusammenhang zwischen Raum und Spiel sowie zwischen Formen und Funktionen von Spielräumen und Raumspielen, z.B. Versteckspiel, Schach, Puzzle, Spielkarte, Arena, Rummelplatz, Bühne oder Labyrinth

- Raumspiele und Spielräume im Werk einzelner Autoren, z.B. Benjamin, Borges, Butor, Caillois, Calvino, Cortázar, Danielewski, Foer, Kafka, Ollier, Perec, Proust, Rabelais, Sterne

- In welcher Beziehung stehen Spielräume zu anderen Raumkategorien, z.B. zum sakralen Raum, dem Raum des Rituals oder panoptischen Räumen, etwa bei Durkheim, Foucault, Mauss, Girard, Bataille u.a.? Welche Rolle spielen räumlich gefasste Transgressionen dabei?

- Inwiefern eignen sich Zwischenräume, Schwellen und Passagen besonders als Spielräume?

- Wie werden Spiel-Raum-Konfigurationen kulturanthropologisch, poetologisch und/oder epistemologisch wirksam, z.B. bei Bachelard, Caillois, de Certeau, Foucault, Huizinga, Schiller, Turner?

- Wie gelingt das Betreten und Verlassen von Spielräumen? Wie wird demnach das Öffnen bzw. das Schließen dieser Räume in Texten inszeniert und auf der Verfahrensebene umgesetzt? Wie lassen sich diese Verfahren mit literaturtheoretischen Konzepten verbinden (z.B. von Barthes, Derrida, Eco)?

- Welchen ontologischen Status kann man dem Spiel zuweisen? Wo lässt sich das Spiel jeweils zwischen „heiligem Ernst“ (Huizinga) oder Spielen um des Spielens willen verorten?

- Wie werden bestimmte Anverwandlungen an den Raum und Raumdynamiken in Texten inszeniert oder vom Text selbst umgesetzt? Welche Funktion erfüllen dabei spielerische Elemente (u.a. Bachelard, Benjamin, Caillois, Proust)?


2. Spiele mit dem Textraum

- Fiktion, Dichtung oder Mimesis als Spiel(raum) (Freud, Huizinga, Caillois, Walton, Iser)

- Inwiefern kann der Text selbst zum Spielraum werden? Wie wird die Materialität des Buches, der Schrift oder der Erzählebenen, des diegetischen und grammatikalischen Raums sowie von Paratexten dabei spielerisch genutzt (u.a. Butor, Danielewski, Foer, Haas, Ollier, Perec)?

- der Leser als Mitspieler: Poetologische und rezeptionsästhetische Konsequenzen, z.B. bei Calvino, Cortázar, Iser

- In welcher Verbindung stehen regelhafte ‚contraintes‘ mit spielerischer Kreativität und wie ist die Verbindung von Spielraum, Textspiel und Imagination fassbar? (Iser)

- intertextuelle, intermediale und zitathafte Verfahren als spielerische Verbindung verschiedener medialer/künstlerischer Räume, z.B. bei Caillois, Simon, Robbe-Grillet

Organisatorisches:
Die Tagung wird vom 4. bis 5. Juli 2014 an der Freien Universität Berlin stattfinden und möchte PromovendInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen ein Forum für die Präsentation (ca. 25 min) und Diskussion ihrer Forschungsprojekte bieten. International und komparatistisch ausgerichtet steht sie allen Philologien sowie philosophischen und kulturwissenschaftlichen Zugängen offen. Als Keynote-Speaker konnten Prof. em. Dr. Gerhard Neumann (Berlin), Prof.’in Dr. Astrid Poier-Bernhard (Graz) und Dr. Regine Strätling (Berlin) gewonnen werden.
Den TeilnehmerInnen werden die Reise- und Übernachtungskosten erstattet, sofern diese nicht von ihrer Heimatinstitution übernommen werden können. Eine Veröffentlichung im Anschluss an die Tagung wird angestrebt.
Bitte senden Sie Ihre Beitragsvorschläge im Umfang von max. 250 Wörtern bis zum 15. März 2014 per E-Mail an raum.spiel@web.de. Neben Fragestellung und vorläufigem Titel des geplanten Vortrags sollten Ihre institutionelle Anbindung, Forschungsinteressen, gegebenenfalls Publikationen sowie Name, Email-Adresse und Anschrift enthalten sein.


Bei Rückfragen können Sie sich auch gern direkt an die Veranstalterinnen wenden:
Julia Dettke: julia.dettke@fu-berlin.de
Elisabeth Heyne: elisabeth.heyne@uni-muenster.de

http://bauformen-der-imagination.de/cfp-spielraume-und-raumspiele-in-der-literatur/


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English Version:


CfP: Play and Space in Literature (Spielräume und Raumspiele in der Literatur) Conference for PhD students and young researchers, Berlin (Deadline: March 15, 2014)

Where? Freie Universität Berlin, Peter Szondi Institute for Comparative Literature
When? July 4-5, 2014
Deadline for submissions: March 15, 2014
Organization: Julia Dettke, M.A. (Berlin) and Elisabeth Heyne, M.A. (Münster)


“All play moves and has its being within a play-ground marked off beforehand either materially or ideally, deliberately or as a matter of course. […] The arena, the card-table, the magic circle, the temple, the stage, the screen, the tennis court, the court of justice, etc., are all in form and function playgrounds, i.e. forbidden spots, isolated, hedged round, hallowed, within which special rules obtain.” (Huizinga: Homo Ludens)

„[L]e discours qui fait croire est celui qui prive de ce qu'il enjoint [...] Il fait place à du vide. Par là, il ouvre des jours; il ‚permet‘ du jeu dans un système de lieux définis. Il ‚autorise‘ la production d'un espace de jeu (Spielraum) dans un damier analytique et classificateur d'identités. Il rend habitable. À ce titre, je le désigne comme une ‚autorité locale‘.“ (de Certeau: Arts de faire)

Spaces by playing – Playing with space: Are spatial boundaries a necessary condition of play? And is play of particular significance in opening new spaces? Huizinga in his seminal work “Homo Ludens” claimed that space is a crucial requirement for ludic activity. In a complementary perspective, de Certeau describes narration as a spatial practice which opens up a “space of play” (Spielraum). This dynamic between processes of opening and closing, between freedom and rules, ‘contrainte’ and imagination, everyday life and magical states, coincidence and necessity is of great importance: it is the limitation by rules of a space of play which opens up a potentially infinite space of possibilities, imagination and creation.

The connection of play and space brings to light the fundamental interdependence of these two key concepts of cultural theory, which are widespread particularly because of their ambivalent meanings. Nevertheless, there is still no systematic research on their entanglement. The conference aims to bring these two research topics together and to refine them. On the one hand, interest in space has lead to a constant discussion and differentiation of the concept since the spatial turn. On the other hand, play is also a crucial concept in cultural anthropology and textual studies, as evinced by the recent ‘ludic turn’ and the large number of writers (e.g. Caillois, Freud, Huizinga, Schiller) and academics (e.g. Anz, Gascoigne, Matuschek, Motte) who are preoccupied with the notion of play. While, for example, game studies take a multimedial perspective, we want to focus on the distinctive literary characteristics of space and play.

The conference aims to analyze the interference of space and play on a motivic as well as on a formal level, and thus, to see how these concepts can be productive both for literary theory and for the analysis of individual texts. What kinds of spaces of play and play with spaces can we find in fictional and factual texts, and what functions do they fulfil? To what degree do they affect the story within the diegesis, but also between narrator and reader and within the spatial materiality (the page, the letters, paratexts) of the book? What space-building forces does playing set free?


Papers might address but are not limited to topics such as:

1. Motivic Approaches On Spaces Of Play And Playing With Space

- The connection between space and play as well as between forms and functions of spaces of play and playing with space, e.g. hide and seek, chess, puzzles, playing cards, arena, fairground, stage or labyrinth

- Spaces of play and playing with space in the works of specific authors, e.g. Benjamin, Borges, Butor, Caillois, Calvino, Cortázar, Danielewski, Foer, Kafka, Ollier, Perec, Proust, Rabelais, Sterne

- How are spaces of play related to other categories of space, e.g. sacred space, space of ritual, panoptic space, for instance in the works of Durkheim, Foucault, Mauss, Girard, Bataille amongst others? What is the role of spatial transgressions?

- Are spaces of the in-between, the threshold, the passage particularly suitable to become play-spaces?

- What is the cultural, poetological and/or epistemological significance of space-play relationships in the work of authors such as Bachelard, Caillois, de Certeau, Foucault, Huizinga, Schiller, Turner?

- How are play-spaces entered and exited? And, accordingly, how is the opening and closing of these spaces represented in texts, and by what processes are they realized? How are these processes related to concepts in literary theory (e.g. Barthes, Derrida, Eco, Genette)?

- What is the ontological status of play? Where can we best situate play between Huizinga's "sacred seriousness" and play for its own sake?

- How do texts represent or enact certain kinds of spatial adaptations or appropriations and spatial dynamics? What is the function of play elements in these processes? (e.g. Bachelard, Benjamin, Caillois, Proust)?


2. How Texts Play With Space

- Fiction, poetry and mimesis seen as (spatial) play (e.g. Freud, Huizinga, Caillois, Walton, Iser)

- To what degree and by which means can the text itself become a space of play? How can the materiality of the book, the letters or the narrative levels, the diegetic and the grammatical space and paratextual thresholds be used as construction material for play (e.g. Butor, Calvino, Danielewski, Foer, Haas, Mallarmé, Ollier, Perec)?

- The reader as a player and adversary: poetological and reader-response theory implications, for instance, in the works of Calvino, Cortázar, Iser

- How are regulatory constraints related to the creativity of play, and how can we best grasp the connection between play spaces, textual play and the imagination? (Iser)

- Intertextual, intermedial and quotelike processes as a playful way to connect different medial/artistic spaces (e.g. Caillois, Simon, Robbe-Grillet)

Organization:
The conference will be held July 4-5, 2014 at Freie Universität Berlin and wants to open a forum for the presentation (approximately 25 min) and discussion of research projects for PhD students and young researchers. The conference has an international and comparative focus and is open to all philologies as well as to philosophical and socio-cultural approaches. Confirmed keynote speakers are Gerhard Neumann (Berlin), Astrid Poier-Bernhard (Graz) and Regine Strätling (Berlin). Expenses for travel and overnight accommodation will be reimbursed, if they can’t be paid by your home institution. We intend to publish the conference papers.

How to apply:
Please send your abstracts (max. 250 words) to raum.spiel@web.de by March 15, 2014. The abstract should include the preliminary title, content and questions of the paper, as well as your name, email address, postal address, institutional affiliation, research interests and published publications.


If you have any questions, please feel free to contact:
Julia Dettke: julia.dettke@fu-berlin.de
Elisabeth Heyne: elisabeth.heyne@uni-muenster.de

http://bauformen-der-imagination.de/en/cfp-play-and-space-in-literature/

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss15.03.2014
Beginn04.07.2014
Ende05.07.2014
PersonName: Elisabeth Heyne 
Funktion: Doktorandin 
E-Mail: elisabeth.heyne@uni-muenster.de 
KontaktdatenName/Institution: Elisabeth Heyne 
Strasse/Postfach: Robert-Koch-Straße 29 
Postleitzahl: 48149  
Stadt: Münster 
E-Mail: elisabeth.heyne@uni-muenster.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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